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Schatz, ich geh mal eben einkaufen…

August 13th, 2007 Posted in Needful Things

„in Amerika bekommst Du alles!“ Das erzählt einem jeder, der schon mal länger als 24 Stunden in den USA war. Und es ist auch fast so. Das bedeutet aber nicht, daß man an alles gleich leicht rankommt. Auf diese Weise wird der Einkauf zum Abenteuerurlaub. Ich fange mal mit den einfachen Dingen an, die vor allem deshalb einfach sind, weil ICH sie nicht erledigen muß, meistens kümmert sich Gustl darum:

Baumarkt:

bei „Lowe´s“ bekommt man wirklich alles, was man zum Heimwerken, Malern, Gipsen, Bohren und sonstigen Zwecken braucht. Zudem kriegt man hier Grill und Zubehör, Grillkohle, Ratgeberbücher „wie hau ich mir mit dem eben gekauften Hammer am wirkunsvollsten auf den Daumen“ und im Winter Brennholz. Wenn mal was nicht auf Lager ist, hat man allerdings nur die Möglichkeit, immer mal wieder hin zu fahren, denn die „Beratung“ gleicht der bei OBI… Kleine, feine Dinge wie Heizkörperentlüftungsschlüssel hat „Pfau´s Hardware“ in West Hartford, zwar zu Apothekerpreisen, aber dafür wissen die Jungs dort für alles eine Lösung. Sie reparieren auch Fenster…

Elektronik:

Kabel, Stecker, Batterien, Trafos usw. kauft man bei „Best Buy“ oder „Radio Shack“. Und was der eine nicht hat, hat eben der andere. Und meistens ist es dann tatsächlich so, daß der erste das was man sucht nicht hat, aber man kann ja fast rund um die Uhr noch beim anderen shoppen.

Waschmittel und Körperpflege:

Das ist auch noch einigermaßen einfach, wobei man bei den Waschmitteln schon aufpassen muß. Denn allein durch das Überangebot und die verschiedenen Größen der Verpackungen und Flaschen benötigt man zur Auswahl beim ersten Einkauf ca. 20 Minuten! Und dann sollte man noch darauf achten, daß so gut wie alle Waschmittel enorme Mengen an Bleiche beinhalten. Buntwäsche wird hier also sehr schnell heller und heller. Also aufgepaßt und mindestens ein Mittel ohne Bleiche kaufen! Trocknertücher darf man auf keinen Fall vergessen, denn sonst ist alles voller Fussel. Die Trockner sind purer Müll hier und haben das Flusensieb eher als Alibi!

Bei der Körperpflege schlägt auch der Teufel des Überangebots zu. Was aber noch schlimmer ist, sind diese ewigen Angebote „buy two, get one free“ oder „buy two, get one for 50%“. Was daran schlimm ist? Nun, man kauft dann auch zwei von jeder Sorte und hat dann zu Hause einfach storage-Probleme. Außerdem gibt man auf diese Weise immer viel mehr aus, als man ursprünglich vorhatte. Wer also glaubt, diese Angebote seien ein Beweis für die altruistische Mission amerikanischer Supermarktketten, der möchte doch lieber das Sandmännchen kucken!

Überall gilt, europäische Marken sind sehr teuer! Also auch der Glaube, hier sei immer alles so viel billiger als zu Hause, wird einem recht schnell ausgetrieben. Nivea ist praktisch unerschwinglich. Gut, daß ich Nivea nicht mag.

Nun muß der Mensch ja nicht nur waschen, bohren, fernsehen und mailen, sondern zwischendurch muß auch mal gegessen werden. Und hier beginnt der Horror! Da ich ja noch nie jemand war, der mit Freude durch Supermärkte streifte und selbst ein Gang über den Viktualienmarkt nicht mit Genuß für mich verbunden war, ist die Jagd nach Kühlschrankfüllungen für mich eine echte Herausforderung an Nerven, Kondition und Gesundheit.

Supermärkte:

Wenn man sich den amerikanischen Eßgewohnheiten widersetzt, oder sie zumindest nicht zu hundert Prozent adoptieren will, macht man sich von vornherein das Leben schwer. Brot! Willst Du verdauen wie ein gesunder Mensch, laß die Pfoten von amerikanischem Brot! Man bekommt auch Vollkornbrot oder Bagels mit Körnchen, nur eben etwas teurer… Um gutes Brot, das diesen Namen verdient, zu kaufen, fährt man also zu einer polnischen Bäckerei, oder zu einem kleinen Tante-Emma-Laden namens „Adolfs“. Aber zu dem komme ich noch.

Kaffee ist auch so eine Sache. Amerikaner trinken ihren Kaffee sehr dünn. Pfui Teufel! Wenn man also Kaffee zubereitet, muß man etwas mehr Pulver verwenden, denn um die panische Dauerangst vor Herzinfarkten zu pampern, ist der Kaffee für den amerikanischen Markt nicht besonders stark geröstet. Da Kaffee aber unverhältnismäßig teuer ist, überlegt man bei jeder Tasse, die man zu viel kocht, ob man sie wirklich wegschüttet, nur weil sie kalt geworden ist. Wir werden also früher oder später unser Vorhaben, eine Espressomaschine zu kaufen, doch noch wahr machen. Und dann können wir ja in Little Italy gute italienische Kaffeebohnen jagen gehen.

Wurst und Käse zeichnen sich vor allem durch hermetische Verpackung aus. Wenn man dann Schinken aus der Folie gezogen und gequetscht hat, ergießt sich aus der Verpackung eine unappetitliche Pökelsalz-Wasser-Mischung. Irgendwie vergeht einem der Appetit, wenn man sein Essen erst mal mit Zewa trockentupfen muß… Käse hat hier blaß und weich zu sein. Auch nicht immer das, worauf man grade Appetit hat.

Obst und Gemüse ist im Überangebot und in allen Zuständen zu bekommen. Die Äpfel gleichen sich wie ein Ei dem anderen, braune Flecken verkaufen sich wohl noch schwerer als in Deutschland. Dafür sind sie aber alle gewachst und auf Hochglanz poliert. Ananas bekommt man im Ganzen oder in Plastikschüsseln abgepackt vorgeschnitten. Vor den Plastikschüsseln sei jedoch gewarnt, sie sind hinterhältige kleine Dinger, die man erst gar nicht aufbekommt und wenn man Gewalt einsetzt, spucken sie einem Ananassaft ins Auge! Bananen sind entweder noch grün oder schon braun. Und wenn man mal gelbe bekommt, sollte man sie erst am Ende der Einkaufsodyssee kaufen, denn sonst sind sie spätestens zu Hause braun.

Im schlimmsten Fall läuft ein Einkauf also folgendermaßen ab:

Einkaufsliste:

2 Knopfbatterien für den Autoschlüssel

erst mal zu „Best buy“, die haben zwar siebentausend verschiedene Knopfbatterien, aber nicht die, die ich brauche. Entfernung bisher zurückgelegt 12 Meilen. Aber nicht gleich aufgeben, in den Westfarm Malls ist ein Radio Shack, und was sind schon 22 Meilen mehr? Bei den Benzinpreisen…

Kaffee

Brot

Käse

Schinken

Shampoo

Waschmittel

Diese Posten bekomme ich eigentlich alle im „Stop´n´Shop“. Super, da kann ich dann danach gleich heim und mit Bügeln anfangen…. Ähm, für ein viertel Kilo Kaffee elf Dollar? Damit komme ich dann ungefähr zwei Tage aus…. Ne, da packt mich der Geiz.

Die Käseauswahl erstreckt sich auf mindestens zwei Dutzend Sorten Cheddar. Cheddar, der Käse, der kein Käse ist… Nein, da muß ich doch noch zu „Trader Joe´s“, der hat auch Schwarzwälder Schinken, der diesen Namen verdient.

Aber jetzt bin ich schon hier, mal sehen, da nehm ich halt noch Wasser und ein paar Säfte mit und Waschmittel und Shampoo und Schokolade… Nee, lieber nicht. Hershey kann man nicht fressen und die Lindt kann man nicht bezahlen.

Naja, noch mal 10 Meilen für vier Dinge gefahren, wen stört es schon…?

Auf zu „Trader Joe´s“

Blöd, der Schinken ist grade aus, nein auch auf Lager ist nichts mehr. Käse kaufen, und weil man schon mal da ist, gleich noch eine Gallone Milch.

Aber irgendwas muß doch aufs Brot… Also ab zu „Adolf`s“, dort gibt es Brot, Wurst, Schinken, Knackwurst (auf Amerikanisch übrigens `Näckwörst´). Oh, die haben ja Vanillezucker und Mannerwaffeln, Apfelmus muß auch mit, Gummibärchen und die feine Lindt mit Orange (gell, Frau Pfirrmann? Man gönnt sich ja sonst nichts!) und Marzipan für´s Männerherz. Wow, Meggle Kräuterbutter, na da lieber gleich drei, die haben sie nicht immer… Jacobs Krönung, naja, die ist die elf Dollar wenigstens wert. Noch deutsches Nutella und eine deutsche Zeitschrift von vor zwei Monaten und man ist 80 Dollar ärmer, aber irgendwie glücklicher. Der Laden gehört einem Deutschen namens Adolf, der sich darauf spezialisiert hat, europäische Lebensmittel zu importieren. Vieles kommt übrigens aus Polen. So auch die ganz süße Verkäuferin, bei der ich mich mit meiner Schwärmerei für ihr Angebot gleich so beliebt gemacht habe, daß sie mir einen polnischen Schokoriegel geschenkt hat. Der war übrigens besser als erwartet.

Insgesamt hab ich also ca 60 Meilen mehr auf dem Tacho und so um die 130 Dollar weniger in der Tasche, bin fünf mal auf einen Parkplatz gefahren, habe fünf mal alles was zum Autoaufbruch einladen könnte weggesperrt, hab fünf mal einen vollkommen unterkühlten Laden betreten, dort frierend gesucht und gesucht und gesucht, fünf mal an der Kasse gewartet, dreimal davon besonders lang, weil ich an der Expreßkasse stand, die immer ein wenig länger dauert (ein bisher ungeklärtes Phänomen…), fünf mal in ein total überhitztes Auto eingeladen, mich mehrfach darüber geärgert, daß ich wieder für vier Sachen vier Tüten bekommen habe, die ich allerdings zu Hause beim Auspacken gleich wieder für den Verpackungsmüll verbrauchen werde…

Also mir erschließt sich die Begeisterung mancher Menschen für Lebensmitteleinkäufe einfach nicht.

 

 

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