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Eureka!!!

Juli 28th, 2007 Posted in Needful Things

Wenn mir an meiner Wiege eine böse Fee vorausgesagt hätte, daß ich mich eines Tages gezwungen sehen werde, mich schriftlich über ein Elektrogerät zu äußern, hätt´ ich mein erstes höhnisches Lachen schon mit vollen Windeln von mir gegeben. Dann doch lieber an der Spindel stechen und hundert Jahre schlafen! Aber, meine Lieben, es ist so. Ich kann nicht anders als mir die Wut von der Seele schreiben…

Seit einem Monat besitze ich einen sonnenblumengelben Staubsauger Marke „Eureka“, und der hat leider mit der bestechend schönen Einfachheit des archimedischen Prinzips so viel zu tun wie ich mit George Clooney. Beides finde ich sehr schade.

Ich laß jetzt erst mal eine Produktbeschreibung folgen, damit Ihr wißt, mit wem wir es hier zu tun haben:

„Eureka upright vacuum cleaner“ ist ein Kind aus der Electrolux-Familie, die es offenbar nicht versteht, ihrem Nachwuchs beizubringen, wie man sich draußen in der großen weiten Welt zu benehmen hat. Er kam mit vielen Papieren ausgestattet und einer ganzen Menge Zusatzausrüstung. Electrolux schreibt zwar:

For more than 90 years, Electrolux has built small appliances that are reliable, innovative and beautifully designed – all with you in mind!      

Definitely not with a Deutsche Hausfrau in mind, mein lieber Schwede! Hübsch ist er zwar, aber einfach das unpraktischste Miststück, das man sich vorstellen kann.

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Ausgestattet ist er mit einem sehr langen Kabel, das man manuell aufwickeln muß (staubsaugertechnisches Mittelalter!) und einem sehr kurzen Schlauch, der direkt in die „dust bin“ führt, er braucht also keine Beutel. Man soll aber lieber nichts damit aufsaugen, was einen größeren Durchmesser hat als 3mm. Ja, verdammich, was denn sonst?!?

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Diesen Schlauch kann man an einem Ende lose machen und eine Verlängerung dranstecken. An diese kann man dann noch entweder eine kleine Bürste oder die „Power Paw“ (Kraftpfote, ha!) für vertikales Saugen anbringen. Hier wählt man zwischen zwei Modi: nicht so fest draufstecken und ständig verlieren oder fest draufstecken und kaum wieder runterkriegen.

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Es gibt dann noch den „self cleaning duster“, eine Art Staubwedel, den man zwar manuell bedient (um zum Beispiel Spinnweben zu entfernen, oder andere Überkopfarbeiten durchzuführen. Ich empfehle das Tragen einer Schutzbrille…), aber danach in seine Halterung zurücksteckt, damit die Saugkraft von Eureka ihn wieder sauber pustet.

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Als ich beim Zusammenbau (ja, er mußte erst zusammengebaut werden!) merkte, daß für die beiden einzuschraubenden Schrauben keine Gewinde vorgebohrt waren, schlich sich eine düstere Vorahnung in mein Hausfrauenhirn. Ich schraubte mir also einfach per Schraube ein Gewinde in das Gehäuse (ich weiß genau, wer von Euch jetzt den Kopf schüttelt, aber ich nenne keine Namen), steckte das Zubehör in die dafür vorgesehenen, aber trotzdem nicht ganz genau passenden Schlitze und Halterungen und steckte den Stecker in die Steckdose. Und dann hab ich ihn eingeschaltet. Wäre ich religiös, hätte ich wahrscheinlich dabei einen schmerzhaften Rosenkranz gemurmelt.

Fünf Minuten später war klar, Eureka hat Eigenschaften, die man an einem Staubsauger nicht liebt:

  • er wiegt 20kg, was bei 104° Fahrenheit ziemlichen Spaß macht, wenn man in den ersten Stock damit klettern muß!
  • ständig ist das Kabel im Weg!
  • er saugt nicht, manche Brösel muß man bis zu zwanzig mal von allen Seiten überfahren bis sie im Schlauch verschwinden. Da er auch nicht in die Ecken kommt, sollte man aber sowieso immer einen nassen Lappen dabeihaben, um manuell nachzuhelfen.
  • und ständig ist dieses blöde Kabel im Weg!
  • der Schlauch ist zu kurz. Es gibt zwar die beschriebene Verlängerung, aber die reicht auch nicht in die Ecken, da man so daran ziehen muß, daß Eureka dabei doch des öfteren aus dem Gleichgewicht kommt und kippt, einem vor und noch lieber auf die Füße fällt und mühselig wieder aufgestellt werden muß. Das Zubehör fällt dabei praktischer Weise auch gleich aus den Halterungen.
  • und dieses verf… Kabel ist einem ständig im Weg.
  • der Stecker bleibt nicht in der Steckdose. Aber das vereint hier alle Elektrogeräte. Die amerikanischen Stecker und Steckdosen bieten einem nicht das haptische und akustische Vergnügen eines satten Einrastens, das wir aus Europa gewöhnt sind. Hätte nicht gedacht, daß einem so etwas fehlen kann! Man merkt dann aber spätestens beim Einschalten des jeweiligen Geräts, ob der Kontakt hergestellt ist oder nicht. Überraschung!!!
  • und das Kabel ist einem sowieso ständig im Weg.
  • er fährt nicht über Schwellen, aber Hochheben ist auch nicht so einfach, weil schwer und Griff sehr glatt.
  • und schon wieder ist einem dauernd das Kabel im Weg.
  • er ist unglaublich laut. Amerika zeichnet sich überhaupt durch enorme Lautstärke aus, aber dazu äußere ich mich noch mal getrennt.
  • das Kabel ist ständig im Weg!!! Wann wird endlich der wireless vac erfunden?

„Eureka“ und mich verbindet deshalb eine stürmische Haßliebe. Und immer wenn er mir das Leben wieder schwer macht, drohe ich damit, mir von der nächsten Deutschlandreise einen kleinen Siemens mitzubringen. Das beeindruckt ihn aber nicht, ich glaube, er ist taub, deshalb schreit er auch so…

Sollte das jemand lesen, der oder die demnächst mit Container nach Hartford zieht… Bitte noch ein Plätzchen für einen guten Siemens oder Bosch lassen!

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