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Pump up the volume!

Juli 28th, 2007 Posted in Die spinnen, die Amis!

Amerika könnte für meinen Geschmack insgesamt das volume mal ein bißchen runterdrehen.

Naturgemäß sind große Autos lauter als kleine Autos. Nun gut, damit komme ich klar. Aber warum genügt das leise, elegante Klicken der Schließanlage nicht, wenn man zusperrt? Warum muß das Auto noch zur Bestätigung hupen? Ich dachte eigentlich, daß Fahrzeugtechniker sich seit einigen Jahren mit dem Geräuschdesign im Auto beschäftigen. Die Geräusche, die ein Wagen nach außen hin macht, scheinen dabei keine Rolle zu spielen. 

Elektrogeräte wie Staubsauger, Klimaanlagen, Spülmaschinen und Kühlschränke brüllen glaub´ ich deshalb so, weil man wegen der nicht immer fest sitzenden Stecker sonst nicht weiß, ob sie an sind. Der Trockner piepst wenn er fertig ist. Und wenn man dann nicht gleich lossaust um ihn abzustellen, piepst er wieder und wieder und wieder und wieder und…

Noch schlimmer ist die Werbung. Grade hat man „Friends“ oder „The Simpsons“ auf die richtige Lautstärke für europäische Ohren eingestellt, schon kommt ein Werbeblock und ein Kerl namens Bob schreit „a queen size bed in solid mahagony for twelvehundred bucks! Drop in at Bob´s discount furniture and I will show you!!!“ Ich schrei´ Euch das mal vor, wenn wir uns sprechen, damit Ihr eine Vorstellung von meinem Schmerz bekommt.

Auch die Tiere sind hier lauter als zu Hause. Irgendwo um die Ecke wohnt ein Hund mit Asthma. Sein Bellen endet immer mit einem mitleiderregenden Japser, der mich glauben/hoffen läßt, daß dieses Geräusch bald sein Ende finden wird. Und Ihr glaubt ja gar nicht, wie laut kleine Hörnchen sein können! Diese Viecher jagen sich den ganzen Tag die Bäume rauf und runter und quieken und quietschen dabei, daß man das eigene Wort nicht mehr versteht.

Wenn Dienstags der Müll abgeholt wird, werden die Tonnen, die aus Plastik sind, nicht etwa zurückgestellt, sondern der Müllmann streckt den Arm aus und läßt die Tonne fallen. Das gibt schon mal ein hohles Geräusch von sich. Je nachdem, welchen Drall der Müllmann der Tonne noch mitgegeben hat, kullert diese noch ein paar Meter die Straße entlang. Das gibt dann in unserem Fall drei mal hohles Plumps plus dreimal hohles Knöckknöckknöck der kullernden Tonnen, die sich trotz ihrer abgerundeten Ecken ein paar mal um sich selbst drehen bis sie mitten auf der Straße zum Liegen kommen.

Ganz besonders laut sind aber die Amerikaner selbst. Die meisten reden ja durch die Nase, was jeder Stimme einen etwas höheren weil gequetschten Klang verleiht. Oft enden die Sätze mit einem Schwung nach oben, was per se jeder Aussage auch noch mal so einen letzten überdeutlichen Kick versetzt. Aber die Amis drücken noch mal extra auf die Tube, und das Ergebnis sind dann Unterhaltungen in Tonhöhen und Lautstärken, daß man meinen könnte, daß die Leute hier immer streiten. Ein besonderes Erlebnis sind Gruppen von zwei oder mehr weiblichen Teenagern. Synchronquieken und -quietschen, denn man läßt sich hier nicht ausreden! Offenbar versucht man hier auch Wege zu sparen, indem man sich einfach über mehrere Gärten (gerne unseren, wenn ich lesend auf der Schaukel sitze, grrrrr!) hinweg zuruft, nein zuschreit. Und wenn der Angeschrieene nicht gleich antwortet, schreit man eben noch lauter.

Ich hoffe ja sehr, daß meine Nachbarn kein Problem damit haben, wenn ich mal die Musik lauter stelle. Es bleibt mir ja gar nichts anderes übrig, wenn Dienstag vormittags der Geschirrspüler läuft während ich mit Eureka kämpfe und der Müll abgeholt wird…

 

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