Inkens Welt

ehem. USA-Tagebuch
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Needful Things II

Juli 30th, 2007 Posted in Needful Things

Hört Ihr das Wiehern? Das ist der Amtsschimmel. Also ich will ja München und das KVR nicht übermäßig loben, auch die haben mir das Leben schon schwer gemacht. Aber was hier in Sachen Bürokratie abgeht, das geht auf keine Kuhhaut (oder Schimmelhaut).

Um in Amerika als legal alien (jaja, ich bin ein legales Ungeheuer!) auch tatsächlich als Mensch mit Identität zu gelten, braucht man zwei Dinge: eine social security number und einen amerikanischen Führerschein. Erst dann kann man sich auf Jobs bewerben oder Alkohol kaufen, oder beides…

Die social security number bekommt man auf dem dazugehörigen social security office. Man kann sich das Formular aus dem Internet unter http://www.ssa.gov/ ausdrucken und es vorneweg schon mal ausfüllen, um Zeit zu sparen. Warum man dazu allerdings den Geburtsnamen meiner Mutter und den zweiten Vornamen meines Vaters braucht, ist mir nicht so ganz klar. Das Formular hat für alle Fälle eine vierseitige Gebrauchsanweisung, die das aber auch nicht erklärt. Für alle, die sowas gerne lesen, bitte schön!

ss-5.pdf

Auf der homepage kann man übrigens auch die populärsten Vornamen aus 2006 für Neugeborene nachlesen. Jacob und Emiliy haben die Spitzenplätze, wobei Emily schon seit 1999 ganz vorne mit dabei ist. Liegt wohl an den vielen WASPs, die hier leben (White Anglo-Saxon Protestants: weiße Hautfarbe, angelsächsische Herkunft, protestantische Konfession), eine der großen Bevölkerungsgruppen der USA, eigentlich die Gründerväter. Heute wird der Ausdruck eher abschätzig verwendet. Siehe auch www.wikipedia.de. Daß meine erste Tochter immer Emily heißen sollte, gibt mir jetzt schon etwas zu denken, aber das ist eine andere Geschichte.

Nun, zurück zum Amtsschimmel.

Ich komme in New Britain in der Arch Street 100 an und finde auch gleich vor der Tür einen freien Parkplatz für Perle. Das kann eigentlich nur ein gutes Zeichen sein, oder? Ich schmeiß also ein paar quarter in die Parkuhr, zwei Stunden sollten genügen… Dann betrete ich das Amt durch eine Tür, die ein schreckliches metallisches Quietschen von sich gibt (pump up the volume!). Man steht dann mitten im Amt vor einer kleinen Maschine, die eine Wartenummer ausspuckt, wenn man auf den roten Knopf drückt. Ich ziehe die Nummer 12. An der Wand hängt das star spangled banner und drunter steht: „Public Service Employees proudly serving America“. Na, das klingt doch vielversprechend!

Aber der Warteraum ist brechend voll und riecht auch sehr nach Menschen. Wenn um viertel nach Aufsperren schon 11 Leute vor mir sind, dann hätte ich wohl lieber was zu lesen mitgebracht. Ich stelle mich innerlich auf einen langen Vormittag auf einem der ungemütlichen Stühle ein und drifte gedanklich ins Nirwana ab. Und plötzlich ruft die Dame am Schalter schon „number nine!“. Da registriere ich, daß in Amerika wohl niemand alleine aufs Amt geht. Die Leute gehen hier immer paarweise an den Schalter. Oje, brauch´ ich hier etwa jemanden als Zeugen? Oder als moralische Stütze?

Neben mir sitzen ein Vater mit seinem Sohn. Das eine Bein des Sohnes ist eingegipst, deshalb mußte wohl Papa als Chauffeur herhalten. Papa schielt abwechselnd auf mein Dekollete und meine Wartenummer. Er entscheidet sich für meine Wartenummer und fragt, ob er nicht meine Nummer 12 für seine Nummer 27 (es ist inzwischen wirklich sehr voll hier und riecht nicht mehr nur nach Menschen obenrum…) tauschen könnte, sein Sohn hätte schließlich einen Gips. Ich radebreche „sooory, I don´t underschtend Inglish“ und bin erst mal aus dem Schneider. Ja klar, so weit kommt es noch! Söhnchen saß gemütlich mit Bein hoch und zutzelte an einem Liter Pepsi im klimatisierten Warteraum. So gut ging es dem seit Wochen nicht mehr! Nein, ich hatte gerade überhaupt keine Lust, nett zu sein!

„Number twelve!“ Ich gehe an den Schalter, offenbar werden doch auch „singles“ bedient. Ich sage der Dame was ich will, sie sieht im PC nach, sagt, ich sei schon registriert durch die immigration. Ich solle mich wieder hinsetzen, ein Kollege werde mich demnächst mit meinem Namen aufrufen. Hä? Wieso? Wenn ich schon registriert bin? Warum nicht gleich? Ich gebe meinem Drang zu fragen und verstehen zu wollen nicht nach und setze mich wieder neben Papa, der natürlich prompt sagt „your English is not that bad!“ Scheiße, gute Akustik hier. Ich werde nur nicht rot, weil ich nie rot werde, schäme mich aber trotzdem ein bißchen… Papa meint, er bräuchte eigentlich nur ein Formular, er sei jetzt echt sauer, daß er so lange warten muß. Ich frage ihn, welches Formular er denn braucht, ich könne es ihm ja mitbringen, wenn ich wieder vor ihm drankäme. Naja, irgendwie hatte ich das Gefühl, was gut machen zu müssen. Da er sich und seinen Sohn arbeitslos melden wollte, hat mein weiches Herz gesiegt.

„Shoooster“, das bin ich! Eine andere blonde Dame mit beeindruckenden Ringen unter den Augen bittet mich in ein Büro und bietet mir einen Platz an. Aha, jetzt werde ich noch mal interviewt! Das konnte die andere Dame wohl nicht. Miss Augenringe fängt schweigend an, mein Formular in den PC zu übertragen (auch so eine typische Sache in den USA, man füllt ein Formular aus, das dann erst mal hoffentlich 1:1 in den PC gehackt wird. Online Ausfüllen wäre schneller, aber wohl zu einfach). Sie hält ein paar mal inne, um zu fragen, ob es sein kann, daß meine Mutter den gleichen Vornamen hat wie ich, oder ob ich da einen Fehler gemacht habe. Ich bestätige ihr, daß es zwei Inkens in meiner Familie gibt, wir seien eine sehr arme Familie. Sie findet das nicht lustig, Humor hat man in den USA nicht… Dann wundert sie sich darüber, daß ich auf dem Formular behaupte, am 1. Juni geboren zu sein, wo doch im Paß der 6. Januar steht. Ich erkläre, daß wir in Europa das Datum andersrum schreiben, sie schüttelt lächelnd den Kopf ob dieser unsäglich schrägen Europäer. Dann will sie noch wissen, warum ich denn in Germany geboren, aber trotzdem Österreicherin sei. Ich tu´ ihr den Gefallen und sage, daß Europa leider noch nicht so weit sei, daß alle die gleiche Nationalität haben, da würden die einzelnen Staaten einfach zu sehr an ihren Traditionen hängen. Es hat funktioniert, sie lächelt mich richtig lieb an und sagt mir, wie froh ich sein könne, jetzt in einem so unkomplizierten Land wie den USA zu leben. Ich lächle zurück und bestätige, daß ich darüber auch wirklich sehr sehr froh sei. Wie froh genau, weiß ich noch nicht. Miss Augenringe druckt das Formular noch einmal aus, läßt es mich noch mal lesen und unterschreiben, dann sagt sie, in sieben bis zehn Tagen würde ich die social security card bekommen. Ich sage ihr, daß das beeindruckend schnell sei, was sie offenbar gerne hört. Dann frage ich noch nach den Formularen für Papa und Söhnchen, erkläre warum und beeindrucke sie offenbar mit meinem sozialen Engagement so sehr, daß sie eine Ausnahme macht (eine Ausnahme?).

Wieder draußen aus dem Büro-Verschlag drücke ich Papi die Formulare in die Hand, der sich beschwert, daß ich keinen Kugelschreiber mitgebracht habe (Sack!) und verschwinde *quietsch* durch die Tür in die Freiheit.

Der Polizist, der an meiner Parkuhr steht meinte „you thought it would take longer, didn´t you?“ Ich grinse ihn an und nicke. Er nickt auch wissend und geht weiter. Irgendjemand hat heute Vormittag noch eine Stunde auf meine Kosten geparkt, sei ihm gegönnt.

Wenn ich die social security card habe, kann ich auf´s DMV (Department of Motor Vehicles) gehen, um den Führerschein zu beantragen. Da ist man angeblich von ausgesuchter Unhöflichkeit. Ich freue mich schon darauf, da gibt es dann wieder viel zu berichten. Also, bleibt dran!

Pump up the volume!

Juli 28th, 2007 Posted in Die spinnen, die Amis!

Amerika könnte für meinen Geschmack insgesamt das volume mal ein bißchen runterdrehen.

Naturgemäß sind große Autos lauter als kleine Autos. Nun gut, damit komme ich klar. Aber warum genügt das leise, elegante Klicken der Schließanlage nicht, wenn man zusperrt? Warum muß das Auto noch zur Bestätigung hupen? Ich dachte eigentlich, daß Fahrzeugtechniker sich seit einigen Jahren mit dem Geräuschdesign im Auto beschäftigen. Die Geräusche, die ein Wagen nach außen hin macht, scheinen dabei keine Rolle zu spielen. 

Elektrogeräte wie Staubsauger, Klimaanlagen, Spülmaschinen und Kühlschränke brüllen glaub´ ich deshalb so, weil man wegen der nicht immer fest sitzenden Stecker sonst nicht weiß, ob sie an sind. Der Trockner piepst wenn er fertig ist. Und wenn man dann nicht gleich lossaust um ihn abzustellen, piepst er wieder und wieder und wieder und wieder und…

Noch schlimmer ist die Werbung. Grade hat man „Friends“ oder „The Simpsons“ auf die richtige Lautstärke für europäische Ohren eingestellt, schon kommt ein Werbeblock und ein Kerl namens Bob schreit „a queen size bed in solid mahagony for twelvehundred bucks! Drop in at Bob´s discount furniture and I will show you!!!“ Ich schrei´ Euch das mal vor, wenn wir uns sprechen, damit Ihr eine Vorstellung von meinem Schmerz bekommt.

Auch die Tiere sind hier lauter als zu Hause. Irgendwo um die Ecke wohnt ein Hund mit Asthma. Sein Bellen endet immer mit einem mitleiderregenden Japser, der mich glauben/hoffen läßt, daß dieses Geräusch bald sein Ende finden wird. Und Ihr glaubt ja gar nicht, wie laut kleine Hörnchen sein können! Diese Viecher jagen sich den ganzen Tag die Bäume rauf und runter und quieken und quietschen dabei, daß man das eigene Wort nicht mehr versteht.

Wenn Dienstags der Müll abgeholt wird, werden die Tonnen, die aus Plastik sind, nicht etwa zurückgestellt, sondern der Müllmann streckt den Arm aus und läßt die Tonne fallen. Das gibt schon mal ein hohles Geräusch von sich. Je nachdem, welchen Drall der Müllmann der Tonne noch mitgegeben hat, kullert diese noch ein paar Meter die Straße entlang. Das gibt dann in unserem Fall drei mal hohles Plumps plus dreimal hohles Knöckknöckknöck der kullernden Tonnen, die sich trotz ihrer abgerundeten Ecken ein paar mal um sich selbst drehen bis sie mitten auf der Straße zum Liegen kommen.

Ganz besonders laut sind aber die Amerikaner selbst. Die meisten reden ja durch die Nase, was jeder Stimme einen etwas höheren weil gequetschten Klang verleiht. Oft enden die Sätze mit einem Schwung nach oben, was per se jeder Aussage auch noch mal so einen letzten überdeutlichen Kick versetzt. Aber die Amis drücken noch mal extra auf die Tube, und das Ergebnis sind dann Unterhaltungen in Tonhöhen und Lautstärken, daß man meinen könnte, daß die Leute hier immer streiten. Ein besonderes Erlebnis sind Gruppen von zwei oder mehr weiblichen Teenagern. Synchronquieken und -quietschen, denn man läßt sich hier nicht ausreden! Offenbar versucht man hier auch Wege zu sparen, indem man sich einfach über mehrere Gärten (gerne unseren, wenn ich lesend auf der Schaukel sitze, grrrrr!) hinweg zuruft, nein zuschreit. Und wenn der Angeschrieene nicht gleich antwortet, schreit man eben noch lauter.

Ich hoffe ja sehr, daß meine Nachbarn kein Problem damit haben, wenn ich mal die Musik lauter stelle. Es bleibt mir ja gar nichts anderes übrig, wenn Dienstag vormittags der Geschirrspüler läuft während ich mit Eureka kämpfe und der Müll abgeholt wird…

 

Eureka!!!

Juli 28th, 2007 Posted in Needful Things

Wenn mir an meiner Wiege eine böse Fee vorausgesagt hätte, daß ich mich eines Tages gezwungen sehen werde, mich schriftlich über ein Elektrogerät zu äußern, hätt´ ich mein erstes höhnisches Lachen schon mit vollen Windeln von mir gegeben. Dann doch lieber an der Spindel stechen und hundert Jahre schlafen! Aber, meine Lieben, es ist so. Ich kann nicht anders als mir die Wut von der Seele schreiben…

Seit einem Monat besitze ich einen sonnenblumengelben Staubsauger Marke „Eureka“, und der hat leider mit der bestechend schönen Einfachheit des archimedischen Prinzips so viel zu tun wie ich mit George Clooney. Beides finde ich sehr schade.

Ich laß jetzt erst mal eine Produktbeschreibung folgen, damit Ihr wißt, mit wem wir es hier zu tun haben:

„Eureka upright vacuum cleaner“ ist ein Kind aus der Electrolux-Familie, die es offenbar nicht versteht, ihrem Nachwuchs beizubringen, wie man sich draußen in der großen weiten Welt zu benehmen hat. Er kam mit vielen Papieren ausgestattet und einer ganzen Menge Zusatzausrüstung. Electrolux schreibt zwar:

For more than 90 years, Electrolux has built small appliances that are reliable, innovative and beautifully designed – all with you in mind!      

Definitely not with a Deutsche Hausfrau in mind, mein lieber Schwede! Hübsch ist er zwar, aber einfach das unpraktischste Miststück, das man sich vorstellen kann.

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Ausgestattet ist er mit einem sehr langen Kabel, das man manuell aufwickeln muß (staubsaugertechnisches Mittelalter!) und einem sehr kurzen Schlauch, der direkt in die „dust bin“ führt, er braucht also keine Beutel. Man soll aber lieber nichts damit aufsaugen, was einen größeren Durchmesser hat als 3mm. Ja, verdammich, was denn sonst?!?

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Diesen Schlauch kann man an einem Ende lose machen und eine Verlängerung dranstecken. An diese kann man dann noch entweder eine kleine Bürste oder die „Power Paw“ (Kraftpfote, ha!) für vertikales Saugen anbringen. Hier wählt man zwischen zwei Modi: nicht so fest draufstecken und ständig verlieren oder fest draufstecken und kaum wieder runterkriegen.

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Es gibt dann noch den „self cleaning duster“, eine Art Staubwedel, den man zwar manuell bedient (um zum Beispiel Spinnweben zu entfernen, oder andere Überkopfarbeiten durchzuführen. Ich empfehle das Tragen einer Schutzbrille…), aber danach in seine Halterung zurücksteckt, damit die Saugkraft von Eureka ihn wieder sauber pustet.

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Als ich beim Zusammenbau (ja, er mußte erst zusammengebaut werden!) merkte, daß für die beiden einzuschraubenden Schrauben keine Gewinde vorgebohrt waren, schlich sich eine düstere Vorahnung in mein Hausfrauenhirn. Ich schraubte mir also einfach per Schraube ein Gewinde in das Gehäuse (ich weiß genau, wer von Euch jetzt den Kopf schüttelt, aber ich nenne keine Namen), steckte das Zubehör in die dafür vorgesehenen, aber trotzdem nicht ganz genau passenden Schlitze und Halterungen und steckte den Stecker in die Steckdose. Und dann hab ich ihn eingeschaltet. Wäre ich religiös, hätte ich wahrscheinlich dabei einen schmerzhaften Rosenkranz gemurmelt.

Fünf Minuten später war klar, Eureka hat Eigenschaften, die man an einem Staubsauger nicht liebt:

  • er wiegt 20kg, was bei 104° Fahrenheit ziemlichen Spaß macht, wenn man in den ersten Stock damit klettern muß!
  • ständig ist das Kabel im Weg!
  • er saugt nicht, manche Brösel muß man bis zu zwanzig mal von allen Seiten überfahren bis sie im Schlauch verschwinden. Da er auch nicht in die Ecken kommt, sollte man aber sowieso immer einen nassen Lappen dabeihaben, um manuell nachzuhelfen.
  • und ständig ist dieses blöde Kabel im Weg!
  • der Schlauch ist zu kurz. Es gibt zwar die beschriebene Verlängerung, aber die reicht auch nicht in die Ecken, da man so daran ziehen muß, daß Eureka dabei doch des öfteren aus dem Gleichgewicht kommt und kippt, einem vor und noch lieber auf die Füße fällt und mühselig wieder aufgestellt werden muß. Das Zubehör fällt dabei praktischer Weise auch gleich aus den Halterungen.
  • und dieses verf… Kabel ist einem ständig im Weg.
  • der Stecker bleibt nicht in der Steckdose. Aber das vereint hier alle Elektrogeräte. Die amerikanischen Stecker und Steckdosen bieten einem nicht das haptische und akustische Vergnügen eines satten Einrastens, das wir aus Europa gewöhnt sind. Hätte nicht gedacht, daß einem so etwas fehlen kann! Man merkt dann aber spätestens beim Einschalten des jeweiligen Geräts, ob der Kontakt hergestellt ist oder nicht. Überraschung!!!
  • und das Kabel ist einem sowieso ständig im Weg.
  • er fährt nicht über Schwellen, aber Hochheben ist auch nicht so einfach, weil schwer und Griff sehr glatt.
  • und schon wieder ist einem dauernd das Kabel im Weg.
  • er ist unglaublich laut. Amerika zeichnet sich überhaupt durch enorme Lautstärke aus, aber dazu äußere ich mich noch mal getrennt.
  • das Kabel ist ständig im Weg!!! Wann wird endlich der wireless vac erfunden?

„Eureka“ und mich verbindet deshalb eine stürmische Haßliebe. Und immer wenn er mir das Leben wieder schwer macht, drohe ich damit, mir von der nächsten Deutschlandreise einen kleinen Siemens mitzubringen. Das beeindruckt ihn aber nicht, ich glaube, er ist taub, deshalb schreit er auch so…

Sollte das jemand lesen, der oder die demnächst mit Container nach Hartford zieht… Bitte noch ein Plätzchen für einen guten Siemens oder Bosch lassen!

Virtuelle Schloßführung

Juli 27th, 2007 Posted in Unser Haus

Wollt Ihr wissen, wie es inzwischen bei uns aussieht? Na klar, wollt Ihr das wissen!

Also, im Parterre haben wir einen Hintereingang, von dem aus man durch den sogenannten Mudroom (da zieht man die dreckigen Schuhe aus, jedenfalls alle außer Gustl) weiter ins Haus kommt. Im Mudroom stehen die Schuhschränke und da haben auch endlich die Gartenmöbelpolster ein trockenes Plätzchen.

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Durch den Mudroom kommt man in die Küche, die diesen Namen wirklich noch nicht verdient. Ich habe mich mit mir darauf geeinigt, und habe moralische Unterstützung durch die Ehefrauen der Kollegen erhalten, daß die Spüle raus muß. Dann werden noch einige Kasterl aufgehängt, die im Moment noch bei IKEA in New Haven wohnen, eine andere Spüle eingebaut, der Geschirrspüler um 90 Grad gedreht, das Geschirr endlich richtig verstaut, und und und. Gustl findet meine Pläne alle ganz super und ist begeistert. Er weiß es nur noch nicht.

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An die Küche schließt der Butlers Room an, in dem das Tafelservice (ähäm…) aufbewahrt wird.

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Weiter geht es ins Eßzimmer, das fertig ist. Doch, ein Zimmer ist fertig! Oh, tschuldigung, die Deckenlampe wird noch durch ein geringfügig moderneres Exemplar ersetzt und die Bilder werden noch an die Wand gehängt… Ich vergaß!

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Von dort gelangt man ins Wohnzimmer, in dem noch ein großer Couchtisch und ein Sideboard fehlen. Bilder sind auch noch nicht montiert. Und der Schnapsschrank ist noch leer. Jeder Besuch darf übrigens einen Liter Schnaps mitbringen, das erlauben die hier am Zoll! Und das ist ein ernst gemeinter Wink mit dem Zaunpfahl!

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Hier ist unsere kleine Garderobe, die einen wunderbaren Wandschrank hat, in dem jetzt schon die Winterschuhe gelagert werden. Dort wird irgendwann auch unser großer Spiegel hängen, sobald wir uns einig sind, wer beim Spiegel Aufhängen begabter ist. Das ist noch nicht geklärt. Wir schmollen noch.

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Von der Garderobe aus links ist dieses komische Veranda-Wintergarten-Ding, das noch der Nutzung harrt. Wer weiß, vielleicht sind wir im Winter noch recht froh über einen Raum in dem es durchschnittlich 30% wärmer ist als in den anderen Zimmern. Auf jeden Fall kommen da noch Rollos hin und Pflanzen.

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Hier geht es dann zum Vordereingang, vor dem das Schwiegermutterbankerl steht. Nicht daß Schwiegermütter hier nur auf die Bank dürfen, nein, die werden hier traditioneller Weise im Dachboden eingesperrt! Nein, das Bankerl stammt von meiner Schwiegermutter.

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Auf dem Weg zurück durchs Wohnzimmer Richtung Treppe kommt man am Keine-Ahnung- vulgo Schafkopfzimmer vorbei. Das ist noch völlig leer. Hier gibt es auch noch ein Gästeklo, das zwar sauber, aber renovierungsbedürftig ist. Ich zeige es Euch trotzdem.

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Die Treppe hat es in sich. Sie war auch der Grund, warum wir jetzt stolze Besitzer einer Kreissäge sind. Wir mußten *schluchz* unser wunderschönes *schnief* balinesisches *schluchzschnief* Bett damit zersägen, um es die Treppe hoch zu bekommen…

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Jetzt sind wir im ersten Stock. Links ist das Gästezimmer mit Wandschrank, Doppelbett und einigen echten Potschs an den Wänden. Sorry, ein wenig unscharf, aber Ihr werdet es ja sehen.

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Rechts ist Gustls Arbeitszimmer, was man als Kenner des Hausherrn recht schnell an der akribischen Ordnung erkennt, die darin herrscht.

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Zwischen diesen beiden Zimmern ist theoretisch der Aufgang zum Dachboden, in dem na Ihr wißt schon wer eingesperrt ist.

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Unser Flur beherbergt jetzt meinen geliebten Spiegelschrank, mehr hat da sowieso nicht Platz.

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Hier ist unser Badezimmer, das gottseidank neu ist. Ein paar Kleinigkeiten fehlen noch.

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Am Ende des Flures geht es links in ein Zimmer, das wir als mein Arbeitszimmer und Schrankzimmer nutzen. Es arbeitet noch niemand drin und Schrank haben wir auch noch keinen, aber ich verlasse mich da auf Eure Phantasie. Lotschgo bewacht diesen Raum solange.

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Ins Schlafzimmer kommt man entweder vom Flur aus oder durch das Schrankzimmer. Hier ist unser Bett mit der sagenhaften Matratze.

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Und dann sind über das ganze Haus strategisch gut verteilt diese wunderbaren Wandschränke, die inzwischen nach Vanille oder Lavendel riechen und fast alles aufnehmen, was man nicht offen rumstehen oder -hängen lassen will. Fast alles…

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Wenn sich jetzt jemand fragt, wo meine Bücher sind… Tja, im Moment noch in den Schachteln in der Garage. Wir werden sie auf die Zimmer verteilen müssen, wobei viele davon ins Keine-Ahnung-Zimmer wandern werden. Gustl freut sich schon wie ein Schnitzel darauf, Regale an die Wände zu schrauben.

Das weiß er allerdings auch noch nicht…

Unser erstes Auto

Juli 26th, 2007 Posted in Needful Things

Nachdem wir seit Ende Juni mit Mietwagen so unsere liebe Not hatten, haben wir uns entschlossen, gute deutsche Wertarbeit zu kaufen. Es wurde ein Audi A6 Kombi in Spermaweiß. Da man das aber nicht sagt, heißt das Auto „Perle“.

Das gute Stück hat fast 100000 Meilen auf dem Buckel und ist Baujahr `99, fährt sich aber extrem angenehm und nach einem Ölwechsel haben wir auch ein gutes Gefühl trotz des Tachostandes. Hier fährt man eben viel. Außerdem war das Auto in Frauenhänden, was Autos meistens ganz gut tut (nicht, wenn sie mir gehört haben, ich weiß!). Die zerdellten und zerkratzten Alufelgen haben wohl die Töchter der Vorbesitzerin zu verantworten, die ihre ersten Einparkversuche mit dem Wagen gemacht haben…

Über den Vierradantrieb werden wir uns dann im Winter freuen!

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Leider nicht zur Diskussion aber beim Händler mal eben so rum standen…

…ein sehr reparaturbedürftiger Benz…

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…und ein himmelblaues Oldsmobile mit weißen Ledersitzen, leider zu teuer. Ich mußte deshalb sehr tief seufzen!

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Ist das nicht eine Schönheit?

Der Carrera des Händlers war unverkäuflich. Der Händler selbst, Michael, war ein Erlebnis. Selten so schiefe Zähne gesehen. Er schwört auf deutsche Autos, hat sowohl bei Audi, als auch bei BMW und Mercedes in Deutschland gaaanz viele Freunde. Aber: nothing compares to a Porsche! Wo er recht hat, hat er recht!

Und jetzt fehlt noch mein Cabrio. Das hab ich leider noch nicht. Aber lang kann es nicht mehr dauern. Ihr werdet es schon sehen!

 

Bayern ist überall

Juli 26th, 2007 Posted in Menschen

Abgesehen von der bayrischen Flagge, der bayrisch weiß-blauen Grillschürze und dem bayrischen Bier, das man hier zwar teuer aber doch erstehen kann, erinnert nicht vieles an die Heimat. Die Flagge müssen wir hier schamvoll in Gustls Arbeitszimmer aufhängen, denn es ist nicht gestattet, eine andere als die amerikanische Flagge in der Öffentlichkeit zu zeigen (womit ich überhaupt kein Problem habe, um ehrlich zu sein!).

Aber Gustls Kollegen Christoph, Marjan und Maik sind große Schafkopfer. Dieser Leidenschaft fällt demnächst (wenn Tisch und Stühle gekauft sind) unser Keine-Ahnung-Zimmer zum Opfer, das damit auch gleich vom Keine-Ahnung-Zimmer in Schafkopfzimmer umgetauft wird. Im Moment trägt Gustl seine Quarter eben noch in die Häuser und Wohnungen der anderen Spieler, bzw. bei uns wird dann morgen auf der Terrasse geschafgekopft.

Und das sind sie, die Gambler: 

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Da bemüht man sich, beim Shoppen in zwei Stunden nicht mehr als dreihundert Dollar auszugeben, und was macht der Alte? Verspielt die mühsam vom Haushaltsgeld abgesparten Kröten! Jetzt gibt es wieder den ganzen Monat nur Kartoffeln mit Stippe!

Fahr´n fahr´n fahr´n, auf der Autobahn…

Juli 26th, 2007 Posted in Die spinnen, die Amis!

Gleich vorweg: wer in den nächsten Tagen mal mit mehr als hundertzwanzig Sachen über eine der gut ausgebauten Autobahnen rund um München, Linz, Wien, oder Braunau unterwegs ist, bitte denk´ an mich und freu´ Dich! Hier darf man nämlich nicht schneller als 65mph… Laaaaangweiliiiiiiiig!!!

Ja, Autofahren ist mein Thema heute, richtig geraten.

Daß Autos hier groß sein müssen, hatten wir ja schon. Aber wozu man hier mehr als 75PS braucht, ist mir nach wie vor ein Rätsel. Autofahren gehört hier, zumindest auf den Highways, zu den langweiligsten Dingen, die man sich vorstellen kann. Man zuckelt mit höchstens 100km/h auf der Mittelspur vor sich hin, wird bei Gelegenheit von LKW überholt, die es dann doch eiliger zu haben scheinen als man selbst. Und vor allem hören die Jungs den Polizeifunk ab, die wissen wo die Bullen stehen. Wenn man dann mal links, rechts, hinten und vorne so einen Truck hat, sollte man lieber kein ängstlicher Typ sein, sondern lieber schauen, daß man ungeschoren aus der Sache rauskommt. Auch wenn man nur einen von der Sorte hinter sich hat, der im Rückspiegel immer größer wird, macht man besser Platz, denn es erscheint mir so, als würden die nur ungern wegen mir bremsen. Also gebe ich nach. Ach ja, das bringt mich zum „Vorfahrt gewähren“-Schild, da steht hier manchmal noch zusätzlich „yield“ drauf, was unter anderem „nachgeben“ heißt. Das finde ich nett, denn ich geb´ doch viel lieber nach als daß ich jemandem was gewähre. Da kann ich mich großzügig fühlen und das trägt zum „feel-good“-Faktor, der hier eine große Rolle spielt, enorm bei.

Bleiben wir mal auf dem Highway. Also Highway ist hier eigentlich alles, was zwei Spuren und mehr hat und über eine Nummer verfügt, wie zum Beispiel I84. Das mit den Nummern macht mir das Leben nicht eben leicht, ich weiß bis heute nicht, ob die A99 nun die nach Stuttgart ist, oder die nach Hinterposemuckel. Und hier stehen nur Nummern, ab und zu mal eine Ortsangabe, aber sehr selten. Wenn man in Deutschland am Handy gefragt wird, wo man gerade ist, konnte man zumindest sagen „so ungefähr zehn Kilometer hinter Adelshausen“. Hier weiß man im Grunde nie so genau, wo man ist. Zumal auch noch alles gleich aussieht, zwar hübsch grün und ländlich größtenteils, aber eben überall. Ich muß mir also nun Buchstaben-Zahlen-Kombinationen merken. Eine große Herausforderung!

Die ungeschriebene Regel lautet: in der Mitte fahren die, die noch eine Weile geradeaus unterwegs sind. Links fahren die vorbei, die entweder angeben wollen (kennt man ja auch in Deutschland. Ich hab auch immer gerne angegeben, hier trau´ ich mich nicht, brauche mein Geld für´s Shoppen!), oder es eben einfach eiliger haben, oder auf die Geschwindigkeitsbeschränkungen generell pfeifen, und das sind die meisten. Rechts fahren die, die aus irgendwelchen Gründen langsam sind (heavy load, Fahrer über 80 und blind, usw.). Die rechte Spur ist für Noch-eine-Weile-geradeaus-Fahrer vor allem deshalb nicht zu empfehlen, weil es unsäglich viele Auffahrten gibt, jede größere Straße hat ihre eigene Auffahrt. Die Auffahrt auf den Highway funktioniert im Prinzip wie in Deutschland, der der schon oben ist hat Vorfahrt. Außer der Auffahrende hat den stärkeren Motor (ah, da kommen endlich die PS ins Spiel, Schreiben bringt Erkenntnis!). Und bevor ich mich da zum rechthaberischen Ekel entwickle, werde ich eben das, was ich zu Hause so gehaßt habe: ein Mittelspurschleicher! Da das Überholen aber hier auf beiden Seiten erlaubt ist, stört man tatsächlich niemanden damit. Auf längeren Strecken, zum Beispiel auf der 9 in Richtung Meer (ätsch!), drückt man auf die cruise control und kann sich beim Autofahren auf das Lenken konzentrieren. Ist auch gut so, denn bei Automatik langweilt sich das linke Bein und hat mit Tempomat endlich seinen besten Freund, das rechte Bein, wieder zum Spielen. Was die beiden dann da unten genau treiben, will keiner wissen. Aber praktisch ist es schon, falls es mal an der Fußsohle juckt, kann man kratzen ohne eine Massenkarambolage zu verursachen.

Man orientiert sich hier nach den Himmelsrichtungen. Ist ja im Prinzip auch nicht falsch. Es stellt sich nur die Frage, wenn man nicht die Karte von ganz Connecticut auswendig kennt, woher soll man dann wissen, ob man nun nach Süden oder Norden muß? Wo ich gerade bin krieg´ ich bei Sonnenschein ja gerade noch ausgerechnet (im Osten geht die Sonne auf, im Süden ist ihr Mittagslauf, rhabarberrhabarber). Aber wenn ich in West Hartford bin, woher soll ich dann ohne Kenntnis einer Karte wissen, ob ich nun nach Newington über die 91 south oder die 91 north komme, und wenn es dann überhaupt nicht die 91 ist? Mein bester Freund hier heißt deshalb TomTom und spricht mit weiblicher Stimme (sie heißt Lisa) mal lauter, mal leiser, mal freundlich, mal fordernder zu mir. Verwirrende Ansagen wie „nehmen Sie die Ausfahrt links und nehmen Sie die Ausfahrt rechts“ sind auch keine Anzeichen eines beginnenden Schizophrenie-Virus meiner kleinen Navigatorin, sondern erschließen sich als durchaus logisch, wenn man die Strecke mal selbst kennt, weil man sie inzwischen hundert mal gefahren ist. Ob man dann noch TomTom braucht? Naja, sicher ist sicher und Lisa hat eine hübsche Stimme.

Der Fahrstil der Amerikaner ist vor allem relaxt. Wenn ich nicht manchmal hupen würde, würde hier in West Hartford gar niemand hupen. Aber ich kann nicht anders. Ich krieg´ das mit der Geduld einfach nicht hin, wenn die Ampel auf grün springt und sich niemand bewegt. Ich mein, die müssen doch nur von der Bremse runter und auf´s Gas. Die PS dafür haben sie. Man muß doch noch nicht mal den ersten Gang suchen, verflixt noch mal! Aber nein, alles easy, dann kommen beim links Abbiegen halt nur drei Autos über die Kreuzung, wo in München sich während einer Grünphase schon ganze Staus auflösen, bilden sich hier während einer Grünphase völlig neue Staus. Und die Länge der Grünphasen ist gigantisch, allerdings auch die der Rotphasen…

Abbiegen ist überhaupt so ein Thema. Links abbiegen tut man hier anders als zu Hause. Also natürlich lenkt man nach links (Wolfram, DEN Kalauer gönne ich Dir einfach nicht!). Aber erstens tut man das wie beschrieben seeeehr laaaangsaaaaam und außerdem, auch wenn sich das auf den ersten Blick widerspricht, gerne noch knapp vor dem Geradeausverkehr. Die Linksabbieger haben hier oft etwas früher einen grünen Pfeil als die geradeaus Wartenden, das ist sehr praktisch, wenn man hinter den Linksabbiegern steht oder selbst einer ist, kann aber gefährlich werden, wenn man ihnen entgegenkommt. Da wird Aufpassen plötzlich recht wichtig. Rechtsabbiegen dagegen ist ein Traum! Man darf es immer, außer es ist per Schild verboten: „No turn on red!“ Kein Nachdenken, ob man grün hat, oder ob da ein Rechtsabbiegepfeil ist. Wenn es nicht per Schild verboten ist, darf man rechts abbiegen. Die Spur sollte halt frei sein, sonst scheppert´s auch hier, vielleicht relaxter, aber trotzdem bumm. Allerdings kann mir keiner weis machen, daß man zum Rechtsabbiegen unbedingt nach links ausholen muß. Sie tun es trotzdem.

Fahren in der Stadt ist ein rechtes Geduldsspiel. Aus Sicherheitsgründen kommen einem Fahrradfahrer auf der eigenen Spur entgegen, also nicht auf ihrer eigenen, sondern AUF MEINER EIGENEN!!! Die meisten wackeln dabei, weil sie ja relaxt sind und nur gaaaanz laaaangsaaaam fahren. Nicht schön.

Fußgänger überqueren Straßen wie? Richtig! Gaaanz laaaangsaaaam! Mir ist auch schon passiert, daß eine Horde Mädels vor meinem Auto stehen geblieben ist und mitten auf der Straße ein ganz bestimmt super wichtiges Thema ausdiskutiert hat. Mein Hupen hat mir entsetzte Blicke eingebracht. Die waren wirklich entsetzt, nicht irgendwie Stinkefinger zeigend empört, sondern einfach überfordert von so viel Rücksichtslosigkeit. Ich habe daraus gelernt, mich an „yield“ erinnert und mich bei dem Gedanken, doch die Gescheitere zu sein unheimlich wohl gefühlt. Seien wir mal ehrlich, einfach drüber zu fahren bringt ja auch nur Ärger. Man hat es als Fußgänger auch nicht leicht in den USA. Erstens ist man hoffnungslos in der Unterzahl, zweitens korrespondieren die Fußgängerampeln nicht mit Verkehrsampeln (was mich fertig macht, denn in München konnte man sich darauf verlassen, daß kurz nach der Fußgängerampel auch die Verkehrsampel rot wird. Das machte die Entscheidung, ob man bremst oder Gas gibt, um noch bei Gelb drüber zu kommen, sehr viel leichter!) und drittens sind die Fußgängerampeln derartig lange rot, daß selbst der größte Starbucks-Cappucino kalt wird bis man drüber darf, um endlich wieder in die heimelige Sicherheit seines Wagens zu fliehen. Und um die nicht zu häufig verlassen zu müssen, gibt es Drive In-Geldautomaten, Drive In-Starbucks, Drive In-Telefone und Drive In-Apotheken.

Außer an die Geschwindigkeitsbeschränkungen hält man sich hier recht brav an die Regeln. Ein Schulbus mit nach links ausgeklapptem Stopschild bringt allen Verkehr zum Erliegen. Egal, in welche Richtung man fährt, man hat stehen zu bleiben. Böse Zungen behaupten, das funktioniert nur, weil man die Anzeige von empörten Eltern fürchtet… Ist aber eigentlich wurscht, hauptsache es funktioniert.

Es gibt hier auch Kreuzungen, an denen an allen vier Einmündungen ein Stopschild steht. Scheint das Pendant zum in Großbritannien so beliebten roundabout zu sein. Die Regel sagt, wer zuerst an der Kreuzung war, darf auch zuerst wieder losfahren. Auch das funktioniert gut. Wenn man mal gleichzeitig mit jemandem an so einer Kreuzung ankommt, wird einem oft mit Handzeichen bedeutet, man solle fahren. Ich finde das sehr rücksichtsvoll und freundlich. Man ist hier überhaupt sehr rücksichtsvoll und freundlich. Das ist wiederum angenehm, wenn man mal selbst mal (!) überhaupt keine Lust hat, schon wieder rücksichtsvoll und freundlich zu sein.

Diese Eigenschaften hebe ich mir lieber für die Spurwechsel im Berufsverkehr rund um Hartford auf, denn da kann ich sie wirklich brauchen! Wow, da geht die Post ab! Die „lassen“ einen hier nicht, wie man es sonst kennt, sondern die Rücksichtnahme und Freundlichkeit beschränkt sich darauf, daß man mir nicht den Kofferraum eindellt, wenn ich todesmutig die Spur wechsle, obwohl da eigentlich gar kein Platz für mich ist. Aber das machen hier alle so. Nach einer Weile bleiben die Angstschweißperlen aus. Auch daran, daß man den Spinat vom Mittagssandwich des Fahrers hinter einem deutlich in seinen Zahnzwischenräumen sehen kann, gewöhne ich mich langsam. Die fahren hier unheimlich dicht auf, was ich ja nicht besonders mag, aber so isses nun mal.

Autofahren ist selbstverständlich ein enorm wichtiges Thema in den USA. Öffentlichen Nahverkehr gibt es so gut wie gar nicht. Und die Entfernungen sind zum Teil sehr groß. Man würde deshalb erwarten, daß man sich um alles, was mit dem Auto zu tun hat auch liebevoll kümmert. Weit gefehlt!!! Die Autos sind teilweise in bemitleidenswertem Zustand. Ein Pendent zum TÜV gibt es nicht. Und deshalb fährt hier alles, was das noch einigermaßen hinkriegt. Bis dann der erste Reifen platzt. Ich habe in meiner gesamten Autofahrerkarriere noch nicht so viele Reifendecken am Straßenrand oder mitten auf der Fahrbahn gesehen wie hier in einem Monat! Auch ganze Autotüren ohne dazugehöriges Auto wurden schon auf der Fahrbahn gesichtet. Wenn die Karre dann mal gar nicht mehr geht, stellt man sie auf den Pannenstreifen, markiert sie mit einem orangenen Fähnchen oder Aufkleber und macht sich davon. Entweder werden die dann von jemandem abgeholt, oder sie rosten einfach weg, das weiß ich noch nicht so genau.

Ähnliches gilt für die Straßen. Auf dem Highway kann man ohne weiteres in ein zehn Zentimeter tiefes Schlagloch rumsen. Meistens steht auf Höhe des Schlaglochs ein Schild, das vor diesem „dump“ warnt. Jo, hab ich gemerkt, danke für die Info. Die Straßen sind in so erbärmlichem Zustand, daß man gerne mal mit einem Töpfchen dampfenden Teers in der Hand einen Spaziergang machen möchte. Das gilt auch für die im Grunde recht reiche Stadt Hartford. Es gibt zwar immer mal wieder Schilder, die auf Straßenarbeiten hinweisen, da stehen dann auch Arbeiter und regeln den Verkehr. Aber direkt arbeiten hab´ ich da noch keinen gesehen. Dafür fallen die Geldbußen doppelt so hoch aus, wenn man in einer Baustelle zu schnell fährt. Naja, das tut man ja auch nicht!

Alles in allem ist Autofahren in Amerika auch keine größere Herausforderung als in Deutschland, wenn man sich einfach angewöhnt, die Dinge so zu machen, wie es die Amis tun. Wie ich mich allerdings nach unserer Rückkehr wieder daran gewöhnen soll, rechts zu fahren, nicht rechts zu überholen und beim Abbiegen an den Fahrradweg zu denken, das weiß ich noch nicht. Mit dem schnell Fahren werde ich wohl keine Schwierigkeiten haben, wie ich mich kenne.

Meine Hausaufgaben für die nächsten Wochen sind also:

Highwaynummern merken

Karte von Connecticut studieren

Meditieren für die Geduld

Needful Things

Juli 20th, 2007 Posted in Needful Things

Das Leben in den USA stellt einen vor so manche Herausforderung. Dazu gehören der Umgang mit Haushaltsgeräten, die Pflege des Rasens, das Geduldsspiel beim Autofahren und vieles mehr. Laßt Euch erzählen, was wir hier schon alles gelernt haben:

Gustls Kollegen haben uns alle darauf hingewiesen, daß in einer ordentlichen neighbourhood die Vorgärten IMMER gepflegt auszusehen haben. Der rückwärtige Garten interessiert niemanden, aber vorne rum hat es sauber und gut gestutzt zu sein. In einem Fall gab es wohl sogar ein Schreiben von der Gemeinde, man möchte doch mal den Rasen mähen, wie sähe das denn aus? Also haben die Schusters einen Rasenmäher gekauft, der mit Benzin betrieben wird, denn den Kampf mit dem Kabel, das hier mindestens vierzig Meter lang sein müßte, wollten wir uns nicht antun.

Das ist er also, ist er nicht hübsch?

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Das Betanken und Zusammenbauen haben Gustls ganze Kraft gekostet, aber der Kleine fährt dafür von selbst, man muß also wenigstens nicht schieben…

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Nachdem die Gefahr des nachbarlichen Unfriedens damit gebannt war, denn nun sah ja alles fein und decent aus…

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…haben wir beschlossen, uns an diesem Abend ganz besonders vernünftig zu ernähren.

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Am nächsten Tag kam ein Paket aus Deutschland an, wie sich herausstellte, hatte Claudia Babl daran gedacht, daß in einem neuen (naja, für uns neuen) Haus auch für gute Vibrations gesorgt werden muß. Die Liebe hat uns einen Buddha geschickt, der nun auf dem Kaminsims seinen Platz gefunden hat. Inzwischen ist er von Kerzen und Blumen umgeben, damit seine Kräfte richtig zur Wirkung kommen können. Claudia, Du bist ein Schatz!!!

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Am nächsten Abend haben wir uns einer sehr angenehmen Sache gewidmet, die in den Staaten eine lange und liebevoll gepflegte Tradition hat, dem Barbecue, oder auch BBQ. Auf unserem Kohlegrill mit Rauchfang haben angeblich 58 Hamburger Platz. Wir haben es mal bei zwei dicken Ribeyesteaks und Maiskolben belassen, denn man soll sich ja schließlich gesund ernähren.

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Bei den hiesigen Temperaturen gehören zu den needful things auf jeden Fall Klimaanlagen, die man direkt in die Fenster klemmt. Man muß dann allerdings seine Ansprüche in Sachen Ästhetik schon etwas zurückschrauben, und auch das ökologische Gewissen muß zum Schweigen gebracht werden, denn die Dinger sind erstens schrecklich häßlich und fressen zweitens furchtbar viel Strom.

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Ich hatte ja die Haushaltsgeräte erwähnt… Ich erzähle mal von der Waschmaschine. Also, Waschmaschine und Trockner stehen in unserem unheimlichen und nach Heizöl muffelnden Keller. Gottseidank sind sie in dem Teil des Kellers untergebracht, in dem man aufrecht stehen kann. Die anderen Kellerbereiche werde ich zu meiden wissen!

Der Trockner bläst die nasse warme Luft durch ein Rohr nach draußen und scheint pflegeleicht, wenn auch etwas eingestaubt zu sein. Dem Flusensieb bin ich erst mal mit Bürste und Wasser zu Leibe gerückt. Gerüchten zufolge bleiben die Fussel gerne in der Wäsche, deshalb werden hier prinzipiell Trocknertücher verwendet.

Die Waschmaschine ist ein Kapitel für sich… Man öffnet sie oben und hat dann freie Sicht auf die Schnecke in der Trommel. In der Mitte der Schnecke (da wo man auf dem Photo noch den Dreck sieht, der inzwischen entfernt ist!) füllt man den Weichspüler ein, in die dreieckige Öffnung rechts unten das Flüssigwaschmittel. Wenn man mit Pulver wäscht, tut man es direkt auf die Wäsche, die man vorher locker um die Schnecke drapiert. Und dann schalte man die Waschmaschine ein! Man hat dabei die Auswahl aus den Temperaturen „Hot-Cold“, „Warm-Cold“ und „Cold-Cold“. Man kann dann noch zwischen normaler Wäsche bis hin zu „delicate“ wählen und zieht dann an dem großen Knopf. Jetzt holt sich die Maschine Wasser direkt aus der Leitung. Dieses Wasser wird allerdings nicht zusätzlich erwärmt, sondern warmes Wasser ist eben so warm, wie es aus der Leitung kommt. Erstaunlicher Weise kann man den Deckel öffnen während die Maschine Wasser holt und wäscht. Wie das mit dem amerikanischen Sicherheitswahn zusammenpaßt hab ich noch nicht rausgekriegt, aber ich verspreche, meine Pfoten nicht reinzustecken während sich da was dreht!

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Ein Waschgang dauert übrigens maximal 20 Minuten plus Spülen und Schleudern. Interessanter Weise wird die Wäsche trotzdem sauber. Das mag allerdings auch an den Waschmitteln liegen, die extrem viel Bleiche enthalten. Für Buntwäsche gibt es welches ohne Bleiche, mal sehen, wie die Sachen nach einigen Malen Waschen aussehen…

Die Spülmaschine ist auch ein Thema für sich. Sie ist riesig und häßlich. Hier hat man gerne dunkle Fronten an den Geräten, gruselig… Aber unsere großen Teller passen rein, was schon mal ein Vorteil ist. Sauber werden sie allerdings nur, wenn man auf „heavy wash“ stellt. Und dann dauert ein Spülgang schon gerne mal zweieinhalb Stunden. Dabei macht die Maschine einen so ohrenbetäubenden Lärm, daß man meinen könnte, sie schleudert das Geschirr. Beim Trocknen steigt Dampf aus der Maschine, der die Küchenfenster beschlagen läßt.

Im Moment befindet sich gerade mein erster Kirschkuchen in den USA im Gasherd. Gas macht mich ja immer ein wenig nervös. Aber kochen und backen mit Gas ist sehr angenehm und die Gerüche, die aus der Küche in mein Arbeits-Schrank-Zimmer hochsteigen lassen mich hoffen. Die Kirschen sind hier übrigens auch größer als zu Hause.

Wie könnte es anders sein?

 

Konsum

Juli 19th, 2007 Posted in Die spinnen, die Amis!

Wir sind im Land des Konsumwahns angekommen, was ja nun keine überraschende Erkenntnis ist. „Take two pay one“ ist der Standard, man steht dann mit mehreren Gallonen Milch an der Kasse und zwei Honigmelonen, von denen man schon weiß, daß man eine davon wegschmeißen wird. Man kauft mehr und gibt mehr aus. In diese Falle gerät man natürlich nicht nur beim Milchkauf. Viele Amerikaner sind hoffnungslos überschuldet, kaufen alles auf Pump und die Schuldenspirale dreht sich unaufhörlich weiter. Kein Wunder, daß ständig Reklame für Unternehmen läuft, die versprechen, den Menschen aus diesem Teufelskreis rauszuhelfen. Ob es funktioniert, ist eher fraglich.

Generell ist auffällig, wofür hier wie geworben wird.

An erster Stelle kommen die Autos. 0%-Finanzierung ist hier der Standard. Und so glaubt natürlich jeder, sich den dicken Range Rover oder den 5er BMW leisten zu können. Und groß muß die Kiste ja auf jeden Fall sein, auch wenn man kinderloser Single ist, muߠmindestens ein Station Wagon her.

Gleich danach kommen Essen und Trinken, aber da wird nicht eine bestimmte Marke Pudding oder Reis beworben, es geht eher um die unglaubliche und total neue Gemütlichkeit, die man im selbstverständlich unvergleichlich familienfreundlichen Restaurant XY genießen kann, in dem die besten Köche der Welt die einzig originale Steinofenpizza backen, die man sein Leben lang nicht vergessen wird. Hand in Hand damit geht Werbung für Medikamente gegen Sodbrennen. Sodbrennen scheint hier eine Volkskrankheit zu sein.

Waschmittelwerbung und ähnliche deutsche Klassiker sieht man kaum. Worauf aber Verlaß ist, ist Werbung für Putzmittel, die garantiert sogar Keime keimfrei bekommen. Die Angst vor airborne infection oder vor Keimen aller Art hat was von paranoider Schizophrenie. In den Toiletten von Restaurants (und dem was sich dafür hält…) hängen immer Schilder mit der Aufschrift „Angestellte MÜSSEN sich die Hände waschen“, ein Schild zeigt sogar eine detaillierte Beschreibung, wie das vonstatten zu gehen hat. Ich versuche noch, ein Photo aufzutreiben… Nebenbei bemerkt wäre es bei manchen Toiletten nicht schlecht, wenn die Angestellten vor dem Händewaschen mal die Klos putzen würden (hierzu werde ich mir die Photos sparen). Auch Produkte, die einen vom Schwitzen abhalten sollen sind sehr beliebt. Man schwitzt hier nicht, wer schwitzt ist arm und kann sich offenbar keine aircondition leisten. Fußpilzcreme, elektrische Enhaarungsgeräte, Raumduftsprays und Geruchskiller, Intimpflegemittel für Frauen, alles Dinge, auf die man auf keinen Fall verzichten kann, offenbar auch dann nicht, wenn man sich regelmäßig wäscht und sein Haus putzt und lüftet.

Medikamente sind Bestandteil der täglichen Ernährung. Ein paar Aspirin zum Frühstück können sowieso nie schaden. Unfallchirurgen mögen das anders sehen, aber Aspirin muß einfach sein, denn die Angst vor Herzinfarkt oder Schlaganfall ist allumfassend. Die typisch männlichen Dysfunktionen sind auch Inhalt so manchen Spots. Es wird mit einer Kugel grauer Knetmasse gezeigt, wie groß so eine Prostata werden kann und wie sie wieder schrumpft, wenn man eine bestimmte Pille schluckt. Ich rate Euch Jungs, eßt Kürbiskernöl! Diese anschauliche Präsentation durch einen ehemaligen Präsidentschaftskandidaten ist nicht nur unappetitlich, sie macht die Schmerzen so drastisch deutlich, daß sogar ich anfange, auf dem Stuhl hin- und herzurutschen, wenn ich das sehe, und ich glaube, ich habe dieses Organ gar nicht… Paßt gut auf Euch auf und geht regelmäßig zum Arzt, auf Knete rumdrücken hilft nämlich gar nicht! Viagra und Cialis werden beworben, indem Paare gezeigt werden, die sich glücklich und ein ganz klein wenig lasziv anlächeln, nicht zu sehr natürlich, nur so, daß man merkt, was sie jetzt gleich tun werden, in ungefähr einer halben Stunde, wenn man der Stimme aus dem Off glauben darf. Impfungen gegen alle möglichen Arten von Krebs sind auch ziemlich angesagt, man soll seine Töchter auf jeden Fall frühzeitig gegen Gebärmutterkrebs impfen lassen, heißt es. Ich wußte nicht, daß das geht, aber ich lerne ja noch. Fußpilz und Sodbrennen hatten wir ja schon weiter oben. Herpes ist auch so ein Ding, wogegen man offenbar nur mit der pharmazeutischen Keule ankommt. Und Diätpillen ersetzen ganze Mahlzeiten und machen auch gar nicht abhängig. Man soll aber lieber doch nach vier Wochen mal mit seinem Arzt über Tablettenmißbrauch sprechen, wär schon besser! Ob hier alle so froh und glücklich sind, weil sie mit Hilfe all der segensreichen Produkte immer gesund sind, oder ob das Zusammenspiel aller Nebenwirkungen plus den Dämpfen aus den Lufterfrischern ein Dauergrinsen in die zahnregulierten und nasenoperierten Gesichter zaubert, hab ich noch nicht rausgefunden. Ich tendiere in diesen Dingen nicht zu Selbstversuchen…

Hier werden nicht so sehr Marken beworben wie in Deutschland, kein Persilmann, keine Clementine, kein Melittamann. Hier gibt es Spots für Restaurantketten wie „Ruby Tuesday“, „Dunkin Donuts“, oder die bekannten Fast Food Läden. Baumärkte machen auch viel Werbung. Do it yourself ist sehr im Kommen. Bei „Lowe´s“ steht an den Kassen ein riesiges Regal mit Selbermach-Ratgebern für alles und jedes. Wenn man da mal stöbert, könnte man meinen, daß jede amerikanische Wand in einem anderen Pastellton gestrichen ist, jede Veranda selbst gezimmert wurde und zwar in der kürzest vorstellbaren Zeit für absolut kein Geld und mit dem kleinsten Aufwand, den man sich nur vorstellen kann. Das Werkzeug, das man dafür braucht bekommt man selbstverständlich hier bei „Lowe´s“…

Vergnügungsparks sind auch ständiges Thema in den Werbepausen (das Programm unterbricht hier eigentlich die Dauerwerbung, um das mal gleich klarzustellen!). „One-day-getaway“ ist ein Schlagwort, das ich gerade kennengelernt habe. Da man hier nicht viele Urlaubstage hat, müssen diese mit der Familie intensiv genutzt werden. Da gibt es Supersonderangebote für Familien. Man sieht glückliche Eltern mit selbstverständlich fröhlichen Kindern Schokoladeneis mit Schokoladenstückchen und Schokoladensauce oder auch Zuckerwatte in Pastelltönen („Lowe´s“???) essen. Danach sitzen alle hysterisch kreischend in den Coastern und niemand kotzt. Man kotzt hier nicht. Man nimmt einfach eine Pille, dann kann man den Vierfachlooping überstehen, ohne sich all den billigen Süßkram noch einmal durch den Kopf gehen zu lassen.

Kinder sind eine stark umworbene Zielgruppe. Man weiß um die Kaufkraft und die mühsam anerzogene Tyrannei des kleinen Volkes. Also werden Kinder in fast allen Spots zu Hauptdarstellern (nicht so sehr bei Prostata-Medikamenten…). Ich kann mir vorstellen, daß man recht schnell den Ruf einer schlechten Mutter weg hat, wenn man nicht die richtigen Junior-Tüten-Figuren aufzutreiben weiß.

Eigenartig ist die Farbgestaltung der Werbespots. Natürlich ist alles etwas greller als wir es gewöhnt sind. Aber besonders unangenehm weil unnatürlich sind die Filter, die offenbar für Hauttöne eingesetzt werden. Es scheint, als gäbe es keine wirklich dunkelhäutigen Afroamerikaner, sie sind immer appetitlich schokoladenbraun. Die Weißen sind dafür eher dunkel, denn braungebrannt ist Standard (auch wenn Hautkrebs immer wieder ein Thema der Reklame ist). Wenn nicht braungebrannte Weiße gezeigt werden, sind sie rosa. Rosa scheint hier das Synonym für Reinheit und Unschuld zu sein. Kinder sind deshalb rosa-blonde Schokolade fressende Grinser, die sich vorzugsweise in Roller Coastern vergnügen, nicht ohne vorher gegen Gebärmutterkrebs geimpft worden zu sein, oder ein Anti-Vomit-Mittel eingeflößt bekommen zu haben.

So, genug Klischees gedroschen für heute. Ich gehe jetzt in mein keimfreies Bett und nehm noch ein Aspirin, damit mir heute Nacht nicht etwa der böse Prostata-Teufel in die Schweißdrüsen meiner Füße schlüpft. Am Ende bekommt man davon einen Schlaganfall!

Schlaft gut und sweet dreams!

 

Social Life

Juli 16th, 2007 Posted in Menschen

Wir räumen, malen, shoppen so interessante Dinge wie Schleifmaschinen, Wandfarbe, Farbrollen, dann wieder Farbrollen, weil die ersten Farbrollen recht schnell den Dienst versagen, kaufen Autos und telefonieren mit Connecticut Natural Gas und verschiedenen Ämtern. Da haben wir uns ein bißchen Abwechslung verdient, wie wir meinen…

Samstag 7. Juli fand das Abschiedsfest von Gustls Chef Gerald statt, der zurück nach Deutschland geht. Schade, wie ich finde, denn er und seine Familie, Antje, Hannes und Monia, sind sehr lieb, hilfsbereit und lustig. Aber Hamburg ruft, da soll man nicht zögern! Auch wenn der Garten dort kaum die Ausmaße einer Hazienda haben wird.

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Die Spansau wurde auf den Namen Susi getauft. Sie hatte wohl in der Nacht davor schon für eine Vor-Feier gesorgt, denn der Spanferkelgrill der MTU war nicht vollständig, und die provisorische Reparatur (man nennt das hier „to fix“…) war wohl erst nach diversen Schnäpsen und Bieren von Erfolg gekrönt.

Susi war aber gleich auf Anhieb ein Erfolg, auch wenn ein paar Leute mit ganzen Tieren am Spieß so ihre Probleme haben…

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Für die Kinder wurde eine Pinata aufgehängt mit Süßigkeiten gefüllt, das ist so ähnlich wie „Schnapp die Wurst“ bei uns.

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Die Amerikanischen Kollegen verschwanden schon recht früh, bis auf wenige Ausnahmen. Den Sonnenuntergang konnten sie deshalb nicht mehr miterleben, und auch den gemütlichen Abschluß am prasselnden Feuer nicht.

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Am Mittwoch darauf gab es bei Antje ein Weiberfrühstück. Sehr hilfreich, wenn man eine lange Liste mit Fragen hat. Wo kauf ich was? Welches Waschmittel hat nicht so exzessive Bleiche? Wo ist ein Bastelladen, um irgendwann mal mit Alexa dort hin fahren zu können? Und so weiter.

Wir fühlen uns hier sehr herzlich aufgenommen, wir wurden auch von Monia und Christoph schon begrillt, der Fisch war wunderbar!

Nichts gleicht München, aber es wird irgendwann ein zu Hause für uns sein!