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Archive für Januar 2009
Inauguration - 20. Januar 2009 - Yes We Did!
24.1.2009 by Inken.
Die Vereidigung des neuen Präsidenten der USA, Barack Obama, wurde auch von vielen Menschen in ganz Europa verfolgt. Ich plage hier also niemanden mit historischen Details, der richtigen Reihenfolge der Wörter des Schwurs, oder der Aufzählung der gesamten Prozedur. Was ich aber erzählen kann ist, wie man hier bei uns in West Hartford diesen Tag erlebt hat.
In Downtown West Hartford gibt es das Restaurant “Grants”, das zusammen mit einem lokalen Radiosender kostenlose T-Shirts und Chili verteilt hat. Also haben Claudia und ich uns in die Kälte gewagt und uns in die Schlange der Hungrigen eingereiht. Leider ist das “Grants” auf der Schattenseite der Hauptstraße, aber das Chili hat uns mit den kalten Füßen versöhnt.
Und so sieht man aus, wenn man beim Radio arbeitet, nicht zwingend, aber vielleicht hat man es dann leichter…
…ein kleiner Kommentar zum Thema Waffenbesitz in den USA:
Wir hatten also jetzt unsere T-Shirts, ein Schüsselchen Chili mit Maisbrot und Themen-Limonade:
Brenda, unsere Englischlehrerin, ist mit Ralph befreundet, der wiederum der Vermieter und Nachbar von Claudia ist. Brenda hat uns eingeladen, die Inauguration bei Ralph auf dem Edelriesensuperstaubfreiflachbildschirm anzuschauen. Wir kamen gerade rechtzeitig zwei Minuten vor der Vereidigung an. Es gab wieder Chili… Es scheint Obamas Lieblingsspeise zu sein. Für alle, die nicht sowieso schon ihr höchstpersönliches Chilirezept auf mindestens zwanzig Parties erprobt haben, hier das Rezept (Leo hilft beim Übersetzen):
Das ist Ralph, unser Gastgeber.
Hier, von links nach rechts, Claudia und Brenda.
Die Anwesenden haben die unterschiedlichsten politischen Einstellungen. Deshalb war besonders beeindruckend, daß absolute Einigkeit über die Großartigkeit des Augenblicks bestand. Natürlich wurde auch über Michelles Garderobe diskutiert, ich hab´ sogar die Wette gewonnen, die wir zur voraussichtlichen Farbe ihres Ballkleides abgeschlossen haben, aber vor allem war für alle der Inhalt der Rede wichtig. Der Gesichtsausdruck von George W. wurde mit durchweg ironischen Bemerkungen kommentiert. Das sprachliche Durcheinander bei der Vereidigung gab Anlaß zu heftigen Spekulationen, wer nun eigentlich was falsch gemacht hat und ob die Vereidigung wiederholt werden müsse (Inzwischen wissen wir ja, daß der Schwur später noch mal richtig durchgeführt wurde, damit nicht irgendwer auf dumme Gedanken kommt.). Natürlich waren auch die “First Kids” ein großes Thema. Claudias Töchter finden ihr Leben plötzlich sehr leer und fühlen sich absolut unterprivilegiert, seit sie gehört haben, daß Malia und Sasha nun einen Indoor-Pool und ein eigenes Kino haben. Daß dann auch noch bei der Schnitzeljagd mit Freunden im Weißen Haus ganz unvermittelt die Jonas Brothers auftauchten, war natürlich der Kringel auf der Sch…! Claudia und Jürgen werden sich in der nächsten Zeit wohl damit beschäftigen, die Mädels wieder auf den Boden der Realität zu bringen.
Alles in allem war es einfach schön, die positive Stimmung des Tages mitzuerleben. Die Menschen sind voller Hoffnung, wohl wissend, daß schwere Zeiten vor ihrem neuen Staatsoberhaupt liegen. Obama wird ein paar sehr unschöne Themen zu stemmen haben. Und die Bevölkerung wird in vielen Dingen umdenken müssen. Man könnte schon mal damit anfangen, den Motor seines Autos NICHT laufen zu lassen, während man im Supermarkt ist, oder sich ein paar Einkaufskörbe zulegen, um nicht jedesmal mit zwanzig Plastiktüten nach Hause zu kommen. Aber all die anstehenden Probleme, wirtschaftliche, außen-, innen- und umweltpolitische, werden die Amerikaner in den nächsten Jahren in Atem halten. Ich hoffe sehr, daß sich vieles zum Besseren ändert und nicht nach der momentan großen Euphorie wieder vergessen wird.
Aber am wichtigsten ist, daß es den ersten schwarzen Präsidenten gibt, was den Willen zur Veränderung ja zu manifestieren scheint.
USA, bist Du “ready for the change”?
Links:
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Oh Tannenbaum!
1.1.2009 by Inken.
Nach einem viel zu kurzen Urlaub auf Aruba und einem rauschenden Geburtstagsfest im tief verschneiten West Hartford konnte auch für uns die “stade” Zeit beginnen. Schon im letzten Jahr hatte ich begonnen, das sachliche und doch recht Achtzigerjahre-lastige Silber und Blau vom Weihnachtsbaum zu verbannen und beschloss, mich endgültig dem Kitsch hinzugeben. Das ist nicht besonders schwierig, wenn es auch gewaltige Unterschiede in der Kitschqualität gibt…
Hier der Schuster´sche Baumbehang:
Irgendwie sind mir da einige Vögel ins Netz gegangen. Der bunte ist ein Zugvogel aus München, der es noch rechtzeitig zu uns geschafft hat.
Wo viele Frauen sind…
…sind auch Schuhe nicht weit.
Einige baumelbeinige Typen haben sich zu uns verirrt und hängen jetzt hier rum. Mein Liebling ist der Roboter.
Natürlich muss es ordentlich glitzern, wenn es richtig kitschig sein soll.
Die drei großen Leidenschaften: schnelle Autos, Kaffee und Schnaps…
Und da unsere blaue Weihnachtsbaumspitze sich als nicht druckresistent erwiesen hat, krönt den Baum (Gruß nach Berlin!!!) eine Plüschkuh mit Mütze. So ganz glücklich bin ich nicht mit der Lösung, aber WAS ZUM HENKER macht man mit einer bemützten Plüschkuh sonst? Claudia I., bitte um einige Hege- und Pflegehinweise!
Um Gerüchten vorzubeugen: der Baum ist nicht aus rosa Plastik, wir sind schließlich nicht in Kalifornien. Er ist eine solide kanadische Tanne, absolut kompatibel mit deutschen Christbaumständern und ein hübsches, harmonisches Kerlchen.
Und so sieht er aus:
Die Hohoho-Tüte hat übrigens einen eingebauten, ohrenbetäubenden Alarm mit Bewegungsmelder, der eigentlich losgehen soll, wenn besonders neugierige Ehemänner nicht bis zur Bescherung warten können. Bei sehr trockener Luft und deshalb etwas wackeligen Dielen kann das auf Dauer ziemlich nerven. DIE merk ich mir für nächstes Jahr, da kann man mit den Weihnachtspaketen in die Heimat den Paketeschubsern am Zoll ein wenig das Leben schwer machen…
So, das war die Geschichte vom Baum. Unserer stand erst ab dem 24. Dezember, wie sich das gehört. Bei einigen Amerikanern wird der Baum direkt nach Thanksgiving aufgestellt, oder am 1. Advent. Da unser Tännchen aber jetzt schon ziemlich bröselt, werde ich mich in der Hinsicht sicher nicht veramerikanisieren lassen. Versprochen!
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