Inkens Welt

ehem. USA-Tagebuch
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St. Patrick´s Day Parade – Hartford

März 28th, 2008 Posted in Unser Amerika

Der Heilige Patrick wurde im späten vierten Jahrhundert nach Christus in Wales geboren. Damals hieß er noch ganz bürgerlich Patrick Maewyn und ahnte nicht, wie steinig der Weg zur Heiligsprechung werden würde.

Zu seinem Umzug nach Irland gibt es zwei Theorien. Eine spricht davon, daß plündernde Iren den sechzehnjährigen Patrick als Sklaven mit nach Hause nahmen. Die andere hält ihn für den Sohn eines römischen Soldaten, die plündernden und kidnappenden Iren gibt es aber auch in dieser Theorie. Wie auch immer, er kam nach Irland, fristete sein Leben als Schafhirte, hatte das irgendwann satt und ging für einige Jahre ins heutige Frankreich, weil ihm ein Engel einen Ortswechsel empfahl. Dort ließ er sich zum Priester ausbilden. Ab da empfand er es als seine Berufung, die irischen Heiden von Häretikern zu guten Christen zu bekehren. Wie wir alle wissen, ist ihm das recht gut gelungen. Dabei ging er angeblich nicht gerade zimperlich vor. Er hat Irland nachhaltig von den „bösen Schlangen“ befreit, wobei er sie nicht etwa diplomatisch um Verlassen des Landes gebeten hat, sondern sie unter beherztem Einsatz seines Bischofsstabs überredete. Mit diesen Schlangen sind natürlich die Anhänger der Naturreligionen gemeint, silberne Sicheln schwingende Druiden und sonstige Heiler, Hexen und ähnliches Gesocks.

Man mag von Christianisierung halten was man will, Patrick war nicht nur ein Bischofsstab schwingender Schläger mit Mission. Er gründete Klöster, Schulen, Kirchen und sorgte dafür, daß die Geschichte und Geschichten der Iren aufgeschrieben wurden. Bildung und Zivilisation kehrten also in Irland ein. Es kann dann nicht mehr lange gedauert haben, bis die Iren ihre Vorliebe für alkoholische Getränke entwickelt haben…

Der 17. März ist Patricks Todestag. Und da es in den USA ja nun mal `ne Menge Iren gibt, wird der St. Patrick´s Day in größeren Städten mit einer Parade begangen. Schon Wochen vorher bekommt man in allen möglichen Läden Dekoration, dumme Hüte etc. in Grün und mit dem irischen Kleeblatt versehen zu kaufen. Es ist natürlich DIE Gelegenheit, mal wieder den Kleiderschrank zu durchforsten, um nachzusehen, was man denn selbst noch in Grün in petto hat…

Nähere Informationen über den St. Patrick´s Day, grün gefärbte Flüsse und Paraden in anderen Städten wie Boston und Chicago findet Ihr auf www.wikipedia.com. Wir waren auf „unserer“ Parade in Hartford.

Wir suchten uns in der „Altstadt“ von Hartford ein Plätzchen, von dem aus man gute Sicht hatte, und harrten der Dinge, die da kamen.

So sieht es übrigens in Hartford aus. Um einen meiner Mutter verhaßten Spruch zu verwenden: goa net amoi so schiach!

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Irgendwann tauchte auch Dunia mit ihren beiden grün behüteten Söhnen auf. Wie man ihr wohl ansieht, war es a….kalt an diesem Tag.

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Die Zuschauer versuchen sich mit grünen Klamotten so irisch wie möglich zu geben. Treuen Wies´nbesuchern wird sich die Frage stellen, ob die schicken Kopfbedeckungen wohl aus der Werkstatt des gleichen Meisters stammen wie die ach so echten Seppelhüte, die sich die Australier so gerne als originales Andenken aus München mitnehmen. Auf jeden Fall ist der ganze Schnickschnack ziemlich teuer. Sehr beliebt sind lange grüne Plastiktröten, durch die sich in die eine Richtung laute Geräusche produzieren lassen, in die andere Richtung hervorragend Bierdruckbefüllungen bewerkstelligen lassen. Simpsons-Fans kennen die von Bart´s erstem Vollrausch.

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Da Amerikaner es gerne gemütlich haben und gut gerüstet sind, nimmt man schon mal einen Klappstuhl und Proviant mit.

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Und dann ging es los. Der Blick die Main Street runter ließ uns hoffen, daß wir nicht festfrieren würden… Hören konnte man die Parade allerdings lange bevor man sie sah.

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Den Anfang machten wie schon bei der Thanksgiving Parade die Polizisten. Auch hier brandete Jubel auf, als die Harleys in Sicht kamen. Die Amis mögen ihre Bullen wirklich.

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Zu den Rescue-Kräften, die in den USA verehrt werden, gehört spätestens seit Nineeleven die Feuerwehr. Die Wagen sind sehr hübsch, wie ich finde. Ob sie auch effektiv sind, keine Ahnung. Auf jeden Fall machen sie eine Menge Lärm.

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Und mancherorts sind sie gelb, wie in Rocky Hill.

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Ich dachte ja bisher, auf Paraden wäre man zu Fuß unterwegs. Naja, wieder was gelernt…

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Nicht alle haben schicke Autos, manche haben nur ein Golf-cart. Die Ärmsten!

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An der Parade nehmen alle möglichen Vereine, Schulen und sonstige Irische und nicht-Irische Interessensgruppen teil. Ein sehr bunter Mischmasch. Aber seht selbst.

Da gibt es Irische Trachtenvereine…

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Die Repräsentanten der verschiedenen Grafschaften Irlands…

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Die Iron Workers waren gleich mit drei Generationen vertreten. Die Iron Workers sind die, die ohne Sicherung und völlig schwindelfrei hoch über den Metropolen auf den Stahlträgern balancieren, um Wolkenkratzer zu bauen. Wen dieses Thema interessiert, und sei es nur, um sich mal wieder an ungehemmtem Machismo zu erfreuen, der surfe doch mal nach http://www.nmai.si.edu/exhibitions/booming_out/indexfla.htm

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High und Middle Schools aller möglichen Stadtteile proben monatelang Stöckchen werfen, Trommel schlagen und Haxen schmeißen, um dabei sein zu dürfen.

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Bei diesen Temperaturen im Miniröckchen ohne Strümpfe ist ehrgeizig, aber wahrscheinlich wird einem schon warm beim Marschieren.

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Hier ein paar standhafte Zinnsoldaten.

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Zwischendurch sah man immer wieder ein bisserl Prominenz.

Unsere Gouverneurin M. Jodi Rell (http://www.ct.gov/governorrell/site/default.asp)in High Heels, kaum zu glauben, hoffentlich hat Herr Gouverneur ein Talent für Fußmassagen…

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Die Governor´s Footguard hat es da ironischer Weise bequemer.

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Naja, nicht alle…

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Ich weiß nicht, wer er ist, aber irgendwie sieht er prominent aus…

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Wer ER ist, weiß ich zwar, aber dafür hab ich keine Ahnung, was Spiderman hier verloren hat…

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Miss Connecticut mit eingefrorenem Dauergrinsen und in ganz unStPatrickschem Flieder.

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Noch eine Miss… Stupsnäsiger, und offensichtlich noch nicht ganz so professionell.

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Und noch ein Grüßaugust, der mir unbekannt blieb. Aber in Begleitung einer weiteren Dame tapfer in High Heels… Könnten Bürgermeisters gewesen sein, bin mir aber nicht sicher.

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Sportvereine, auch solche, die in einen anderen Bundesstaat verkauft worden sind (http://members.tripod.com/whalerbri/whalers.html), machen auch mit.

Eishockey

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http://www.hartfordwolfpack.com/

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Baseball

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Football

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Davy Crockett auferstanden von den Toten beim Kampf um Alamo http://en.wikipedia.org/wiki/Battle_of_the_Alamo. Davy Crockett war kein Ire, aber ein Held. Und er hat eine sehr laute Waffe, also mußte er dabei sein.

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Irgendwelche armen Menschen mußten in dumme Kostüme schlüpfen und sich mit angesoffenen Teenagern abbilden lassen.

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Die „Assistance Dogs Unlimited“ nahmen auch an der Parade teil. Sie sind Hunde, die aus Tierheimen geholt werden und dann eine Ausbildung als Begleithund für behinderte Menschen bekommen. Wer spenden will oder ein Rezept für Hundekuchen sucht, gehe nach http://www.taxexemptworld.com/organization.asp?tn=71226

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Die Iren sind ja als recht trinkfest verschrieen. Auf den Paradewagen durften sie das ausnahmsweise ohne braune Papiertüten beweisen. Da ja die meisten Polizisten mitten in der Parade unterwegs waren und der Rest die umliegenden Straßen absperrte, konnten auch die Kids mal saufen, ohne daß jemand was dagegen hatte. Bier wurde in Blechflaschen verkauft, zwega de Scherben.

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Damit das gemeine Volk bei Laune bleibt, werden a la Kölle alaaf Kamelle verteilt und grüne Ketten geworfen. Den Brauch mit den Ketten gibt es auch in New Orleans. Allerdings muß man dort den Busen blank ziehen, um mit Ketten belohnt zu werden. In Connecticut geht das natürlich gar nicht. War auch echt zu kalt für solche Spampasetteln.

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Rocky Hill schickte seine Bibliothekare auf die Straße.

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Manche versuchten sich noch in politischen Statements…

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Zum Schluß kam noch die Reinigungskolonne, und die frierende Menge verteilte sich in die umliegenden Bars.

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Ja ja, Claudia, wir haben alles gesehen!

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So, jetzt könnte eigentlich endlich der Frühling kommen!!!

Ostern in den USA

März 25th, 2008 Posted in Unser Amerika

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In den USA wird keine Gelegenheit ausgelassen, einen special sales zu veranstalten, oder Süßigkeiten zu verkaufen. Da wir alle wissen, wie gut es sich hier einkaufen läßt und ich diesem Thema auch noch einen eigenen Beitrag widmen will, wenden wir uns heute dem größten Feind und gleichzeitig größten Trost der Amis zu: den Süßigkeiten.

Ich wurde schon vor unserem Umzug nach West Hartford darauf vorbereitet, daß die Süßigkeiten hier immer gleich schmecken, aber dafür je nach Feiertag verschiedene Farben haben. Das beste Beispiel dafür sind M&Ms. Die gibt es immer in zwei Ausführungen, mit oder ohne Erdnuß. Aber an Halloween geschieht eine gruselige Verwandlung. Plötzlich sind sie nicht mehr farbenfroh und bunt, sondern schwarz und orange.

An Weihnachten, oder besser direkt nach Halloween, gibt es dann Lindt-Schokohasen, die aber keine sind. Es wird die gleiche Form verwendet, aber die Goldfolie wird mit Zeichnungen versehen, die den Hasen zum Rentier machen. Das Glöckchen um den Hals fällt prinzipiell weg, denn das könnte ja aus Versehen seinen Weg in einen Kinderhals finden. Und das ruft wiederum unwillkürlich eine Schar übermotivierte Anwälte auf den Plan, was im Endeffekt die Schokoladenpreise explodieren ließe. Und DAS will ja nun wirklich niemand.

An Ostern darf der Hase Hase sein, was auch ohne Glöckchen funktioniert. Man kauft übrigens am besten sehr teure Europäische Schokolade. Hershey hat seit den CARE-Paketen das Rezept nicht geändert und von sowas wie einer Conche noch nie gehört. Das macht dann dieses fiese mehlige Gefühl im Mund, wenn die Schokolade endlich schmilzt… Und auch DAS will auch niemand.

Ostern macht auch in den Staaten alles bunt, allerdings bevorzugt man hier Pastelltöne. Deshalb ist alles hellblau, zartgrün, vanillegelb und rosa. Die Lifesaver ändern sogar ihren Geschmack. Hier die Noten Banane, Cotton Candy und Hab-ich-vergessen.

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Leider fielen die wilden Horden über die Süßigkeiten her, bevor ich alle für die Nachwelt verewigen konnte, aber das nächste Osterfest kommt bestimmt… Aber DAS hier wollte niemand essen. Marshmallow-Küken in Quietschpink. Es gab auch noch Marshmallow-Hasen in Chemieblau…

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Die Peeps wurden im Endeffekt nur als Dekoration verwendet.

Sehr beliebt sind die Ostergeldstücke und Mini-Riegel.

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Wer es definitiv NICHT nötig hat, sich an Ostern anzupassen, sind die Jellybeans. Eine eigene philosophische Schule entstand rund um diese typisch amerikanische Spezialität. Wie bei Gummibärchen gibt es hier klar definierte Vorlieben und Abneigungen. Da sind diese eigenartigen Leute, die die schwarzen Jellybeans mögen, gell Claudia? Das sind aber die Freaks. Normale Leute, so wie ich, mögen die orangenen. Und die Süßmäulchen mögen die roten. Ich hab noch niemanden gefunden, der die grünen mag, aber ich hab ja Zeit… Man kann die auch aufheben und am St. Patrick´s Day unters Volk werfen.

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Daß ein Bericht über Ostern sich vorwiegend um Süßigkeiten dreht ist typisch. Die fitneßwütigen und ewig über Nutrition quasselnden Amerikaner mögen es süß. Am liebsten Schokoladentorte mit Schokostreußeln und einem schmelzenden Kern aus weichem Schokoladenfudge. Wenn man dann noch eine Kugel Schokoladeneis und Sahne dazu tut, hilf auch die Diet Coke nicht mehr…

Und nach Ostern hat man dann unheimliche Lust auf saure Gurken.

Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit…

März 19th, 2008 Posted in Die spinnen, die Amis!

Monia hat mir folgendes Fundstück geschickt. Vielen Dank dafür!

Schluss mit erotischem Leistungsdruck

Eine internationale Untersuchung ergab, dass amerikanische Paare am häufigsten und längsten miteinander Geschlechtsverkehr hätten (20-mal im Monat je 35 Minuten). Aber: Dieses Ergebnis spiegelt lediglich den enormen sozialen Druck in den USA wider, auch in erotischer Hinsicht toll vor den Nachbarn dazustehen – und auf Fragebögen hemmungslos zu schummeln. Die kalifornische Psychiaterin Linda Perlin Alperstein ist sich sicher: »Nirgends wird so viel gelogen wie bei Untersuchungen zum Thema Sex.«

Der Untergang der abendländischen Kultur

März 5th, 2008 Posted in Allgemein

Die Erhaltung meiner Muttersprache war mir schon immer ein Anliegen. Dabei habe ich mich nie so sehr über Anglizismen aufgeregt, wie „cool“ oder „einchecken“ und Ähnliches, denn der Einfluß, den Sprachen aufeinander haben erscheint mir eher natürlich und fruchtbar als falsch und beängstigend. Ein Fauxpas hier, ein Sandwich da, per se nichts was mich paralysiert. Mir ging es immer eher um Dinge wie die Verwendung des Genitiv mit „wegen“, oder die korrekte und allen bayrischen Einwänden zum Trotz sinnunterscheidende Anwendung der schönen Wörtchen „als“ und „wie“.

Das muß ich nun leider alles umschmeißen! Seit heute!

In meiner subkutan latenten Sehnsucht nach der Heimat erhalte ich nach wie vor den Tchibo-Newsletter, der dienstags angeliefert wird.

In der Vorschau dieser Woche findet man die „Spring Collection“ von Mitch & Co. Also abgesehen davon, daß das gute alte K hier in den USA gerne statt des C verwendet wird, um Namen einen Europäischen Touch zu geben, finde ich, daß man das Deutsche Pendant „Kollektion“ sicher auch gut verstanden hätte… Aber es kommt noch dicker.

Das „Pair of Chinos“ im „loose fit“ sagt einem freundlicher Weise, daß man diese locker sitzende Freizeithose mit einem Paar Hosenbeinen bekommt, also nicht nur, wie vielleicht beim Preis von €24,90 zu vermuten wäre, mit einer Röhre. Soweit ja noch ganz nützlich, auch wenn das „Paar Hosen“ im Deutschen schon recht lange das Zeitliche gesegnet hat, da man in Europa Hosen wohl schon länger mit zwei Beinen liefert.

Der „Skirt“ mit aufgesetztem Gürtel ist ein Widerspruch, den ich nicht mehr so einfach auf die Reihe kriege. Ist es nun ein Rock mit aufgesetztem Gürtel, oder ist es ein skirt with attached belt? Weiß ich denn da überhaupt noch, was ich kaufe? Und ist der skirt nicht sowieso nur ein recht breiter Gürtel und somit für Frauen in meinem Alter nicht mehr ganz angebracht?

Der Trench Coat im „regular fit“ macht mir noch mehr Probleme. Regular bedeutet ja nun so was wie „normal“, „regulär“, „durchschnittlich“. Watt issn nu normal in der Mode? Was kann ich mir unter „regular fit“ vorstellen? Nun gut, da ich nicht normal bin, paßt mir auch ein normal geschnittener Mantel nicht. Auch hier wird Mitch & Co. nichts an mir verdienen.

Da Handtaschen immer passen, egal wie die Figur gerade ist, halte ich kurz beim nächsten Artikel inne, einer „City Bag“ mit verstellbarem Schultergürtel. Da stellt sich mir aber doch sofort die Frage, brauch ich eine City Bag? Wann komm ich denn schon mal in eine City? Und wenn, paßt die dann wirklich in die Bag? Ich passe ob dieses Entscheidungsdrucks.

„Jetzt wird´s einfacher!“ denk ich mir beim Blick auf T-Shirts (nein, T-Shirt ist echt ok, wie auch ok ok ist, finde ich). Aber von wegen! Es gibt:

T-Shirts im „regular fit“ (also per se nichts für mich) mit „Print“ auf dem Rücken. Der Print ist häßlich, also muß ich gottseisgetrommeltundgepfiffen keine regular fitting T-Shirts kaufen.

„Long-Sleeve-Shirts“ im regular fit, auch mit Print, was aber nicht erwähnt wird, dafür betont man hier die feine, leichte Baumwollqualität. Ja zefix, sind die anderen Sachen aus Hartplastik? Und wo sind denn nur die guten, alten „langen Ärmel“ geblieben?

„Tops“ im „slim fit“. Für alle, die Gefahr laufen, ihre T-Shirts untenrum zu tragen, weist Mitch & Co. hier darauf hin, daß es sich um Tops, also Obenrumtrag-T-Shirts handelt. Slim fit? Ach, vergiß es Schuster!

Der leicht tailliert geschnittene Cardigan erinnert an die guten alten Strickjacken. Da man aber bei Strickjacken an müffelnde alte Männer denkt, kann man sie auf keinen Fall so nennen. Ok, dann also Cardigan. Aber er ist tailliert geschnitten… Was, wenn man keine Taille hat?

Die „Leather Purse“ in „night blue“ ist zwar laut Hersteller praktisch innenaufgeteilt, aber ich will lieber ein Portemonnaie.

Der absolute Kracher ist der „Umbrella-Rain Fighter“. Ich sehe die weibliche Hälfte der Nation mit dem Rain Fighter nach Regentropfen schlagen.

Die folgenden T-Shirt und Blouson-Variationen sind nichtssagend, also gleich weiter zum „Hooded Sweater“, der sogar eine coole Stickerei am Rücken hat. Man ist also nicht nur gut behütet in dem Pulli, sondern auch noch cool bestickt, wenn auch nur von hinten.

Die Baseball Caps in „Black“ und „Sand“ (da hatte auch jemand Entscheidungsschwierigkeiten…) gibt es nur „one size“. Na da wollen wir mal hoffen, daß der durchschnittliche Tchibo-Käufer-Kopf hier nicht größentechnisch über- oder unterschätzt wurde.

Was ich mich schon immer gefragt habe ist, woher wohl der Ausdruck „Tank-Top“ kommt. Kann man damit billiger tanken, weil mehr freie Sicht auf Haut geboten wird? Oder trugen das früher Panzerfahrer, weil es in den Sardinendosen sonst zu heiß war? Bitte um Aufklärung, vorher kauf ich nix.

Das „Tube Top“ kann ich mir hingegen selbst erklären. Da es meistens Menschen tragen, die es nicht tun sollten, wirkt das Tube Top so prall wie eine gut gefüllte Senftube. Mein Vater würde sagen „wia a abbundene Knackwurscht“.

Und es gibt sie wieder, die Leggings. Muß ich wirklich zurück in die 80er?

Die Ballerinas und die „Wedges“ werden dankenswerter Weise paarweise verkauft. Das trifft sich gut, die meisten Leute, die ich kenne, haben zwei Füße. Treffer, Mitch!

„V-Neck“ Pullover. Hallo? Watt denn nu? V-Ausschnitt-Pullover, oder V-Neck-Sweater. Aber dieser babylonische Sprachenwirrwarr soll wohl bloß von der Langweiligkeit der Farbgebung ablenken, navy mit weißen Streifen. Aber dafür reine Merino-Wolle, nicht die unreine, die man sonst überall bekommt.

Wieder eine Tasche, diesmal ein „Weekender“ aus hochwertigem Nylon. In einen Weekender paßt all das, was man für ein gelungenes Wochenende braucht. Ein Mann, ein Auto, das Meer, ein Hotelzimmer, ein paar Präservative, zwei Frühstücksbuffets, ein Segelboot, ein Gleitschirmflieger, ein Gleitmittel, ein Berg mit Hütte, eine Skipiste mit Sessellift und mindestens noch dreihundert Kilometer Autobahn. Oh ja, da muß das Nylon schon hochwertig sein…

Blazer im slim fit und Bermudas im regular fit, der durchschnittliche Frauenhintern scheint proportional mehr auszuufern als die Schultern, sind schmutzabweisend mit Teflon beschichtet. Wenn man sich eine Weile damit in die Sonne stellt, kann man auf dem Oberschenkel Eier braten, ohne Rückstände. Vorsicht, rutschig!

Die „woven belts“, eigenartiger Weise auch in Paaren, red/black oder black/blue, wer hat zwei Taillen?, erinnern auch an die 80er und fallen somit sofort aus der Auswahl.

Leg ich mich nun im Jersey Dress oder im Track Top mit den Track Pants auf die Couch? Woahh, ich kann mich nicht entscheiden, die Jogging Pants sind schon ausverkauft, genau wie das Cropped Tee, was tun sprach Zeus?

Wißt Ihr was? Goa nix wird gekauft. Ich hab da noch ein altes Sweatshirt mit Kapuze und meine Nicki-Wohnhose, da zwickt nix, meine Spiegeleier brät Gustl in der Pfanne, und weil ich das Haus nicht zu verlassen gedenke, muß ich auch nicht mit dem Umbrella den Regen bekämpfen.

Ella, ella, ella, ä ä ä!

Rundgang durchs Haus, die Zweite…

März 3rd, 2008 Posted in Unser Haus

Im Grunde gibt es ja an so einem Haus immer irgendwas zu basteln, reparieren, verschönern und verbessern. Wir sind inzwischen an einem Punkt angelangt, an dem wir uns entscheiden müssen… Entweder wir beschließen, jetzt fertig zu sein, oder wir pusseln so lange weiter an der Hütte bis es Zeit wird, alles wieder einzupacken. Gustl ist für „Fertig“. Ich bin allerdings eine altbekannt lästige Wanz´n und zwinge den Ärmsten immer wieder dazu, die Bohrmaschine zu schwingen.

Damit Ihr den aktuellen Zustand mal begutachten könnt, hier eine neue Führung durch´s Haus.

Unsere Küche verdient zwar nach wie vor diesen Namen nicht, aber man lernt, sich zu arrangieren. Da von der Küche fünf Türen abgehen, ist es nicht einfach, sie wirklich zweckmäßig einzurichten. Aber der Schweinebraten schmeckt wie zu Hause, die Kaffeemaschine ist leicht zugänglich plaziert und der Kühlschrank ist voll. Was will man mehr? Die unglaublichste aller Spülen ist nach wie vor dort, wo sie vor hundert Jahren eingemauert wurde.

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Eine der fünf Türen führt in den Butler´s Room. Dort stehen rechts im Regal Geschirr und Töpfe, links ist die kleine Spüle, die als Zu- und Abfluß für den Geschirrspüler dient. Das bedeutet nach jedem Geschirrspülerdurchgang Spüle Putzen, was unglaublich Spaß macht. Es scheint sich bei diesem System jedoch um den Amerikanischen Standard zu handeln. Und geteiltes Leid ist bekanntlich halbes Leid.

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Dann kommt das Eßzimmer. Hier hat sich nicht viel verändert. Die Lampe ist neu und kann durch Berühren des Kabels gedimmt und ein- und ausgeschaltet werden, was immer wieder zu staunenden Gesichtern unserer Besucher führt. Und nachdem meine Schwester Alex uns zu Weihnachten ein paar hübsche Schubladenknöpfe geschenkt hat, hab´ ich beschlossen, die alte Apothekenkommode mit verschiedenen Knöpfen zu versehen. Die beiden orangenen Troddeln links unten sind inzwischen auch gegen Knobs ausgetauscht.

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Im Wohnzimmer ist auch nix neu. Das war eigentlich recht schnell eingerichtet. Aber mir fällt gerade auf, daß Gustl mal wieder Holz hacken muß! Hui, da wird er sich freuen!

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Der Sun Room ist jetzt ein wenig voller. Die Kissen sind neu, meine Leidenschaft für Amaryllis pflege ich auch hier, und die Zierkürbisse werden einfach nicht kaputt. Einen großen Nachteil hat dieses Zimmer: wenn es warm ist, ist es zu warm, und wenn es kalt ist, ist es zu kalt darin. Deshalb nutzen wir das Zimmer überhaupt nicht. Na gut, die Wäsche trocknet gut da draußen…

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Dann ist da immer noch dieses „Keine-Ahnung“-Zimmer, das nach wie vor als Rumpelkammer und Bibliothek dient.

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Bei der Gelegenheit sollte ich Euch auch mal zeigen, wie man hier Fenster isoliert. Ich sag jetzt mal nix dazui…

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Unser Gästeklo hat bisher nur einen neuen, alten Spiegel bekommen. Ich habe vor, es krachig pink zu streichen, allerdings erst, wenn unsere Vermieter da gewesen sind. Die haben uns nur Weiß erlaubt, was mir aber wurscht ist…

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Innerer Klotürschmuck.

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Und da ich inzwischen auch erfahren habe, daß es noch schlimmere Keller gibt als unseren, trau´ ich mich jetzt doch mal, unser basement zu präsentieren. Man sieht noch die Reste des davongeflogenen Sees…

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Gustls Zimmer hat was vom Chaos Computer Club, aber das ist seine Sache…

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Wenn es bei uns windig ist, (und „Emma“ haben wir noch gar nicht erreicht, möchte gar nicht wissen, was dann passiert), dann fallen schon mal Zweiglein von den Bäumen, oder auch Äste…

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Im Treppenhaus hat meine kleine Schönheitengalerie Platz gefunden. Beim Einschlagen der Nägel hab´ ich übrigens kurioser Weise im dahinter liegenden Gästezimmer eine Wandlampe eingeschaltet, von der wir bisher dachten, daß sie nicht funktioniert. Da sie dann aber auf konventionelle Weise (Schalter) nicht mehr ausging, haben wir sie auf die gleiche Art ausgeschaltet, wie sie anging: mit einem kräftigen Schlag gegen die Wand.

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Umme Ecke im Treppenhaus ein paar München-Stiche, die das Heimweh lindern und der Drache aus Bali, den Alexa uns mitgebracht hat. Nun bewacht er jede Kletterpartie auf unserer Killer-Treppe.

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Bad wie gehabt. Ich finde um´s Verrecken kein Regalbrett, das zwischen Spiegelschrank und Fliesenrand paßt.

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Diese beiden bewachen das Badezimmerfenster.

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Mein Zimmer ist auch nicht sehr verändert. Mit dem Schrank bin ich ein großes Stück weitergekommen, und…

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…seit einer guten Stunde hab´ ich Vorhänge.

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Absolut begeistert bin ich ja immer noch von den vielen Wandschränken, den closets. Die sind einfach Gold wert! In einem der Schlafzimmer-closets wohnt übrigens unser Hausgeist. Es muß sich um eine Frau handeln, denn sie untersucht regelmäßig meine Handtaschen und klaut Pullover. Ab und zu macht sie die Schranktür von innen auf, wird ihr wohl doch manchmal zu eng da drin. Aber sonst ist sie friedlich.

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Das Gästezimmer, natürlich mit Wandschrank, Bücherregal mit USA-Literatur und eigener Klimaanlage.

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So, das war´s erst mal. Die nächsten Bilder gibt es erst im Frühling, niemand kann mehr Schnee sehen, oder? Außerdem bin ich gespannt, was so an Pflanzen auftauchen wird. Ich glaube, ein kleines Maiglöckchennest hab´ ich schon entdeckt…