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Und täglich grüßt das Murmeltier…auch in 2010!

Februar 7th, 2010 Posted in Die spinnen, die Amis!

Na? Sind an Lichtmeß endlich die letzten Weihnachtsbäume entsorgt worden? Sind die Sinne wieder frei für neue Festivitäten? Hier das Ergebnis des diesjährigen Orakels von Punxsutawney Phil: Weitere sechs Wochen Winter… Wir sprechen uns dann an Ostern wieder…

Das ist er übrigens:

groundhog.jpg

AKA:

 

Seer of Seers
Prognosticator of Prognosticators
Weather Predictor Extroidinaire
National Treasure
Most Photographed Pennsylvanian

Weather Philosophy: Phil has been predicting weather for over 120 years. He is accurate 100% of the time. Only the president of the inner circle talks with Phil and they usually keep their conversations on simpler topics.

Favorite Drink: Need you ask: the elixir of life. It gets Phil 7 years of life. Forget what it tastes like, the end result is pretty amazing.

On Feb 3, I’ll be busy: getting rest. It takes a lot of energy greeting the many faithful followers that come to Punxsutawney. Phil gets a lot of help from the members of the Inner Circle, but everyone is pretty tired by the end of the day on February 2.

On Groundhog Day Eve you can find me: resting, resting, resting.

If you want the inside scoop on the Inner Circle: Phil considers them like family. They do a good job of fielding questions and making sure I am protected and cherished. I guess you could say they are a heck of a posse.

To really experience Groundhog Day you have to: Believe. After all meteorologists are correct about 70% of the time. Phil is always right. To quote George Michael: You gotta have faith. Groundhog Day is growing every year because it has heart and soul. Come, meet strangers, sing, shiver and drink caffeine. It’s the best all night party in Pennsylvania.

Noch einiges Wissenswerte über die possierlichen Tierchen:

  • The average groundhog is 20 inches long and normally weighs from 12 to 15 pounds. Punxsutawney Phil weighs about 20 pounds and is 22 inches long.
  • Groundhogs are covered with coarse grayish hairs (fur) tipped with brown or sometimes dull red. They have short ears, a short tail, short legs, and are surprisingly quick. Their jaws are exceptionally strong.
  • A groundhog’s diet consists of lots of greens, fruits, and vegetables and very little water. Most of their liquids come from dewy leaves.
  • A groundhog can whistle when it is alarmed. Groundhogs also whistle in the spring when they begin courting.
  • Insects do not bother groundhogs and germs pretty much leave them alone. They are resistant to the plagues that periodically wipe out large numbers of wild animals. One reason for this is their cleanliness.
  • Groundhogs are one of the few animals that really hibernate. Hibernation is not just a deep sleep. It is actually a deep coma, where the body temperature drops to a few degrees above freezing, the heart barely beats, the blood scarcely flows, and breathing nearly stops.
  • Young Groundhogs are usually born in mid-April or May, and by July they are able to go out on their own. The size of the litter is 4 to 9. A baby groundhog is called a kit or a cub.
  • A groundhog’s life span is normally 6 to 8 years. Phil receives a drink of a magical punch every summer during the annual Groundhog Picnic, which gives him 7 more years of life.

Und hier noch die Geschichte hinter der Geschichte

 

Wer in den Neunzigern regelmäßig im Kino war, erinnert sich vielleicht noch an den Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“ mit Bill Murray und Andie MacDowell. Nun, wer sich an Frau MacDowells schauspielerische Gehversuche nicht erinnern kann, dem sei von Herzen gratuliert. Als alterndes Kosmetikmodel ist sie mir persönlich lieber… Aber wie auch immer, das Murmeltier, auf Englisch „groundhog“, spielt am 2. Februar jeden Jahres eine ganz wesentliche, wenn auch auf brutale Weise unfreiwillige Rolle in der US-amerikanischen und kanadischen „Kultur“. Und jetzt kommt´s! Das Ganze läßt sich nämlich erklären:

Am 2. Februar, der zum vierzigsten Tag nach Weihnachten erklärt wurde (ich hab nicht nachgezählt), wird in einigen christlichen Konfessionen Maria Lichtmeß gefeiert. Das hat im weitesten Sinn mit den heidnischen Ritualen unserer Vorväter zur Wintersonnenwende zu tun. Für Details wende man sich bitte an den Theologen seines Vertrauens. Wichtig ist, es gibt, wie zu vielen christlichen Festen, auch hier eine Wetterregel, die folgendermaßen lautet:

„Ist’s an Lichtmeß hell und rein,
wird´s ein langer Winter sein.
Wenn es aber stürmt und schneit,
ist der Frühling nicht mehr weit.“

Ich hätte mir ja sehr gewünscht, daß es heute stürmt und schneit, denn mir reicht es langsam mit dem Schnee und Eis.

So geht es auch vielen Amerikanern. Sie gehen bloß nicht in die Kirche, um den Tag zu begehen, sondern sind mal wieder im Freien unterwegs (sie sind „outdoorsy persons“, jedenfalls wenn es was zu feiern gibt…). Also wird seit 1887 in Punxsutawney, Pennsylvania am 2. Februar ein unschuldig vor sich hinschlummerndes Waldmurmeltier namens Punxsutawney Phil unsanft geweckt, um es aus seinem Bau zu locken. Das Ganze wird gerne mit Hilfe einer ohrenbetäubenden Brassband bewerkstelligt (ob Blasinstrumente silbern sein sollten, ist sicher Geschmackssache. Die Entscheidung darüber ist, ähnlich wie die über Andie Mc Dowell´s Talent, jedem selbst überlassen. Laut sind sie allemal…). Die Tradition des „Groundhog Day“ besagt, daß der Winter weitere sechs Wochen dauert, sollte Punxsutawney Phil ob des schönen Wetters seinen Schatten sehen können. Ist der Himmel aber bedeckt und Punxsutawney Phil somit nicht in der Lage, seinen Schatten zu sehen, dann ist der Frühling nicht mehr weit. Ein Tagebucheintrag eines Zeugen aus dem Jahr 1841 zu diesem Phänomen klingt ganz ähnlich wie die Wetterregel zu Lichtmeß (Candlemas):

„Last Tuesday, the 2nd, was Candlemas day, the day on which the Groundhog peeps out of his winter quarters and if he sees his shadow he pops back for another six weeks nap, but if the day be cloudy he remains out, as the weather is to be moderate.“

Lacht nicht, das Ganze ist angeblich von Deutschen erfunden worden. Also immer schön an die eigene Nase fassen! Daß die Amis daraus dieses Rambazamba machen, konnten die deutschen Siedler natürlich nicht voraussehen.

Laut wikipedia sah Punxsutawney Phil in den letzten 119 Jahren 96-mal seinen Schatten, 14-mal war das nicht der Fall – zuletzt 2008 (aus 9 Jahren liegen keine Aufzeichnungen mehr vor). Vielleicht sollte man die Statistik nicht nur erstellen, sondern sie auch zugunsten des ungestörten Schlafes von Punxsutawney Phil richtig interpretieren und ihn sechs Wochen später nach seiner Meinung fragen? Armer Kerl. Ich bin auch nicht in der Lage, meinen Schatten zu sehen, wenn ich zur Unzeit geweckt werde. Aber kein Erbarmen mit Punxsutawney Phil! Außer er wird ob der Klimaerwärmung arbeitslos…

Die Vorhersage für diesen Winter fiel jedenfalls noch entsprechend Punxsutawney Phils schlechter Laune aus: Zieht Euch warrrrrrrm an!

Greetings from Punxsutawney!

Phil Says Six More Weeks!

Phil’s official forecast as read February 2nd, 2009 at sunrise at Gobbler’s Knob:

Hear Ye Hear Ye

On Gobbler’s Knob this glorious Groundhog Day, February 2nd, 2009

Punxsutawney Phil, Seer of Seers, Prognosticator of all Prognosticators

Awoke to the call of President Bill Cooper

And greeted his handlers, Ben Hughes and John Griffiths

After casting a joyful eye towards thousands of his faithful followers,

Phil proclaimed that his beloved Pittsburgh Steelers were World Champions one more time

And a bright sky above me

Showed my shadow beside me.

So 6 more weeks of winter it will be.

The Chicken of the Month – Continued

August 15th, 2009 Posted in Die spinnen, die Amis!

Könnt Ihr Euch noch erinnern an Pete und Gerry’s Organic Eggs und ihr Chicken of the Month? Nein? Ihr findet den Beitrag in der Kategorie „Die spinnen, die Amis!“.

Da ich den Newsletter von Pete und Gerry bekomme, bin ich immer auf dem laufenden, was denn so los ist im Hühnerstall. Und heute habe ich eine ganz einfache und fröhliche Botschaft zu verkünden:

edna1.gif

Verstehe das, wer will…

Juli 1st, 2009 Posted in Die spinnen, die Amis!

Anläßlich des 4. Juli scheint Aldi den Wettbewerb „Wo leben die amerikanischsten Amerikaner?“ ausgeschrieben zu haben. 

Aufgepaßt!

Das und vieles mehr ist das Angebot von Aldi Süd in Deutschland für den 4. Juli, den Unabhängigkeitstag der USA:

Abgesehen vom Namen der Eiscreme ist das wirklich typisch Amerikanisch. Ob es allerdings immer sehr gesund ist, den „Großen Bruder“ zu kopieren, läßt sich seit Monaten in den Wirtschaftsrubriken der Zeitungen nachlesen…

GRANDESSA® American Ice CreamAMERICAN Ribeye SteakAMERICAN Popcorn ShrimpsAMERICAN Hot Dogs oder BurgerAMERICAN RumpsteaksAMERICAN Bagels

Und das, und auch hier noch vieles mehr, ist das Angebot von Aldi USA zum gleichen Event:

Kirkwood® Chicken Breasts 

Hühnchenbrust, naja, nicht soooo typisch amerikanisch, auch wenn man hier vermeidet, Hühnerfleisch zu essen, das nicht vollkommen weiß ist. Wenn nötig, wird mit Chlor nachgeholfen (was ich Aldi USA hiermit ausdrücklich NICHT unterstellen will!).

Granger® 80/20 Ground Beef

Hackfleisch, ok für Burger, aber auch kein exklusiv amerikanisches Phänomen.

Parkview® Bratwurst 

Bratwurst, die auch noch „Bratwurst“ heißt. Übrigens gar nicht so schlecht.

Parkview® Polska Kielbasa Sausage 

Kielbasa ist nun so was von polnisch!

Briargate® Specialty Mustards 

Französischer Senf, zumindest der in der Mitte.

Briargate® Assorted BBQ Sauces 

OK, Grillsaucen. Kann man drüber streiten. Wobei ich ja schon mal sagen muß, daß jegliche Steaksauce zu den hierzulande phantastischen Steaks an Majestätsbeleidigung grenzt.

Clancy's® White Round Tortilla Chips 

Tortilla Chips, Viva Mexico!

Friendly Farms® Dip 

French? DAS ist dann aber am 14. Juli. Himmel, die Bastille!!!

Grandessa Signature Hummus 

Hummus? Die Leibspeise der Suicide Bombers!

Grandessa Signature Premium Salsa 

Hatten wir Viva Mexico schon?

Nature's Nectar® Lemonade/Pink Lemonade 

Wie jetzt, kein Bier? Oh, nein, kein Alkohol bei Aldi USA, jedenfalls nicht in Connecticut…

Larado Decorated Paper Plates Papierteller müssen allerdings sein, wenn auch recycleable. Und dazu Plastikbesteck…

Kann mich bitte jemand daran erinnern, am 3. Oktober nachzuschauen, was Aldi USA zum Tag der Deutschen Einheit anzubieten hat? Vielleicht bekomme ich dann mal ganz besonders deutsche Spezialitäten…

Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit…

März 19th, 2008 Posted in Die spinnen, die Amis!

Monia hat mir folgendes Fundstück geschickt. Vielen Dank dafür!

Schluss mit erotischem Leistungsdruck

Eine internationale Untersuchung ergab, dass amerikanische Paare am häufigsten und längsten miteinander Geschlechtsverkehr hätten (20-mal im Monat je 35 Minuten). Aber: Dieses Ergebnis spiegelt lediglich den enormen sozialen Druck in den USA wider, auch in erotischer Hinsicht toll vor den Nachbarn dazustehen – und auf Fragebögen hemmungslos zu schummeln. Die kalifornische Psychiaterin Linda Perlin Alperstein ist sich sicher: »Nirgends wird so viel gelogen wie bei Untersuchungen zum Thema Sex.«

Achtung Baustelle! oder: Wie schafft man Vollbeschäftigung?

Januar 19th, 2008 Posted in Die spinnen, die Amis!

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In meinem Bewegungsradius durch einen bösartigen und mehr als unappetitlichen Virus ans Haus gefesselt durfte ich heute Zeugin einer amerikanischen Eigenschaft werden, die mir in vielen Situationen bereits aufgefallen ist, aber noch nie in dem Ausmaß, das mich diesen Beitrag schreiben läßt. Es handelt sich um die Einstellung „nicht meine Sache, Ma´am!“.

Heute gegen acht Uhr morgens fuhren ein Polizeiwagen, vier LKW und ein Kran in unserer Straße vor. Lautes Türenknallen ließ vermuten, daß jemand ausstieg. Die weiterlaufenden Motoren verhießen anderes. Ein Blick aus dem Fenster bewies jedoch, daß die LKW-Fahrer ihre Fahrzeuge verlassen hatten. Aber dazu später mehr.

Eine Stunde später, die Motoren liefen immer noch, hörte man einen Preßlufthammer. Aha, dachte ich, Roadwork. Warum gerade in der Lexington Road, die mit den besten Belag in West Hartford hat, ganz im Gegensatz zu anderen Straßen, die für die Stoßdämpfer unserer Autos viele böse Überraschungen bereithalten, machte mich nun doch neugierig.

Da ich sowieso den letzte Nacht gefallenen und inzwischen in Matsch verwandelten Schnee schippen mußte, um eine Überschwemmung im Keller und eine Eisbahn in der Garagenzufahrt zu verhindern, ging ich raus und arbeitete mich Matsch schippend Stück für Stück an die Baustelle ran.

Der Anblick, der sich mir bot, spottete jeder Beschreibung. Viele von Euch haben per mail schon mal das Bild zugeschickt bekommen, auf dem viele Leute um ein Loch im Boden herum stehen und einem armen, schwitzenden Kerl dabei zusehen, wie er in diesem Loch steht und die Schaufel schwingt. Nun, dieses Stilleben wurde heute Wirklichkeit. Und es war nicht die West Hartforder Laienschauspieltruppe, die für die Frühjahrsaufführung lebende Bilder probte. Nein, das Wasserwerk war mit vier LKW und einem Kran vorgefahren und hatte Baustellenschilder und Plastikhütchen strategisch so auf der Straße verteilt, daß ein Slalom auf der Streif einer Fahrt durch die Lexington Road keine echte Konkurrenz mehr sein konnte.

Die Motoren liefen immer noch, während ein einzelner Arbeiter in einer Grube bis zu den Knien im Wasser stand und schwitzend wie ein Brunnenputzer Schaufel um Schaufel stinkender Brühe an die Oberfläche warf. Rund um das Loch standen fünf andere Arbeiter und ein Polizist. Der Schaufler war schwarz, die anderen weiß. Aber zur Rassenhierarchie in unserem Gastland werde ich mich noch mal getrennt äußern.

Da morgen Samstag ist und wir vorhaben auszuschlafen, wollte ich vor allem wissen, ob der Krach morgen zur selben Zeit wieder stattfinden wird. Also hab ich mir ein Herz gefaßt und einen der rumstehenden Wasserwerker gefragt, was sie denn da täten. Er meinte, der Kanal sei verstopft, in dem Haus hinter dem Loch stünde Wasser im Keller. Sie seien jetzt da, um dem Drama ein Ende zu setzen. Ich heuchelte ein wenig Mitleid mit den Bewohnern und äußerte die Hoffnung, daß das alles schnell gehen würde. Mein Plan ging auf, die Antwort war „jaaaaaaa, ich denke, bis Mittag sind wir hier fertig, Ma´am.“

Da man langsam aber sicher auch in diesem Land über seinen „carbon footprint“, also seinen persönlich verursachten CO2-Ausstoß nachzudenken anfängt, wagte ich die Bitte, ob man nicht vielleicht die Motoren der Wagen abstellen könne. Das wurde gleichzeitig von den fünf Wasserwerkern und dem Polizisten abschlägig beantwortet. Ich hab nicht alles verstanden, aber hier einige Auszüge:

„No, sorry, it is too cold today.“ Es hatte zu diesem Zeitpunkt fünf Grad plus, wie gesagt, Matsch, kein Schnee.

„This is none of your business, Ma´am!“ Das kam vom Polizisten…

„We never do that.“ Naja, man kann seine Angewohnheiten auch ändern.

„Are you from Europe?“ Ha!

Ich gab nicht auf, über mir wehte jetzt eine nur für mich sichtbare grüne Fahne! Ich erklärte den Herren, daß es unverantwortlich sei, mehrere Motoren stundenlang laufen zu lassen. Und da ich schon ahnte, daß Umweltbewußtsein nicht ziehen würde, bat ich sie, doch mal allein an die Kosten für den Steuerzahler zu denken. Und da beim Thema Geld auch das trägste amerikanische Gehirn aus dem Standbymodus aufwacht, hatte ich Erfolg. Unter Brummen, ich hörte und ignorierte tapfer das Wort „bitch“, wurden die Motoren abgestellt.

Nach der Schneematschschlacht habe ich mich der Hausarbeit gewidmet. Dieses edle Vorhaben wurde aber jäh unterbunden, da kein Wasser aus der Leitung kam, dafür aber ganz furchtbar gruselige Geräusche ähnlich denen, die ich selbst in den letzten Tagen von mir gegeben hatte. (Naja, Ihr sollt doch so viel wie möglich von meinem Leben hier mitkriegen… In guten wie in schlechten Zeiten!).

Ich also wieder raus zu den armen frierenden Männern. Schon von weitem konnte ich sehen, wie sie die Augen verdrehten. „Die schon wieder!“ war wohl noch das Freundlichste, was sie dachten. Ich habe so höflich wie möglich gefragt, wie lange denn das Wasser abgedreht bliebe.

Und da war er wieder, dieser Blick, der mich schon so oft traf, diese Mischung aus absolutem Unverständnis, plötzlicher Erkenntnis, es hier mit der Spezies „wichtigtuerischer Europäer“ zu tun zu haben und absoluter Gelangweiltheit (gibt es dieses Wort? Nein? Tja, jetzt gibt es es.) Diesen Blick kenne ich von der Supermarkteinpackerin, die meine Stofftaschen und Körbe verwenden soll statt der Plastiktüten, vom Tankstellenkassierer, der mir erklären soll, warum er beim Kauf einer Schachtel Zigaretten meinen Führerschein nicht sehen muß, beim Kauf einer Stange aber schon, vom Müllmann, der nicht versteht, warum er die Mülltonne hinstellen soll, wenn er sie doch auch einfach fallen lassen kann, und leider auch von meinen Nachbarn, die gerne mal gegen Mitternacht lautstark die Mülltonnen an ihren Platz schleppen. Dieser Blick bedeutet nicht nur, daß sie nicht verstehen, wo das Problem liegt. Nein, er sagt noch viel mehr: ES IST IHNEN EINFACH SCHNURZPIEPEGAL!!!

Ich will wirklich nicht behaupten, daß sich hier niemand Gedanken á la „Wieso, Weshalb, Warum“ macht. Aber sobald man es mit Angestellten zu tun hat, die nicht das Privileg einer guten Ausbildung hatten, muß man sich offenbar auf totale Ignoranz einstellen. Nachfragen hat entweder unverschämte Antworten oder völliges Unverständnis zur Folge. Meine Erklärung dafür ist, daß viele schlecht bezahlte Leute eben einfach ihren Job erledigen, mehr oder weniger gut, aber nie auf die Idee kommen würden, ihn zu hinterfragen.

Warum fünf Männer einem anderen in Begleitung eines Polizisten beim Schaufeln zusehen müssen, wird mir also für immer ein Rätsel bleiben.

PS: das Wasser läuft inzwischen wieder…

Chicken immer noch in Händen der Entführer

Dezember 12th, 2007 Posted in Die spinnen, die Amis!

inken.at berichtete bereits über die entsetzliche und unmenschliche Entführung des MTU-Angestellten Chicken durch eine Gruppe, die sich FDJ nennt. Nun wurden uns neue Details dieser ruchlosen Tat bekannt.

Der Aufforderung durch die Kollegen, ihnen ein Lebenszeichen von Chicken zu geben, bevor es zur Übergabe des Lösegeldes in Form eines möglichst umfangreichen Fasses Bier kommen könne, wurde nicht Folge geleistet. Vielmehr traf erneut ein Schreiben der Entführer ein, das mehr als beunruhigend ist und die Kollegen zu den schrecklichsten Vermutungen veranlaßt.

fdj.JPG

Auch wenn das Schreiben beängstigende Rückschlüsse auf die geistige Gesundheit der Entführer ziehen läßt, bietet es doch Angriffsfläche für Vermutungen über Herkunft, Motive und Bildungsstand der Täter. Offensichtlich handelt es sich nicht um einen Einzeltäter. Auch die Photos der Tat legten bereits nahe, daß es sich um mindestens zwei Personen handeln muß.

Da im vorliegenden Schreiben die Rede von „Margot“ ist, das Englisch des Schreibens mehr als mangelhaft ist und die Gruppe sich nach der ostdeutschen Jugendorganisation der Blauhemden benannt hat, liegt die Vermutung nahe, daß es sich um eine terroristische Vereinigung neosozialistischer Legastheniker handelt.

Die FDJ spricht in dem Schreiben vom „schmalen Grad des Wahnsinns“. Das gibt Anlaß zu allergrößter Sorge. Niemand kann sagen, wie diese Irren reagieren. Wird die Übergabe des Bierfasses stattfinden? Wird sie in einem Blutbad enden, oder mit der Befreiung des allseits beliebten Chicken?

inken.at liegt ein psychologisches Gutachten der Sigmund-Freud-Gesellschaft in Wien vor, dessen Kernaussage ist:

Psychologisch gestörte Straftäter gelten generell als unberechenbar. Es ist sowohl denkbar, daß die Entführung friedlich über die Bühne geht, als auch, daß alle Beteiligten inklusive dem Bierfaß Schaden an Leib und Seele nehmen.

Die Melange aus triebgesteuerter Gier nach Alkohol, menschenverachtender, offensichtlich sexuell motivierter Verdrängung jeglichen menschlichen Mitgefühls und aus politischer Frustration geborener Agitation, die auf einen ausgeprägten Ödipuskomplex (siehe dazu den Hinweis auf „Margot“ Anm. der Red.) zurückzuführen ist, kann zu einer Übertragung führen, die weder steuerbar noch umkehrbar ist. (Übertragung: Hineinlesen von Erwartungen, insbesondere Rollenerwartungen, eigener Wünsche, Befürchtungen und/oder Vorstellungen in das Verhalten oder die Eigenschaften einer bestimmten Person, die ursprünglich einer anderen Person (z.B. Eltern oder Partnern) gegolten haben. Anm. der Red.)

Die einzige Möglichkeit, das Schlimmste zu verhindern, sei höchstmögliche Flexibilität in den Reaktionen der Geschädigten, Verzicht auf jegliche Rücksichtnahme auf die körperliche Unversehrtheit der Entführer im Falle einer gewalttätigen Auseinandersetzung, und das Mittragen eines ausreichend großen Kochtopfes und etwas Wurzelgemüses für den schlimmsten aller anzunehmenden Fälle, so die Sigmund-Freud-Gesellschaft. Auf alle Fälle rät man zum Handeln ohne viel Federlesen.

Chicken ist ein noch junges Huhn, das erst kurz vor seiner gewalttätigen Entführung durch eventuell politisch motivierte Spinner als Nachtwächter in der IT-Abteilung angestellt worden war. Sein ohrenbetäubender Quietsch-Warnruf und die angeborene Fähigkeit, sich einer Hackordnung zu unterwerfen qualifizierten es für diese Stelle, die schon seit langem auf die Besetzung durch einen jungen, furchtlosen Mitarbeiter wartete. Umso tragischer, daß ausgerechnet Chicken einem Verbrechen zum Opfer fiel in Ausübung seiner Pflicht, als sich niemand sonst in den Büroräumen der MTU aufhielt.

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Chicken sei sofort in die Gruppe integriert gewesen, sagt Augustin S.. Durch sein freundliches Wesen, seine Bereitschaft, jederzeit für ein extra Frühstücksei für die Kollegen zu sorgen und sich so sprichwörtlich klaglos den Arsch für die Firma aufzureißen, sei Chicken sofort in die Gemeinschaft aufgenommen worden. Chicken erzählte im heimischen Hühnerstall stolz von seiner neuen, wichtigen Position und war hochgradig motiviert, diese allzeit zur vollsten Zufriedenheit des MTU-Managements auszufüllen.

Aus Sorge um Chicken sei ein reibungsloser Arbeitsablauf bei der MTU praktisch nicht mehr möglich, so Augustin S.. Immer wieder würden Kollegen spontan von Weinkrämpfen gebeutelt. Die Mittagspause würde genutzt, um gemeinsam und konfessionsübergreifend für das Wohl des Huhns zu beten.

Bis uns weitere Informationen vorliegen, bleibt uns nur die Hoffnung, daß Chicken seine Entführung heil an Körper und Seele übersteht. Wer kann schon ermessen, welche psychologischen Folgen eine solche Tat für ein junges Huhn hat?

inken.at wird weiter berichten, getreu unserem Motto:

Bild Dir bloß keine Meinung, das machen wir schon für Dich!

Immer höflich bleiben! Vorsicht! SEHR subjektiv!

Dezember 10th, 2007 Posted in Die spinnen, die Amis!

Heute würde ich gerne einige Worte zum Thema Höflichkeit verlieren, aber selbstverständlich nur, falls es niemanden stört, es gerade konveniert und niemand es als Angriff mißversteht. Ich möchte damit auf gar keinen Fall etwas von Eurer wertvollen Zeit stehlen und bin im Grunde sowieso unwürdig, Eure geneigte Aufmerksamkeit zu fordern. Solltet Ihr also entscheiden, diesen Beitrag zu ignorieren, oder Ihr die Lektüre nach einiger Zeit abbrechen, ist es selbstverständlich meiner Unfähigkeit, interessante Themen zu finden zuzuschreiben, wofür ich demütig die volle Verantwortung übernehme, und ich entschuldige mich bereits im voraus für alle psychologischen und/oder terminlichen Schwierigkeiten, in die ich Euch mit meinen unwesentlichen Ergüssen bringe.

Oder, um es österreichisch-deutsch auszudrücken: manchmal ist diese scheiß aufgesetzte politeness hier echt zum Kotzen! Und mir ist es auch völlig egal, ob das irgendjemand anders sieht!

Wie einige von Euch wissen, mache ich gerade bei Berlitz eine Sprachlehrer-Ausbildung. Die ist insgesamt sehr gut, beantwortet viele Fragen (manche auch nicht…), wir üben viel und werden konstruktiv kritisiert. Naja, bei den Preisen, die die Schüler für die Kurse bezahlen, ist es ja auch angebracht, daß sie nicht von stotternden Vollidioten unterrichtet werden, nicht wahr?

In diesem Kurs sitzen eine Deutsche, die seit ihrem 8. Lebensjahr in den USA lebt, eine Inderin, die inzwischen die green card hat, also wohl bleiben wird, eine Amerikanerin, ein Amerikaner italienischen und ein Amerikaner portugiesischen Ursprungs.

Wir quatschen natürlich in den Pausen viel darüber, welche Unterschiede zwischen unseren Kulturen bestehen, und zwei Themen kristallisieren sich dabei nach und nach als zentral heraus. Essen und Höflichkeit.

Übers Essen rede ich heute mal nicht, das tu´ ich lieber, zumal Gustl gerade seine unschlagbaren Thunfisch-Spaghetti zaubert… Also bleibt das Thema Höflichkeit.

Als wir nach Amerika gingen, hat man uns vieles erzählt. Eine Sache kam immer wieder auf´s Tapet. „Die sind alle höflich. Aber sie meinen es eigentlich gar nicht so.“ oder „Ständig wirst Du dort gefragt `how are you?´, aber sie wollen es eigentlich gar nicht wissen.“ Ja, das stimmt, sie wollen es nicht wissen. Die Phrase „How are you?“ hat einen einzigen Zweck, Begrüßung. Also denkt nicht mal im Traum daran, zu antworten „ooooch, ganz gut, aber irgendwie hab´ ich heute Kopfweh“. Sie werden Euch anschauen als hättet Ihr sie gerade auf die Kirchweih geladen und so schnell wie möglich das Thema wechseln. Das versteh´ ich auch. Stellt Euch vor, Ihr begrüßt einen Ami mit „Grüß Gott“ und er antwortet, er würde Euren Wunsch ja gerne erfüllen, aber er sei sich der Güte seines Drahtes nach oben gar nicht so sicher… Also, „how are you?“ ist einfach eine Floskel, nicht mehr und nicht weniger. Sie ist von einer vielleicht irgendwann mal wörtlich gemeinten Bekundung menschlichen Interesses zu einer Prase degeneriert, die man irgendwann gar nicht mehr wahrnimmt. Also denkt nicht weiter darüber nach.

Zur Höflichkeit gibt es im Gegensatz dazu sehr viel zu denken und zu sagen. An guten Tagen neige ich dazu, den Amerikanern nur ein chronisches Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom zu unterstellen (med. Erklärung siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom). An schlechten Tagen hingegen bin ich felsenfest davon überzeugt, daß Darwin, wenn er Recht hatte, in den USA besonders Recht hatte. Warum dann ausgerechnet die Amis die Dreistigkeit besitzen, Darwin und seine Ideen und Theorien aus den Schulbüchern zu streichen, fällt wiederum unter das Kapitel Schizophrenie, aber das überlasse ich lieber den Therapeuten, von denen es hier ja genug gibt. „Survival of the fittest“ zeigt sich hier folgendermaßen. Erst mal kommen sie selbst, dann kommt laaaaang nichts. Und dann kommen das Auto, der Präsident, oder die Kinder. Dabei ist die Reihenfolge eher beliebig und subjektiv. Und deshalb die lange Vorrede über meine Sprachlehrerkollegen.

Einer der Amerikaner hat heute unserer Lehrer-Lehrerin Lilia eine Frage gestellt. Abgesehen davon, daß sie die Frage bereits fünf Minuten vorher mir beantwortet hatte, hat dieser Kerl doch tatsächlich die Chuzpe, mitten in Lilias Antwort aufzustehen mit den Worten „sorry, I need to pee.“ HALLO? Über dieses Verhalten entsetzt zeigten sich: 1 Inderin, 1 Österreicherin, 1 Deutsch-Amerikanerin. Lilia, ihrerseits Ukrainerin, meinte nur, sie würde ihn nicht darauf ansprechen, denn sie möchte nicht unhöflich sein. DOPPEL-HALLO!!!!????

Zurück in der Klasse stellt er wieder eine Frage, die übrigens während seiner Pinkelpause geklärt worden war. Lilia antwortet und muß dabei etwas ausholen. Nach zwei Minuten unterbricht er sie und sagt, er habe seine Frage vergessen, ob sie sie noch mal wiederholen könnte… Sorry, ich konnte mich nicht mehr beherrschen und hab´ ihn gefragt, ob das jetzt sein Ernst sei. Er meinte, ja, er sitze jetzt schließlich seit einigen Stunden (es waren ungefähr zwei…) hier drin und so lange könne er sich nicht konzentrieren, das müsse ich verstehen. Da ich nicht unhöflich sein wollte, bin ich meinerseits zur Toilette gegangen, um dort mein Spiegelbild zu beschimpfen…

Die Deutsch-Amerikanerin war süß. Sie meinte in der Mittagspause zu mir, sie sei froh gewesen, daß ich was gesagt habe. Sie hätte lange in den Südstaaten gelebt, wo die Menschen als besonders höflich gelten. Und sie habe seit ihrer Kindheit Zweifel daran, daß Höflichkeit in Abhängigkeit zur Länge der Sätze steigt. Sie würde ihrerseits Hilfsbereitschaft einem unechten Dauergrinsen vorziehen. Naja, sie stammt aus Berlin.

Generell bin ich ja nicht als einer der höflichsten Menschen verschrieen, das geb´ ich ja gerne zu. Und oft ist gezielter Einsatz von Unhöflichkeit für mich persönlich ein probates Mittel, um bestimmte Dinge oder Menschen von mir fern zu halten. Aber wenn es darum geht, daß ich sehe, daß jemand beim Autofahren die Spur wechseln will, oder eine Mutter mit einem kreischenden Kind hinter mir an der Supermarktkasse wartet, bin ich fast immer bereit, Platz zu machen. Und das ist für mich Höflichkeit. Älteren einen Sitzplatz zu überlassen. Müttern zu helfen, ihren Buggy die U-Bahn-Treppe runterzuschleppen, jemandem eine Tür aufzuhalten, der schwer schleppt. „Guten Morgen“ zu sagen zu den Kollegen, mich für guten Service zu bedanken, usw.

Jemanden nicht auf seine offensichtliche Unhöflichkeit anzusprechen, sich gefallen zu lassen, wenn man ständig unterbrochen wird (auch eine zutiefst amerikanische Eigenschaft!), nur um nicht unhöflich zu sein, ist für mich mit Dummheit und Zeitverschwendung gleichzusetzen und hat mit Höflichkeit absolut nichts zu tun.

Und wenn es denn wirklich mal darum geht, Höflichkeit einzufordern, zum Beispiel wenn man auf dem Highway in eine Spur einfädeln will, dann hocken sie alle mit Handy am Ohr und Hund oder Kind auf dem Schoß in ihren bescheuerten SUVs und üben sich in Ignoranz. Zu hupen ist übrigens unhöflich…

Eine dumme Angewohnheit von mir ist es, wenn ich Dinge unglaublich finde, „Jesus Christ!“ zu rufen. Natürlich ist mir klar, daß das nicht political correct ist. Man könnte damit sowohl Nicht-Christen als auch Christen direkt und mit Anlauf auf den Schlips treten. Also achte ich darauf, das nicht mehr zu tun, ist sowieso ein dummer Spruch. Ich kopiere inzwischen Claudia K.´s „Himmel!“. Das versteht keiner und es erleichtert auch ganz ungemein. Nun rutschte mir aber auf einer kulturell gemischten Feier dieses unselige „Jesus Christ!“ doch mal raus. Eine Einheimische meinte daraufhin hörbar flüsternd zu ihrem Mann „She shouldn´t say that, it could offend somebody.“ Ich persönlich hätte es netter gefunden, wenn sie mich darauf angesprochen hätte. Sie hätte ja sagen können „Hör mal, sei ein wenig vorsichtig mit solchen Sprüchen, Du könntest hier jemanden verletzen.“ Das wäre aufmerksam und hilfreich gewesen. Aber absichtlich so laut zu flüstern, daß jeder mitbekommt, daß ich einen kulturellen Fehler gemacht habe, DAS IST UNHÖFLICH!!!

Yeah, well, you know…. Ich hupe trotzdem. Und wenn man mich hier als das unhöflichste Legal Alien aller Zeiten in Erinnerung behält, so what?

Suck my toe!

oder, um es österreichisch-deutsch auszudrücken:

Ich bin im Grunde ein höflicher Mensch, man sollte mich nur besser nicht provozieren!

Ich danke für Ihre Aumerksamkeit!

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Entführung eines MTU-Mitarbeiters – Kollegen befürchten Schlimmstes!

Dezember 5th, 2007 Posted in Die spinnen, die Amis!

inken.at wurden heute exklusiv die Details eines kaltblütigen Entführungsfalls bekannt. Das Maskottchen „Chicken“ der IT-Abteilung der MTU AENA in Newington, Connecticut wurde am vergangenen Wochenende von zu diesem Zeitpunkt noch unbekannten Tätern skrupellos und unter Anwendung roher Gewalt entführt. Das Huhn befand sich alleine in den Büroräumen der MTU AENA. Dlie Behörden gehen davon aus, daß die Täter Insider sind, da sie offenbar über die Gepflogenheiten und den Schichtplan von Chicken genauestens Bescheid wußten.

Chicken war wie jedes Wochenende zuverlässig zu seiner Wochenendschicht als Sicherheitsbeauftragter der Abteilung IT erschienen, als die Täter es überwältigten, mit einem Messer bedrohten und ihm die Augen verbanden. Die Kaltblütigkeit der Entführer wurde offenbar als am Montag, den 3. Dezember Photos der Tat per mail von mailto:free_the_chicken@gmx.net in der IT-Abteilung auftauchten.

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Begleitet waren die Bilder des von Panik gelähmten Huhns von der Drohung

be reasonable and nobody gets hurt….

Die IT-Abteilung reagierte sofort und antwortete den Kidnappern:

An open letter to the kidnappers of our IT chicken! We are very sad about the escalation! We cannot understand how somebody can lay violant hands on our beloved and innocent chicken! This is cruel terrorism! We only ask you once: Please give us our chicken back! If we do not have our chicken back until tomorrow, we will have to act in a way that nobody will like! Fun is over! We know your name and we know where you live! Regards, the IT Department!

Im Interview mit dem IT-Manager Augustin S. konnten wir von dem von Sorge um den stets pünktlichen und gut gelaunten Kollegen Chicken Gezeichneten folgendes erfahren.

Das mit dem Chicken war so. Bereits letzten Donnerstag gingen Morddrohungen gegen unser IT-Chicken hier ein. Daraufhin haben wir das Chicken mit einer Webcam überwacht. Wir haben den Entführern ein Bild der Webcam geschickt, das diese wiederum mit einem Wolf ergänzt haben, das unser Chicken frißt. Als wir heute Morgen zur Arbeit kamen war Chicken weg und wir hatten alle das email von free_the_chicken@gmx.net  in unserer Mailbox. Wir sind sehr bestürzt über diesen Vorfall. Leider haben wir noch keine Lösegeldforderung erhalten…

Tatsächlich sollten noch mehrere nervenzerfetzende Stunden vergehen bis die vollkommen verstörten Kollegen von den Enführern hörten. Als die Antwort dann endlich kam war sie niederschmetternd. S. und seine Kollegen befürchteten von nun an Schlimmstes.

,..o.k. no mistakes today…we the FDJ really appreciate that, since it shows us that you want your chicken back – and as long as you stay reasonable there is still chance to get the chicken back – in one piece!!! We the FDJ don’t want much, our request is simple… since we are fighting for a better world with enough food and drinks for anybody we only want to see your contribution to this approach by getting us a barrel of a fine boston lager…. We don’t define how big that barrel should be – for purpose – as you are in charge for everything that happened so far – your choice in that question will also lead to the things that will happen in the future – so you better consider how big the wish for a lucky re-union is – don’t force us to start a mess with lots of blood and screaming…. Let us know if you accept. We’ll come back to you with date and place. Don’t wait too long since we don’t know how long a chicken can survive without any food, Freundschaft

Ein Lichtblick ist, daß nun bekannt ist, wie die Entführergruppe sich nennt und welche Ziele sie verfolgt. Offensichtlich stecken keine politischen oder weltanschaulichen Motive hinter der Tat, sondern pure, kalte Habgier.

Ein Trost, wenn auch nur ein schwacher, sind die zahlreichen Mitleidsbekundungen, die inzwischen die IT-Abteilung erreicht haben, wie zum Beispiel diese eines offenbar mächtigen Hühner-Lobbyisten:  

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open letter to the FDJ. Hello, my name is Hans Christoph Huhn and I am the leader of the FDH (Freie Deutsche Hühnchen). In addition to this, I am the Godfather of the IT Chicken! While I sympathize your aims, I utterly denounce this shameful act of terror and demand that you release the IT Chicken at once! As you can probably tell from my photo above, I am a very powerful chicken with deep pockets and great influence. The FDH is currently made up of over three million chickens and I am prepared to declare war if you do not stop this insanity. Release the IT Chicken or face the wrath of over three million chickens!

Augustin S. und seine Mannschaft befinden sich in einem Zustand rapide steigender Ratlosigkeit und bitten um möglichst viele Petitionsschreiben an die o.g. email-Adresse der Entführer. Man hofft auf einen Rest Menschlichkeit im Zusammenhang mit dieser brutalen und gewissenlosen Greueltat.  

inken.at wird Sie über die weiteren Ereignisse auf dem laufenden halten, gemäß unserem Motto „Bild Dir bloß keine Meinung, das machen wir schon für Dich!“

The Chicken of the Month

Oktober 10th, 2007 Posted in Die spinnen, die Amis!

Manches mal frage ich mich, ob ich mich fürchten soll vor so viel Irrsinn, oder es lieber genießen, daß hier alle ein wenig Bluna sind. Langfristig werde ich mich für die zweite Variante entscheiden denke ich…

Lest und lacht!

Essen ist in den USA ein Dauerthema. Nutrition facts nehmen 80% aller Verpackungen ein. Es kann sich also jeder jederzeit darüber informieren, was er da grade plant in sich reinzustopfen, oder eben auch nicht, je nach Eßstörung.

Zum guten Essen gehören natürlich gute Eier. Und jetzt, Seppi, aufgemerkt. organic eggs, also Bio-Eier der Qualität AA big haben ungefähr die Ausmaße Deiner Azubi-Hendl-Erstlegeversuche. Damit aber nicht genug. Die Eier, die ich hier regelmäßig kaufe stammen von Pete und Gerry (nun, natürlich von ihren Hühnern, das ist hier auch nicht anders), zwei Bio-Bauern. Ihr Motto lautet:

Happy chickens lay better eggs™

At Pete and Gerry’s, we are a family farm that has produced high quality eggs for four generations in Monroe, NH, in the heart of the White Mountains. We believe in providing you, our customer, with fresh organic, cage free, omega-3 eggs from hens that are Certified Humane. As our family farm has grown our commitment to you has remained unchanged and we hope that you will enjoy our eggs as much as we do!

Und das sind die beiden Chickenlovers…

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Heute habe ich beim Einräumen des Kühlschranks entdeckt, daß die beiden monatlich ein Gickerl zum Huhn des Monats küren. Im Moment ist das…

Edna!

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Laying Eggs since: January
Hobbies: Making speeches, chatting

Edna can often be found roosting on a perch clucking away. It often appears as though she is standing at a podium making a speech to her fellow hens.

Ist das nicht einfach bezaubernd? Das nenne ich mal Mitarbeitermotivation!

Ich werde weiter den beiden Bio-Schnauzern Eier abkaufen und mach mich jetzt mal dran, ihnen zu verklickern, daß man Bio-Eier nicht in Plastik verpackt… Dafür gibt es die Rubrik „customer cluckings“ auf der homepage, also Kunden-Gegacker…

Wer mag, surfe nach New Hampshire, to the heart of the White Mountains: http://www.peteandgerrys.com/ Und auf http://www.peteandgerrys.com/inner_labels.php findet Ihr die Schönheitengalerie.

Rosen sind rot, Veilchen sind blau,…

Oktober 5th, 2007 Posted in Die spinnen, die Amis!

…ich bin schizophren, und ich bin es auch!

Wikipedia definiert Schizophrenie folgendermaßen:

Schizophrenie (von altgriechisch σχίζειν schizein „abspalten“ und φρήν phrēn „Zwerchfell, Seele“) ist als eine Diagnose für psychische Störungen des Denkens, der Wahrnehmung und der Affektivität gekennzeichnet, wobei verschiedene symptomatische Erscheinungsformen unterschieden werden. Die Schizophrenie ist eine der häufigsten Diagnosen im stationären Bereich der Psychiatrie.

Die USA sind demnach eine große psychiatrische Station, die Patienten beherbergt, die Störungen des Denkens, der Wahrnehmung und der Affektivität aufweisen, die jemand Fremdes nur ertragen kann, indem er sein Zwerchfell von seinem eigenen Denken abspaltet und dadurch eine nicht enden wollende Parade der Perversionen nur noch mit viel Humor und Gleichmut ertragen kann. Da das Zwerchfell ja nicht nur Sitz der Seele ist, sondern auch ein unverzichtbares Werkzeug, um Lachen zu produzieren, versuche ich, so oft wie möglich meinen Humor einzusetzen. Das gibt auch ein nettes Sixpack auf Dauer.

Wie ich darauf komme, daß hier was nicht stimmt? Naja, schon in Bayern kommt man sich als Zuagroaste manchmal vor wie im Kuriositätenkabinett. Erschossene Bären, Niederbayern, Transrapid, der Münchener Kessel, das Oktoberfest, Bayern München… Wer versteht das schon alles, wenn er nicht Münchener in mindestens dritter Generation ist? Aber die Amis schlagen die Bayern um Längen, zumal die Bayern ja auch nicht schizophren sind, sondern eher ein klein wenig größenwahnsinnig. Cool, das gibt ne Menge empörter Gästebucheinträge…

Viele Dinge, Verhaltensweisen und Bräuche rufen bei mir, und gottseidank auch anderen legal aliens, Unverständnis und Kopfschütteln hervor. Dazu gehören:

Der Vierjährige, der von seiner Kindergärtnerin wegen sexueller Belästigung verklagt wurde, weil er ihr, als sie ihn hochhob, angeblich in sexuell eindeutiger Absicht an den Busen gefaßt hat.

Der Umgang mit Sex, Nacktheit und allem was damit zusammenhängt hat insgesamt etwas recht Verkrampftes. Ich wurde tatsächlich von einer Nachbarin gefragt, welchen Sport ich denn mache, daß ich mir „in meinem Alter“ noch leisten könne, ohne BH zu gehen.

Am Strand wurde ich gefragt, aus welchem Teil Europas ich käme. Als ich fragte, wie sie darauf käme, daß ich aus Europa sei, meinte sie, das sähe man an dem knappen Bikini. Dazu muß man wissen, daß ich nicht etwa wirklich knappe Bikinis trage, sondern die Durchschnittsamerikanerin egal welcher Statur am liebsten in kurzen Hosen und T-Shirt am Strand liegt. Die Variante mit den knöchelhohen Boots hat wahrscheinlich eher mit der Angst vor Fußpilz zu tun, das kenne ich aber auch aus Deutschland… Kleine Jungs tragen wadenlange Badehosen und auch gerne mal sogar im Wasser ein T-Shirt. Kleine Mädchen tragen mindestens Bikini MIT Oberteil. Also ich reg mich definitiv nie wieder über Kopftücher oder Schleier auf!

Die Sauna besucht man hier im Badeanzug, aber trotzdem nicht gemischt. Meiner Meinung nach eine ausgesprochen unhygienische Angelegenheit, besonders beim anschließenden Duschen, so untenrum… Wenn man das nicht möchte, hat man sich in ein großes Handtuch zu wickeln. Es gibt auch extra Frottee-Wraps, die im Grunde nur zusammengenähte Frotteehandtücher sind, in die man ein Gummiband eingezogen hat, das man züchtig über den Busen schiebt, nach oben, nicht nach unten! Ab den Knien darf man dann wieder neckisch nackisch sein. Wenn man dann noch dran denkt, sich die Beine mindestens bis zum Knie zu rasieren, geht das grade noch. Die Dinger hab ich schon für 80 Dollar gesehen in bezaubernden Pastelltönen und aus 100% Polyester. Ich glaub, da schwitz ich lieber in der Oktobersonne im knappen Bikini am Strand.

Bis hierher ist dieses Verhalten sicher eigenartig, aber noch lange nicht schizophren. Das wird es erst, wenn man sich mal die Mühe gibt, die 700 Fernsehkanäle durchzuzappen, die man per Kabel bekommt. Nach letzter Zählung finden sich da ca. 30 Pornokanäle, die alles zeigen, was man sich vorstellen kann und vieles, was man sich gar nicht erst vorstellen mag.

Noch schräger wird die Lage, wenn man mitkriegt, daß es Menschen gibt, die NICHT WISSEN, daß Kinderpornographie verboten ist.

Spätestens ab neun Uhr abends läuft in jedem Werbeblock ein Spot für Viagra, in dem zur Melodie von „Viva Las Vegas“ ein reichlich angegrauter aber offensichtlich Viagra-gestärkter Mann eine blonde Mittdreißigerin über die Tanzfläche schiebt. Nach einem schelmischen Blick um sich verschwinden die beiden mit dummgeilem Grinsen im Lift. Viva Viagra!

Die mehrere Quadratmeter großen Werbetafeln am Highway für den neuesten Sexshop oder die nächste Tabledancebar stören mich zwar höchstens in ästhetischer Hinsicht, aber ich frag mich schon, ob die Amis deshalb so schlechte Autofahrer sind, weil sie ihren Kindern ständig die Augen zuhalten müssen.

Sexy gekleidet zu sein, ist in bestimmten Bevölkerungsschichten nicht üblich. In anderen schon, aber da hab ich noch nicht so ganz den Überblick. Ich hatte nur mal ein umwerfendes Erlebnis an einer Tankstelle Richtung New York, als drei aufgebrezelte Mädchen (vielleicht zwanzig…) in Highheels, hautengen Satinhosen in Gelb, Orange und Schwarz zu ihren Kerlen auf den Sozius der Mopeds stiegen und sich auf eine Weise an deren Rücken schmiegten, mein lieber Schwan. Und da waren dann die Poritzen mehr als sichtbar. Die Strings waren farblich abgestimmt, was ich sehr rücksichtsvoll finde!

Im Alltag wird Männern davon abgeraten, einer Kollegin ein Kompliment zu Ihrem outfit oder ihrer Frisur zu machen. Auch zu einer einzelnen Frau in den Lift zu steigen könnte gefährlich werden. Nicht etwa für die Frau, nein für den Mann, denn wenn er die Frau irgendwie schräg ansieht, könnte da ein Millionenprozeß draus werden.

Ich versteh das nicht. Ich dachte, damals in San Francisco hätte jeder mit jedem und jeder mit jeder? Liegt es daran, daß es einfach zu viele Anwälte gibt? Also nicht daß mir das wirklich fehlt, aber in den USA kann man als Frau an Bauarbeitern vorbeigehen, ohne auch nur den kleinsten Pfiff zu hören. Das ist doch irgendwie verkehrte Welt!

Im Endeffekt läuft alles darauf raus, daß man hier alles sein und werden kann, außer unanständig. Der „Pussy Wagon“ aus „Kill Bill“ wird per Computer in „Party Wagon“ umgetauft, der „Shit happens“-Aufkleber aus „Forrest Gump“ wird zum „It happens“-Aufkleber. Sogar der Mittelfinger wird einem nur sehr zögernd und nur halb hochgehoben gezeigt. Es ist mir deshalb bei jedem meiner zahlreichen Besuche in meiner Stammwerkstatt eine enorme Freude, den spontan errötenden Schrauber zu fragen „How´s my Pussy doing?“.

So, bevor ich mich jetzt in Rage schreibe, wechsle ich doch mal das Thema und komme zum Besitz von Waffen. Ebenso ein Aufreger, aber kein so alltäglicher, gottseidank.

Jeder Amerikaner hat ja per se das Recht, seinen Planwagen überall und immer zu verteidigen. Wenn man einen Kontinent besiedelt und dabei entscheidet, daß die Einheimischen nicht nur Platz machen müssen, sondern die Invasion möglichst nicht überleben sollen, drängt es sich ja direkt auf, daß man sich bewaffnet. Viele Amerikaner wohnen inzwischen aber nicht mehr im Planwagen, werden jedoch nach wie vor von ausgeprägten Ängsten verfolgt, überfallen zu werden. Im Verteidigungsfall greift man dann mal eben unters Kissen oder ins Handschuhfach nach der Walter PPK. Das führt so weit, daß man bei einer Polizeikontrolle Gefahr läuft abgeknallt zu werden, wenn man den Führerschein aus der Tasche ziehen will. Man behält deshalb die Hände am Lenkrad und sagt dem officer, man habe seine Papiere in der Handtasche und müsse jetzt deshalb da hineingreifen.

Waffen erhält man unter anderem bei Wal-Mart, direkt neben der Spielzeugabteilung, oder in Läden die so verharmlosende Namen wie „Guns for good guys“ haben. Man fragt sich, was es wohl bei „Guns for bad guys“ zu kaufen gibt. Mittelstreckenraketen?

Habt Ihr von dem vier Monate alten Säugling gehört, der von seinem Großvater einen Waffenschein und eine Rifle bekam? Voraussetzung für den Waffenschein ist, daß man nicht vorbestraft ist. Also dachte Opa eben, naja, wer weiß, wann der Kleine anfängt, Drogen zu verchecken, da warten wir mal lieber nicht die erste Vorstrafe ab.

Sigmund Freud rotiert in seinem Grab ob dieser schlecht verhohlenen Penisfixierung.

Daß die Kluft zwischen Arm und Reich so groß ist und scheinbar unüberwindlich, daß so mancher Angehörige des „abgehängten Prekariats“ keine andere Möglichkeit sieht, als sich Geld mit Gewalt zu beschaffen, das ist hiesigen Soziologen sicher nicht neu. Nur ist ein Land in dieser Größe offenbar nicht im Griff zu behalten. Bildung ist nach wie vor ein Privileg der Oberschicht. Und ohne Bildung keine Jobs. Ohne Job aber kein Geld, also Tankstellen überfallen… Und in einem Land, das dem Geld dient wie einem Götzen fragt man Soziologen nicht nach ihrer Meinung.

Ein weiteres Thema, das mich auf die gespaltene Persönlichkeit dieses Landes schließen läßt, ist der Alkohol, dessen Erwerb und Konsum. Gustl wurde mal erklärt, nach neun Uhr abends wäre es einfacher, eine Waffe zu kaufen als an Bier zu kommen. Hartford ist zwar kein „dry county“, man bekommt Alkohol aber in vielen Fällen nur gegen Vorlage des Führerscheins, der dann nach Möglichkeit beweisen sollte, daß man über 21 ist. Soweit so gut, ich bin auch kein Freund besoffener Teenager, schon gar nicht, wenn diese auch noch ab 16 Auto fahren dürfen. Aber was ich nicht kapiere ist die braune Tüte. Die braune Tüte hat man über jegliche Form des Alkohols zu stülpen, damit niemand sieht, daß man Alkohol trinkt und dadurch selbst zum Alkoholkonsum verführt wird. Nun frag ich mich, was ist wohl in der Tüte, aus der der Typ im Park trinkt? Kekse? Cola? Die Milch der frommen Denkungsart? Oder handelt es sich um ein als Papiertüte getarntes Mobiltelefon, in das er reinspricht? Halten die einen hier für doof, oder was?

Der Zulauf bei den Anonymen Alkoholikern ist übrigens enorm.

Aber es gibt ja nicht nur Sex and Drugs and Rock´n`Roll, auch in anderen Lebensbereichen stehe ich oft wie der Ochs vorm Tor. In Sachen Umweltschutz sind die Amerikaner noch im Mittelalter. Plastikflaschen, Plastikverpackungen, Plastiktüten en gros. Recycling ist noch in den Kinderschuhen. Möchte man die Wasserflaschen in den Flaschenautomaten stecken, stellt sich heraus, daß der Supermarkt die Marke zwar verkauft, die Flaschen aber nicht zurücknimmt. Der Bock, den Supermodel Trittin mit dem Dosenpfand geschossen hat, ist also noch zu toppen. Geht man mit Körben und Stofftaschen zum Einkaufen, packt der Einpacker die Sachen trotzdem in Plastiktüten und stellt sie dann so in den Korb. Daß aber auch in den USA langsam aber stetig die Benzinpreise steigen, wird im Radio als Verschwörung der OPEC diskutiert. Ich traue der OPEC ja auch so manches zu, aber das Prinzip von Angebot und Nachfrage dürfte doch besonders in Amerika ein Begriff sein…

Nein, natürlich bin ich nicht so naiv zu glauben, daß das alles aus reiner Ignoranz geschieht. Die Rüstungsindustrie ist einer der größten Wirtschaftsfaktoren auf diesem Kontinent. Und natürlich sollten die einheimischen Produkte auch zum Einsatz kommen. Und was liegt da näher als der eine oder andere Krieg, den man möglichst gegen ein ölförderndes Land führt, um sich dort die zur Neige gehenden Vorkommen zu sichern?

Was ich aber nicht verstehe ist, daß man hier über diese Themen nicht spricht. Der Krieg ist tabu. Pinks Song „Dear Mr. President“, der den Münchenern schon zum Hals raushängt, weil er in der Endlosschleife von Bayern 3 zweimal pro Stunde einprogrammiert ist, wird hier von allen Sendern boykottiert. Radiomoderatoren, die andeutungsweise kritische Worte äußern, werden von ihren Co-Moderatoren recht schnell wieder vom Thema abgedrängt, könnte ja die Quote drücken. Viel unverfänglicher ist es da doch, Witze darüber zu reißen, daß Franzosen kein Deo verwenden und deutsche Frauen ihre Achseln nicht rasieren. Da ist dann plötzlich Ende mit der political correctness.

Ist es also tatsächlich so, daß es hier nur um eines geht, nämlich den schnöden Mammon? Gibt es niemanden, der sich die Mühe macht, mal einige Dinge zu hinterfragen, auf manches zu verzichten und ein Gewissen zu entwickeln?

Ich halte Euch auf dem laufenden, noch suche ich!