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Die Invasion der Superschweinchen – oder – Inken im Baumarkt… … mit Fortsetzung…

Oktober 4th, 2012 Posted in Meerschweinchen

Dieser Blog, der ursprünglich dafür gedacht war, meine/unsere Erlebnisse in den USA zu dokumentieren, wird ja schon seit einiger Zeit zweckentfremdet. Es ist nun mal so, dass gerade ganz viel passiert im Leben der Autorin, was ganz und gar nicht mit den USA zu tun hat. Also hab ich den Titel und das Design angepaßt. Weltkarten spielen in meinem Leben im Augenblick keine so große Rolle. Und ein USA-Tagebuch ist es auch nicht mehr… Die Beiträge bleiben aber bestehen, also wühlt ruhig mal wieder in den Archiven.

Zurück in die Gegenwart.

Alles ist inzwischen ganz anders. Und nicht alles davon ist erfreulich, aber den Schmarrn, der sich so in meinem Leben zuträgt, erspar ich Euch. Aber das Leben hält immer auch schöne Dinge bereit, und an denen will ich Euch teilhaben lassen. 

Das Schönste, was im Moment so vor sich geht hängt mit drei kleinen Nagetieren zusammen, oder eigentlich mit drei, die dann zu zweit waren, Besuch von zwei anderen bekamen, dann wieder auszogen und mich dazu brachten, drei neue/alte zu adoptieren und Patentante für ein viertes zu werden.

Loriot sagte:“Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos.“

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Ich gehe davon aus, dass es ihm ein kleines, schiefes Grinsen entlocken wird auf seinem Sofa im Humoristenhimmel, wenn ich sein Zitat ausleihe…

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Ein Leben ohne Meerschweinchen ist möglich, aber sinnlos!!!

Ich weiß, ich weiß… Vor kurzem hab ich noch geschrieben, Haustiere hätten mindestens Kniehöhe zu haben und möglichst ein Hund zu sein. Pech gehabt, da nehm ich mir doch glatt einen Gesinnungswandel heraus. Das Zusammenleben über neun Monate mit Schweinchen in verschiedenen Konstellationen hat mich eines Besseren belehrt. Ich mag die kleinen Wusels einfach. Sie sind unkomplizierte, liebe kleine Fellknäúel, die lustige Geräusche machen, mich zum vermehrten Kauf und damit Konsum frischen Gemüses animieren und einfach Freude bereiten, wenn man sie richtig behandelt. Als sich meine Pensionsgäste, ohne sich auch nur einmal umzudrehen, zu ihren Original-Zweibeinern verabschiedet haben, war es schon sehr leer im Haus. Keine kleinen, pfeifenden Monster, die am Zäunchen hängen, wenn man morgens die Treppe runterkommt. Keine Bamby, die es sich unter meinem T-Shirt auf meinem Bauch gemütlich macht. Keine Aky, die Salatblätter stapelt und sich oben drauf setzt, damit sonst möglichst niemand drankommt. Kein Ramses zum Schmusen. Wer mampft denn nun all den schönen Löwenzahn und das feine Gras mit den zarten Rispen, das Bamby so geliebt hat? Muss ich wieder selbst den Rasen mähen?

Ich sage NEIN zum meerschweinlosen Haushalt!

Ich habe also entschieden, mir drei kleine Knuddelchen zuzulegen, die alle ein feines Zuhause suchen, wo sie in Ruhe und Frieden und nach Herzenslust wuseln, kötteln, knabbern, schlafen, gähnen, brommseln, muigen, bieseln, pfeifen, popcornen und quietschen dürfen.

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Gefunden hab ich die drei Monster bei www.kleintierhilfe-muenchen.de, einem Verein, der sich darauf spezialisiert, Kleinnager, die woanders mehr oder weniger dringend raus müssen, zu pflegen und im besten Fall weiterzuvermitteln. Wir waren uns recht schnell einig, dass wir die gleiche Philosophie haben, wenn es um die Anschaffung und Haltung von Meerschweinchen geht:

1. nicht vom Züchter: es gibt genügend Meerschweinchen, die schon existieren und wunderschön, lieb und allein sind. Mehr davon zu züchten incl. der perversen Auswüchse der Überzüchtung, halte ich für verbrecherisch.

2. nicht aus dem Zooladen, und schon zweimal nicht aus dem Baumarkt: die Haltung ist zum Heulen. Und selbst wenn man vermeintlich eines “rettet”, dann steht das nächste schon auf der neuen Orderliste des jeweiligen Marktes.

3. nie allein: Rudeltiere heißen Rudeltiere, weil sie in einem Rudel leben. Wie schwer ist das zu begreifen? Also gibt es bei mir den Klassiker: Ein Böckchen, natürlich eines, das nicht mehr viel „anstellen“ kann, außer jeden mit der Erzählung von seiner Kastration zu langweilen. Und dazu mindestens zwei Weiber. Wenn die Meeris schon bei uns Menschen leben müssen, dann wenigstens in Gesellschaft von Artgenossen, mit denen sie sich unterhalten können.

4. Feines, gesundes Futter: an und für sich sind sie anspruchslos. Frisches Grün und gaaaaaaaaanz viiiiiiiiieeeeel Heu. Warum und was könnt Ihr bei www.kleintierhilfe.de und vielen Internet-Foren nachlesen.

5. Besonders wichtig! VOR der Anschaffung informieren. Man muss noch genug lernen, wenn man sie dann hat. Da sollte vorher zumindest geklärt und durchdacht sein, was die Mäuseschatzis brauchen und ob man sich darauf wirklich einlassen will.

6. Viel Platz: 1qm pro Schwein. Und damit kommen wir zu einem Nebenstrang der Schweinestory, die ich Euch einfach nicht vorenthalten kann. ZU KÖSTLICH!!!

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Aber erst mal die drei Wusels, die demnächst bei mir einziehen:

Das ist im Moment noch Chica. Da Steffis “Hund” aber schon Chica heißt (und es kann nur Eine geben!!!), braucht Chica einen neuen Namen. Erst dachte ich an Zora, weil sie ja so ein wenig rot ist. Aber jetzt geht mir Ginger nicht mehr aus dem Kopf. Erstens passt die Farbe besser, zweitens liebe ich Ingwer, und drittens klingt Ginger ähnlich wie Chica. Und dann hat meine Kleine vielleicht weniger Probleme damit, sich an den Namen zu gewöhnen. Wir werden sehen. Aber jetzt kuckt mal, wie entzückend das Mädchen ist!

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Chica-Ginger ist ca. 2 Jahre alt, hat kurzfristig bei der Kleintierhilfe in einer kleinen Gruppe gewohnt und wird jetzt in Nürnberg von lieben Menschen, die eine Pflegestelle für die Kleintierhilfe haben, an meine anderen beiden gewöhnt.

Die Tierchen müssen, wie man sagt, vergesellschaftet werden. Meerschweinchen leben in Rudeln und sind somit eine gewisse Fluktuation gewöhnt, aber besonders die Mädchen verteidigen ihr Revier. Und in kleinen Gruppen fällt ein Neuling natürlich mehr auf als in einem großen Rudel. Man muss sich deshalb mit dem Verhalten der Kleinen gut auskennen und soll natürlich so wenig wie möglich eingreifen, auch wenn es mal wild zugeht… Ich bin jedenfalls froh und dankbar, dass Gabi das für mich übernimmt, sie hat da viel Erfahrung. Chica-Ginger traf nämlich auf ein echtes Charakter-Schwein namens Speedyline, die in Zukunft Piri heißen wird. Und Piri ist schon a piece of work… Piri hat nämlich Paprika im Popo, jawoll! Deshalb „Sollst mir sagen Piri, scheener Deitscher Stuuudent.“

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Speedyline-Piri kann genauso beleidigt kucken wie ich, und ich hoffe, dass es bei ihr dann auch drauf rausläuft, dass das schnell wieder vergeht… UND sie hat das gleiche Hobby wie ich: sie sammelt Kinne, zwei hat sie schon! Und überhaupt ist sie wunderschön.

Sie ist 3 Jahre alt und wurde bereits als Rampensau beschrieben. Angeblich popcornt sie sogar manchmal. Was das ist? Wißt Ihr, was Popcorn in der heißen Pfanne macht? Ja? Na dann wißt Ihr auch, was popcornen bei Meeris ist. Das machen sie aus Übermut und Wohlbefinden. Ich freu mich schon darauf, das mal live zu sehen. Man muss ihnen übrigens dazu nicht von unten einheizen 😉

Piri hat Eierstockzysten. Das ist nichts, was sie oder mich besonders beeinträchtigen wird. Wir müssen nur alle acht Wochen zum Tierarzt und täglich Medizin schlucken. Die scheint aber lecker zu sein, wie man auf dem Bild sieht…

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Der Dritte im Bunde, unser Haremswächter und Oldie, ist Flocki. Nun geht „Flocki“ ja noch nicht mal für nen Hund. Grusel! Meine liebe Steffi meinte, sein Gesicht sähe aus wie ein Oreo-Keks.

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Und da hat sie Recht. Also heißt Flocki in Zukunft eben wie der wunderbare Keks: Oreo

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Oreo ist schon 5 Jahre alt und ein wenig scheu. Aber er ist auch lieb. Und mein Herz schlägt spätestens seit Ramses, meiner großen Meerschweinchenliebe, sowieso für alte Knacker. Natürlich sind sie schwer vermittelbar, also musste ich mich zwischen ihm und einem ganz entzückenden anderen Böckchen entscheiden. Leicht war das nicht, aber ich denke, ich habe die richtige Entscheidung getroffen. Und ich freu mich sehr darauf, ihm zu zeigen, dass er jetzt endlich dort angekommen ist, wo er seine Rentenjahre verbringen kann.

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Und er ist doch wirklich ein Hübscher. Sind diese Öhrchen nicht zum Reinbeißen?

So, das sind also meine drei Löwenzahnvernichter und Öko-Rasenmäher. Sie werden am 13. Oktober bei mir einziehen.

Um ihnen ein schönes Leben zu bereiten, und nichts anderes kann der Plan sein, wenn man sich ein Tier zulegt, brauchen sie wie oben erwähnt Platz. Meine Schweinemaisonette fand keinen Anklang bei den Profis. Also wurde sie nach Auszug von Aki und Bamby wieder abgebaut und in die Garage entsorgt.

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Und dann ging die Grübelei los, wo und wie und wie groß und wohin und so weiter. Und das ist das Ergebnis:

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Ich hab ja zwischendurch mal überlegt, in eine Zweizimmerwohnung zu ziehen und den Schweinchen das Haus zu überlassen, aber wir wollen es mal nicht übertreiben. Schließlich kriegen die Süßen den Kühlschrank nicht ohne meine Hilfe auf. Und ihren Stall putzen sie auch nicht selbst. Meerschweinchen LASSEN putzen…

Also hab ich die Couch verschoben. Kann ich übrigens jedem empfehlen, man findet interessante Dinge unter und hinter der Couch, wenn man sie mal zwei Jahre am gleichen Platz stehen hatte. Nicht alle davon sind übrigens appetitlich. Und leider bleibt mein Perlenohrring weiterhin verschollen, wurde wohl doch verschluckt. Aber das führt zu weit…

Der Plan wurde unter Mithilfe von Conny und Peter konkretisiert. Die beiden kennen alle Tipps und Tricks, wenn es um den Eigenbau geht. Ich hab dann noch ein wenig im Internet gesucht und vieles gefunden, wie zum Beispiel…

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Dann hab ich Maßband, Geodreieck und Stifte gepackt, gemessen, gestöhnt, gekniet, geächzt, neu gemessen, noch mehr gestöhnt, gezeichnet, getippext, gestöhnt, geraucht, mehr geächzt, Kaffee getrunken, und raus kam…

DAS!

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Na? Könnt Ihr Euch das in etwa vorstellen?

Mit dieser Frage schlug ich dann im Baumarkt auf. Yippieyayayippieyippieyeah! Habt Ihr eine Idee, wie es weitergeht?

Ich fahre also in das gigantische Parkhaus eines großen Baumarktes, der damit wirbt, dass jedes Projekt eine willkommene Herausforderung ist. Mein kleines Auto stand ganz verloren zwischen all den mit Anhängern bestückten Profifahrzeugen und hat sich angemessen gefürchtet. Ein mindestens vier km langes Transportband brachte mich in den ersten Stock. Ab sofort ging ich nur noch mit dem Kopf im Nacken durch die Gänge, um das Schild „Holzzuschnitt“ nicht zu übersehen. Ha! Gefunden!!!

Da stand er, der Profizuschneider, und sah aus, als ob er nur auf mich gewartet hätte!

Ich:“Ich habe ein Projekt. Ich möchte ein Meerschweinchengehege bauen, und zwar für drin.“

Er:“Mhm“

Ich:“Ich hab eine Skizze dabei und will mir von Ihnen die Teile zuschneiden lassen.“

Er:“Mhm“

Ich:“Mir ist vor allem wichtig, dass Sie mir sagen, ob das so überhaupt geht.“

Er schüttelt den Kopf.

Ich:“Warum schütteln Sie den Kopf?“

Er schüttelt den Kopf wieder.

Ich:“Können Sie das nicht?“

Er:“Mhm“

Ähm, was denn nun? Ich ignoriere das mal.

Ich:“Welches Material nehm ich denn am besten? MDF und Plexiglas? Oder Spanplatten und Acryl?“

Er schüttelt den Kopf und sagt „Mhm“. Kopfschütteln und Mhm passen aber in meiner Erlebniswelt nicht zusammen. Hinter mir bildet sich eine Schlange aus Männern, die offensichtlich alle genau wissen, was sie wollen. Also trete ich beiseite und lasse sie vor. Zwanzig Minuten später, Herr Zuschneider kehrt an die Theke zurück, sichtbar unglücklich, mich immer noch hier anzutreffen.

Ich:“Also, dann machen Sie mir jetzt mal ein Angebot.“

Er:“Wenn, dann schreib ich einen Auftrag.“

Ich schüttle den Kopf und sage „Mhm“. Er ist irritiert und fragt „jetzt doch nicht, oder was?“

Ich:“Sie schulden mir noch ein paar Antworten, bevor wir hier von einem Auftrag reden.“

Er:“Aso, ich dachte, das wäre klar.“

Ich:“Nö.“

Er:“Hab kein Plexi da.“

Ich:“Haben Sie Acryl da?“

Er:“Muss ich schauen.“ Er bewegt sich nicht.

Ich:“Wann genau wollen Sie denn schauen? Vielleicht JETZT?“

Er:“Mhm“ und schlurft ins Lager.

Hinter mir hat sich eine neue Schlange gebildet. Jemand interessiert sich für meine Skizze und fragt, ob ich mir ein Bett bauen will. Ich erkläre kurz, was das werden soll und ernte, na ratet mal!, ein von Kopfschütteln begleitetes „Mhm“. Ist den Leuten eigentlich klar, dass Kopfschütteln negiert und Mhm bestätigt? Späne im Schädel, oder was?

Herr Zuschneider kommt zurück und sagt:“Hab doch Plexi, aber kein Acryl.“

Ich:“Dann also Plexi. Kann ich das bohren und schrauben?“

Er:“Wie dick?“

Ich:“Wie dick gibt es denn?“

Er:“Muss ich schauen.“

Ich:“Fein!“

Er schlurft davon und schlurft zurück.

Er:“5 oder 8″

Ich mutmaße, dass er von Millimetern spricht und sage „5 müssten reichen“.

Er schüttelt den Kopf.

Ich:“Sind 8 vielleicht besser?“

Er schüttelt den Kopf und sagt:“Das können Sie nicht kleben.“ Ich denke kurz darüber nach, ihm zu sagen, wem ich gerade gerne was kleben würde, entscheide mich aber dagegen und lasse die nächsten drei Kunden vor, die hinter mir bereits einen Lynchmob bilden (gegen MICH!!!!).

Zuschneider kommt zurück zur Theke, stellt fest, dass ich nach wie vor nicht aufgebe und scheint davon beeindruckt. Er sagt, und das ist der erste vollständige Satz aus seinem Mund,“Der Kollege, der Aufträge schreibt, macht gerade Pause.“

Ich:“Könnte aber hinhauen, dass er aus der Pause zurück ist bis wir zwei Hübschen hier fertig sind, ODER?“

Er:“Mhm“

Ich:“Darf ich einen Vorschlag machen?“

Er kuckt fragend. Ich verstehe das mal als Zustimmung und sage:“Wir berechnen jetzt mal miteinander, welche Teile ich aus welchem Material brauche, dann addieren wir das, rechnen das Plexi dazu und die Lieferung, und dann weiß ich schon mal, was da auf mich zukommt.“

Er:“Dazu muss ich aber einen Auftrag schreiben.“

Ich:“Geben Sie mir bitte einen Zettel, einen Kuli und einen Taschenrechner, bedienen Sie die anderen Kunden, und ich rechne so lange die Flächen aus.“

Er:“Mhm“

Er bedient, ich rechne, er ist fertig, ich bin fertig.

Ich:“Jetzt wissen wir, wieviel MDF ich brauche und wie viel Plexiglas. Können Sie mir jetzt ausrechnen, was das kostet?“

Er:“Plexi gibt es nur bis 2 Meter“

Ich:“Dann nehm ich die und brauch dann aber noch ein Brett mit 40×40 aus MDF extra.“

Er:“Das können Sie aber nicht kleben.“

Ich:“Das ist ja auch genau der Grund, warum ich gefragt habe, ob ich Plexiglas bohren kann.“

Er:“Mhm“

Ich:“Kann ich?“

Er:“Was?“

Ich:“Plexi bohren.“

Er:“Kleben können Sie es jedenfalls nicht.“

Ich:“Kann ich in Plexiglas Löcher bohren und die Scheibe dann mit den MDF-Platten verschrauben? Antworten Sie bitte nur mit Ja oder Nein.“

Er:“Mhm“

Hinter ihm erscheint ein Kollege. Er kaut noch, es scheint also der Pausierende zu sein. Er stellt sich an die Theke, betrachtet kauend meine Skizze, schüttelt den Kopf und sagt:“Mhm“

Ich:“Rechnen Sie mir bitte aus, was das alles zusammen kostet?“

Zuschneider 1:“Plexiglas ist teuer.“

Ich:“Würden Sie bitte meine Frage wiederholen?“

Er:“Sie wollen wissen, was das kostet.“

Ich:“Sehr gut. Und jetzt rechnen Sie mir das bitte aus.“

Er:“Billig wird das nicht.“

Ich:“Möchten Sie, dass ich wieder gehe?“

Er:“Wie kommen Sie denn darauf?“

Nun, es kam wie es eben kam. Man schrieb den Auftrag. Ich wurde mehrmals gefragt, ob ich sicher sei, dass Inken mein Vorname ist, ich ging zum Infoschalter, um die Lieferung zu organisieren und dachte, dass die Realsatire hier ihr Ende hätte.

Ich:“Hallo, ich würde mir gerne diesen Auftrag liefern lassen.“

Mann am Infoschalter:“Wohin?“

Ich:“Steht auf dem Auftrag.“

Er:“Mhm.“ Er rührt sich nicht, also verrate ich ihm wo ich wohne, damit hier endlich was weitergeht.

Er:“70Euro“

Ich:“Sie verstehen mich falsch, ich will keinen LKW kaufen, ich will mir ein paar Bretter liefern lassen.“

Er:“70 Euro.“

Ich:“Für 5km.“

Er:“Mhm“

Ich:“Darüber zu diskutieren macht keinen Sinn, nehme ich an?“

Er schüttelt grinsend den Kopf.

Ich:“Ok, machen Sie das eben. Ich brauch noch Styroporplatten, wo find ich die?“

Er:“In Straße 5″

Ich:“Straße 5…?“

Er deutet mit dem Daumen hinter sich auf ein Außengelände, auf dem einige Gabelstapler scheinbar beschäftigt ihre Kreise ziehen. Ich bitte den Herrn, den Auftrag fertig zu machen während ich die Styroporplatten hole. Er sagt „Mhm“, und ich ziehe los. Ich finde was ich suche und kehre zurück.

Er:“Wollen Sie die auch haben?“

Ich:“Nein, die wollte ich nur ein wenig spazieren tragen. Ich dachte, die bräuchten Abwechslung.“

Er:“Hä?“ Ok, Ironie funktioniert hier nicht.

Ich:“Ist die Lieferung organisiert?“

Er:“Konnte nicht, Sie waren ja nicht da.“

Ich:“Was brauchen Sie denn noch von mir?“

Er:“Datum.“

Ich:“Das Lieferdatum? Also am Telefon hat man mir gesagt, das ginge am gleichen Tag.“

Er schaut auf die Uhr, stellt fest, dass er keine trägt. Ich:“Es ist 14:25Uhr.“ Er:“Wenn Sie vor einer Stunde da gewesen wären, würde es bis morgen klappen.“ Vor einer Stunde stand ich mit Herrn Zuschneider Nase an Nase im Ring!!!

Ich:“`geklappt haben´ meinen Sie.“

Er:“Hä?“ Ok, Grammatik also auch nicht…

Ich:“Egal, also übermorgen.“

Er:“Übermorgen ist Freitag.“

Ich:“So ist es.“

Er schüttelt den Kopf. Muss er freitags zum Gebet? Er schaut so bayrisch aus…

Ich:“Bis wann können Sie denn liefern?“

Er:“Wir rufen Sie an.“

Ich:“Nein, mein Lieber. Am Samstag in einer Woche bekomme ich die Tiere. Und vorher muss das Zeug fertig sein.“

Er:“Also nächsten Freitag.“

Ich:“Nö, diesen Freitag.“

Er:“doch nicht an einem Freitag.“

Ich:“Dann morgen, morgen ist Donnerstag.“

Er:“nein“

Ich:“Samstag?“

Er:“Kostet 30 extra.“

Ich:“Montag?“

Er schüttelt den Kopf.

Ich:“Reden Sie mit mir, Mann!!!“

Er:“Sind wir aber ungeduldig!“

Von hinten kommt ein weiterer kauender Mitarbeiter und fragt mit vollem Mund, was los sei.

Info-Herr zu Kauendem:“Da sollen wir morgen liefern.“

Kauender:“Wohin?“

Info-Herr:“da hin“ und zeigt auf meine Adresse.

Kauender:“70Euro und nicht vor nächstem Freitag.“

Ich:“50Euro und morgen.“ Blöd daherreden kann ich auch!

Kauender lacht und sagt:“wir handeln hier nicht.“

Ich:“Dann machen Sie mir einfach ein akzeptables Angebot.“

Er schluckt.

Ich:“Können Sie das?“

Er fühlt sich offenbar herausgefordert und sagt:“Am Preis kann ich nix machen, aber Mittwoch geht.“

Ich:“Na also. Dann Mittwoch.“

Mein Auftrag wird erneut gedruckt, ich schleppe mich, mein Styropor und meinen Auftrag zur Kasse und bin schlagartig, naja, ne Menge Geld los. Gizmo freut sich, dass er wiedergefunden wird, ich stopf das Styropor auf den Beifahrersitz und fahre heim. Und da ist weit und breit niemand, dem ich eine in die Fresse hauen kann!!!!

Aber die Freude über die Bewohner wird all den Ärger in den Schatten stellen. Ich freu mich so auf die drei!!!!

Ob ich nun nächsten Mittwoch meine Lieferung bekomme wird sich zeigen. WAS ich geliefert bekomme steht auch in den Sternen. Auf jeden Fall brauche ich noch Teichfolie, Schrauben, kleine Latten usw. Ich halte Euch auf dem laufenden…

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Samstag, oder Tag Drei nach Baumarkt, das Telefon läutet.

„Schuster!“

„Hallo Herr Schuster, Ihre Frau hat bei uns ein Brett bestellt.“

„Das kann nicht sein.“

„Doch, Frau Iiiiink… Iiinka Schuster.“

„Das bin ICH.“

„Wie jetzt?“

„Mein Name ist Inken Schuster, ich bin Frau Inken Schuster.“

„Sag ich doch. Haben Sie Schnupfen?“

„Nö, warum?“

„Sie klingen wie Ihr Mann.“

„Sie meinen verschnupft?“

„Nö, tief halt.“

„Das kommt vom Absinth und dem Opium.“

„Ach so. Ähm, Ihr Brett ist fertig, Herr Schuster.“

„FRAU Schuster. Und es ist nicht nur ein Brett.“

„Warum?“

„Warum was?“

„Was denn noch?“

„Mehrere Bretter und eine Plexiglasscheibe.“

„Sag ich doch.“

„Sagen Sie nicht.“

„Doch, aber das passt schon.“

„Das hoffe ich.“

„Holen Sie es dann heute ab?“

„Nein, Sie liefern am Mittwoch.“

„Holen Sie es halt, dann haben Sie es.“

„Ihre Logik ist zwingend, aber Sie kennen mein Auto nicht.“

„Kaputt?“

„Nein, klein.“

„Wird schon passen.“

„MX5?“

„Liefern kostet.“

„Hab ich schon bezahlt.“

„Ist Ihnen Dienstag recht?“

„Oh, einen Tag früher, cool! Klar ist mir das recht. Wann denn?“

„Na Dienstag.“

„Wann am Dienstag?“

„Na, gleich früh.“

„Nennen Sie mir eine konkrete Uhrzeit, Soldat.“

„Hä? Äh, Sie sind die Erste auf der Tour, so zwischen zehn und halb elf?“

„Das lob ich mir, wunderbar.“

„Passt das?“

„Ja, passt hervorragend.“

„Gut, dann auf Wiederschauen Herr Schuster.“

„Auf Wiedersehen, Fräulein.“

„Hä?“

Ich hab dann aufgelegt.

Am Dienstag erzähl ich dann, wie der Lieferer so war…

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