Inkens Welt

ehem. USA-Tagebuch
Home » 2007 » Dezember

Seht mal in die Links!

Dezember 19th, 2007 Posted in Unser Amerika

Mir geht langsam aber sicher der Speicherplatz aus auf inken.at. Wir haben deshalb einen Link zu Gustls website gelegt, wo Ihr Reiseinformationen findet. Dort ist auch ein noch unbefüllter Kalender, in dem Ihr unsere Gästezimmerbelegung seht und die Zeiten, in denen wir voraussichtlich nicht in West Hartford sind.

Diese Seite ist kein blog, sondern „the real stuff“. Mal sehen, was wir da noch alles drauf stellen.

Bleibt neugierig!

Inken

Let it snow, let it snow, let it snow!

Dezember 18th, 2007 Posted in Unser Amerika

West Hartford bietet viele Seiten, auch eine Wetterseite. Vorige Woche hatten wir Eisregen. Und das sah dann so aus.

imgp5321.JPG imgp5322.JPG imgp5323.JPG imgp5324.JPG imgp5325.JPG imgp5326.JPG imgp5327.JPG imgp5328.JPG imgp5329.JPG

Und letzten Donnerstag hielt New England all seine Versprechen auf einmal. Schnee. Und dann noch mal Schnee. Und noch mehr Schnee.

Für 15 Meilen braucht man dann schon mal dreieinhalb Stunden. Die Scheibenwischer frieren fest, an Steigungen bleiben sommerbereifte Connecticuter hängen, die es eigentlich besser wissen sollten. Die Schule fällt aus. Alle fahren spätestens um eins Richtung Heimat. Und mitten drin: natürlich ich.

Aber was ist der ganze Ärger, wenn man sich dann dieses Winterwonderland ansieht?

imgp5356.JPG imgp5355.JPG imgp5354.JPG imgp5352.JPG imgp5351.JPG imgp5350.JPG imgp5347.JPG imgp5345.JPG

Inken muß sich gut benehmen

Dezember 13th, 2007 Posted in Unser Amerika

Um gleich mal auszuschließen, daß irgendwer glaubt, ein Country Club sei ein Restaurant, in dem es nur Country Potatoes gibt… 😉 So ist es nicht! Country Clubs wurden gegründet, um den hart arbeitenden und dadurch reich gewordenen Amerikanern ein abgeschlossenes Gelände zu bieten, in dem sie ihre Wochenenden verbringen konnten, unbehelligt von der schmutzigen, grausamen Welt „da draußen“. Dazu gehörten und gehören oft Golf- und Tennisplätze, Pools und natürlich Räumlichkeiten für gesellschaftliche Veranstaltungen. Also alles in allem ausgesprochen weißes Amerika.

Hier in West Hartford gibt es den Town and County Club (Achtung, nicht Country, sondern County!)www.towncounty.com/, in dem meine Deutschschülerin Mindy Mitglied ist. Der Club wurde 1925 gegründet, um Frauen zu fördern, die sich in Wirtschaft und Wissenschaft einen Namen machen wollten. Es gibt also auch edle Gründe, um in einem solchen Club Mitglied zu sein.

Mindy hatte mich gestern zum Lunch dorthin eingeladen. Sie nimmt einmal im Monat an einem Treffen deutschsprachiger Damen teil und wollte mich dort vorzeigen. Was soll ich sagen…. Ich bin nicht so der Typ für den Frauenverein, aber da ich ja immer was zum Bloggen brauche, hab´ ich mich geopfert. Außerdem ist es gar nicht so unangenehm, mal wieder die Jüngste in der Runde zu sein.

Der Club hat seine Heimat in einem Gebäude aus dem Jahr 1895 gefunden, das ursprünglich die Familie des offenbar recht erfolgreichen Anwalts Theodore Lyman beherbergte. Es wurde liebevoll restauriert, was man leider nur von wenigen Gebäuden hier behaupten kann. Es steht in unmittelbarer Nähe zum Elisabeth Park und dem Mark Twain Haus, die gute Gesellschaft befindet sich also in guter Gesellschaft.

imgp5343.JPG imgp5342.JPG

Die Mitglieder sind ausschließlich Frauen, naja Damen ist wohl der passendere Ausdruck. Schon die Gründerinnen waren nur Frauen, die in intellektueller, gesellschaftlichrer und/oder finanzieller Hinsicht zur Creme von Hartford gehörten. Langsam aber sicher krieg´ ich ein Gefühl dafür, wen ich da eigentlich unterrichte… Mindys Mann Clarence war gestern genau so „nur“ Gast wie ich.

imgp5338.JPG

Im Club können die Mitglieder für private Veranstaltungen Räume reservieren, das Catering und so weiter. Man kann dort als Mitglied jederzeit zum Essen hingehen, sich in der beeindruckenden Bibliothek hinter einem Buch verkriechen, seine Tochter gewinnbringend unter die Haube bringen, oder an Charity-Veranstaltungen teilnehmen. Jetzt vor Weihnachten werden zum Beispiel Geschenke für „weniger glückliche Kinder“ gesammelt.

Kunstausstellungen, Buchlesungen, Konzerte, Konversationskurse in verschiedenen Sprachen, Stipendien, Auktionen, Bridgerunden, Yogakurse, Zimmer für Frauen, die einige Tage in Hartford verbringen sind einige der Angebote und Aktivitäten des Clubs.

Ich stehe solchen Institutionen instinktiv zwiespältig gegenüber. Einerseits sehe ich, wie viel Gutes hier getan wird. Andererseits muß man sich natürlich auch fragen, ob man seine mexikanische Putzfrau hier treffen könnte…

Aber ich war Gast und hatte beschlossen, es zu genießen. Mindy und Clarence sind so reizende und kluge Menschen, ich brächte es nicht übers Herz, sie zu enttäuschen. Und ein bißchen (ha!) neugierig ist man ja schließlich auch.

Wir wurden in der Halle mit einer wundervoll geschwungenen Treppe ins obere Stockwerk vom Assistant Manager begrüßt. Er heißt John Bates, riecht wie das Geheimlabor eines Parfumeurs, trägt mehrere traumhaft schöne Ringe an JEDEM Finger. Was dort nicht mehr Platz fand, glitzert an seinem linken Ohrläppchen. Ein maßgeschneiderter Anzug und ein seidenes Halstuch vollendeten das outfit. John bügelt seine Anzüge sicher nicht selbst, könnte dies aber ohne großen Umweg über Bügelbrett und -eisen mit der flachen Hand tun, wenn er wollte. Er ist so etwas wie der Zeremonienmeister des Clubs, ausgesprochen freundlich und doch distanziert, gebildet, aber bescheiden. Eine einzigartige Mischung, ein Faktotum, das ganz offensichtlich das Glück hatte, den absolut perfekten Job für sich zu finden.

John gestattete mir, einige Bilder zu machen. Ich hätte wohl gar nicht fragen müssen, aber die Umgebung hat mich ein wenig eingeschüchtert. Ich war auf jeden Fall froh, daß meine Eltern mir das Essen mit Messer und Gabel beigebracht haben (und noch ein bißchen mehr…). Danke dafür nach Braunau!

Nach einem kleinen Rundgang, bei dem ich angemessen beeindruckt von den 17 Kaminen, den Perserteppichen in der Größe unseres Gartens und der zugegebenermaßen traumhaften Standuhr war, wurden wir ins Teezimmer geführt. Dort war selbstverständlich mit Wedgewood gedeckt (meine Sitznachbarin hat sich erlaubt, einen Teller umzudrehen, ich hätte mich das niemals getraut!!!). Schweres poliertes Silber und Bleikristall waren liebevoll über das Damasttischtuch verteilt. Ja, es war wirklich schön, das zu sehen. Und es beruhigt mich auch ein wenig, daß es Menschen in den USA gibt, die sich nicht mit Mikrowellen-Fernsehdinners zufrieden geben…

imgp5335.JPG imgp5341.JPG imgp5340.JPG

imgp5339.JPG imgp5337.JPG imgp5336.JPG

Das Essen an sich hatte viel Englisches. „Da essen´s besser die Blumen vom Tisch.“ Naja, Pilz-Quiche, klingt ja schon fad. War sie auch. Aber der Wein war gut und reichlich. Die anschließende Deutschstunde mit Mindy und Clarence gewann direkt noch ein wenig mehr an Schwung!

Die Gespräche waren dafür umso anregender. Die Damen, Clarence war der Hahn im Korb, kamen aus Schlesien, oder hatten einige Jahre in Deutschland verbracht, um dort zu studieren oder ihre Männer zu begleiten, die dort gearbeitet haben. Alle, wirklich ausnahmslos alle, waren sehr freundlich, sehr gewandt im smalltalk und sehr natürlich, auch wenn man an kleinen Details den reichen Hintergrund erkannte. Wer trägt schon Lambswool, wenn es Cashmere gibt…? Die Perlen hatten beeindruckende Größen und die Mehrkaräter waren dezent aber doch sichtbar. Den manikürten Händen sah man an, daß sie noch nie selbst abspülen mußten, und die Gesichter waren fachmännisch gepflegt.

Wir unterhielten uns über Frauen in der Politik, noch nie zuvor hatte ich ernsthaft darüber nachgedacht, ob Angela Merkel mich beeindruckt. Dafür war es wohl mal Zeit. Aber das Ergebnis fiel nicht gut für sie aus… Wir waren uns einig darüber, daß Condoleeza Rice beängstigend ist, Hilary Clinton bewundernswert und George W. unerträglich. Über Obama werden wir uns wohl nicht ganz einigen können.

Mindy hat mir auf der Fahrt zur Sprachschule zugeflüstert, man wolle mich gerne wieder sehen. Da hab´ ich wohl irgendwas richtig gemacht.

Jessas, high society! Des a no!

Chicken immer noch in Händen der Entführer

Dezember 12th, 2007 Posted in Die spinnen, die Amis!

inken.at berichtete bereits über die entsetzliche und unmenschliche Entführung des MTU-Angestellten Chicken durch eine Gruppe, die sich FDJ nennt. Nun wurden uns neue Details dieser ruchlosen Tat bekannt.

Der Aufforderung durch die Kollegen, ihnen ein Lebenszeichen von Chicken zu geben, bevor es zur Übergabe des Lösegeldes in Form eines möglichst umfangreichen Fasses Bier kommen könne, wurde nicht Folge geleistet. Vielmehr traf erneut ein Schreiben der Entführer ein, das mehr als beunruhigend ist und die Kollegen zu den schrecklichsten Vermutungen veranlaßt.

fdj.JPG

Auch wenn das Schreiben beängstigende Rückschlüsse auf die geistige Gesundheit der Entführer ziehen läßt, bietet es doch Angriffsfläche für Vermutungen über Herkunft, Motive und Bildungsstand der Täter. Offensichtlich handelt es sich nicht um einen Einzeltäter. Auch die Photos der Tat legten bereits nahe, daß es sich um mindestens zwei Personen handeln muß.

Da im vorliegenden Schreiben die Rede von „Margot“ ist, das Englisch des Schreibens mehr als mangelhaft ist und die Gruppe sich nach der ostdeutschen Jugendorganisation der Blauhemden benannt hat, liegt die Vermutung nahe, daß es sich um eine terroristische Vereinigung neosozialistischer Legastheniker handelt.

Die FDJ spricht in dem Schreiben vom „schmalen Grad des Wahnsinns“. Das gibt Anlaß zu allergrößter Sorge. Niemand kann sagen, wie diese Irren reagieren. Wird die Übergabe des Bierfasses stattfinden? Wird sie in einem Blutbad enden, oder mit der Befreiung des allseits beliebten Chicken?

inken.at liegt ein psychologisches Gutachten der Sigmund-Freud-Gesellschaft in Wien vor, dessen Kernaussage ist:

Psychologisch gestörte Straftäter gelten generell als unberechenbar. Es ist sowohl denkbar, daß die Entführung friedlich über die Bühne geht, als auch, daß alle Beteiligten inklusive dem Bierfaß Schaden an Leib und Seele nehmen.

Die Melange aus triebgesteuerter Gier nach Alkohol, menschenverachtender, offensichtlich sexuell motivierter Verdrängung jeglichen menschlichen Mitgefühls und aus politischer Frustration geborener Agitation, die auf einen ausgeprägten Ödipuskomplex (siehe dazu den Hinweis auf „Margot“ Anm. der Red.) zurückzuführen ist, kann zu einer Übertragung führen, die weder steuerbar noch umkehrbar ist. (Übertragung: Hineinlesen von Erwartungen, insbesondere Rollenerwartungen, eigener Wünsche, Befürchtungen und/oder Vorstellungen in das Verhalten oder die Eigenschaften einer bestimmten Person, die ursprünglich einer anderen Person (z.B. Eltern oder Partnern) gegolten haben. Anm. der Red.)

Die einzige Möglichkeit, das Schlimmste zu verhindern, sei höchstmögliche Flexibilität in den Reaktionen der Geschädigten, Verzicht auf jegliche Rücksichtnahme auf die körperliche Unversehrtheit der Entführer im Falle einer gewalttätigen Auseinandersetzung, und das Mittragen eines ausreichend großen Kochtopfes und etwas Wurzelgemüses für den schlimmsten aller anzunehmenden Fälle, so die Sigmund-Freud-Gesellschaft. Auf alle Fälle rät man zum Handeln ohne viel Federlesen.

Chicken ist ein noch junges Huhn, das erst kurz vor seiner gewalttätigen Entführung durch eventuell politisch motivierte Spinner als Nachtwächter in der IT-Abteilung angestellt worden war. Sein ohrenbetäubender Quietsch-Warnruf und die angeborene Fähigkeit, sich einer Hackordnung zu unterwerfen qualifizierten es für diese Stelle, die schon seit langem auf die Besetzung durch einen jungen, furchtlosen Mitarbeiter wartete. Umso tragischer, daß ausgerechnet Chicken einem Verbrechen zum Opfer fiel in Ausübung seiner Pflicht, als sich niemand sonst in den Büroräumen der MTU aufhielt.

veopic0.jpg

Chicken sei sofort in die Gruppe integriert gewesen, sagt Augustin S.. Durch sein freundliches Wesen, seine Bereitschaft, jederzeit für ein extra Frühstücksei für die Kollegen zu sorgen und sich so sprichwörtlich klaglos den Arsch für die Firma aufzureißen, sei Chicken sofort in die Gemeinschaft aufgenommen worden. Chicken erzählte im heimischen Hühnerstall stolz von seiner neuen, wichtigen Position und war hochgradig motiviert, diese allzeit zur vollsten Zufriedenheit des MTU-Managements auszufüllen.

Aus Sorge um Chicken sei ein reibungsloser Arbeitsablauf bei der MTU praktisch nicht mehr möglich, so Augustin S.. Immer wieder würden Kollegen spontan von Weinkrämpfen gebeutelt. Die Mittagspause würde genutzt, um gemeinsam und konfessionsübergreifend für das Wohl des Huhns zu beten.

Bis uns weitere Informationen vorliegen, bleibt uns nur die Hoffnung, daß Chicken seine Entführung heil an Körper und Seele übersteht. Wer kann schon ermessen, welche psychologischen Folgen eine solche Tat für ein junges Huhn hat?

inken.at wird weiter berichten, getreu unserem Motto:

Bild Dir bloß keine Meinung, das machen wir schon für Dich!

Immer höflich bleiben! Vorsicht! SEHR subjektiv!

Dezember 10th, 2007 Posted in Die spinnen, die Amis!

Heute würde ich gerne einige Worte zum Thema Höflichkeit verlieren, aber selbstverständlich nur, falls es niemanden stört, es gerade konveniert und niemand es als Angriff mißversteht. Ich möchte damit auf gar keinen Fall etwas von Eurer wertvollen Zeit stehlen und bin im Grunde sowieso unwürdig, Eure geneigte Aufmerksamkeit zu fordern. Solltet Ihr also entscheiden, diesen Beitrag zu ignorieren, oder Ihr die Lektüre nach einiger Zeit abbrechen, ist es selbstverständlich meiner Unfähigkeit, interessante Themen zu finden zuzuschreiben, wofür ich demütig die volle Verantwortung übernehme, und ich entschuldige mich bereits im voraus für alle psychologischen und/oder terminlichen Schwierigkeiten, in die ich Euch mit meinen unwesentlichen Ergüssen bringe.

Oder, um es österreichisch-deutsch auszudrücken: manchmal ist diese scheiß aufgesetzte politeness hier echt zum Kotzen! Und mir ist es auch völlig egal, ob das irgendjemand anders sieht!

Wie einige von Euch wissen, mache ich gerade bei Berlitz eine Sprachlehrer-Ausbildung. Die ist insgesamt sehr gut, beantwortet viele Fragen (manche auch nicht…), wir üben viel und werden konstruktiv kritisiert. Naja, bei den Preisen, die die Schüler für die Kurse bezahlen, ist es ja auch angebracht, daß sie nicht von stotternden Vollidioten unterrichtet werden, nicht wahr?

In diesem Kurs sitzen eine Deutsche, die seit ihrem 8. Lebensjahr in den USA lebt, eine Inderin, die inzwischen die green card hat, also wohl bleiben wird, eine Amerikanerin, ein Amerikaner italienischen und ein Amerikaner portugiesischen Ursprungs.

Wir quatschen natürlich in den Pausen viel darüber, welche Unterschiede zwischen unseren Kulturen bestehen, und zwei Themen kristallisieren sich dabei nach und nach als zentral heraus. Essen und Höflichkeit.

Übers Essen rede ich heute mal nicht, das tu´ ich lieber, zumal Gustl gerade seine unschlagbaren Thunfisch-Spaghetti zaubert… Also bleibt das Thema Höflichkeit.

Als wir nach Amerika gingen, hat man uns vieles erzählt. Eine Sache kam immer wieder auf´s Tapet. „Die sind alle höflich. Aber sie meinen es eigentlich gar nicht so.“ oder „Ständig wirst Du dort gefragt `how are you?´, aber sie wollen es eigentlich gar nicht wissen.“ Ja, das stimmt, sie wollen es nicht wissen. Die Phrase „How are you?“ hat einen einzigen Zweck, Begrüßung. Also denkt nicht mal im Traum daran, zu antworten „ooooch, ganz gut, aber irgendwie hab´ ich heute Kopfweh“. Sie werden Euch anschauen als hättet Ihr sie gerade auf die Kirchweih geladen und so schnell wie möglich das Thema wechseln. Das versteh´ ich auch. Stellt Euch vor, Ihr begrüßt einen Ami mit „Grüß Gott“ und er antwortet, er würde Euren Wunsch ja gerne erfüllen, aber er sei sich der Güte seines Drahtes nach oben gar nicht so sicher… Also, „how are you?“ ist einfach eine Floskel, nicht mehr und nicht weniger. Sie ist von einer vielleicht irgendwann mal wörtlich gemeinten Bekundung menschlichen Interesses zu einer Prase degeneriert, die man irgendwann gar nicht mehr wahrnimmt. Also denkt nicht weiter darüber nach.

Zur Höflichkeit gibt es im Gegensatz dazu sehr viel zu denken und zu sagen. An guten Tagen neige ich dazu, den Amerikanern nur ein chronisches Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom zu unterstellen (med. Erklärung siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom). An schlechten Tagen hingegen bin ich felsenfest davon überzeugt, daß Darwin, wenn er Recht hatte, in den USA besonders Recht hatte. Warum dann ausgerechnet die Amis die Dreistigkeit besitzen, Darwin und seine Ideen und Theorien aus den Schulbüchern zu streichen, fällt wiederum unter das Kapitel Schizophrenie, aber das überlasse ich lieber den Therapeuten, von denen es hier ja genug gibt. „Survival of the fittest“ zeigt sich hier folgendermaßen. Erst mal kommen sie selbst, dann kommt laaaaang nichts. Und dann kommen das Auto, der Präsident, oder die Kinder. Dabei ist die Reihenfolge eher beliebig und subjektiv. Und deshalb die lange Vorrede über meine Sprachlehrerkollegen.

Einer der Amerikaner hat heute unserer Lehrer-Lehrerin Lilia eine Frage gestellt. Abgesehen davon, daß sie die Frage bereits fünf Minuten vorher mir beantwortet hatte, hat dieser Kerl doch tatsächlich die Chuzpe, mitten in Lilias Antwort aufzustehen mit den Worten „sorry, I need to pee.“ HALLO? Über dieses Verhalten entsetzt zeigten sich: 1 Inderin, 1 Österreicherin, 1 Deutsch-Amerikanerin. Lilia, ihrerseits Ukrainerin, meinte nur, sie würde ihn nicht darauf ansprechen, denn sie möchte nicht unhöflich sein. DOPPEL-HALLO!!!!????

Zurück in der Klasse stellt er wieder eine Frage, die übrigens während seiner Pinkelpause geklärt worden war. Lilia antwortet und muß dabei etwas ausholen. Nach zwei Minuten unterbricht er sie und sagt, er habe seine Frage vergessen, ob sie sie noch mal wiederholen könnte… Sorry, ich konnte mich nicht mehr beherrschen und hab´ ihn gefragt, ob das jetzt sein Ernst sei. Er meinte, ja, er sitze jetzt schließlich seit einigen Stunden (es waren ungefähr zwei…) hier drin und so lange könne er sich nicht konzentrieren, das müsse ich verstehen. Da ich nicht unhöflich sein wollte, bin ich meinerseits zur Toilette gegangen, um dort mein Spiegelbild zu beschimpfen…

Die Deutsch-Amerikanerin war süß. Sie meinte in der Mittagspause zu mir, sie sei froh gewesen, daß ich was gesagt habe. Sie hätte lange in den Südstaaten gelebt, wo die Menschen als besonders höflich gelten. Und sie habe seit ihrer Kindheit Zweifel daran, daß Höflichkeit in Abhängigkeit zur Länge der Sätze steigt. Sie würde ihrerseits Hilfsbereitschaft einem unechten Dauergrinsen vorziehen. Naja, sie stammt aus Berlin.

Generell bin ich ja nicht als einer der höflichsten Menschen verschrieen, das geb´ ich ja gerne zu. Und oft ist gezielter Einsatz von Unhöflichkeit für mich persönlich ein probates Mittel, um bestimmte Dinge oder Menschen von mir fern zu halten. Aber wenn es darum geht, daß ich sehe, daß jemand beim Autofahren die Spur wechseln will, oder eine Mutter mit einem kreischenden Kind hinter mir an der Supermarktkasse wartet, bin ich fast immer bereit, Platz zu machen. Und das ist für mich Höflichkeit. Älteren einen Sitzplatz zu überlassen. Müttern zu helfen, ihren Buggy die U-Bahn-Treppe runterzuschleppen, jemandem eine Tür aufzuhalten, der schwer schleppt. „Guten Morgen“ zu sagen zu den Kollegen, mich für guten Service zu bedanken, usw.

Jemanden nicht auf seine offensichtliche Unhöflichkeit anzusprechen, sich gefallen zu lassen, wenn man ständig unterbrochen wird (auch eine zutiefst amerikanische Eigenschaft!), nur um nicht unhöflich zu sein, ist für mich mit Dummheit und Zeitverschwendung gleichzusetzen und hat mit Höflichkeit absolut nichts zu tun.

Und wenn es denn wirklich mal darum geht, Höflichkeit einzufordern, zum Beispiel wenn man auf dem Highway in eine Spur einfädeln will, dann hocken sie alle mit Handy am Ohr und Hund oder Kind auf dem Schoß in ihren bescheuerten SUVs und üben sich in Ignoranz. Zu hupen ist übrigens unhöflich…

Eine dumme Angewohnheit von mir ist es, wenn ich Dinge unglaublich finde, „Jesus Christ!“ zu rufen. Natürlich ist mir klar, daß das nicht political correct ist. Man könnte damit sowohl Nicht-Christen als auch Christen direkt und mit Anlauf auf den Schlips treten. Also achte ich darauf, das nicht mehr zu tun, ist sowieso ein dummer Spruch. Ich kopiere inzwischen Claudia K.´s „Himmel!“. Das versteht keiner und es erleichtert auch ganz ungemein. Nun rutschte mir aber auf einer kulturell gemischten Feier dieses unselige „Jesus Christ!“ doch mal raus. Eine Einheimische meinte daraufhin hörbar flüsternd zu ihrem Mann „She shouldn´t say that, it could offend somebody.“ Ich persönlich hätte es netter gefunden, wenn sie mich darauf angesprochen hätte. Sie hätte ja sagen können „Hör mal, sei ein wenig vorsichtig mit solchen Sprüchen, Du könntest hier jemanden verletzen.“ Das wäre aufmerksam und hilfreich gewesen. Aber absichtlich so laut zu flüstern, daß jeder mitbekommt, daß ich einen kulturellen Fehler gemacht habe, DAS IST UNHÖFLICH!!!

Yeah, well, you know…. Ich hupe trotzdem. Und wenn man mich hier als das unhöflichste Legal Alien aller Zeiten in Erinnerung behält, so what?

Suck my toe!

oder, um es österreichisch-deutsch auszudrücken:

Ich bin im Grunde ein höflicher Mensch, man sollte mich nur besser nicht provozieren!

Ich danke für Ihre Aumerksamkeit!

how_to_be_polite.jpg

Entführung eines MTU-Mitarbeiters – Kollegen befürchten Schlimmstes!

Dezember 5th, 2007 Posted in Die spinnen, die Amis!

inken.at wurden heute exklusiv die Details eines kaltblütigen Entführungsfalls bekannt. Das Maskottchen „Chicken“ der IT-Abteilung der MTU AENA in Newington, Connecticut wurde am vergangenen Wochenende von zu diesem Zeitpunkt noch unbekannten Tätern skrupellos und unter Anwendung roher Gewalt entführt. Das Huhn befand sich alleine in den Büroräumen der MTU AENA. Dlie Behörden gehen davon aus, daß die Täter Insider sind, da sie offenbar über die Gepflogenheiten und den Schichtplan von Chicken genauestens Bescheid wußten.

Chicken war wie jedes Wochenende zuverlässig zu seiner Wochenendschicht als Sicherheitsbeauftragter der Abteilung IT erschienen, als die Täter es überwältigten, mit einem Messer bedrohten und ihm die Augen verbanden. Die Kaltblütigkeit der Entführer wurde offenbar als am Montag, den 3. Dezember Photos der Tat per mail von mailto:free_the_chicken@gmx.net in der IT-Abteilung auftauchten.

cimg0763.JPG cimg0760.JPG cimg0762.JPG

Begleitet waren die Bilder des von Panik gelähmten Huhns von der Drohung

be reasonable and nobody gets hurt….

Die IT-Abteilung reagierte sofort und antwortete den Kidnappern:

An open letter to the kidnappers of our IT chicken! We are very sad about the escalation! We cannot understand how somebody can lay violant hands on our beloved and innocent chicken! This is cruel terrorism! We only ask you once: Please give us our chicken back! If we do not have our chicken back until tomorrow, we will have to act in a way that nobody will like! Fun is over! We know your name and we know where you live! Regards, the IT Department!

Im Interview mit dem IT-Manager Augustin S. konnten wir von dem von Sorge um den stets pünktlichen und gut gelaunten Kollegen Chicken Gezeichneten folgendes erfahren.

Das mit dem Chicken war so. Bereits letzten Donnerstag gingen Morddrohungen gegen unser IT-Chicken hier ein. Daraufhin haben wir das Chicken mit einer Webcam überwacht. Wir haben den Entführern ein Bild der Webcam geschickt, das diese wiederum mit einem Wolf ergänzt haben, das unser Chicken frißt. Als wir heute Morgen zur Arbeit kamen war Chicken weg und wir hatten alle das email von free_the_chicken@gmx.net  in unserer Mailbox. Wir sind sehr bestürzt über diesen Vorfall. Leider haben wir noch keine Lösegeldforderung erhalten…

Tatsächlich sollten noch mehrere nervenzerfetzende Stunden vergehen bis die vollkommen verstörten Kollegen von den Enführern hörten. Als die Antwort dann endlich kam war sie niederschmetternd. S. und seine Kollegen befürchteten von nun an Schlimmstes.

,..o.k. no mistakes today…we the FDJ really appreciate that, since it shows us that you want your chicken back – and as long as you stay reasonable there is still chance to get the chicken back – in one piece!!! We the FDJ don’t want much, our request is simple… since we are fighting for a better world with enough food and drinks for anybody we only want to see your contribution to this approach by getting us a barrel of a fine boston lager…. We don’t define how big that barrel should be – for purpose – as you are in charge for everything that happened so far – your choice in that question will also lead to the things that will happen in the future – so you better consider how big the wish for a lucky re-union is – don’t force us to start a mess with lots of blood and screaming…. Let us know if you accept. We’ll come back to you with date and place. Don’t wait too long since we don’t know how long a chicken can survive without any food, Freundschaft

Ein Lichtblick ist, daß nun bekannt ist, wie die Entführergruppe sich nennt und welche Ziele sie verfolgt. Offensichtlich stecken keine politischen oder weltanschaulichen Motive hinter der Tat, sondern pure, kalte Habgier.

Ein Trost, wenn auch nur ein schwacher, sind die zahlreichen Mitleidsbekundungen, die inzwischen die IT-Abteilung erreicht haben, wie zum Beispiel diese eines offenbar mächtigen Hühner-Lobbyisten:  

aufzeichnen.JPG

open letter to the FDJ. Hello, my name is Hans Christoph Huhn and I am the leader of the FDH (Freie Deutsche Hühnchen). In addition to this, I am the Godfather of the IT Chicken! While I sympathize your aims, I utterly denounce this shameful act of terror and demand that you release the IT Chicken at once! As you can probably tell from my photo above, I am a very powerful chicken with deep pockets and great influence. The FDH is currently made up of over three million chickens and I am prepared to declare war if you do not stop this insanity. Release the IT Chicken or face the wrath of over three million chickens!

Augustin S. und seine Mannschaft befinden sich in einem Zustand rapide steigender Ratlosigkeit und bitten um möglichst viele Petitionsschreiben an die o.g. email-Adresse der Entführer. Man hofft auf einen Rest Menschlichkeit im Zusammenhang mit dieser brutalen und gewissenlosen Greueltat.  

inken.at wird Sie über die weiteren Ereignisse auf dem laufenden halten, gemäß unserem Motto „Bild Dir bloß keine Meinung, das machen wir schon für Dich!“

Glitzernder Nachschlag…

Dezember 4th, 2007 Posted in Unser Amerika

Claudia meinte, wenn ich stolz drauf bin, daß der New Yorker Weihnachtsbaum aus Connecticut kommt, sollte ich doch auch ein wenig Stolz darauf entwickeln, daß der wunderbare Stern auf seiner Spitze seinen Ursprung in Österreich hat. Und damit hat sie Recht! Ich platze gleich vor Stolz!

25000 Swarowski-Kristalle, 250 kg Gewicht und ein Durchmesser von drei Metern sollten wirklich nicht unerwähnt bleiben. Ist allerdings nicht ganz einfach, ein Bild davon zu finden…

Das glitzernde, handgefertigte Kunstwerk aus Tirol wurde erstmals 2004 dem Baum als Krone aufgesetzt. Die damals wohl bekannte Christie Brinkley durfte die vielzackige Schönheit vorstellen.

 swarowski.jpg

swarowski1.jpg

Wer bessere Bilder findet, bitte an inken@guschtl.de.

Wir haben es schon immer vermutet, jetzt ist es Gewißheit: Österreich ist ÜBERALL!!!