Inkens Welt

ehem. USA-Tagebuch
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Danny Glover was here!

Oktober 24th, 2007 Posted in Unser Amerika

Wißt Ihr noch alle, wer Danny Glover ist? Ja, genau, „Die Farbe Lila“, „Lethal Weapon“, der der stundenlang auf der Kloschüssel sitzen mußte, weil eine Bombe drunter war usw. Nun, der war heute bei mir. Er arbeitet inzwischen undercover für unsere Heizungsfirma und hat mir einen Einblick in sein aufregendes Leben gewährt.

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Er hat mir von Vietnam erzählt und daß man für ein gebrochenes Handgelenk kein Purple Heart bekommt. Auch nach seinem Einsatz in Vietnam durfte er nicht wie die weißen verletzten Soldaten in einer deutschen Base eine ruhige Kugel schieben (seine Worte, nicht meine!), sondern wurde nach Korea geschickt.

Ach ja, er ist übrigens auch der Meinung, daß sich diese Welt langsam aber sicher ihrem Ende nähert. Was für Weltuntergängler einem hier doch begegnen! Er ist allerdings bereit, bis zum Letzten seine Lieben zu verteidigen, dafür hat er immer eine 25er im Handschuhfach.

Vor einer Woche ist sein bester Freund beim Angeln ertrunken, dafür kam gestern seine erste Enkelin zur Welt. Er ist überzeugt, daß sein Freund in ihr wiedergeboren wurde. Sie grinst wohl wie er.

Und da er zwischen seinen Erzählungen und der Wartung der Heizung immer wieder durch die Küche marschiert ist, hat er mir nebenbei noch einen kleinen Vortrag über die verschiedenen Kürbissorten gehalten. Als er mich mit dem großen Messer hantieren sah, wurde er ganz väterlich fürsorglich, mußte dann aber anerkennen, daß ich für ein europäisches Weißbrot gar nicht so ungeschickt sei.

Ich hab den Wisch, den er mir nach fast drei Stunden unter die Nase gehalten hat, lieber kommentarlos unterschrieben, denn die 25er wollte ich nicht kennenlernen…

„Ich bin zu alt für diesen Scheiß!“

Indian Summer! Echt? Wo?

Oktober 24th, 2007 Posted in Unser Amerika

Wie schon gebloggt (Doppel-G oder nicht?) findet der Indian Summer in diesem Jahr nicht in West Hartford statt. Deshalb haben wir uns vor einigen Wochen am Sonntag ob des schönen Wetters mit Pussy auf den Weg nach Massachussets gemacht. Das liegt nicht nur nördlicher, sondern auch höher. In der Hoffnung, daß der Sommer dort nicht so trocken war und die Blätter somit Zeit hatten sich zu verfärben ging es los.

Gefunden haben wir dabei ziemlich viel Straße mit Ausblick auf ein wenig bunte Bäume und eine alte Mühle.

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Auf dem Weg lag eine Kneipe, vor der ganz besonders hübsche Oldtimer standen, die doch sehr an die „Waltons“ erinnerten. Im Garten der Kneipe wurde ein Hufeisenwerfen veranstaltet. Die Leute wirkten aber uns Fremden gegenüber so mißtrauisch, abweisend und meiner Meinung nach auch bewaffnet, daß wir uns nicht mehr photographieren trauten als…

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Das war also erst mal nix mit dem Indian Summer.

Noch mal zur Erinnerung, so sollte es eigentlich aussehen um diese Jahreszeit:

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Also haben wir eine Woche später Gudrun und Jörn eingepackt und haben uns noch einmal in Richtung Norden aufgemacht, um rauszufinden, ob es woanders bunter ist als zu Hause.

Litchfield wurde von Gudruns Reiseführer als besonders pittoreskes Dörfchen angepriesen, wir haben es gefunden und so sah es dort aus:

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War auch wirklich schön dort, aber für unseren Geschmack immer noch nicht bunt genug.

Nebenbei bemerkt, wenn man Jörns Gang betrachtet, stellt sich doch die Frage, wo er sich sonst noch hat waxen lassen…

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Wir fuhren weiter auf unserer Suche. Während die Jungs vorne die Karte falsch rum hielten, haben Gundl und ich die Zeit genutzt, aus den rückwärtigen Fenstern zu schauen und haben dabei ein Schild entdeckt, das uns in den „Mount Tom State Park“ führte.

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Wir mußten die Kerle erst überreden, mal wieder auszusteigen, aber siehe da, endlich bekamen wir das Indian Summer-Feeling, besonders unser Besuch.

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Wir waren an einem See gelandet mit Picknick Area, menschenleer bis auf ein Liebespärchen, das recht erleichtert war als wir wieder abfuhren. Am gegenüberliegenden Ufer sah man Ferienhäuschen, Enten schwommen gemütlich vor sich hin. Wollen wir mal nicht hoffen, daß sie im Winter festfrieren und dann mitsamt dem See davonfliegen, Towandaaaaaa! 

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Jörn mußte zwischendurch mal wildbieseln, deshalb kam er etwas verspätet zu der Erkenntnis „Ah! Indian Summer, kuck mal!“

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Aber dafür kann er mit dem Selbstauslöser umgehen.

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Auf dem Heimweg haben wir einen kleinen Umweg über Cornwall gemacht, ja so was gibt es hier. Gudrun wollte die überdachte Brücke sehen.

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Verständlich, ist wirklich typisch für die Neu-England-Staaten.

Auch typisch sind die „Shaker“, eine Freikirche, deren Mitglieder zölibatär leben. Ihren Namen haben sie von ihrem rituellen Schütteltanz. Leider gibt es nicht mehr viele von ihnen, naja, ist eigentlich logisch, so ganz ohne Nachwuchs…  Männer und Frauen hatten sogar getrennte Treppenhäuser. Aus Langeweile haben sie dann begonnen, wunderschöne Möbel zu produzieren. Siehe dazu: http://de.wikipedia.org/wiki/Shaker_%28Religion%29 und http://www.shakers.org/)

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Kaffeedurstig hab ich die drei in ein Café entführt, in dem wir wieder nicht so richtig willkommen waren, ich muß dieser Fremdenfeindlichkeit mal auf den Grund gehen. Uns wurde ja erzählt, daß ALLE Amerikaner IMMER ABSOLUT freundlich sind. Also ich hab schon ein paar andere erlebt…

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Aber auch wenn wir hier recht grantig schauen, so einfach lassen wir uns die Petersilie nicht verhageln, nicht von den Amis!

Da es schon kalt und dunkel wurde haben wir uns wieder auf den Weg zurück gemacht.

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Leider war unser Besuch schon wieder abgereist als ich einige Tage später, eigentlich nur um schnell einen Kürbis zu besorgen, in mein Auto stieg. Als es in München schon den ersten Schnee gab, hatten wir 25° und herrlichen Sonnenschein, was zu einem Endorphinschub führte, der mich einfach am Supermarkt vorbei die I 44 mit offenem Dach und lauter Musik weiterfahren ließ. Die Luft war wie Seide, der Himmel wie frisch poliert. Ihr glaubt ja gar nicht, wie schön es bei uns sein kann!!!!

Damit Gustl auch mal ein bißchen was von der Gegend mitbekommt und wir die Schönheit des nordwestlichen Connecticut auch Euch zeigen können, haben wir die Tour am letzten Sonntag noch einmal gemacht. Wir versorgten uns noch mit Ben&Jerry´s Capuccillo

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(Espresso und Kaffee-Eis mit Eiswürfeln frappiert/gefrappt (oder wie auch immer…), ca. 1800 Kalorien pro Becher…, sehr lecker!), ich bewaffnete mich mit der Kamera und ab gings.

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Wir kamen unter anderem an einen See, an dem die ganz arme Bevölkerung der Gegend ihre Boote liegen hat.

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Besonders freuten wir uns über die Entdeckung eines kleinen Möbelgeschäfts.

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Nicht nur, daß wir dort einen wunderbaren Rocking Chair entdeckt und gekauft haben, der Besitzer hat uns auch noch von einem österreichischen Restaurant in Springfield vorgeschwärmt, uns einen deutschen Metzger empfohlen und einen Kürbis geschenkt. Als ich am Montag den Schaukelstuhl abgeholt habe, hat er sich bei einer Tasse Kaffee auch noch politisch geäußert. Er ist Nachfahre litauischer Juden und der Regiererei des Herrn Bush gegenüber mehr als kritisch eingestellt. Er ist generell der Meinung, daß wir Menschen ziemlich bescheuert sind, wenn man betrachtet, was wir mit unserer Erde, unserer Zeit und unseren Ressourcen anstellen. Wieder etwas, was absolut anders ist als uns im interkulturellen Training angekündigt wurde: es GIBT Menschen, die über Politik reden! Und das auch noch auf sehr vernünftige Art und Weise. Das läßt doch hoffen!

Tja, und aus der Mitte entspringt ein Fluß. Brad Pitt war zwar nicht da, aber DAS ist einer der Flüsse, in denen sich Fliegenfischer in ihren sexy Gummihosen vergnügen.

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Es war schon spät und noch ein ganzes Stück bis nach Hause, also ging es über ein paar einsame Seitenstraßen zurück nach West Hartford, während schon der Mond aufging.

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Und wer das alles mal selbst und live sehen will, wir sind noch ein Weilchen hier…

Unser Jörn soll schöner werden!

Oktober 23rd, 2007 Posted in Menschen

Der nächste Besuch war da, Gudrun und Jörn.

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Ich muß sagen, Jörn überrascht mich immer wieder! Nicht nur, daß er shoppt wie eine Frau, bei Macy´s in New York haben sie nach seinem Besuch die Männerabteilung zugesperrt, man hatte einfach nichts mehr auf Lager.

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Er legt auch mehr Wert auf seine Pflege als die meisten Männer die ich kenne. Und da ja nun Männlein wie Weiblein über Finger- und Fußnägel verfügen haben Gudrun und ich ihn mit zu „Silk-Nails“ geschleppt, um uns auf Hochglanz polieren zu lassen. Sonntags, klasse diese Öffnungszeiten!

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Und so sieht man aus, wenn man sich die Haare auf den Zehen waxen hat lassen…

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Danach gab es für die erschöpften Beauties lecker tote Kuh vom Rost.

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Und da Gudruns und meine Fingernägel noch nicht ganz trocken waren (eine immer wieder gern genutzte Ausrede, um sich vor Arbeit zu drücken) mußten eben die Jungs herhalten.

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Nach dem Essen waren wir uns einig, daß wahre Schönheit von innen kommt, besonders wenn man sie vorher auf den Grill schmeißt…

Der erste Amerikaner…

Oktober 23rd, 2007 Posted in Menschen

… den ich seit seiner Geburt kenne heißt Elias und wurde am Sonntag 7. Oktober 2007 um 14:07 geboren. Elias war zu diesem Zeitpunkt 53,34 cm groß (21 inches) und ganze 3515 Gramm schwer.

Soviel zu den harten Fakten, jetzt zu den weichen Herzen!

Das ist er

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Er macht manchmal die Augen auf, kann aber auch mit zu-en Augen schreien.

Wir freuen uns alle mit Anne und Sven über die gelungene, haarige Koproduktion!

Es saugt und bläst der Heinzelmann…

Oktober 22nd, 2007 Posted in Needful Things

… wo Mutti sonst nur harken kann.

Wir sind zwar die desillusionierten Besitzer eines amerikanischen Staubsaugers, aber seit kurzem auch die stolzen Besitzer eines Laubsaugers der Marke Black&DeckerBlack&DeckerBlack&Decker. Und der funktioniert wirklich einwandfrei!

Natürlich sind wir uns der Tatsache bewußt, daß es ökologisch gesehen Wahnsinn mit Methode ist, Laub mittels Strom und Luft zu Haufen zusammenzuwirbeln, dabei alles Gewürm und Gekäfere, das da so kreucht und fleucht (oder kräucht und fleucht?) zum Tode zu verurteilen und die Nachbarn und sich selbst ohrenbetäubendem Lärm auszusetzen. Aber auf dem Weg Amerikaner zu werden, ist das der ideale Einstieg: laut und ineffektiv sein, dabei eine Menge Energie verbrauchen und viel Staub aufwirbeln, amerikanischer geht es eigentlich gar nicht.

Ernsthaft, alle schwärmen vom Indian Summer. Wenn er doch nur käme! Bei uns war es so trocken und heiß, daß die Blätter unserer Ahorngiganten schon trocken runterfallen, bevor sie die Chance haben, sich zu verfärben. Und da dieser Saustall ein anderer werden muß, wird eben Laub entfernt. Außerdem machen das hier alle, und man will ja als Europäer nicht gleich wieder unangenehm auffallen. Also rein in BH (!), Hose und Shirt, Heinzelmann umgehängt und los geht´s. Hinterher ist man von oben bis unten grau, unser Leben hier ist nämlich auf Sand gebaut, wir sollten Spargel pflanzen.

Ich bin ja ganz Zen-mäßig ein Freund des Rechens, auch wenn ich dabei Blasen an den Händen bekomme, die sich „von“ schreiben, auaauaaua. Aber Gustl war durch nichts zu halten und hat bei Lowe´s unseren Heinzelmann gekauft.

Das isser:

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Sorry, etwas unscharf, das liegt sicher daran, daß ich mich mit enormer Geschwindigkeit bewegt habe…

Das Laub, ob nun gesaugt und gehechselt oder geharkt, füllt man in große Papiertüten (auch bei Lowe´s erhältlich), die ab Mitte Oktober von der Müllabfuhr abgeholt werden. Man kann das Laub auch auf die Straße kehren, dann kommt der große städtische Sauger. Aber bei jedem kleinen Windstoß hat man den Kram wieder im Garten liegen. Also befüllen wir Tüten.

Es folgen noch Vorher-Nachher-Photos, für die war es nur heute schon zu dunkel…

Vorher sieht es so aus:

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Nachher-Bilder sind im Moment praktisch unmöglich, denn kaum ist man hinten fertig, liegt vorne schon wieder alles voll. Aber gefegter Asphalt und gerechter Rasen ist ja jedem soweit ein Begriff.

Der Heinzelmann eignet sich auch für kombiniertes Arbeiten. Sprich, ich harke vier Stunden den Garten und mache hübsche kleine Laubhäufchen bis Gustl heim kommt und die Häufchen heinzelmannt. Ich denke, so werden wir das in Zukunft regeln, ein bißchen Zen, ein bißchen amerikanisch. Man will ja schließlich nach zwei Jahren wenn man gefragt wird, was man erlebt hat,  mehr zu erzählen haben als „ich hab Laub gerecht…“

Gratwanderung zwischen Resignation und Gelassenheit

Oktober 19th, 2007 Posted in Unser Amerika

Resignation kommt vom lateinischen re-signare = das Feldzeichen (signum) senken.

Resignation ist auch der terminus technicus der Mystiker, der als lateinisches Pendant zum mittelhochdeutschen gelatenheit die Ergebung des eigenen Willens in den Willen Gottes bezeichnet.

Wird langsam klar, worauf ich hinauswill?

Wir sprechen heute über technische Problembeseitigung, zum Teil auch über unabsichtliche Problemverursachung durch Techniker…

Eines unserer Schlafzimmerfenster ist so verfault und vergammelt, daß es sich nicht mehr schließen ließ. Auf die Anfrage bei unseren Vermietern, wie man an ein neues Fenster käme, erhielt ich nach längerer Zeit eine Telephonnummer begleitet von der Bitte, es möglichst nicht zu teuer werden zu lassen, man kaue noch an den Kosten für die Badezimmerrenovierung. Bei Benutzung der Telephonnummer meldete sich ein Patrick, der versprach, kurzfristig vorbei zu kommen. DAS hat ausnahmsweise mal geklappt! Am nächsten Tag stand ein durchaus ansehnlicher Connecticuter mit hübschem Barbra-Streisand-Silberblick, einer langen Leiter und einem Werkzeugkasten vor der Tür. Sein fachmännischer, wenn auch schiefer Blick von außen auf das Fenster ließ mich nichts Gutes hoffen. Er wollte die Sache dann noch von innen betrachten. Da ich schon immer ein Freund innerer Betrachtungen war, führte ich ihn ins Schlafzimmer, entschuldigte mich für das dortige Chaos, das er aber professionell übersah und entfernte das Rollo, das ja ob des fragwürdigen Mauerwerks nur an zwei Nägeln hängt. Patrick murmelte und nickte vor sich hin, meinte „I can fix that, Ma´am.“ und schritt zur Tat. Die Leiter wurde schwindelerregend schief (für Patrick stand sie sicher gerade…) von außen an die Mauer gelehnt und Patrick schleppte eine Nagelpistole hoch. Mehrere Pffft-tack-zischs später rief er „it is closed now, Ma´am!“ Während ich noch überlegte, ob das Durchbohren eines Fensterrahmens mit ein paar Dutzend Nägeln hier die technische Vollendung des Fensterbaus ist packte Patrick Plastikfolie aus, die mit einem Doppelklebeband von außen über das Fenster fixiert wurde. Mir wurde recht schnell klar, daß hier jeder Widerspruch zwecklos war… Die Folie würde total gut isolieren und die Heizkosten um mindestens 0,05% senken. Na wenn das so ist, dann hat man doch gerne ein folienüberzogenes Fenster, nicht wahr? Ästhetische Erwägungen ließ ich lieber erst gar nicht hochkommen. Das Ganze wird unsere lieben Vermieter ca. 50 Dollar kosten. Hoffentlich überfordern wir sie damit nicht. Daß wir immer an solche Geizhälse geraten müssen…. Patrick verabschiedete sich mit „t´was a pleasure, Ma´am!“ Wie alt man sich fühlt, wenn man in einer halben Stunde fünfzehn mal „Ma´am“ genannt wird, erörtere ich lieber nicht. Aber so ein Miss-Elly-Feeling stellt sich schon ein.

Gustls Kollege Christoph sitzt seit mehreren Monaten in einem Haus, das zum Teil grau und zum Teil rosa ist. Im Garten stand wochenlang ein Kran. Das Haus wird nämlich wärmeisoliert. Das Problem ist nur, es wird nur theoretisch wärmeisoliert…. Das Dach wird neu gedeckt, aber nicht etwa durch Ersetzen der Schindeln durch neue, nein! Die neuen werden einfach auf die alten Schindeln draufmontiert. Das hat nun wieder den Vorteil, daß das Dach nach der dritten Schicht langsam anfängt dicht zu werden. Die rosa Stellen an den Außenwänden sind die, die bereits mit Dämmmaterial versehen wurden. Wird einfach von außen an die Verkleidung genagelt. Dann wird eine neue Schicht Verkleidung angebracht, die Fensterrahmen werden von außen neu aufgesteckt und schon hat man ein renoviertes Haus, für das man, fürchte ich, auch gleich mehr Miete verlangen kann…. Mal sehen, wie lange das Haus noch schweinchenrosa sein wird.

Da wir grade über die Heizkosten sprechen…. Unsere Heizung wird mit Öl betrieben, denn Öl kriegt man ja billig in den Ländern, denen man grade mittels Militäreinsatz das friedliche Zusammenleben beibringt. Da es inzwischen auch bei uns abends recht frisch wird, hab ich Scasco angerufen, unsere Öl- und Heizungsfirma. Man habe erst am 18. Oktober einen Termin frei für die Maintenance wurde mir gesagt. Ich hab dann ein wenig ins Telephon gesäuselt, von Besuch mit kleinen Kindern gelogen und somit sofort einen Dringlichkeits-Emergency-Status erhalten. Kinder ziehen immer, das wissen Werbefachleute schon lange. Gutes Gefühl! Jetzt weiß ich endlich wie meine ehemaligen Kunden sich gefühlt haben, wenn sie mir mal wieder einen von Produktionsstop erzählt haben… Noch am selben Tag kam ein älterer, dafür nicht schielender Herr vorgefahren, der sich als Spezialist für Heizungswartung bei mir vorstellte, sich in den Keller geleiten und die Geschichte vom piepsenden Rauchalarm erzählen ließ, der losging, sobald man versuchte, die Heizung anzustellen. Viele Mhms und Ahas später fing Mr Scasco an, auf unsere Heizung einzudreschen. Ich hab mich mal lieber in die Küche verzogen, um Schnitzel für Claudias Oktoberfest zu braten… Bin da ganz für die klassische Rollenverteilung! Nach einer halben Stunde ohrenbetäubenden Lärmens im Keller kam er rauf und meinte, er müsse stärkeres Gerät herbeischaffen. Der Ruß sei mit Kondenswasser vermischt und total verhärtet. Er brächte ihn mit seinem vorhandenen Werkzeug nicht raus. Naja, wenn er meint… Eine halbe Stunde und ca. 20 Schnitzel später kam Mr Scasco mit einem Staubsauger wieder, der mich vor Neid erblassen ließ. Ich hab ernsthaft überlegt, meinen Versager „Eureka“ aus dem Wandschrank zu holen, um ihm mal zu zeigen, wie man als Staubsauger auszusehen hat, hab´s dann aber gelassen, weil das einfach albern gewesen wäre. Mr Scasco verschwand also wieder im Keller und ward die nächsten zwei Stunden nicht mehr gesehen, dafür aber gehört! Wenn der Sauger mal nicht saugte klopfte dieser zartfühlende Mensch auf die Heizungsrohre, daß mir der Putz auf den Kopf bröselte. Und wenn er das nicht machte, hustete er mitleiderregend. Da ich das nicht mehr länger mit anhören konnte, schloß ich die Kellertür. Plötzlich stellte ich fest, daß unsere Heizkörper anfingen warm zu werden und entschied, daß das ein gutes Zeichen sei. Prompt stand auch Hau-den-Lukas-Scasco in der Küche und verkündete Vollendung des Werkes, auch wieder mit einer ganzen Menge „Ma´am“s. Er müsse nur noch mal wiederkommen, um einen effectivity-test durchzuführen, ha! Ölheizung – effektiv, schon klar! Wenn wir jetzt noch rausfinden, wie man die Heizkörper wieder kalt bekommt, denn einfach zudrehen scheint nicht zu wirken, dann kann der Winter kommen.

Bei Winter denk ich natürlich sofort an Unmengen von Schnee. Und bei Unmengen von Schnee denke ich an Winterreifen. Und da ist es auch schon wieder, das Dauerbrennerthema Mazda! Wie treue Leser sicher noch wissen, hatte meine kleine japanische Zicke Probleme mit de Atmung. Sprich, sie kam nicht auf Touren. Nach mehreren Wochen, die sie insgesamt in der Werkstatt rumstand und trotzdem wieder die Engine-Check-Leuchte blinkte, entschieden wir, mal nach den Zündkerzen zu sehen. Wir haben also die Guten von Bosch gekauft und eingebaut. Prompt ging das Lämpchen am nächsten Tag aus und Pussy schnurrt wie es ihrem Namen gebührt. Ich kannte bisher Selbstheilungseffekte nur aus der Elektronik, bin aber gerne bereit, daran zu glauben, daß nicht einfach das Lämpchen kaputt ist…

Das Oktoberfest der MTU wäre beinahe gesprengt worden, und zwar im wahrsten Sinn des Wortes! Am Montag nach dem Fest stellte man beim Abbau des Zeltes fest, daß man mit einem Hering die eigentlich gar nicht vorhandene Gasleitung angebohrt hatte. Großes Tennis, Evakuierung der Firma und des benachbarten Supermarkts, ne ganze Menge Feuerwehrautos und noch mal so viel Polizei. Billig wird das nicht!

Claudia ließ ein fischiger Geruch im Eßzimmer nicht zur Ruhe kommen. Man fand eine Steckdose, die fröhlich innen vor sich hin schmurgelte. Diese wurde ausgetauscht, im Einsatz waren dafür mehrere Personen. Aber die Sache ist jetzt gefixt. Man sollte sich keine weiteren Gedanken darüber machen…

Abstürzende Küchenschränke werden übrigens auch einfach durch neue ersetzt, gibt ja alles zu kaufen.

Insgesamt muß ich also sagen, mit der nötigen Gelassenheit und einem gewissen Maß an Fatalismus schrammt man im Land der begrenzten Unmöglichkeiten (hallo Lutz, ich hatte ja versprochen, das mal zu verwenden!) immer wieder haarscharf an der Resignation vorbei. Wir sind hier aber alle nicht willens, das Banner zu senken! Noch sind wir nicht von Küchenschränken erschlagen, von Zelten in die Luft gesprengt oder von Kabelbränden bei lebendigem Leib angekokelt worden. Noch bleibt uns nur manchmal das Lachen im Halse stecken…

The Chicken of the Month

Oktober 10th, 2007 Posted in Die spinnen, die Amis!

Manches mal frage ich mich, ob ich mich fürchten soll vor so viel Irrsinn, oder es lieber genießen, daß hier alle ein wenig Bluna sind. Langfristig werde ich mich für die zweite Variante entscheiden denke ich…

Lest und lacht!

Essen ist in den USA ein Dauerthema. Nutrition facts nehmen 80% aller Verpackungen ein. Es kann sich also jeder jederzeit darüber informieren, was er da grade plant in sich reinzustopfen, oder eben auch nicht, je nach Eßstörung.

Zum guten Essen gehören natürlich gute Eier. Und jetzt, Seppi, aufgemerkt. organic eggs, also Bio-Eier der Qualität AA big haben ungefähr die Ausmaße Deiner Azubi-Hendl-Erstlegeversuche. Damit aber nicht genug. Die Eier, die ich hier regelmäßig kaufe stammen von Pete und Gerry (nun, natürlich von ihren Hühnern, das ist hier auch nicht anders), zwei Bio-Bauern. Ihr Motto lautet:

Happy chickens lay better eggs™

At Pete and Gerry’s, we are a family farm that has produced high quality eggs for four generations in Monroe, NH, in the heart of the White Mountains. We believe in providing you, our customer, with fresh organic, cage free, omega-3 eggs from hens that are Certified Humane. As our family farm has grown our commitment to you has remained unchanged and we hope that you will enjoy our eggs as much as we do!

Und das sind die beiden Chickenlovers…

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Heute habe ich beim Einräumen des Kühlschranks entdeckt, daß die beiden monatlich ein Gickerl zum Huhn des Monats küren. Im Moment ist das…

Edna!

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Laying Eggs since: January
Hobbies: Making speeches, chatting

Edna can often be found roosting on a perch clucking away. It often appears as though she is standing at a podium making a speech to her fellow hens.

Ist das nicht einfach bezaubernd? Das nenne ich mal Mitarbeitermotivation!

Ich werde weiter den beiden Bio-Schnauzern Eier abkaufen und mach mich jetzt mal dran, ihnen zu verklickern, daß man Bio-Eier nicht in Plastik verpackt… Dafür gibt es die Rubrik „customer cluckings“ auf der homepage, also Kunden-Gegacker…

Wer mag, surfe nach New Hampshire, to the heart of the White Mountains: http://www.peteandgerrys.com/ Und auf http://www.peteandgerrys.com/inner_labels.php findet Ihr die Schönheitengalerie.

Rosen sind rot, Veilchen sind blau,…

Oktober 5th, 2007 Posted in Die spinnen, die Amis!

…ich bin schizophren, und ich bin es auch!

Wikipedia definiert Schizophrenie folgendermaßen:

Schizophrenie (von altgriechisch σχίζειν schizein „abspalten“ und φρήν phrēn „Zwerchfell, Seele“) ist als eine Diagnose für psychische Störungen des Denkens, der Wahrnehmung und der Affektivität gekennzeichnet, wobei verschiedene symptomatische Erscheinungsformen unterschieden werden. Die Schizophrenie ist eine der häufigsten Diagnosen im stationären Bereich der Psychiatrie.

Die USA sind demnach eine große psychiatrische Station, die Patienten beherbergt, die Störungen des Denkens, der Wahrnehmung und der Affektivität aufweisen, die jemand Fremdes nur ertragen kann, indem er sein Zwerchfell von seinem eigenen Denken abspaltet und dadurch eine nicht enden wollende Parade der Perversionen nur noch mit viel Humor und Gleichmut ertragen kann. Da das Zwerchfell ja nicht nur Sitz der Seele ist, sondern auch ein unverzichtbares Werkzeug, um Lachen zu produzieren, versuche ich, so oft wie möglich meinen Humor einzusetzen. Das gibt auch ein nettes Sixpack auf Dauer.

Wie ich darauf komme, daß hier was nicht stimmt? Naja, schon in Bayern kommt man sich als Zuagroaste manchmal vor wie im Kuriositätenkabinett. Erschossene Bären, Niederbayern, Transrapid, der Münchener Kessel, das Oktoberfest, Bayern München… Wer versteht das schon alles, wenn er nicht Münchener in mindestens dritter Generation ist? Aber die Amis schlagen die Bayern um Längen, zumal die Bayern ja auch nicht schizophren sind, sondern eher ein klein wenig größenwahnsinnig. Cool, das gibt ne Menge empörter Gästebucheinträge…

Viele Dinge, Verhaltensweisen und Bräuche rufen bei mir, und gottseidank auch anderen legal aliens, Unverständnis und Kopfschütteln hervor. Dazu gehören:

Der Vierjährige, der von seiner Kindergärtnerin wegen sexueller Belästigung verklagt wurde, weil er ihr, als sie ihn hochhob, angeblich in sexuell eindeutiger Absicht an den Busen gefaßt hat.

Der Umgang mit Sex, Nacktheit und allem was damit zusammenhängt hat insgesamt etwas recht Verkrampftes. Ich wurde tatsächlich von einer Nachbarin gefragt, welchen Sport ich denn mache, daß ich mir „in meinem Alter“ noch leisten könne, ohne BH zu gehen.

Am Strand wurde ich gefragt, aus welchem Teil Europas ich käme. Als ich fragte, wie sie darauf käme, daß ich aus Europa sei, meinte sie, das sähe man an dem knappen Bikini. Dazu muß man wissen, daß ich nicht etwa wirklich knappe Bikinis trage, sondern die Durchschnittsamerikanerin egal welcher Statur am liebsten in kurzen Hosen und T-Shirt am Strand liegt. Die Variante mit den knöchelhohen Boots hat wahrscheinlich eher mit der Angst vor Fußpilz zu tun, das kenne ich aber auch aus Deutschland… Kleine Jungs tragen wadenlange Badehosen und auch gerne mal sogar im Wasser ein T-Shirt. Kleine Mädchen tragen mindestens Bikini MIT Oberteil. Also ich reg mich definitiv nie wieder über Kopftücher oder Schleier auf!

Die Sauna besucht man hier im Badeanzug, aber trotzdem nicht gemischt. Meiner Meinung nach eine ausgesprochen unhygienische Angelegenheit, besonders beim anschließenden Duschen, so untenrum… Wenn man das nicht möchte, hat man sich in ein großes Handtuch zu wickeln. Es gibt auch extra Frottee-Wraps, die im Grunde nur zusammengenähte Frotteehandtücher sind, in die man ein Gummiband eingezogen hat, das man züchtig über den Busen schiebt, nach oben, nicht nach unten! Ab den Knien darf man dann wieder neckisch nackisch sein. Wenn man dann noch dran denkt, sich die Beine mindestens bis zum Knie zu rasieren, geht das grade noch. Die Dinger hab ich schon für 80 Dollar gesehen in bezaubernden Pastelltönen und aus 100% Polyester. Ich glaub, da schwitz ich lieber in der Oktobersonne im knappen Bikini am Strand.

Bis hierher ist dieses Verhalten sicher eigenartig, aber noch lange nicht schizophren. Das wird es erst, wenn man sich mal die Mühe gibt, die 700 Fernsehkanäle durchzuzappen, die man per Kabel bekommt. Nach letzter Zählung finden sich da ca. 30 Pornokanäle, die alles zeigen, was man sich vorstellen kann und vieles, was man sich gar nicht erst vorstellen mag.

Noch schräger wird die Lage, wenn man mitkriegt, daß es Menschen gibt, die NICHT WISSEN, daß Kinderpornographie verboten ist.

Spätestens ab neun Uhr abends läuft in jedem Werbeblock ein Spot für Viagra, in dem zur Melodie von „Viva Las Vegas“ ein reichlich angegrauter aber offensichtlich Viagra-gestärkter Mann eine blonde Mittdreißigerin über die Tanzfläche schiebt. Nach einem schelmischen Blick um sich verschwinden die beiden mit dummgeilem Grinsen im Lift. Viva Viagra!

Die mehrere Quadratmeter großen Werbetafeln am Highway für den neuesten Sexshop oder die nächste Tabledancebar stören mich zwar höchstens in ästhetischer Hinsicht, aber ich frag mich schon, ob die Amis deshalb so schlechte Autofahrer sind, weil sie ihren Kindern ständig die Augen zuhalten müssen.

Sexy gekleidet zu sein, ist in bestimmten Bevölkerungsschichten nicht üblich. In anderen schon, aber da hab ich noch nicht so ganz den Überblick. Ich hatte nur mal ein umwerfendes Erlebnis an einer Tankstelle Richtung New York, als drei aufgebrezelte Mädchen (vielleicht zwanzig…) in Highheels, hautengen Satinhosen in Gelb, Orange und Schwarz zu ihren Kerlen auf den Sozius der Mopeds stiegen und sich auf eine Weise an deren Rücken schmiegten, mein lieber Schwan. Und da waren dann die Poritzen mehr als sichtbar. Die Strings waren farblich abgestimmt, was ich sehr rücksichtsvoll finde!

Im Alltag wird Männern davon abgeraten, einer Kollegin ein Kompliment zu Ihrem outfit oder ihrer Frisur zu machen. Auch zu einer einzelnen Frau in den Lift zu steigen könnte gefährlich werden. Nicht etwa für die Frau, nein für den Mann, denn wenn er die Frau irgendwie schräg ansieht, könnte da ein Millionenprozeß draus werden.

Ich versteh das nicht. Ich dachte, damals in San Francisco hätte jeder mit jedem und jeder mit jeder? Liegt es daran, daß es einfach zu viele Anwälte gibt? Also nicht daß mir das wirklich fehlt, aber in den USA kann man als Frau an Bauarbeitern vorbeigehen, ohne auch nur den kleinsten Pfiff zu hören. Das ist doch irgendwie verkehrte Welt!

Im Endeffekt läuft alles darauf raus, daß man hier alles sein und werden kann, außer unanständig. Der „Pussy Wagon“ aus „Kill Bill“ wird per Computer in „Party Wagon“ umgetauft, der „Shit happens“-Aufkleber aus „Forrest Gump“ wird zum „It happens“-Aufkleber. Sogar der Mittelfinger wird einem nur sehr zögernd und nur halb hochgehoben gezeigt. Es ist mir deshalb bei jedem meiner zahlreichen Besuche in meiner Stammwerkstatt eine enorme Freude, den spontan errötenden Schrauber zu fragen „How´s my Pussy doing?“.

So, bevor ich mich jetzt in Rage schreibe, wechsle ich doch mal das Thema und komme zum Besitz von Waffen. Ebenso ein Aufreger, aber kein so alltäglicher, gottseidank.

Jeder Amerikaner hat ja per se das Recht, seinen Planwagen überall und immer zu verteidigen. Wenn man einen Kontinent besiedelt und dabei entscheidet, daß die Einheimischen nicht nur Platz machen müssen, sondern die Invasion möglichst nicht überleben sollen, drängt es sich ja direkt auf, daß man sich bewaffnet. Viele Amerikaner wohnen inzwischen aber nicht mehr im Planwagen, werden jedoch nach wie vor von ausgeprägten Ängsten verfolgt, überfallen zu werden. Im Verteidigungsfall greift man dann mal eben unters Kissen oder ins Handschuhfach nach der Walter PPK. Das führt so weit, daß man bei einer Polizeikontrolle Gefahr läuft abgeknallt zu werden, wenn man den Führerschein aus der Tasche ziehen will. Man behält deshalb die Hände am Lenkrad und sagt dem officer, man habe seine Papiere in der Handtasche und müsse jetzt deshalb da hineingreifen.

Waffen erhält man unter anderem bei Wal-Mart, direkt neben der Spielzeugabteilung, oder in Läden die so verharmlosende Namen wie „Guns for good guys“ haben. Man fragt sich, was es wohl bei „Guns for bad guys“ zu kaufen gibt. Mittelstreckenraketen?

Habt Ihr von dem vier Monate alten Säugling gehört, der von seinem Großvater einen Waffenschein und eine Rifle bekam? Voraussetzung für den Waffenschein ist, daß man nicht vorbestraft ist. Also dachte Opa eben, naja, wer weiß, wann der Kleine anfängt, Drogen zu verchecken, da warten wir mal lieber nicht die erste Vorstrafe ab.

Sigmund Freud rotiert in seinem Grab ob dieser schlecht verhohlenen Penisfixierung.

Daß die Kluft zwischen Arm und Reich so groß ist und scheinbar unüberwindlich, daß so mancher Angehörige des „abgehängten Prekariats“ keine andere Möglichkeit sieht, als sich Geld mit Gewalt zu beschaffen, das ist hiesigen Soziologen sicher nicht neu. Nur ist ein Land in dieser Größe offenbar nicht im Griff zu behalten. Bildung ist nach wie vor ein Privileg der Oberschicht. Und ohne Bildung keine Jobs. Ohne Job aber kein Geld, also Tankstellen überfallen… Und in einem Land, das dem Geld dient wie einem Götzen fragt man Soziologen nicht nach ihrer Meinung.

Ein weiteres Thema, das mich auf die gespaltene Persönlichkeit dieses Landes schließen läßt, ist der Alkohol, dessen Erwerb und Konsum. Gustl wurde mal erklärt, nach neun Uhr abends wäre es einfacher, eine Waffe zu kaufen als an Bier zu kommen. Hartford ist zwar kein „dry county“, man bekommt Alkohol aber in vielen Fällen nur gegen Vorlage des Führerscheins, der dann nach Möglichkeit beweisen sollte, daß man über 21 ist. Soweit so gut, ich bin auch kein Freund besoffener Teenager, schon gar nicht, wenn diese auch noch ab 16 Auto fahren dürfen. Aber was ich nicht kapiere ist die braune Tüte. Die braune Tüte hat man über jegliche Form des Alkohols zu stülpen, damit niemand sieht, daß man Alkohol trinkt und dadurch selbst zum Alkoholkonsum verführt wird. Nun frag ich mich, was ist wohl in der Tüte, aus der der Typ im Park trinkt? Kekse? Cola? Die Milch der frommen Denkungsart? Oder handelt es sich um ein als Papiertüte getarntes Mobiltelefon, in das er reinspricht? Halten die einen hier für doof, oder was?

Der Zulauf bei den Anonymen Alkoholikern ist übrigens enorm.

Aber es gibt ja nicht nur Sex and Drugs and Rock´n`Roll, auch in anderen Lebensbereichen stehe ich oft wie der Ochs vorm Tor. In Sachen Umweltschutz sind die Amerikaner noch im Mittelalter. Plastikflaschen, Plastikverpackungen, Plastiktüten en gros. Recycling ist noch in den Kinderschuhen. Möchte man die Wasserflaschen in den Flaschenautomaten stecken, stellt sich heraus, daß der Supermarkt die Marke zwar verkauft, die Flaschen aber nicht zurücknimmt. Der Bock, den Supermodel Trittin mit dem Dosenpfand geschossen hat, ist also noch zu toppen. Geht man mit Körben und Stofftaschen zum Einkaufen, packt der Einpacker die Sachen trotzdem in Plastiktüten und stellt sie dann so in den Korb. Daß aber auch in den USA langsam aber stetig die Benzinpreise steigen, wird im Radio als Verschwörung der OPEC diskutiert. Ich traue der OPEC ja auch so manches zu, aber das Prinzip von Angebot und Nachfrage dürfte doch besonders in Amerika ein Begriff sein…

Nein, natürlich bin ich nicht so naiv zu glauben, daß das alles aus reiner Ignoranz geschieht. Die Rüstungsindustrie ist einer der größten Wirtschaftsfaktoren auf diesem Kontinent. Und natürlich sollten die einheimischen Produkte auch zum Einsatz kommen. Und was liegt da näher als der eine oder andere Krieg, den man möglichst gegen ein ölförderndes Land führt, um sich dort die zur Neige gehenden Vorkommen zu sichern?

Was ich aber nicht verstehe ist, daß man hier über diese Themen nicht spricht. Der Krieg ist tabu. Pinks Song „Dear Mr. President“, der den Münchenern schon zum Hals raushängt, weil er in der Endlosschleife von Bayern 3 zweimal pro Stunde einprogrammiert ist, wird hier von allen Sendern boykottiert. Radiomoderatoren, die andeutungsweise kritische Worte äußern, werden von ihren Co-Moderatoren recht schnell wieder vom Thema abgedrängt, könnte ja die Quote drücken. Viel unverfänglicher ist es da doch, Witze darüber zu reißen, daß Franzosen kein Deo verwenden und deutsche Frauen ihre Achseln nicht rasieren. Da ist dann plötzlich Ende mit der political correctness.

Ist es also tatsächlich so, daß es hier nur um eines geht, nämlich den schnöden Mammon? Gibt es niemanden, der sich die Mühe macht, mal einige Dinge zu hinterfragen, auf manches zu verzichten und ein Gewissen zu entwickeln?

Ich halte Euch auf dem laufenden, noch suche ich!