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Das Kleeblatt ist nun komplett

November 18th, 2012 Posted in Meerschweinchen

Neues aus Schweinhausen! Der Oktober endete mit einer Begegnung der dritten Art, oder eigentlich der vierten…

Biba, ein 10 Wochen altes Meerschweinchen, wohnte bis dato bei der Kleintierhilfe München. Dort war sie mit ihrer Familie gelandet. Bruder Butzemann, dessen Söhnchen Fidibum und Firlefanz, die beiden Schwestern Womba, die gleich mal fünf Babys bekam, und Tanti waren dort gestrandet. Womba und Tanti waren schlagartig mit der Aufzucht der fünf wunderhübschen, vielfarbigen Wonnewusel beschäftigt. Die drei Jungs wurden separiert, um weiteren explosionsartigen Vermehrungen vorzubeugen, inzwischen sind sie alle drei kastriert und fressen sich die Wämplein voll während sie sich gegenseitig von ihren OPs erzählen. (Wer sich die kleinen Wunder mal ansehen will und über eine Adoption nachdenkt: www.kleintierhilfe-muenchen.de. Viel Spaß beim Verlieben!!!)

Die kleine Biba war mit ihren 10 Wochen irgendwie so zwischendrin und doch nicht dabei. Sie saß alleine rum, muigte leise und war einsam. Und dann nahm ich sie auf meine Hand und sie knabberte an meinem Finger. Da war es um mich geschehen. Dieses spitznäsige, langhaarige, hellrote Vögelchen, das da so ganz bequem auf meiner Hand Platz hatte, gehörte einfach zu mir. Sie fand es auch ganz gemütlich, machte sogar die Äuglein zu. Also haben Conny von der Kleintierhilfe und ich entschieden, dass das Würschtel zu mir ziehen würde.

Nun zieht so ein Meerschweinchen ja nicht einfach zu einem Zweibein. Wenn man es ernst meint mit den kleinen Wollknäueln, dann hält man sie nicht allein oder als Pärchen, sondern hat eine ganze Gruppe. Dazu gehört ein kastriertes Böckchen und ein Harem aus Mädchen. Auf diese Weise bekommt man mit Geduld und viel Liebe und natürlich angemessenen Portionen an Löwenzahn und anderen Leckerlis eine harmonisches Rudel, das sich pudelwohl fühlt.

Um neue Schweinchen einzubürgern, gilt es normalerweise einen Prozess zu durchwandern, der der Vorgehensweise der US-Amerikanischen Einwanderungsbehörde gleicht. Die Muigis müssen zwar keine Stapel von Papieren ausfüllen, aber der Mensch und Salatschnippler steht vor der Aufgabe einer Vergesellschaftung. Das klingt furchtbar amtlich, ist aber in Wirklichkeit eine Sache, die eher ans Nervenkostüm geht.

Meine drei Stammschweinchen Oreo, Piri und Ginger wurden von den Nürnberger Pflegetantis Gabi und Christine für mich vergesellschaftet, weil sie damit viel Erfahrung haben. Ginger kam neu zu den beiden anderen. Und Piri ist ja nun nicht das charakterschwächste Schwein auf der Welt. Im Nachhinein bin ich saufroh (hic!), dass ich das nicht mit ansehen musste. Ginger muss so richtig Dresche bekommen haben von Piri. Oreo war natürlich begeistert, ein junges Hupferle, noch dazu so ein hübsches, vor die Nase gesetzt zu bekommen. Die arme Ginger hatte sich also gegen die amourösen Übergriffe des alten Lustmolchs Oreo zu wehren und gleichzeitig das zickende und gar nicht zimperliche Alphamädchen Piri davon zu überzeugen, dass sie eigentlich eine echt Nette ist und ihr ihren Chefsessel nicht streitig machen würde. So eine Situation zu beobachten und die Stärke aufzubringen, NICHT einzugreifen, stelle ich mir schrecklich vor. Wenn man sieht, wie dieses kleine Etwas Schläge bezieht und doch eigentlich nur dazugehören will, muss einem doch das Herz brechen.

Nun, Piri und Ginger mögen sich inzwischen sehr. Sie lecken sich sogar manchmal gegenseitig an den Öhrchen, oder Piri hat Appetit auf den Saft, der an Gingers Schnäuzchen zurückbleibt, wenn sie sich gierig auf eine Tomate gestürzt hat. Oreo ist sowieso zufrieden. Er hat zwei Superweiber, feines Essen, Platz zum Verstecken und ein Frauchen, das in albernem Singsang “koooooom, koooooom, kooooom mein Oreo, koooooom raus!” flötet, damit er sich nicht mehr vor seinem eigenen Schatten fürchtet.

Und diese Harmonie wollte ich nun stören, nur weil ich bei diesem kleinen, langhaarigen Etwas nicht sehen konnte, dass es allein rumsitzt und wir uns spontan ineinander verliebt hatten…

Conny meinte ganz cool “Die setzt Du einfach mal rein in den Stall, wenn wir Glück haben, hat sie noch einen Babybonus.”

Naja, ein wenig mulmig war mir dann schon als ich am 2. November das Kleine mit nach Hause nahm. Erst hab ich sie noch ein wenig gestreichelt und gekrault, um sie zu beruhigen. Autofahren in einem Transportkorb ist nicht eben ein Wellness-Treatment. Und dann kam der Moment der Wahrheit. Biba und eine große Portion Futter landeten zeitgleich im Meeri-Stall. Ginger stürzte sich sofort auf den Salat und hat erst mal gar nicht mitbekommen, dass da auch noch was anderes im Gehege saß und leise fiepte. Piri war da schon etwas differenzierter. Sie stürzte auf die kleine Biba zu und klapperte sie mit hoch erhobenem Kopf an. Biba hüpfte erschrocken zur Seite, was wiederum Ginger auf den Plan rief. Und los ging die wilde Jagd. Biba vorneweg, Ginger hinterher, kreuz und quer durch den Stall. Piri saß währenddessen auf dem Gemüsehaufen und beobachtete die Situation. Während die beiden Jüngsten also durch den Stall schossen und hüpften, rumpelte Biba in ihrer offensichtlichen Panik gegen den schlafenden Oreo und blieb wie zur Salzsäule erstarrt stehen. Oreo erschrak und schnappte. Biba quietschte und rannte. Oreo hinterher. Irgendwann landeten die drei dann rund um den Gemüseberg, auf dem immer noch in aller Ruhe kauend die dicke Piri saß. Biba beschloss offenbar, dass Essen jetzt wichtiger als Davonlaufen sei und stürzte sich todesverachtend auf das Gemüse. Ginger ließ sich, wie immer, leicht ablenken und knabberte an einer Tomate. Oreo schlich um seine Mädels rum und verglich die Gerüche der diversen Heckseiten. Offensichtlich zufrieden widmete er sich dann auch der Nahrungsaufnahme, wohl wissend, dass er zusehen muss, was abzukriegen.

Seitdem ist die heiße Luft raus. Piri befand Biba als ganz witzig, gelegentliches Anknurropfer, aber größtenteils harmlos. Ginger findet es klasse, endlich jemanden in der Rangfolge unter sich zu haben und nach Herzenslust die große Schwester raushängen zu lassen. Und Oreo, tja, dreimal dürft Ihr raten. Dem steht das Testosteron in den Augen. Er lässt keine Gelegenheit aus, das Kleine zu besteigen. Und anfangs sah das Ganze wirklich nach Kinderschändung aus. Aber inzwischen hält dieses kleine Flittchen still, sobald Oreo brommselnd an ihrem Popo riecht und lässt dem alten Knacker die Illusion…

Ich hab also jetzt vier Meerschweinchen. Wenn ich morgens runterkomme und mein Kleeblatt auf Futter wartend im Kreis sitzen sehe, kann ich mein Glück gar nicht fassen. Sie sind so hübsch und lieb, so verfressen und glücklich. Und jedes hat seinen eigenen Charakter.

Mein Glückskleeblatt…

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Ich bin die Biba

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und ich hab IMMER Hunger!

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Na Kleine, watt willste denn?

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Na gut, darfst mitessen.

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Essen mit zwei jungen Damen, PARADIESISCH!

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Frischer Giersch, da kommt auch der kleine Glückskeks Oreo angerannt.

Abendessen

Und das sehe ich jetzt jeden Tag!!!

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