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Dona Quixote – oder – wider jegliche Vernunft

August 18th, 2007 Posted in Needful Things

Verzeiht den fehlenden Wurm über dem N in Dona, das bietet dieses Blogprogramm nicht, lest einfach Donja…

Diese Woche war vor allem dem Erwerb meiner Connecticut Driver´s Licence gewidmet. Also rückblickend jedenfalls. Denn erst mal hatte ich NICHT vor, dort Stammgast zu werden…

Am Montag hab ich mich, nachdem ich Gustl zur Arbeit gebracht hatte, denn wir haben nur theoretisch zwei Autos, todesmutig auf den Weg zum DMV (Department of Motor Vehicles) in Wethersfield gemacht. Bewaffnet mit den im Internet als nötig angegebenen Papieren, also ausgefülltem Antragsformular mit zwei Durchschlägen, Social Security Card, Paß mit Visum, Arbeitserlaubnis und Bargeld, fühlte ich mich dem Kampf mit den Amts-Windmühlen gewachsen. Noch.

Dort angekommen war schon mal zu, montags ist nämlich kein DMV. Da hab ich mich erst ein wenig über mich selbst geärgert, denn die Öffnungszeiten stehen ja im Internet, aber wer rechnet denn damit, daß ein Amt montags nicht arbeitet? Dann hab ich mich aber gefreut, weil es dadurch so schnell ging…

Am Dienstag same procedure. Diesmal war man da und die Schlange der Wartenden war so kurz, daß ich mich sogar noch getraut habe, zur Toilette zu gehen (Kaffee, Ihr wißt ja). Naja, danach standen dort nicht mehr fünf Leute vor mir, sondern zehn, aber ich weiß ja inzwischen, daß man hier meistens zu zweit aufs Amt geht und hab mich in das Warteschlangen-Leitsystem-Labyrinth eingereiht.

Von dort bietet sich einem ein ungehinderter Ausblick auf die Angestellten des DMV. Man muß dazu wissen, daß es in Sachen Freundlichkeit, die ja hier in den USA allerorten bis zum Erbrechen zelebriert wird, eine rühmliche und für meine rote Seele erfrischend gleichmacherische Ausnahme gibt: das DMV! Berühmt für ausgesuchte Unhöflichkeit (Simpsons-Kenner seien hier an Homers Schwägerinnen Patty und Selma erinnert, genau so ist das hier im richtigen Leben, nur natürlich ohne das Rauchen!) beherrschen im DMV zwei-Wörter-Sätze wie „sit down!“ und „who´s next?“ die Atmosphäre. Als ich an der Reihe war, hatte ich Pech. Ich kam zu einer sehr lieben Dame, der ich erklärte, daß ich einen deutschen Führerschein hätte und jetzt gerne den amerikanischen von ihr bekommen würde. Sie lächelte mich an und meinte, dafür sei sie schließlich da. Wie schon so oft kam die Frage, ob ich denn nun am 1. Juni oder am 6. Januar geboren sei, die Amis schreiben das ja falsch rum… Wir waren uns dann einig, daß alle Welt es richtig macht, nur die Amis seien da ein wenig „odd“ (das kam übrigens von ihr, nicht von mir!). Das war der Anfang einer wunderbaren Freundschaft. Sie knöpfte mir noch 40 Dollar ab und bat mich (BAT MICH!), mich zu setzen, ich würde für den Sehtest aufgerufen.

Eingequetscht zwischen hyperventilierenden Teenagern, die zusammen mit nicht weniger aufgeregten Elternteilen auf ihre Fahrprüfung warteten und In- und Ausländern in allen Farben des Regenbogens saß ich also auf einem Stuhl der Marke „besonders thrombosefördernd“ und stellte mich auf eine längere Wartezeit ein. Ich hatte mir zwar ein Buch mitgebracht, aber das wirkliche Leben schlägt ja oft jeden Roman. Ich hab zugesehen, wie Leute aufgerufen wurden, sich wieder hinsetzten, mit ihrer Begleitung flüsterten, photographiert wurden, Papiere abgaben, Führerscheine überreicht bekamen… Und alle hatten den gleichen Ausdruck in den Augen, eine Mischung aus froher Erwartung und dem Zweifel, ob man denn nun wirklich alle Papiere bei sich habe. Wie lebensnah und berechtigt dieser Zweifel ist, sollte ich noch erleben.

„Einken Shooooooster?“ Jesus, bin ich erschrocken! Ich versuchte zu orten, woher der Ruf wohl gekommen war, da stupste mich meine Nachbarin an und deutete auf einen der Schalter. Ich also los zum Sehtest. Die Dame, die mich testen sollte war eine Polizistin in mittleren Jahren. Sie forderte mich auf, meine Stirn an einen Apparat zu legen und die zweite Zeile der dort leuchtenden Buchstaben laut vorzulesen (no na, leise werd ich´s lesen!). Ich bat sie um ein Kleenex, denn da wo meine Stirn ruhen sollte, klebte noch der Angstschweiß meines Vorgängers. Sie wischte unter Stöhnen den Apparat trocken und los ging´s. Ich las die Buchstaben, bestätigte ihr, daß ich links und rechts aus den Augenwinkeln kleine Lichter gesehen hätte und hörte nur ihr gemurmeltes „passed“. Dann kritzelte sie, vermutlich, das Ergebnis auf mein Formular, das nur mit einer Büroklammer mit meinem Paß, meiner Social Security Card, meinem deutschen Führerschein und meiner Arbeitserlaubnis zusammengehalten wurde, höchst fahrlässig, wie ich finde, und teilte mir mit, ich müsse morgen wiederkommen, denn jetzt würden erst mal staatlicherseits meine Identität und mein Visum überprüft, und das dauert. Ich möchte dann morgen bitte gleich die Visaunterlagen meines Mannes mitbringen… Tja, da waren sie, die Unterlagen, die man braucht, die aber nicht im Internet erwähnt werden. Ich verstand jetzt die Panik der anderen Wartenden schlagartig. Mir wurde allerdings erlaubt, am nächsten Tag unter Umgehung der Warteschlange gleich an einen Schalter zu gehen.

Was ich nach wie vor nicht verstehe und von anderen DMV-Erfahrenen nur mit „ja, so ist das halt hier“ beantwortet werden kann ist, warum ich die Visaunterlagen meines Mannes vorlegen muß, wenn doch mein Visum der Beweis dafür ist, daß Gustl ein Visum hat. Denn ohne sein L1-Visum wäre mein L2-Visum gar nicht möglich. Und warum muß das erneut geprüft werden, wozu stand ich denn bei der Einreise bei den lieben Menschen der Immigration schon in der Schlange? Waaaaahhhhh, mit Logik und Vernunft ist diesem Thema offenbar nicht beizukommen.

Dann kam der Mittwoch. Ich brachte die Visaunterlagen meines Mannes mit. Wohlgemerkt, die Unterlagen für das Visum, denn das sind Visaunterlagen. Am Schalter angekommen wurde mir mitgeteilt, daß ich ja das völlig Falsche dabeihätte, man bräuchte nämlich gar nicht die Visaunterlagen, sondern den Paß meines Mannes und ein Schreiben seines Arbeitgebers, das bestätigt, daß er dort arbeitet, wo er arbeitet. Ich hab also drei mal tief durchgeatmet, habe die Dame gefragt, ob sie sicher sei, daß das dann alles sei, denn wenn nicht, möchte sie mir doch bitte gleich sagen, was ich noch brauche. Nein, das wäre dann alles.

Ich also nach Hause, Gustls Paß geholt, festgestellt, daß das Schreiben seines Arbeitgebers sehr wohl in der Mappe mit den Visaunterlagen war und wieder ab zum DMV. Die Polizistin hat dann alles in die Büroklammer dazugesteckt und mich aufgefordert, mich hinzusetzen, ich würde aufgerufen, um dann noch die Gebühr von entweder 66 oder auch 77 Dollar zu bezahlen. Warum nun 66 ODER 77 weiß kein Mensch. Ich war auf alles vorbereitet.

„Einken!“ Ah, heute ist also Vornamentag! Ich folgte dem Ruf und bezahlte 66 Dollar. Man kriegt dort übrigens keine Quittung. Aber dafür mußte ich ein Zettelchen zweimal unterschreiben, dessen eine Hälfte ich, nachdem ich mich wieder hingesetzt hätte, dem Herrn geben solle, der mich zum Photoshooting aufrufen würde. Na gut, mach ich. Eines muß man ihnen ja lassen, bis auf die „Visaunterlagen“ waren alle Anweisungen klar und deutlich formuliert. Man kann also nichts falsch machen, vorausgesetzt, man hatte alles dabei, was man braucht.

Die Wartezeit wurde mir durch eine reizende alte Dame verkürzt, die ganz verzweifelt war, denn sie hatte ihren Führerschein verloren. Sie zeigte mir sogar das Täschchen mit all ihren Karten, das sie immer in ihrem Portemonnaie versteckt und dann in den Untiefen ihrer Handtasche versenkt. Sie könne gar nicht verstehen, wie ihr das passieren konnte. Sie wisse ja, daß sie schusselig sei, deshalb hätten ja alle Dinge bei ihr ihren festen Platz. Sie vermutete abschließend, daß es wohl beim Schnapskaufen passiert sein müsse. Ja, Ihr Lieben, die Dame hat mir erzählt, sie sei 84, was man ihr auch angesehen hat, aber sie wird nach wie vor nach ihrem Führerschein gefragt, wenn sie sich ein Püllchen kaufen will…

„Shooooooster“ Oh, doch nicht Vornamentag. Ich wünschte der alten Dame alles Gute und raste in Richtung Photograph. Der bekam von mir meine Unterschriftenprobe, ich unterschrieb noch auf einem touchpad, und dann wurde ich aufgefordert, mich an die Wand vor einen graublauen Hintergrund zu stellen. Er bat mich, die Haare aus dem Gesicht zu streifen (wohl ein unerkanntes Photogenie mit Ambition…) und meinte „you don´t have to smile if you don´t want to.“, was ich in dieser Umgebung sehr passend fand. Und dann hat er abgedrückt. Ich mußte mich wieder hinsetzen, während mein Führerschein zubereitet wurde.

„Ink-, Eink-, ähm Shooster?“ Ja! Geschafft! Ich bekam meinen Führerschein überreicht, und das Photo ist auch erträglich.

Puh, noch ein freundliches „Thank you“ und dann nichts wie raus hier!

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