Inkens Welt

ehem. USA-Tagebuch
Home » 2007 » Mai

Look and See Trip

Mai 27th, 2007 Posted in Wir gehen nach Amerika

Bei all dem Vorbereitungsstreß und den Rennereien, die einen bei einem solchen Abenteuer fest in den Klauen haben, kann es nicht schaden, einige Tage Auszeit zu nehmen. So kam mir der Look and See Trip vom 19. bis 25. Mai mehr als gelegen.

Gudrun (sei noch einmal gedrückt dafür!) fuhr mich am 19. mittags zum Flughafen, und ich war froh, die Fahrt nicht alleine machen zu müssen. Ein wenig aufgeregt war ich schon, sowieso anfällig für Reisefieber und dann noch ganz allein einen Neunstundenflug absolvieren, da bleibt ein Teil der Selbstsicherheit gut versteckt im Unterbewußtsein hängen.

Check in und security waren flott und unkompliziert, was natürlich daran liegen kann, daß ich business class fliegen durfte. Also dazu nur kurz: fliegt business!!! Leistet es Euch, es ist einfach wunderbar! Liegesessel, eigenes Display mit großer Auswahl an Filmen und Musik und die Massagefunktion im Sitz, ich sag Euch, die Massagefunktion…! Mich wundert immer noch, daß mein Sitz nicht abgefackelt ist, denn die Massage lief praktisch ununterbrochen.

Ach ja, im Flugzeug saß vor mir Felix Magath mit Familie. Die Kinder sehen alle aus wie er (ob das gut oder schlecht ist, überlasse ich Eurer Beurteilung), seine Frau ist Typ Katja Riemann, etwas bodenständiger vielleicht.

In New York JFK angekommen ging es erst mal auch durch die security und dann weiter zur immigration. Gut vorbereitet (Ihr wißt schon, nur mit „yes“ oder „no“ antworten usw.) ging ich an den Schalter für immigrants mit Visum. Die wirklich wunderschöne junge Frau dort stellte überhaupt keine Fragen. Sie lächelte sehr nett und sprach extra deutlich. Auf meine Frage, ob sie noch irgendwelche weiteren Unterlagen sehen wolle meinte sie nur „no thanks, that is only for your husband“. Ich sagte ihr, ich wär´schon ganz konfus von den vielen Papieren. Ihre Antwort war „yes I know, welcome to New York!“. Also, so schlimm sind sie gar nicht.

Wenn man business fliegt, bekommt das Gepäck einen „priority“-Anhänger. Das hat allerdings den Nachteil, daß dieses Gepäck nicht etwa als erstes auf dem Laufband landet, sondern ganz zum Schluß. Ich stand also mit den Magaths am Gepäckband und wir fingen schon an zu planen, wo man wohl am schnellsten Ersatzunterwäsche und -zahnbürsten bekommt… Oops, da war dann doch der Koffer da, eigentlich schade, eine Shoppingtour auf Kosten der Lufthansa hätte sicher Spaß gemacht.

Die Fahrt nach Hartford, immerhin fast vier Stunden, hab ich vor allem schlafend verbracht. Viel hab ich nicht versäumt, denn es goß in Strömen. Schon bei der Landung war die New Yorker skyline kaum zu erkennen. Im Hartford Marriot angekommen versuchte ich, mich noch so lang wie möglich wach zu halten. Der Koffer wurde ausgepackt und das Bad mit den üblichen Fläschchen und Döschen bestückt. Und dann war es um die Standhaftigkeit geschehen. Beim Versuch, Homer Simpson im Original zu verstehen, hab ich mich in Morpheus´ Arme verabschiedet.

Am nächsten Tag ging es erst mal in ein richtiges amerikanisches Diner, um dort zu frühstücken. Yeah, free refill coffee (naja, um die Wirkung einer deutschen Tasse Kaffee zu erreichen, braucht man sowieso drei Tassen von diesem Lippifippiwasser) und ein Omelette, das bis zum Abend vorhält. Dazu wholemeal-Toast (für´s gute Gewissen!) und Bratkartoffeln. Nun ja, im Urlaub….

So gestärkt fuhren wir ein paar potentielle zukünftige Wohnorte ab. Hübsche Gegend, viel Grün, nette Häuschen, penibel manikürte Rasen, dicke Autos und keine Fußgänger.

imgp3593.JPG  imgp3607.JPG imgp3617.JPG imgp3649.JPG imgp3596.JPG imgp3585.JPG

Danach ging´s ans Meer. Oh wie wundervoll, ich werde nur eine Dreiviertelstunde vom Meer und wunderschönen Sandstränden entfernt leben! Die Sonne schien und versöhnte mich mit dem traurigen ersten Eindruck des Vortags. Das Wasser war zwar noch eisig, aber es ist schließlich erst Mai.

imgp3671.JPG imgp3670.JPG imgp3665.JPG

Weiter ging es nach Mystic. Viele von Euch kennen sicher den Film „Pizza Pizza-ein Stück vom Himmel“ mit der noch sehr sehr jungen Julia Roberts (da hat sie noch ihre Original-Nase). Dieser Film spielt dort, auch die Pizzeria gibt es wirklich. Mystic ist ein süßer kleiner Ferien- und Fischerort mit bezaubernden kleinen Läden, netten Restaurants, in denen man sicher ganz wunderbar seafood essen kann (ich laborierte leider noch an dem Omelette mit Bratkartoffeln…) und vielen vielen japanischen Touristen.

imgp3634.JPG imgp3631.JPG imgp3629.JPG imgp3630.JPG imgp3632.JPG

Der Tag klang aus mit einem wunderbaren Steak und einem Besuch in der Stammbar der MTU-Mitarbeiter, der Trumbull Kitchen. Der Mojito ist gut. Beim nächsten mal gibt es ein update zu den anderen Drinks.

Am Montag standen die ersten Hausbesichtigungen mit Linda Dinapoli auf dem Programm. Oh, was sieht man da für Scheußlichkeiten… Bäder mit rosa Fliesen, lila Boden und apricotfarbener Kloschüssel. Garagen mit Teppichboden (Teppichböden sind überhaupt ein großes Thema… Sehr britisch, mehr sag ich dazu lieber nicht). Mit Acrylfarbe gestrichene Wände in aubergine, dunkelrot und dunkelgrün. Einigermaßen ernüchternd der erste Eindruck. Aber dann kam „ES“. Ein altes Haus mit wunderschönen Holzböden, einem Wintergarten, einem sehr unheimlichen Keller (weiß jemand, ob ein Mundschutz reicht, wenn Rohre mit Asbest verkleidet sind und man aber die Wäsche da unten waschen muß?) und gläsernen Türknäufen! Wir waren sofort verliebt. Allerdings will der Vermieter nicht, daß man den offenen Kamin verwendet. Und daran wird es wohl am Ende scheitern… Also wird Linda weiter für uns suchen müssen.

imgp3688.JPG imgp3686.JPG imgp3687.JPG imgp3689.JPG

imgp3673.JPG imgp3672.JPG imgp3682.JPG imgp3679.JPG

Am Dienstag waren wir in Boston. Boston ist eine beeindruckende Schönheit. Scyscrapers und dazwischen kleine alte Gebäude aus der Gründerzeit und der Zeit der Revolution. Sehr abwechslungsreich, sehr bunte Menschen, leckere Hot Dogs! Quincy Market war tot an diesem Tag, aber den werde ich sicher noch häufig sehen, wenn Ihr uns besucht! Wir fuhren mit dem Boot durch den riesigen Hafen rüber zur USS Constitution, dem ersten Segelschiff, das unter amerikanischer Flagge segelte. Beeindruckendes Bötchen! Natürlich auf Hochglanz poliert. Ein mehr als redseliger Navi-Officer hat uns durch alle Decks geführt und gab uns einen Vorgeschmack auf den Nationalstolz, von dem wohl jeder US-Bürger durchdrungen ist.

imgp3708.JPG imgp3698.JPG imgp3713.JPG imgp3705.JPG imgp3710.JPG imgp3711.JPG

imgp3715.JPG imgp3716.JPG imgp3743.JPG imgp3736.JPG imgp3735.JPG

Der Mittwoch war dem Konsumrausch gewidmet. Morgens french manicure in West Hartford (während Gu sich mit dem Amt für die social ID rumärgern durfte, hihihi!), danach diverse outlets. Ja, es lohnt sich, uns zu besuchen! Ganz besonders umwerfend fand ich die XXXXL-Tshirts (Fritz, ich wünsch´Dir allzeit warme Nierchen!).

imgp3693.JPG

Abends waren wir bei Gu´s Kollegen zum Barbecue eingeladen. Wir brachten Wein und Bier mit, was alle Ersparnisse aus den outlets wieder zunichte machte. Die spinnen ja, was die für blödsinnige Preise selbst für kalifornischen Wein nehmen! Was mach ich nur? Ich werde nicht zur Biertrinkerin, niemals!

Beim Barbecue wurden uns viele Tips gegeben, Einladungen ausgesprochen und Hilfe in allen Lebenslagen angeboten. Da es sich um Deutsche handelte, gehe ich davon aus, daß ich das ernst nehmen kann. Es war erleichternd zu erleben, daß wir nicht das Rad neu erfinden werden müssen und daß es dort Leute gibt, denen es die Emotionen genauso durcheinander gebeutelt hat wie uns.

Donnerstag, Tag der Rückreise. Als Gilmore Girls-Fan darf man nicht an Yale vorbei! Yale stinkt regelrecht nach „altem“ Geld (ich meine, wenn in den USA etwas alt ist, dann das Geld). Als Universitätsstadt für vorwiegend reiche Söhne und Töchter ist Yale ein Traum. Wunderschön grün, viele ehrwürdige Campusse (ich spar mir den richtigen Plural, der klingt so snobby), schicke Läden, abgefahrene Lokale. Ja, so kann man studieren. Wenn Deutschlands Politiker nun davon sprechen, daß Deutschland Elite-Unis braucht, kann ich nur empfehlen, doch mal Yale zu besichtigen….

imgp3756.JPG imgp3758.JPG imgp3763.JPG imgp3765.JPG imgp3772.JPG

Danach ging es zurück nach New York direkt zum Kennedy Airport, ab in die business lounge und warten, warten, warten… Mit einer guten Stunde Verspätung ging es dann los. Und ich machte die Augen zu, dachte noch mal an alles, was ich gesehen hatte, entschied, daß es gut so sei und drückte auf den Massageknopf…

Listen, To Do´s und Formulare

Mai 26th, 2007 Posted in Wir gehen nach Amerika

Von der Wiege bis zur Bahre, Formulare… Hoch lebe das funktionierende Klischee!

Wir bekommen einen dicken Packen Unterlagen von einer Anwaltskanzlei in Hartford CN, um die Visa-Angelegenheiten in Schwung zu bringen. Jesus, die sind ja noch bürokratischer als die Deutschen! Allerdings ist der Packen so gut vorbereitet, daß wir wirklich nur ein Papier nach dem anderen abarbeiten, ausfüllen und versenden müssen. Super Service! Bezahlen möchte ich das allerdings nicht müssen… Gustl meint nach einer halben Stunde, er sei durch und habe alles kapiert. Nun gut. Ich lese, exzerpiere und kommentiere die Unterlagen mehrere Stunden, hab dann schließlich auch alles kapiert… So hat eben jeder seine Stärken, beim Shoppen und beim Anfahren an der grünen Ampel bin ICH schneller…

Wir wissen nun, wie wir uns auf der Botschaft zu verhalten haben, daß man Fragen der immigration-Beamten möglichst nur mit „yes“ oder „no“ zu beantworten hat (Gustl hat sicher Bedenken, daß ich mein freches Maul nicht halten kann, ich habe aber wirklich und wahrhaftig vor, mich gut zu benehmen!) und, daß Formulare mehr als hinterfotzig angelegt sein können… Aber wir sind natürlich der Wahrheit verpflichtet, und somit kann auch keine der nur schlecht kaschierten Fallen zuschnappen.

Am Ende ist alles geschafft, und am 30. April ist der Termin auf der US-Botschaft in München. Wir haben alle Unterlagen (außer der Bestätigung der MTU, daß die Gebühren überwiesen wurden, mal sehen, ob ich das später noch kommentieren will…), gültige Pässe, Fotos im gewünschten Format (kein Lächeln, geradeaus in die Kamera starren und beide Ohren zeigen, muß das denn sein?) und marschieren frohen Mutes durch den security check der Botschaft. Ich kann nur sagen, chapeau! Wir kommen pünktlich dran, werden sehr freundlich bedient (jaha! Bedient!) und haben zwei Tage später trotz Feiertags unsere Pässe incl. der Visa zurück. Wenn das ein Vorgeschmack auf US-amerikanische Behörden ist, gehen wir ins gelobte Land!

Aber natürlich sind die Visa nicht die einzigen Vorbereitungen, die zu treffen sind. Wir machen deshalb Listen, eine Lieblingsbeschäftigung von Gustl, nun auch mein Hobby…

  • Kündigungen: Job, Haus, Abonnements, Mitgliedschaften. An alles muß gedacht werden. Stadtwerke, Telekom, Gewerbeamt, Meldebehörde, usw. Wir kaufen sehr sehr viele Briefmarken, denn vieles geht nicht online. Und wir versenden einen etwa 10cm hohen Stapel an Briefen.
  • Versicherungen: was bleibt, was wird gekündigt? Wie sind wir in Zukunft krankenversichert? Was bleibt an fixen Kosten?
  • Mitnehmliste: an jedem Türstock hängt ein Foto des Zimmers, mit Leuchtstiften markiert, was mitkommt, eingelagert wird, oder eben den Weg alles Weltlichen gehen muß. Yippie, endlich wird mal entrümpelt!!! Zwei Speditionen besichtigen unser Hab und Gut, der 40-Fuß-Container wird wohl nicht ganz voll. Aber für den Rück-Umzug muß ja noch ein wenig Platz bleiben, denn eines steht fest: wir werden in den USA auf jeden Fall zu Einkaufs-Freaks mutieren!
  • Autos verkaufen: tja, davon gibt es drei… Der Triumph Spitfire hat inzwischen einen reizenden Adoptivvater gefunden, der ihn nicht als Organspender mißbrauchen, sondern wieder aufbauen will (an dieser Stelle ein dickes Danke an Claudia, die mir den neuen Besitzer des „englischen Patienten“ vorgestellt hat!) Der kleine Toyota Yaris hatte schon seit langem das Herz meiner Schwiegermutter erobert, nun bekommt sie ihn. Der dicke Corolla steht noch zum Verkauf, falls jemand €15000,– investieren will…
  • To Do´s: da man nicht alles sofort erledigen kann, gibt es Listen für Dinge wie das Einrichten des Nachsendeantrags ca. 14Tage vor dem Umzugstermin, Zähler ablesen, den internationalen Führerschein beantragen. Diese Punkte werden uns also wohl bis zum letzten Tag in Atem halten.
  • Die angenehmen Dinge des Lebens: Abschiedsfeiern organisieren. 6. Juni bei Epcos, 9. Juni privat, 11. Juni bei der MTU.

Man kann also mit Fug und Recht behaupten, daß täglich etwas anderes zu erledigen ist. Und ein wenig Panik schleicht sich von Zeit zu Zeit ein, ob wir an alles gedacht haben. Aber da hilft sowieso nur ein ausgeprägter Mut zur Lücke… Und man sollte auf jeden Fall immer genau wissen, wo sich die mühselig geschriebenen Listen befinden.

Die Schusters in Amerika?

Mai 26th, 2007 Posted in Wir gehen nach Amerika

21. März 2007, irgendwann am Vormittag…

Das Telefon im Büro klingelt, Gustl ruft von seinem Handy aus an, eher ungewöhnlich. Nun, die Neuigkeit, die er zu erzählen hat, ist nicht weniger ungewöhnlich. Er soll so schnell wie möglich für die MTU in die USA gehen, nach Hartford im grünen Connecticut, Constitution State! Am liebsten gleich zum 1. April, was sich die Herren, deren Idee das war, wohl einfacher vorstellen als es in Wirklichkeit ist…

Wir handeln Bedenkzeit aus. Am 26. März sollen wir Bescheid geben. Was nun folgt, ist überraschend. Keine Grundsatzdiskussionen, keine wirklich hinderlichen Bedenken, keine tiefsinnigen Gespräche oder Abwägen der Pros und Contras, nur ein heimliches, sich von hinten anschleichendes „Ja“. Am 25. März sind wir uns einig, es spricht einfach nichts dagegen.

In den nächsten Tagen werden Verwandte und Freunde informiert. Die überwiegende Reaktion ist eine Mischung aus Freude und vielleicht ein wenig Neid auf diese Chance. Es klären sich die Fronten nach und nach, wer wird uns besuchen, wer scheut eine Einreise in die USA wegen der paranoiden security-Bestimmungen, wer hat prinzipielle Gründe, nicht zu kommen, hätte aber doch gerne ab und zu ein Päckchen aus den USA? Wer freut sich schon jetzt auf eine ausgiebige Shopping Tour durch die Outlets, Boston und New York?

Wir versuchen selbst, uns darüber klar zu werden, in welche Art von Land wir ziehen. Ein Land, das sich im Krieg befindet, das sich erst vor wenigen Jahren der eigenen Verletzbarkeit bewußt geworden ist, in dem Patriotismus schon mit der Muttermilch aufgesaugt wird, das den Konsum noch mehr in den Vordergrund rückt als wir es von zu Hause kennen. Es ist ein Land, das unseren Heimatländern sehr ähnlich ist, oder dem unsere Heimatländer immer ähnlicher werden, und doch bleibt es eine andere Welt, die Neue Welt.

Wir wagen unser Abenteuer!