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ehem. USA-Tagebuch
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New York, New York!

Januar 20th, 2008 Posted in Unser Amerika

Dieser Beitrag kommt mit mehrmonatiger Verspätung, sorry. Die Erklärung dafür ist einfach. Es war tierisch viel Arbeit, ihn zu erstellen, mir gingen zwischendurch abwechselnd die Zeit und die Lust aus. Und dann war auch noch Weihnachten. Aber nichtsdestotrotz solltet Ihr ihn Euch anschauen, denn New York ist einer der Plätze auf dieser Welt, die einen vollkommen einfangen und nie wieder loslassen. Es ist schwer, das alles in Worte zu fassen, aber trotzdem viel Spaß!

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Da wir 2007 keinen Urlaub hatten, der den Namen verdient hätte und deshalb einfach mal raus mußten, bot sich das lange Thanksgiving-Wochenende für einen Kurztrip an. Und weil es nicht weit ist, haben wir uns für New York City entschieden.

New York, oder eigentlich Manhattan, denn mehr sieht man als Tourist erst mal nicht, hatte ich im Sommer schon für einen Tag zusammen mit Gerlinde besucht. Das war ein kleiner Vorgeschmack auf das, was uns nun erwartete. Die Photos aus dem Sommer erspar´ ich Euch aber lieber, denn darauf´sieht man, wie warm es an dem Tag war. Das wäre sadistisch…

Unser Hotel „The Court“ lag perfekt zwischen Lexington Avenue und Park Avenue, also waren wir guten Mutes, so ziemlich alles zu Fuß erledigen zu können. Aber dazu später noch mehr… Nun schaut Euch erst mal die homepage des Hotels an und meine Photos, und dann werdet Ihr auch dort buchen. Ich bin sicher!

Die miese Qualität der Nachtaufnahmen seien mir bitte verziehen, unsere Digitalkamera kann das nicht. Und kein Mensch hat eine so ruhige Hand, um diese unglaublichen Verschlußzeiten durchzuhalten, ich schon gar nicht. Ich hoffe, es reicht für einen ersten Eindruck. Und irgendwann fällt mir das blöde Ding schon mal so aus der Hand, daß es endlich kaputt geht… (update aus dem Januar: das Christkind hat das Problem gelöst!!!)

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„the court“ von außen…

und von innen…

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Altes und Neues vermischt. Zum Teil sehr sehr Altes…

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Da steht „Hallo Leute, wir sind in NYC“. Der Anschlag war nicht ganz sauber…

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Für Gustls Geschmack gab es viel zu viele Kissen. Ich finde ja, man kann nie genug davon haben.

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Sehr diskret beleuchtet.

Der Blick aus unserem Zimmer ging eigentlich auf einen Innenhof, wie so oft in New York. Wenn man aber nach oben sah, dann entdeckte man da das Empire State Building. Einfach cool!

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Die Gegend rund ums Hotel war ruhig, aber absolut zentral. Eine gute Wahl, wenn man anstrengende Fußmärsche absolviert und im Notfall nicht zu viel für´s Taxi bezahlen will. Und der Notfall trat ein!

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Vor dem Hotel stehend sah man direkt die Spitze des Chrysler Buildings, übrigens einer der schönsten Wolkenkratzer, jedenfalls mein Liebling.

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Viel hatten wir erst mal nicht von unserem hübschen Zimmer. Aber wer hockt schon im Hotel, wenn New York City draußen wartet? Wir machten uns also auf in Richtung Fifth Avenue, querten dabei die Park Avenue und waren sofort in diese unglaubliche Stadt verliebt. Natürlich quillt hier der Beton aus allen Ecken und Ritzen, was keiner Stadt gut tut. Aber New York lebt von diesem Material. Ohne Beton wäre diese vibrierende Metropole nicht möglich. Und erst der Beton und die Giganten, die mit ihm errichtet wurden, lassen die Gegensätze hervortreten, die einen großen Anteil am Charme dieser Stadt haben.

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Wir strandeten an der Grand Central Station, einem der schönsten Bahnhöfe der Welt neben Mailand und Zürich. Und wer schon mal auf dem Münchner Hauptbahnhof auf einem der Flügelbahnhöfe bei Glatteis und Schneetreiben, ohne Möglichkeit sich unterzustellen vor sich hin gefroren hat, um nach Niederbayern zu kommen, wird einen schönen und einladenden Bahnhof zu schätzen wissen. Die Uhr ist übrigens von Tiffany, und die Statue stellt den Gott Merkur dar, der für´s Geld zuständig ist, wofür sonst…

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Die Fassade ist schon ein Prachtstück, aber innen wird es noch besser!

Der Eingang mit einer rührenden Widmung:

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Die Halle, natürlich auch ein Shoppingparadies…

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Wer hat ein Problem damit, an so einem Fahrkartenschalter zu warten?

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Und während man auf den Zug wartet, einen Espresso und ein süßes Teilchen bei „Cipriani“ auf der Empore, na wie wär´s?

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Dann ging es zurück auf die Fifth Avenue, das Einkaufsparadies, inzwischen für jeden Geldbeutel.

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Für Arm…

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…und Reich. Manchmal auch für rehäugige Schönheiten in Givenchy-Kleidern. Ich habe allerdings inzwischen erfahren, daß es bei Tiffany KEIN Frühstück gibt. Skandal!

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Auch andächtige Ecken gibt es in diesem Dauergewusel rund um die Fifth Avenue. Das ist die St Patricks Cathedral. 

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Sie steht steht zwischen Fifth und Madison Avenue. Die Madison Avenue ist sehenswert, hier sieht man viel altes New York.

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Auf jeden Fall ist immer unglaublich viel Verkehr auf New Yorks Straßen,  zwar recht diszipliniert, aber dafür sehr sehr laut. Hupen ist hier Teil des Dialekts. Ein Grund mehr für mich, diese Stadt zu lieben!

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Wer in diesem rund um die Uhr brummenden Bienenstock Ruhe sucht, geht am besten in den Central Park. Man biegt von der Fifth Avenue einmal links ab und ist in einer völlig anderen Welt.

Zwar ist der Central Park kleiner als der Englische Garten in München, aber er vereint wie dieser alle Klassen und Interessen. Hier wird geritten, geradelt, gejoggt, getanzt, geschlendert, gesungen, gemusiziert, geeislauft und gekutscht (ich wollte das Gesetz der Serie nicht brechen, sorry!).

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Am Wollman Rink gibt es seit 1951 einen Eislaufplatz, der von Kate Wollman gestiftet wurde und von Oktober bis April geöffnet ist. Hier kann man mit Hotdog und Kaffee bewaffnet anderen beim Hinfallen zusehen.

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Östlich davon ist der Zoo, klein aber fein. Seht Euch Details dazu unbedingt auf der homepage http://www.centralpark.com/ an.

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Jeder kennt die Durchgänge, Brücken und Felsen im Central Park aus Filmen wie „Hair“ oder „Der Marathon Mann“.

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Aber für mich war neu, daß in der Zeit der Weltwirtschaftskrise im Central Park die „Dairy“ errichtet wurde, in der an arme Kinder Milch ausgegeben wurde. Inzwischen befindet sich hier das Besucherzentrum, in dem man auch ganz allerliebste Andenken zu weniger allerliebsten Preisen kaufen kann.

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Der Central Park ist nicht nur für New Yorker eine Oase der Ruhe, sondern auch die Heimat für viele Tiere, die man in Metropolen nicht vermuten würde.

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Naja, Spatzen sind nun nicht sooo außergewöhnlich, aber nett sind sie überall auf der Welt. Und die Reste des unglaublich geschmacklosen Hotdogbrötchens kam wohl gerade gelegen so kurz vor dem Winter.

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Was gäbe ich für Ente mit Blaukraut und Knödel…!

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Diese Viecher haben wir auch in West Hartford, allerdings nicht so zutraulich.

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Schlecht zu erkennen, also glaubt mir bitte einfach: hier zerlegt ein Turmfalke ein Hörnchen.

Über den gesamten Central Park verteilt findet man Statuen und Gedenkplätze, wie zum Beispiel für John Lennon. Mein Liebling ist Alice, die hier im Kreis des Mad Hatters und der anderen Figuren aus dem Wunderland 364 mal im Jahr ihren Nicht-Geburtstag feiert.

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Blick auf die Lower Eastside, wo eines schönen Tages eines der Appartments mir gehören wird… Steffi, Lotto spielen!!!

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Schon allein wegen des Central Parks muß ich wieder nach New York. Einen ganzen Tag lang durch den Park schlendern, Musikern zuhören, die auf einem der Findlinge vor sich hinglampfen, in der Sonne sitzen und Leute beobachten, ein wenig spazierendenken und im übrigen gar nichts tun…

Aber das süße Nichtstun hält in New York nicht lange an, dafür gibt es viel zu viel zu sehen. Am ersten Abend wollten wir Claudia K.s Restaurantempfehlung ausprobieren und zu Fuß Richtung Time Square marschieren, um uns das legendäre Steak im „Quality Meats“ mal genauer anzuschauen. Daß es dann doch ein wenig weiter war als ursprünglich gedacht, lag daran, daß wir nicht wußten, ob wir links oder rechts abbiegen sollten und uns prompt für die falsche Alternative entschieden…

Nachts Richtung Times Square ist es vor allem laut und überfüllt. Die vielen Lichter trösten da nur Leute, die kein Problem damit haben, in großen Menschenmengen vorangeschubst zu werden. Zu diesen Leuten gehöre ich nicht, aber die Beleuchtung ist trotzdem beeindruckend. Für die „Hasen“ hab ich ein extra Photo dabei, mal sehen, ob Ihr es findet, Tom und Marjan…

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„Quality Meats“ tröstet nach diesem Gequetsche und Gelatsche mit hervorragendem Essen, sehr gutem Wein und unglaublich nettem Service, der ausnahmsweise mal nicht einstudiert wirkt, sondern den Eindruck vermittelt, daß die Angestellten hier wirklich gerne arbeiten. Die Klientel ist Marke jung und schön, oder wenn schon alt und häßlich, dann zumindest reich. Da wir nicht reich sind, müssen wir wohl jung und schön sein.

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Hier habt Ihr mal eine schöne, total verwackelte Stretch-Limousine mit Chauffeur, gehört schließlich dazu.

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Im Treppenhaus wird klar, mit welcher Art von Restaurant man es zu tun hat. Natürlich geht es hier vor allem um Fleisch.

Es gibt eine Garderobe, an der man kostenlos seinen Mantel abgeben kann. Das weiß ich sehr zu schätzen, denn eines der Dinge, die ich an Restaurants nicht leiden kann sind überfüllte Kleiderständer oder Kleiderhaken an der Wand, die dem davor sitzenden ständig die Klamotten fremder Leute in den Nacken hängen lassen. Und natürlich wird man hier auch sehr zuvorkommend zu seinem reservierten Platz geführt.

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Tja, und das ist das Steak, das mir beschrieben worden war, extrem lecker. Und sehr zu empfehlen ist die hausgemachte Steaksauce. Ach, es war alles sehr gut! Aber Claudias Restauranttips sollte man sowieso immer ernst nehmen.

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Auch der beste Wein muß irgendwann wieder entsorgt werden, leider… Hier lohnt sich der Blick in die Restrooms. Seht Ihr diese Massen an blütenweißen Handtüchern? Die Dame, die mir hier gerade ins Bild lief meinte auch, sie sei immer wieder begeistert, daß man sich hier nicht mit Papierhandtüchern zufrieden geben muß oder diesen bescheuerten Heißlufttrocknern, die alles mögliche tun, nur nicht die Hände trocknen. Die Beleuchtung ist übrigens hautfreundlich und gerochen hat es auch gut.

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Wir waren mit unserem ersten Tag in Manhattan sehr zufrieden und fuhren mit dem Taxi, übrigens konkurrenzlos billig verglichen mit anderen Städten, zurück ins Hotel. Dort gab es noch einen Absacker an der Bar, und der Rest geht Euch nichts an.

Am nächsten Tag stand nach Macy´s Thanksgiving Parade (siehe dort) das Empire State Building auf dem Programm. Es ist ein abstoßend häßlicher Betonklotz, an dem permanent umgebaut und renoviert wird. Fürchterlich protzig und wenig einladend, aber die Aussicht von der Besucherplattform ist schon bemerkenswert. Man stellt sich erst mal an, um Tickets zu kaufen. An klaren Tagen kann die Schlange so lang werden, daß sie um den ganzen Block reicht. Wir hatten mehr Glück, denn es war inzwischen diesig geworden und viele waren noch bei der Parade. Danach stellt man sich noch mal an zum Lift. Dieser bringt einen dann innerhalb weniger Mikrosekunden in den tausendeinhundertfünfundsiebzigsten Stock, um dort in alle Richtungen New York bewundern zu können. Ich empfehle Kaugummi für den Druckausgleich.

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Man sieht im Süden Brooklyn, das durch die berühmte Brooklyn Bridge mit Manhattan verbunden ist, und Staten Island, Ellis Island und die Freiheitsstatue. Im Westen liegt der Hudson River und der Hafen, in den die Titanic eigentlich einlaufen sollte, es kam ihr allerdings was dazwischen… Auf dieser Seite Manhattans ist auch der Madison Square Garden, der Times Square und die George Washington Bridge. Nördlich endet der Blick in der Bronx. Und davor liegen das Yankee Stadion, das UN-Gebäude, das Metropolitan Museum of Art, die Grand Central Station und viele schöne Dinge, die ich alle unbedingt noch sehen will. Im Osten treffen sich Queens und Brooklyn. Man sieht den John F. Kennedy Airport auf der anderen Seite des East River und im Vordergrund mein geliebtes Chrysler Building. Die Bilder, die nun folgen sind allerdings nicht sortiert. Sie sollen nur einen ersten Eindruck geben. Hinfahren müßt Ihr dann schon selbst!

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Runter von dem Klotz. Also um ehrlich zu sein, da muß ich nicht mehr rauf. Große Höhen sind zwar kein Problem für mich, aber lieber schau ich mir die Stadt noch mal aus einem Hubschrauber von oben an.

Inzwischen hatte es angefangen zu regnen. Wir entschieden uns deshalb, mit der Staten Island Ferry, übrigens kostenlos, über den Hudson zu tuckern, um uns die Skyline bei Nacht anzusehen. Diese Fahrt lohnt sich allerdings tagsüber mehr, da sieht man wunderbar nach Ellis Island rüber und hat freie Sicht auf Miss Liberty.

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So viel Schifferl fahren macht hungrig. Und so entschieden wir uns für eine Taxifahrt nach Little Italy. Little Italy grenzt zwar an Chinatown, aber wenn man um die Ecke in die Mulberry Street biegt, ist man mitten in Neapel oder Rom. Die Parkuhren haben grün-weiß-rote Pfosten, die Tischtücher sind rot-weiß kariert, im ersten Stock hängt die Mamma im Fenster und plärrt der Mamma gegenüber den neuesten Klatsch und Tratsch zu. Und dann ist da das „Buona Notte“ mit seinem Pseudomafioso, der Gäste anlockt. Er hatte Erfolg mit uns… Es ist eines der vielen Restaurants und Cafés in diesem Viertel, nicht zu teuer, nicht zu snobby, Essen und Trinken recht gut, meiner Meinung nach endlich mal wieder echte italienische Küche. Die Ober nicht zu dienstbeflissen, auch mal wieder eine angenehme Abwechslung. Was mich allerdings schockiert hat, war, daß ich meine Hoffnung, ein paar Jahre vor dem nasalen Quäken von Eros Ramazotti verschont zu bleiben, innerhalb von fünf Minuten begraben mußte… Nein, ich mag ihn nicht.

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Am nächsten Tag mußten wir noch mal hin, um uns ein paar echte italienische Spezialitäten zu kaufen.

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Aber eigentlich war dieser Tag aus einem völlig anderen Grund außergewöhnlich. Wir standen vor dem Hotel, Gustl versuchte, uns ein Taxi zu organisieren. Da fragt mich unser Portier, ob wir einen Wagen bräuchten… Der Hotelwagen sei gerade frei. Ähm, okay… Das Ende vom Spiel war, daß wir in der schwarzen Mercedeslimousine mit Chauffeur vor dem Metropolitan Museum of Art vorfuhren. Ausgesprochen standesgemäß, wie ich meine.

Das Metropolitan Museum of Art war meine Rache für das Empire State Building… Was soll ich machen? Ich steh´ nun mal auf Kunst. Und die moderne Sammlung ist dort einfach wunderbar vielseitig und sehr gut gehängt und gestellt. Das Gebäude an sich ist von außen nicht besonders schön. Aber wenn man es betritt erwartet einen eine hochherrschaftliche Treppe. Und man hat die Qual der Wahl zwischen 22 verschiedenen Abteilungen, für die man wohl sein ganzes Leben braucht. Man Favorit stand fest. Einmal einen Jackson Pollock im Original sehen…

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Ich war sehr erstaunt, daß man photographieren darf, hab´ es leider etwas zu spät mitgekriegt. Aber hier ein paar meiner Lieblinge.

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Kenn ich zwar nicht, fand ich aber hübsch, weil so dynamisch.

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Den Herren kennen wir alle. Und daß Andy Warhol ihn verewigt hat, ist auch klar. Aber wie riesig dieses Bild ist, war mir neu.

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Sehr beeindruckt hat mich „Terrifying Terrain“ von Elizabeth Murray, denn ich wußte bis dato nicht, daß es dreidimensional ist. Macht aber Sinn bei beängstigendem Untergrund.

Das ist der Evangelist Lukas von Chuck Close, einem zeitgenössischen Amerikanischen Künstler. Ich bin nicht bibelfest genug, um zu beurteilen, ob Lukas so streng war wie er hier aussieht. Aber die Technik hat mich fasziniert.

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Und das ist Anselm Kiefers „Bohemian Lies by the Sea“.

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Ein Raum war einer Installation gewidmet, die aus lauter kleinen Aluminiumringen zusammengestellt war. Entweder die Künstlerin ist zwangsneurotisch oder sonstwie übergeschnappt. Aber es sah einfach umwerfend aus. Das Museum drückt das etwas raffinierter aus als ich…:

Tara Donovan at the Met
November 20, 2007–April 27, 2008
Modern and Contemporary Art, Lila Acheson Wallace Wing, The Gioconda and Joseph King Gallery

Tara Donovan (American, b. 1969) is known for working with commonplace manufactured materials such as tape, Styrofoam cups, or drinking straws to create abstract sculptural installations that often take on a biomorphic feel or resemble topographical landscapes. For a new work conceived specifically for this exhibition, the artist uses Mylar tape to create a wall-mounted installation that encompasses the entire gallery. Through a vast accumulation of webs of metallic loops, laboriously assembled, Donovan transforms the space into a unique phenomenological experience for the viewer. This exhibition is the fourth in an ongoing series featuring the work of contemporary artists.

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Georgia O´Keeffe hängt hier ausgiebig mit ihren Bildern irgendwo zwischen Morbidität und Erotik.

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Es gibt noch eine Menge von Max Beckmanns depressiven Bildern, natürlich Jackson Pollocks raumgreifende Spritzergemälde, Otto Dix ist vertreten, Balthus, Jennifer Bartlett, Fernando Botero, ogott, ich MUSS da noch mal hin, ohne Mann, der offensichtlich keinen Spaß hatte…

Aber man muß nicht unbedingt ins Museum gehen, um in New York kleine Schönheiten zu entdecken. An jeder zweiten Ecke sieht man irgendein Detail, das anders ist als zu Hause.

Zum Beispiel überdimensionale Fingerhüte, die mit großer Wahrscheinlichkeit Gasanschlüsse verdecken, das ist allerdings nur eine Vermutung….

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Oder besonders hübsche Hydranten.

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Man lernt hier auch, daß „Grün“ nicht grün sein muß.

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Alte Laternen werden mit Liebe erhalten und gepflegt. 

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42nd Street. Naja, ich mag es, Schilder zu photographieren.

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Thank God it´s Friday! Und hier gibt´s das passende Essen dazu.

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Zierkohl stand im Herbst 2007 an Platz No. 1 in der Straßenbepflanzungshierarchie. 

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Und natürlich ahnte man schon die kommenden Weihnachten. In den Schaufenstern funkelte und glitzerte es was das Zeug hielt.

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Bei unserem Bummel durch Little Italy, an der Grenze zu Soho, fiel uns ein Gebäude wegen des hell erleuchteten Fensters auf. Über dem Gebäude hing der Macy´s-Stern, seht Ihr ihn? Es gibt auch ein Bild bei Helligkeit davon. Claudia, wär DAS vielleicht die richtige Wohnung für Euch?

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Sogar, wenn man New York wieder verläßt, ist es noch schön. Naja, ich gebe zu, ich stehe auf Brücken…

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Also für mich war das definitiv nicht der letzte Besuch in New York. Ich will noch mal ins Guggenheim Museum, wenn es nicht mehr im Umbau ist, ich will ins Museum of Modern Arts, ich will Soho und Tribeca genau erforschen, vielleicht doch mal nach Ellis Island, und alle Statuen im Central Park sehen. Ich glaube nicht, daß man mit dieser Stadt jemals fertig wird, in keiner Hinsicht, mit diesem großen, saftigen, knackigen Apfel.

Hier habt Ihr noch die gesammelten Links zu diesem Beitrag:

Hotel „the court“

http://www.starwoodhotels.com/whotels/property/overview/index.html?propertyID=97500&fromSearch=11XX&linkbrand=&links=all

Chrysler Building und sonstige völlig unwichtige Immobilien in aller Welt:

http://www.tishmanspeyer.com/

Für Geschenke in letzter Minute:

http://www.tiffany.com

http://www.cartier.com

http://www.saksfifthavenue.com/

http://www.macys.com/

http://www.bloomingdales.com

Für Gebete zur Wiederauffüllung des Kreditkartenkontos und frommere Wünsche:

http://www.saintpatrickscathedral.org/

Für Fußlahme (wie uns…):

http://www.newyorkcab.com/

Für Spaziergänger:

http://www.centralpark.com/

Sightseeing:

Empire State Building

http://www.esbnyc.com/index2.cfm?CFID=25973923&CFTOKEN=22774351

Grand Central Station

http://grandcentralterminal.com/

Staten Island Ferry

http://www.siferry.com/

Ellis Island und Miss Liberty

http://www.ellisisland.org/

http://www.nps.gov/stli/

Essen und Trinken:

http://nymag.com/restaurants/

http://qualitymeatsnyc.com/

http://cipriani.com/cipriani/HomeUS/welcomeb.htm

http://www.littleitalynyc.com/buonanotte/

Kunst und Kultur:

http://www.metmuseum.org/

http://www.guggenheim.org/

http://www.moma.org/

Achtung Baustelle! oder: Wie schafft man Vollbeschäftigung?

Januar 19th, 2008 Posted in Die spinnen, die Amis!

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In meinem Bewegungsradius durch einen bösartigen und mehr als unappetitlichen Virus ans Haus gefesselt durfte ich heute Zeugin einer amerikanischen Eigenschaft werden, die mir in vielen Situationen bereits aufgefallen ist, aber noch nie in dem Ausmaß, das mich diesen Beitrag schreiben läßt. Es handelt sich um die Einstellung „nicht meine Sache, Ma´am!“.

Heute gegen acht Uhr morgens fuhren ein Polizeiwagen, vier LKW und ein Kran in unserer Straße vor. Lautes Türenknallen ließ vermuten, daß jemand ausstieg. Die weiterlaufenden Motoren verhießen anderes. Ein Blick aus dem Fenster bewies jedoch, daß die LKW-Fahrer ihre Fahrzeuge verlassen hatten. Aber dazu später mehr.

Eine Stunde später, die Motoren liefen immer noch, hörte man einen Preßlufthammer. Aha, dachte ich, Roadwork. Warum gerade in der Lexington Road, die mit den besten Belag in West Hartford hat, ganz im Gegensatz zu anderen Straßen, die für die Stoßdämpfer unserer Autos viele böse Überraschungen bereithalten, machte mich nun doch neugierig.

Da ich sowieso den letzte Nacht gefallenen und inzwischen in Matsch verwandelten Schnee schippen mußte, um eine Überschwemmung im Keller und eine Eisbahn in der Garagenzufahrt zu verhindern, ging ich raus und arbeitete mich Matsch schippend Stück für Stück an die Baustelle ran.

Der Anblick, der sich mir bot, spottete jeder Beschreibung. Viele von Euch haben per mail schon mal das Bild zugeschickt bekommen, auf dem viele Leute um ein Loch im Boden herum stehen und einem armen, schwitzenden Kerl dabei zusehen, wie er in diesem Loch steht und die Schaufel schwingt. Nun, dieses Stilleben wurde heute Wirklichkeit. Und es war nicht die West Hartforder Laienschauspieltruppe, die für die Frühjahrsaufführung lebende Bilder probte. Nein, das Wasserwerk war mit vier LKW und einem Kran vorgefahren und hatte Baustellenschilder und Plastikhütchen strategisch so auf der Straße verteilt, daß ein Slalom auf der Streif einer Fahrt durch die Lexington Road keine echte Konkurrenz mehr sein konnte.

Die Motoren liefen immer noch, während ein einzelner Arbeiter in einer Grube bis zu den Knien im Wasser stand und schwitzend wie ein Brunnenputzer Schaufel um Schaufel stinkender Brühe an die Oberfläche warf. Rund um das Loch standen fünf andere Arbeiter und ein Polizist. Der Schaufler war schwarz, die anderen weiß. Aber zur Rassenhierarchie in unserem Gastland werde ich mich noch mal getrennt äußern.

Da morgen Samstag ist und wir vorhaben auszuschlafen, wollte ich vor allem wissen, ob der Krach morgen zur selben Zeit wieder stattfinden wird. Also hab ich mir ein Herz gefaßt und einen der rumstehenden Wasserwerker gefragt, was sie denn da täten. Er meinte, der Kanal sei verstopft, in dem Haus hinter dem Loch stünde Wasser im Keller. Sie seien jetzt da, um dem Drama ein Ende zu setzen. Ich heuchelte ein wenig Mitleid mit den Bewohnern und äußerte die Hoffnung, daß das alles schnell gehen würde. Mein Plan ging auf, die Antwort war „jaaaaaaa, ich denke, bis Mittag sind wir hier fertig, Ma´am.“

Da man langsam aber sicher auch in diesem Land über seinen „carbon footprint“, also seinen persönlich verursachten CO2-Ausstoß nachzudenken anfängt, wagte ich die Bitte, ob man nicht vielleicht die Motoren der Wagen abstellen könne. Das wurde gleichzeitig von den fünf Wasserwerkern und dem Polizisten abschlägig beantwortet. Ich hab nicht alles verstanden, aber hier einige Auszüge:

„No, sorry, it is too cold today.“ Es hatte zu diesem Zeitpunkt fünf Grad plus, wie gesagt, Matsch, kein Schnee.

„This is none of your business, Ma´am!“ Das kam vom Polizisten…

„We never do that.“ Naja, man kann seine Angewohnheiten auch ändern.

„Are you from Europe?“ Ha!

Ich gab nicht auf, über mir wehte jetzt eine nur für mich sichtbare grüne Fahne! Ich erklärte den Herren, daß es unverantwortlich sei, mehrere Motoren stundenlang laufen zu lassen. Und da ich schon ahnte, daß Umweltbewußtsein nicht ziehen würde, bat ich sie, doch mal allein an die Kosten für den Steuerzahler zu denken. Und da beim Thema Geld auch das trägste amerikanische Gehirn aus dem Standbymodus aufwacht, hatte ich Erfolg. Unter Brummen, ich hörte und ignorierte tapfer das Wort „bitch“, wurden die Motoren abgestellt.

Nach der Schneematschschlacht habe ich mich der Hausarbeit gewidmet. Dieses edle Vorhaben wurde aber jäh unterbunden, da kein Wasser aus der Leitung kam, dafür aber ganz furchtbar gruselige Geräusche ähnlich denen, die ich selbst in den letzten Tagen von mir gegeben hatte. (Naja, Ihr sollt doch so viel wie möglich von meinem Leben hier mitkriegen… In guten wie in schlechten Zeiten!).

Ich also wieder raus zu den armen frierenden Männern. Schon von weitem konnte ich sehen, wie sie die Augen verdrehten. „Die schon wieder!“ war wohl noch das Freundlichste, was sie dachten. Ich habe so höflich wie möglich gefragt, wie lange denn das Wasser abgedreht bliebe.

Und da war er wieder, dieser Blick, der mich schon so oft traf, diese Mischung aus absolutem Unverständnis, plötzlicher Erkenntnis, es hier mit der Spezies „wichtigtuerischer Europäer“ zu tun zu haben und absoluter Gelangweiltheit (gibt es dieses Wort? Nein? Tja, jetzt gibt es es.) Diesen Blick kenne ich von der Supermarkteinpackerin, die meine Stofftaschen und Körbe verwenden soll statt der Plastiktüten, vom Tankstellenkassierer, der mir erklären soll, warum er beim Kauf einer Schachtel Zigaretten meinen Führerschein nicht sehen muß, beim Kauf einer Stange aber schon, vom Müllmann, der nicht versteht, warum er die Mülltonne hinstellen soll, wenn er sie doch auch einfach fallen lassen kann, und leider auch von meinen Nachbarn, die gerne mal gegen Mitternacht lautstark die Mülltonnen an ihren Platz schleppen. Dieser Blick bedeutet nicht nur, daß sie nicht verstehen, wo das Problem liegt. Nein, er sagt noch viel mehr: ES IST IHNEN EINFACH SCHNURZPIEPEGAL!!!

Ich will wirklich nicht behaupten, daß sich hier niemand Gedanken á la „Wieso, Weshalb, Warum“ macht. Aber sobald man es mit Angestellten zu tun hat, die nicht das Privileg einer guten Ausbildung hatten, muß man sich offenbar auf totale Ignoranz einstellen. Nachfragen hat entweder unverschämte Antworten oder völliges Unverständnis zur Folge. Meine Erklärung dafür ist, daß viele schlecht bezahlte Leute eben einfach ihren Job erledigen, mehr oder weniger gut, aber nie auf die Idee kommen würden, ihn zu hinterfragen.

Warum fünf Männer einem anderen in Begleitung eines Polizisten beim Schaufeln zusehen müssen, wird mir also für immer ein Rätsel bleiben.

PS: das Wasser läuft inzwischen wieder…