Inkens Welt

ehem. USA-Tagebuch
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Seht mal in die Links!

Dezember 19th, 2007 Posted in Unser Amerika

Mir geht langsam aber sicher der Speicherplatz aus auf inken.at. Wir haben deshalb einen Link zu Gustls website gelegt, wo Ihr Reiseinformationen findet. Dort ist auch ein noch unbefüllter Kalender, in dem Ihr unsere Gästezimmerbelegung seht und die Zeiten, in denen wir voraussichtlich nicht in West Hartford sind.

Diese Seite ist kein blog, sondern „the real stuff“. Mal sehen, was wir da noch alles drauf stellen.

Bleibt neugierig!

Inken

Let it snow, let it snow, let it snow!

Dezember 18th, 2007 Posted in Unser Amerika

West Hartford bietet viele Seiten, auch eine Wetterseite. Vorige Woche hatten wir Eisregen. Und das sah dann so aus.

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Und letzten Donnerstag hielt New England all seine Versprechen auf einmal. Schnee. Und dann noch mal Schnee. Und noch mehr Schnee.

Für 15 Meilen braucht man dann schon mal dreieinhalb Stunden. Die Scheibenwischer frieren fest, an Steigungen bleiben sommerbereifte Connecticuter hängen, die es eigentlich besser wissen sollten. Die Schule fällt aus. Alle fahren spätestens um eins Richtung Heimat. Und mitten drin: natürlich ich.

Aber was ist der ganze Ärger, wenn man sich dann dieses Winterwonderland ansieht?

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Inken muß sich gut benehmen

Dezember 13th, 2007 Posted in Unser Amerika

Um gleich mal auszuschließen, daß irgendwer glaubt, ein Country Club sei ein Restaurant, in dem es nur Country Potatoes gibt… 😉 So ist es nicht! Country Clubs wurden gegründet, um den hart arbeitenden und dadurch reich gewordenen Amerikanern ein abgeschlossenes Gelände zu bieten, in dem sie ihre Wochenenden verbringen konnten, unbehelligt von der schmutzigen, grausamen Welt „da draußen“. Dazu gehörten und gehören oft Golf- und Tennisplätze, Pools und natürlich Räumlichkeiten für gesellschaftliche Veranstaltungen. Also alles in allem ausgesprochen weißes Amerika.

Hier in West Hartford gibt es den Town and County Club (Achtung, nicht Country, sondern County!)www.towncounty.com/, in dem meine Deutschschülerin Mindy Mitglied ist. Der Club wurde 1925 gegründet, um Frauen zu fördern, die sich in Wirtschaft und Wissenschaft einen Namen machen wollten. Es gibt also auch edle Gründe, um in einem solchen Club Mitglied zu sein.

Mindy hatte mich gestern zum Lunch dorthin eingeladen. Sie nimmt einmal im Monat an einem Treffen deutschsprachiger Damen teil und wollte mich dort vorzeigen. Was soll ich sagen…. Ich bin nicht so der Typ für den Frauenverein, aber da ich ja immer was zum Bloggen brauche, hab´ ich mich geopfert. Außerdem ist es gar nicht so unangenehm, mal wieder die Jüngste in der Runde zu sein.

Der Club hat seine Heimat in einem Gebäude aus dem Jahr 1895 gefunden, das ursprünglich die Familie des offenbar recht erfolgreichen Anwalts Theodore Lyman beherbergte. Es wurde liebevoll restauriert, was man leider nur von wenigen Gebäuden hier behaupten kann. Es steht in unmittelbarer Nähe zum Elisabeth Park und dem Mark Twain Haus, die gute Gesellschaft befindet sich also in guter Gesellschaft.

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Die Mitglieder sind ausschließlich Frauen, naja Damen ist wohl der passendere Ausdruck. Schon die Gründerinnen waren nur Frauen, die in intellektueller, gesellschaftlichrer und/oder finanzieller Hinsicht zur Creme von Hartford gehörten. Langsam aber sicher krieg´ ich ein Gefühl dafür, wen ich da eigentlich unterrichte… Mindys Mann Clarence war gestern genau so „nur“ Gast wie ich.

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Im Club können die Mitglieder für private Veranstaltungen Räume reservieren, das Catering und so weiter. Man kann dort als Mitglied jederzeit zum Essen hingehen, sich in der beeindruckenden Bibliothek hinter einem Buch verkriechen, seine Tochter gewinnbringend unter die Haube bringen, oder an Charity-Veranstaltungen teilnehmen. Jetzt vor Weihnachten werden zum Beispiel Geschenke für „weniger glückliche Kinder“ gesammelt.

Kunstausstellungen, Buchlesungen, Konzerte, Konversationskurse in verschiedenen Sprachen, Stipendien, Auktionen, Bridgerunden, Yogakurse, Zimmer für Frauen, die einige Tage in Hartford verbringen sind einige der Angebote und Aktivitäten des Clubs.

Ich stehe solchen Institutionen instinktiv zwiespältig gegenüber. Einerseits sehe ich, wie viel Gutes hier getan wird. Andererseits muß man sich natürlich auch fragen, ob man seine mexikanische Putzfrau hier treffen könnte…

Aber ich war Gast und hatte beschlossen, es zu genießen. Mindy und Clarence sind so reizende und kluge Menschen, ich brächte es nicht übers Herz, sie zu enttäuschen. Und ein bißchen (ha!) neugierig ist man ja schließlich auch.

Wir wurden in der Halle mit einer wundervoll geschwungenen Treppe ins obere Stockwerk vom Assistant Manager begrüßt. Er heißt John Bates, riecht wie das Geheimlabor eines Parfumeurs, trägt mehrere traumhaft schöne Ringe an JEDEM Finger. Was dort nicht mehr Platz fand, glitzert an seinem linken Ohrläppchen. Ein maßgeschneiderter Anzug und ein seidenes Halstuch vollendeten das outfit. John bügelt seine Anzüge sicher nicht selbst, könnte dies aber ohne großen Umweg über Bügelbrett und -eisen mit der flachen Hand tun, wenn er wollte. Er ist so etwas wie der Zeremonienmeister des Clubs, ausgesprochen freundlich und doch distanziert, gebildet, aber bescheiden. Eine einzigartige Mischung, ein Faktotum, das ganz offensichtlich das Glück hatte, den absolut perfekten Job für sich zu finden.

John gestattete mir, einige Bilder zu machen. Ich hätte wohl gar nicht fragen müssen, aber die Umgebung hat mich ein wenig eingeschüchtert. Ich war auf jeden Fall froh, daß meine Eltern mir das Essen mit Messer und Gabel beigebracht haben (und noch ein bißchen mehr…). Danke dafür nach Braunau!

Nach einem kleinen Rundgang, bei dem ich angemessen beeindruckt von den 17 Kaminen, den Perserteppichen in der Größe unseres Gartens und der zugegebenermaßen traumhaften Standuhr war, wurden wir ins Teezimmer geführt. Dort war selbstverständlich mit Wedgewood gedeckt (meine Sitznachbarin hat sich erlaubt, einen Teller umzudrehen, ich hätte mich das niemals getraut!!!). Schweres poliertes Silber und Bleikristall waren liebevoll über das Damasttischtuch verteilt. Ja, es war wirklich schön, das zu sehen. Und es beruhigt mich auch ein wenig, daß es Menschen in den USA gibt, die sich nicht mit Mikrowellen-Fernsehdinners zufrieden geben…

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Das Essen an sich hatte viel Englisches. „Da essen´s besser die Blumen vom Tisch.“ Naja, Pilz-Quiche, klingt ja schon fad. War sie auch. Aber der Wein war gut und reichlich. Die anschließende Deutschstunde mit Mindy und Clarence gewann direkt noch ein wenig mehr an Schwung!

Die Gespräche waren dafür umso anregender. Die Damen, Clarence war der Hahn im Korb, kamen aus Schlesien, oder hatten einige Jahre in Deutschland verbracht, um dort zu studieren oder ihre Männer zu begleiten, die dort gearbeitet haben. Alle, wirklich ausnahmslos alle, waren sehr freundlich, sehr gewandt im smalltalk und sehr natürlich, auch wenn man an kleinen Details den reichen Hintergrund erkannte. Wer trägt schon Lambswool, wenn es Cashmere gibt…? Die Perlen hatten beeindruckende Größen und die Mehrkaräter waren dezent aber doch sichtbar. Den manikürten Händen sah man an, daß sie noch nie selbst abspülen mußten, und die Gesichter waren fachmännisch gepflegt.

Wir unterhielten uns über Frauen in der Politik, noch nie zuvor hatte ich ernsthaft darüber nachgedacht, ob Angela Merkel mich beeindruckt. Dafür war es wohl mal Zeit. Aber das Ergebnis fiel nicht gut für sie aus… Wir waren uns einig darüber, daß Condoleeza Rice beängstigend ist, Hilary Clinton bewundernswert und George W. unerträglich. Über Obama werden wir uns wohl nicht ganz einigen können.

Mindy hat mir auf der Fahrt zur Sprachschule zugeflüstert, man wolle mich gerne wieder sehen. Da hab´ ich wohl irgendwas richtig gemacht.

Jessas, high society! Des a no!

Chicken immer noch in Händen der Entführer

Dezember 12th, 2007 Posted in Die spinnen, die Amis!

inken.at berichtete bereits über die entsetzliche und unmenschliche Entführung des MTU-Angestellten Chicken durch eine Gruppe, die sich FDJ nennt. Nun wurden uns neue Details dieser ruchlosen Tat bekannt.

Der Aufforderung durch die Kollegen, ihnen ein Lebenszeichen von Chicken zu geben, bevor es zur Übergabe des Lösegeldes in Form eines möglichst umfangreichen Fasses Bier kommen könne, wurde nicht Folge geleistet. Vielmehr traf erneut ein Schreiben der Entführer ein, das mehr als beunruhigend ist und die Kollegen zu den schrecklichsten Vermutungen veranlaßt.

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Auch wenn das Schreiben beängstigende Rückschlüsse auf die geistige Gesundheit der Entführer ziehen läßt, bietet es doch Angriffsfläche für Vermutungen über Herkunft, Motive und Bildungsstand der Täter. Offensichtlich handelt es sich nicht um einen Einzeltäter. Auch die Photos der Tat legten bereits nahe, daß es sich um mindestens zwei Personen handeln muß.

Da im vorliegenden Schreiben die Rede von „Margot“ ist, das Englisch des Schreibens mehr als mangelhaft ist und die Gruppe sich nach der ostdeutschen Jugendorganisation der Blauhemden benannt hat, liegt die Vermutung nahe, daß es sich um eine terroristische Vereinigung neosozialistischer Legastheniker handelt.

Die FDJ spricht in dem Schreiben vom „schmalen Grad des Wahnsinns“. Das gibt Anlaß zu allergrößter Sorge. Niemand kann sagen, wie diese Irren reagieren. Wird die Übergabe des Bierfasses stattfinden? Wird sie in einem Blutbad enden, oder mit der Befreiung des allseits beliebten Chicken?

inken.at liegt ein psychologisches Gutachten der Sigmund-Freud-Gesellschaft in Wien vor, dessen Kernaussage ist:

Psychologisch gestörte Straftäter gelten generell als unberechenbar. Es ist sowohl denkbar, daß die Entführung friedlich über die Bühne geht, als auch, daß alle Beteiligten inklusive dem Bierfaß Schaden an Leib und Seele nehmen.

Die Melange aus triebgesteuerter Gier nach Alkohol, menschenverachtender, offensichtlich sexuell motivierter Verdrängung jeglichen menschlichen Mitgefühls und aus politischer Frustration geborener Agitation, die auf einen ausgeprägten Ödipuskomplex (siehe dazu den Hinweis auf „Margot“ Anm. der Red.) zurückzuführen ist, kann zu einer Übertragung führen, die weder steuerbar noch umkehrbar ist. (Übertragung: Hineinlesen von Erwartungen, insbesondere Rollenerwartungen, eigener Wünsche, Befürchtungen und/oder Vorstellungen in das Verhalten oder die Eigenschaften einer bestimmten Person, die ursprünglich einer anderen Person (z.B. Eltern oder Partnern) gegolten haben. Anm. der Red.)

Die einzige Möglichkeit, das Schlimmste zu verhindern, sei höchstmögliche Flexibilität in den Reaktionen der Geschädigten, Verzicht auf jegliche Rücksichtnahme auf die körperliche Unversehrtheit der Entführer im Falle einer gewalttätigen Auseinandersetzung, und das Mittragen eines ausreichend großen Kochtopfes und etwas Wurzelgemüses für den schlimmsten aller anzunehmenden Fälle, so die Sigmund-Freud-Gesellschaft. Auf alle Fälle rät man zum Handeln ohne viel Federlesen.

Chicken ist ein noch junges Huhn, das erst kurz vor seiner gewalttätigen Entführung durch eventuell politisch motivierte Spinner als Nachtwächter in der IT-Abteilung angestellt worden war. Sein ohrenbetäubender Quietsch-Warnruf und die angeborene Fähigkeit, sich einer Hackordnung zu unterwerfen qualifizierten es für diese Stelle, die schon seit langem auf die Besetzung durch einen jungen, furchtlosen Mitarbeiter wartete. Umso tragischer, daß ausgerechnet Chicken einem Verbrechen zum Opfer fiel in Ausübung seiner Pflicht, als sich niemand sonst in den Büroräumen der MTU aufhielt.

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Chicken sei sofort in die Gruppe integriert gewesen, sagt Augustin S.. Durch sein freundliches Wesen, seine Bereitschaft, jederzeit für ein extra Frühstücksei für die Kollegen zu sorgen und sich so sprichwörtlich klaglos den Arsch für die Firma aufzureißen, sei Chicken sofort in die Gemeinschaft aufgenommen worden. Chicken erzählte im heimischen Hühnerstall stolz von seiner neuen, wichtigen Position und war hochgradig motiviert, diese allzeit zur vollsten Zufriedenheit des MTU-Managements auszufüllen.

Aus Sorge um Chicken sei ein reibungsloser Arbeitsablauf bei der MTU praktisch nicht mehr möglich, so Augustin S.. Immer wieder würden Kollegen spontan von Weinkrämpfen gebeutelt. Die Mittagspause würde genutzt, um gemeinsam und konfessionsübergreifend für das Wohl des Huhns zu beten.

Bis uns weitere Informationen vorliegen, bleibt uns nur die Hoffnung, daß Chicken seine Entführung heil an Körper und Seele übersteht. Wer kann schon ermessen, welche psychologischen Folgen eine solche Tat für ein junges Huhn hat?

inken.at wird weiter berichten, getreu unserem Motto:

Bild Dir bloß keine Meinung, das machen wir schon für Dich!

Immer höflich bleiben! Vorsicht! SEHR subjektiv!

Dezember 10th, 2007 Posted in Die spinnen, die Amis!

Heute würde ich gerne einige Worte zum Thema Höflichkeit verlieren, aber selbstverständlich nur, falls es niemanden stört, es gerade konveniert und niemand es als Angriff mißversteht. Ich möchte damit auf gar keinen Fall etwas von Eurer wertvollen Zeit stehlen und bin im Grunde sowieso unwürdig, Eure geneigte Aufmerksamkeit zu fordern. Solltet Ihr also entscheiden, diesen Beitrag zu ignorieren, oder Ihr die Lektüre nach einiger Zeit abbrechen, ist es selbstverständlich meiner Unfähigkeit, interessante Themen zu finden zuzuschreiben, wofür ich demütig die volle Verantwortung übernehme, und ich entschuldige mich bereits im voraus für alle psychologischen und/oder terminlichen Schwierigkeiten, in die ich Euch mit meinen unwesentlichen Ergüssen bringe.

Oder, um es österreichisch-deutsch auszudrücken: manchmal ist diese scheiß aufgesetzte politeness hier echt zum Kotzen! Und mir ist es auch völlig egal, ob das irgendjemand anders sieht!

Wie einige von Euch wissen, mache ich gerade bei Berlitz eine Sprachlehrer-Ausbildung. Die ist insgesamt sehr gut, beantwortet viele Fragen (manche auch nicht…), wir üben viel und werden konstruktiv kritisiert. Naja, bei den Preisen, die die Schüler für die Kurse bezahlen, ist es ja auch angebracht, daß sie nicht von stotternden Vollidioten unterrichtet werden, nicht wahr?

In diesem Kurs sitzen eine Deutsche, die seit ihrem 8. Lebensjahr in den USA lebt, eine Inderin, die inzwischen die green card hat, also wohl bleiben wird, eine Amerikanerin, ein Amerikaner italienischen und ein Amerikaner portugiesischen Ursprungs.

Wir quatschen natürlich in den Pausen viel darüber, welche Unterschiede zwischen unseren Kulturen bestehen, und zwei Themen kristallisieren sich dabei nach und nach als zentral heraus. Essen und Höflichkeit.

Übers Essen rede ich heute mal nicht, das tu´ ich lieber, zumal Gustl gerade seine unschlagbaren Thunfisch-Spaghetti zaubert… Also bleibt das Thema Höflichkeit.

Als wir nach Amerika gingen, hat man uns vieles erzählt. Eine Sache kam immer wieder auf´s Tapet. „Die sind alle höflich. Aber sie meinen es eigentlich gar nicht so.“ oder „Ständig wirst Du dort gefragt `how are you?´, aber sie wollen es eigentlich gar nicht wissen.“ Ja, das stimmt, sie wollen es nicht wissen. Die Phrase „How are you?“ hat einen einzigen Zweck, Begrüßung. Also denkt nicht mal im Traum daran, zu antworten „ooooch, ganz gut, aber irgendwie hab´ ich heute Kopfweh“. Sie werden Euch anschauen als hättet Ihr sie gerade auf die Kirchweih geladen und so schnell wie möglich das Thema wechseln. Das versteh´ ich auch. Stellt Euch vor, Ihr begrüßt einen Ami mit „Grüß Gott“ und er antwortet, er würde Euren Wunsch ja gerne erfüllen, aber er sei sich der Güte seines Drahtes nach oben gar nicht so sicher… Also, „how are you?“ ist einfach eine Floskel, nicht mehr und nicht weniger. Sie ist von einer vielleicht irgendwann mal wörtlich gemeinten Bekundung menschlichen Interesses zu einer Prase degeneriert, die man irgendwann gar nicht mehr wahrnimmt. Also denkt nicht weiter darüber nach.

Zur Höflichkeit gibt es im Gegensatz dazu sehr viel zu denken und zu sagen. An guten Tagen neige ich dazu, den Amerikanern nur ein chronisches Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom zu unterstellen (med. Erklärung siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom). An schlechten Tagen hingegen bin ich felsenfest davon überzeugt, daß Darwin, wenn er Recht hatte, in den USA besonders Recht hatte. Warum dann ausgerechnet die Amis die Dreistigkeit besitzen, Darwin und seine Ideen und Theorien aus den Schulbüchern zu streichen, fällt wiederum unter das Kapitel Schizophrenie, aber das überlasse ich lieber den Therapeuten, von denen es hier ja genug gibt. „Survival of the fittest“ zeigt sich hier folgendermaßen. Erst mal kommen sie selbst, dann kommt laaaaang nichts. Und dann kommen das Auto, der Präsident, oder die Kinder. Dabei ist die Reihenfolge eher beliebig und subjektiv. Und deshalb die lange Vorrede über meine Sprachlehrerkollegen.

Einer der Amerikaner hat heute unserer Lehrer-Lehrerin Lilia eine Frage gestellt. Abgesehen davon, daß sie die Frage bereits fünf Minuten vorher mir beantwortet hatte, hat dieser Kerl doch tatsächlich die Chuzpe, mitten in Lilias Antwort aufzustehen mit den Worten „sorry, I need to pee.“ HALLO? Über dieses Verhalten entsetzt zeigten sich: 1 Inderin, 1 Österreicherin, 1 Deutsch-Amerikanerin. Lilia, ihrerseits Ukrainerin, meinte nur, sie würde ihn nicht darauf ansprechen, denn sie möchte nicht unhöflich sein. DOPPEL-HALLO!!!!????

Zurück in der Klasse stellt er wieder eine Frage, die übrigens während seiner Pinkelpause geklärt worden war. Lilia antwortet und muß dabei etwas ausholen. Nach zwei Minuten unterbricht er sie und sagt, er habe seine Frage vergessen, ob sie sie noch mal wiederholen könnte… Sorry, ich konnte mich nicht mehr beherrschen und hab´ ihn gefragt, ob das jetzt sein Ernst sei. Er meinte, ja, er sitze jetzt schließlich seit einigen Stunden (es waren ungefähr zwei…) hier drin und so lange könne er sich nicht konzentrieren, das müsse ich verstehen. Da ich nicht unhöflich sein wollte, bin ich meinerseits zur Toilette gegangen, um dort mein Spiegelbild zu beschimpfen…

Die Deutsch-Amerikanerin war süß. Sie meinte in der Mittagspause zu mir, sie sei froh gewesen, daß ich was gesagt habe. Sie hätte lange in den Südstaaten gelebt, wo die Menschen als besonders höflich gelten. Und sie habe seit ihrer Kindheit Zweifel daran, daß Höflichkeit in Abhängigkeit zur Länge der Sätze steigt. Sie würde ihrerseits Hilfsbereitschaft einem unechten Dauergrinsen vorziehen. Naja, sie stammt aus Berlin.

Generell bin ich ja nicht als einer der höflichsten Menschen verschrieen, das geb´ ich ja gerne zu. Und oft ist gezielter Einsatz von Unhöflichkeit für mich persönlich ein probates Mittel, um bestimmte Dinge oder Menschen von mir fern zu halten. Aber wenn es darum geht, daß ich sehe, daß jemand beim Autofahren die Spur wechseln will, oder eine Mutter mit einem kreischenden Kind hinter mir an der Supermarktkasse wartet, bin ich fast immer bereit, Platz zu machen. Und das ist für mich Höflichkeit. Älteren einen Sitzplatz zu überlassen. Müttern zu helfen, ihren Buggy die U-Bahn-Treppe runterzuschleppen, jemandem eine Tür aufzuhalten, der schwer schleppt. „Guten Morgen“ zu sagen zu den Kollegen, mich für guten Service zu bedanken, usw.

Jemanden nicht auf seine offensichtliche Unhöflichkeit anzusprechen, sich gefallen zu lassen, wenn man ständig unterbrochen wird (auch eine zutiefst amerikanische Eigenschaft!), nur um nicht unhöflich zu sein, ist für mich mit Dummheit und Zeitverschwendung gleichzusetzen und hat mit Höflichkeit absolut nichts zu tun.

Und wenn es denn wirklich mal darum geht, Höflichkeit einzufordern, zum Beispiel wenn man auf dem Highway in eine Spur einfädeln will, dann hocken sie alle mit Handy am Ohr und Hund oder Kind auf dem Schoß in ihren bescheuerten SUVs und üben sich in Ignoranz. Zu hupen ist übrigens unhöflich…

Eine dumme Angewohnheit von mir ist es, wenn ich Dinge unglaublich finde, „Jesus Christ!“ zu rufen. Natürlich ist mir klar, daß das nicht political correct ist. Man könnte damit sowohl Nicht-Christen als auch Christen direkt und mit Anlauf auf den Schlips treten. Also achte ich darauf, das nicht mehr zu tun, ist sowieso ein dummer Spruch. Ich kopiere inzwischen Claudia K.´s „Himmel!“. Das versteht keiner und es erleichtert auch ganz ungemein. Nun rutschte mir aber auf einer kulturell gemischten Feier dieses unselige „Jesus Christ!“ doch mal raus. Eine Einheimische meinte daraufhin hörbar flüsternd zu ihrem Mann „She shouldn´t say that, it could offend somebody.“ Ich persönlich hätte es netter gefunden, wenn sie mich darauf angesprochen hätte. Sie hätte ja sagen können „Hör mal, sei ein wenig vorsichtig mit solchen Sprüchen, Du könntest hier jemanden verletzen.“ Das wäre aufmerksam und hilfreich gewesen. Aber absichtlich so laut zu flüstern, daß jeder mitbekommt, daß ich einen kulturellen Fehler gemacht habe, DAS IST UNHÖFLICH!!!

Yeah, well, you know…. Ich hupe trotzdem. Und wenn man mich hier als das unhöflichste Legal Alien aller Zeiten in Erinnerung behält, so what?

Suck my toe!

oder, um es österreichisch-deutsch auszudrücken:

Ich bin im Grunde ein höflicher Mensch, man sollte mich nur besser nicht provozieren!

Ich danke für Ihre Aumerksamkeit!

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Entführung eines MTU-Mitarbeiters – Kollegen befürchten Schlimmstes!

Dezember 5th, 2007 Posted in Die spinnen, die Amis!

inken.at wurden heute exklusiv die Details eines kaltblütigen Entführungsfalls bekannt. Das Maskottchen „Chicken“ der IT-Abteilung der MTU AENA in Newington, Connecticut wurde am vergangenen Wochenende von zu diesem Zeitpunkt noch unbekannten Tätern skrupellos und unter Anwendung roher Gewalt entführt. Das Huhn befand sich alleine in den Büroräumen der MTU AENA. Dlie Behörden gehen davon aus, daß die Täter Insider sind, da sie offenbar über die Gepflogenheiten und den Schichtplan von Chicken genauestens Bescheid wußten.

Chicken war wie jedes Wochenende zuverlässig zu seiner Wochenendschicht als Sicherheitsbeauftragter der Abteilung IT erschienen, als die Täter es überwältigten, mit einem Messer bedrohten und ihm die Augen verbanden. Die Kaltblütigkeit der Entführer wurde offenbar als am Montag, den 3. Dezember Photos der Tat per mail von mailto:free_the_chicken@gmx.net in der IT-Abteilung auftauchten.

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Begleitet waren die Bilder des von Panik gelähmten Huhns von der Drohung

be reasonable and nobody gets hurt….

Die IT-Abteilung reagierte sofort und antwortete den Kidnappern:

An open letter to the kidnappers of our IT chicken! We are very sad about the escalation! We cannot understand how somebody can lay violant hands on our beloved and innocent chicken! This is cruel terrorism! We only ask you once: Please give us our chicken back! If we do not have our chicken back until tomorrow, we will have to act in a way that nobody will like! Fun is over! We know your name and we know where you live! Regards, the IT Department!

Im Interview mit dem IT-Manager Augustin S. konnten wir von dem von Sorge um den stets pünktlichen und gut gelaunten Kollegen Chicken Gezeichneten folgendes erfahren.

Das mit dem Chicken war so. Bereits letzten Donnerstag gingen Morddrohungen gegen unser IT-Chicken hier ein. Daraufhin haben wir das Chicken mit einer Webcam überwacht. Wir haben den Entführern ein Bild der Webcam geschickt, das diese wiederum mit einem Wolf ergänzt haben, das unser Chicken frißt. Als wir heute Morgen zur Arbeit kamen war Chicken weg und wir hatten alle das email von free_the_chicken@gmx.net  in unserer Mailbox. Wir sind sehr bestürzt über diesen Vorfall. Leider haben wir noch keine Lösegeldforderung erhalten…

Tatsächlich sollten noch mehrere nervenzerfetzende Stunden vergehen bis die vollkommen verstörten Kollegen von den Enführern hörten. Als die Antwort dann endlich kam war sie niederschmetternd. S. und seine Kollegen befürchteten von nun an Schlimmstes.

,..o.k. no mistakes today…we the FDJ really appreciate that, since it shows us that you want your chicken back – and as long as you stay reasonable there is still chance to get the chicken back – in one piece!!! We the FDJ don’t want much, our request is simple… since we are fighting for a better world with enough food and drinks for anybody we only want to see your contribution to this approach by getting us a barrel of a fine boston lager…. We don’t define how big that barrel should be – for purpose – as you are in charge for everything that happened so far – your choice in that question will also lead to the things that will happen in the future – so you better consider how big the wish for a lucky re-union is – don’t force us to start a mess with lots of blood and screaming…. Let us know if you accept. We’ll come back to you with date and place. Don’t wait too long since we don’t know how long a chicken can survive without any food, Freundschaft

Ein Lichtblick ist, daß nun bekannt ist, wie die Entführergruppe sich nennt und welche Ziele sie verfolgt. Offensichtlich stecken keine politischen oder weltanschaulichen Motive hinter der Tat, sondern pure, kalte Habgier.

Ein Trost, wenn auch nur ein schwacher, sind die zahlreichen Mitleidsbekundungen, die inzwischen die IT-Abteilung erreicht haben, wie zum Beispiel diese eines offenbar mächtigen Hühner-Lobbyisten:  

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open letter to the FDJ. Hello, my name is Hans Christoph Huhn and I am the leader of the FDH (Freie Deutsche Hühnchen). In addition to this, I am the Godfather of the IT Chicken! While I sympathize your aims, I utterly denounce this shameful act of terror and demand that you release the IT Chicken at once! As you can probably tell from my photo above, I am a very powerful chicken with deep pockets and great influence. The FDH is currently made up of over three million chickens and I am prepared to declare war if you do not stop this insanity. Release the IT Chicken or face the wrath of over three million chickens!

Augustin S. und seine Mannschaft befinden sich in einem Zustand rapide steigender Ratlosigkeit und bitten um möglichst viele Petitionsschreiben an die o.g. email-Adresse der Entführer. Man hofft auf einen Rest Menschlichkeit im Zusammenhang mit dieser brutalen und gewissenlosen Greueltat.  

inken.at wird Sie über die weiteren Ereignisse auf dem laufenden halten, gemäß unserem Motto „Bild Dir bloß keine Meinung, das machen wir schon für Dich!“

Glitzernder Nachschlag…

Dezember 4th, 2007 Posted in Unser Amerika

Claudia meinte, wenn ich stolz drauf bin, daß der New Yorker Weihnachtsbaum aus Connecticut kommt, sollte ich doch auch ein wenig Stolz darauf entwickeln, daß der wunderbare Stern auf seiner Spitze seinen Ursprung in Österreich hat. Und damit hat sie Recht! Ich platze gleich vor Stolz!

25000 Swarowski-Kristalle, 250 kg Gewicht und ein Durchmesser von drei Metern sollten wirklich nicht unerwähnt bleiben. Ist allerdings nicht ganz einfach, ein Bild davon zu finden…

Das glitzernde, handgefertigte Kunstwerk aus Tirol wurde erstmals 2004 dem Baum als Krone aufgesetzt. Die damals wohl bekannte Christie Brinkley durfte die vielzackige Schönheit vorstellen.

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Wer bessere Bilder findet, bitte an inken@guschtl.de.

Wir haben es schon immer vermutet, jetzt ist es Gewißheit: Österreich ist ÜBERALL!!!

Der Baum ist da, und wie er strahlt!

November 30th, 2007 Posted in Unser Amerika

Ich hatte ja dazu aufgerufen, mir Themen zu geben, über die ich berichten soll. Die Resonanz hat mich vom Stuhl gehauen gemessen an meiner doch eigentlich recht fleißigen Leserschaft. Es gab genau EINE Anfrage, und die noch dazu zu einem Thema, das ich auch nur aus zweiter Hand wiedergeben kann, weil ich nicht dabei war. Aber Leserwünsche werden erfüllt. Und vielleicht inspiriert Euch dieser Beitrag ja. Ich würde mich freuen!

So, genug geschimpft, nun laßt mal sehen, was die Schusti so zum Thema Christmas Tree Lightning am Rockefeller Center gefunden hat.

Erst mal ein bisserl Fakten.

Das Rockefeller Center ist ein Komplex von 21 Hochhäusern, die sich über drei Blocks hinweg von der Fifth bis zur 7th Avenue erstrecken. Das war ein völlig neues Konzept, nicht einfach nur einen Wolkenkratzer zu bauen, neinneinnein, das kann ja jeder. Es sollte ein einheitlicher Komplex entstehen, der wie eine Stadt in der Stadt funktioniert. Der höchste der scysrapers ist das General Electric Building mit 70 Stockwerken.

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Anfänglich war das RC rund um einen neuen Spielort für die Metropolitan Opera gedacht, die jedoch nach dem Börsenkrach aus dem Geschäft ausstieg. Da wandte sich Mr John D. Rockefeller II einfach dem zu, was er am besten konnte: Geld machen und vermehren. 1931 war Baubeginn auf dem Grundstück, das von der Columbia University nur gemietet war. Erscheint mir auch irgendwie schräg, Häuser, egal wie groß, auf ein gemietetes Grundstück zu bauen, aber bitte… Das Rockefeller Center wurde also nach seiner Eröffnung 1939 rein kommerziell genutzt.

Vielen werden die Radio City Music Hall, der Rainbow Room oder die Aussichtsplattform auf dem GE-Gebäude „Top of the Rocks“ bekannt sein. Alles dort!

Aus der Lower Plaza, die ursprünglich als Eingang zu den Ladenpassagen gedacht war, wurde während der Wirtschaftskrise zum ersten mal winters ein Eislaufplatz, den die meisten aus romantischen Komödien mit Leuten wie Meg Ryan kennen. Dort findet man die Prometheus-Statue. Wer das ist, kuckt Ihr bitte selbst nach. War auf jeden Fall Grieche, also einer von den alten Griechen, kein griechischer Eisläufer.

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Die Plaza ist ein Treffpunkt für alle Schichten New Yorks, auch schön zu wissen. Kein Dresscode, keine Gesichtskontrolle, Eislaufen sollte man halt können, also doch nichts für mich… Diese Lower Plaza ist auch der Ort, wo jährlich der riesige und mehr als üppig geschmückte Weihnachtsbaum steht.

Und schwupp wären wir auch schon beim Thema!

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Jedes Jahr bekommt das Rockefeller Center tausende von Zuschriften mit Bildern von Bäumen, denn jeder Besitzer einer Fichte, Tanne o.ä., die höher ist als 2m fühlt sich zum Spender des Rockefeller Center Trees berufen. Wirklich ausgesucht wird der Baum von einem Team, das mit dem Hubschrauber in den üblichen verdächtigen Staaten wie Maine, Connecticut, Massachussets usw. von oben auf Baumjagd geht. Da die Bäume nicht davonlaufen, stelle ich mir den Job ziemlich klasse vor.

Schöne Geschichten rund um den Baum findet Ihr, wie ich übrigens auch, auf http://www.thetreenyc.com/. Hier gibt es die Geschichte des Baumes 2007 als Photoroman unter „smart tree“. Dann findet Ihr noch Bilder aller Bäume, die je die Ehre hatten, das RC zu beleuchten und schöne Photos von starken Männern mit Sägen…

Dieses Jahr kam der Baum aus unserer neuen Heimat Connecticut, was mich persönlich mit Stolz erfüllt, so albern das auch sein mag. Es handelt sich um eine Norway Spruce, also eine Norwegische Fichte. 75 Jahre soll sie alt sein, was gut paßt, denn sie ist der 75. Baum, der da über der Plaza thront. Da kriegt doch der Spruch „einen alten Baum verpflanzt man nicht“ gleich eine ganz andere Bedeutung. 1931 wurde die Zeremonie zum ersten mal durchgeführt. Und wer jetzt zu rechnen anfängt und was vermißt, dem sei gesagt, es gab mal keinen Baum, 1932 war irgendwie keine Zeit dafür.

Der Baum wird nachts angeliefert, um den Verkehr nicht zu stören, oder vielmehr den Truckdriver nicht auch noch bei seinen gewagten Manövern mit hektisch hupenden Taxifahrern und dummdreist gaffenden und planlos rumlaufenden Fußgängern zu nerven. Der höchste Baum hatte immerhin eine Höhe von 100 feet, also ca. 30,5 m. Da sollte man über die Ausmaße und den Wendekreis seines Fahrzeuges schon Bescheid wissen.

Gut fand ich, daß der Baum von Hand gesägt und die kahle Stelle wieder aufgeforstet wird. Man kriegt hier mit der Zeit ein sehr grünes Gewissen… Carbon-neutral nennen sie diese Vorgehensweise hier. Auch bei der Beleuchtung wird an den Energiehaushalt gedacht. Die über 30000 Lämpchen sind kleine, bunte LEDs, die von einer Photovoltaikanlage gespeist werden. Diese LEDs leben länger und brauchen weniger Strom. Hier sei mal eben lobend erwähnt, daß New York City überhaupt stark und mit Nachdruck zum langsamen Umdenken der Menschen in Sachen Recycling, Energie Sparen usw. beiträgt. Wir haben es also dieses Jahr zum ersten Mal mit einem wirklich in jeder Hinsicht grünen Baum zu tun, wie der Spiegel online schon so süffisant bemerkte.

Eine Woche arbeiten die lumberjacks daran, den vorher sorgfälitig ausgewählten Baum in Fasson zu bringen. Mit Abschneiden ist es ja nicht getan. Die Äste müssen ausgemistet und festgezurrt werden. Schlafende Eichhörnchen umgebettet, der 160t-Kran in Stellung gebracht werden, bevor man tatsächlich mit der Säge an den Stamm ran darf.

Da stand er noch und dachte an nichts Böses, bis…

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…die großen Männer mit den Seilen, Winden und Sägen kamen und…

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…ihn erst in Form brachten,…

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…dann brutalst abschnitten,…

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…seines angestammten Platzes verwiesen…

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…und ihn in die große Stadt brachten, wo er…

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…herausgeputzt wie ein Pfingstochse…

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… in ganz neuem Glanz erstrahlt.

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Also mir wird´s gleich ganz weihnachtlich zumute, auch wenn ich Bäume im Wald bevorzuge.

Ca. 100000 Zuschauer sahen kurz vor neun Uhr abends der prachtvollen Show zu, als der Schalter umgelegt wurde. Ich glaub´, da will ich nächstes Jahr auch hin!

Das war also die Geschichte der connecticuttischen Fichte, die auszog, um in der Metropole ihr Glück zu finden.

Danke Birgit für den input, hat Spaß gemacht!

Falls Ihr also einen Baum im Garten habt, der zwischen 65 und 90 feet hoch und ca. 35 feet breit ist, den Ihr gerne los werden wollt, wendet Euch bitte mit Photo (vom Baum!) an:

Rockefeller Center Christmas Tree

45 Rockefeller Plaza

12th Floor

New York, NY 10111

Meine Quellen habe ich ohne Erlaubnis derselben angezapft. Da ich diese Seite aber nicht kommerziell nutze, hoffe ich auf Nachsicht. Sollte ich die Seite doch irgendwann mal zu Geld machen, kann ich mir auch Anwälte leisten, gibt ja genug davon. Verklagt mich doch!

www.spiegelonline.de

www.wikipedia.org

www.leo.org

www.thetreenyc.com

www.rockefellercenter.com

Und die Wichtelkrone geht an…

November 26th, 2007 Posted in Unser Amerika

Guten Morgen,

da ich großen Wert auf inhaltliche Korrektheit meiner Beiträge lege, muß ich mich disziplinieren und auch mal andere Recht haben lassen. Ist nicht einfach, aber ich pack das schon…

Gudrun, danke hierfür:

.. kleine Korrektur, Crocodile Hunter – richtiger Name: Steve Irwin – wurde nicht von einem Krokodil aufgefressen, sondern von einem Stachelrochen gepiekst … der hatte gut gezielt und hat genau das Herz getroffen ….. und Rabatt haben wir auch „nur“ 11% bekommen bei Macy’s und nicht wie Wikipedia schreibt 19% … böses Wikipedia … gelohnt hat es sich trotzdem … ;-)))

So … krieg ich jetzt die Wichtelkrone ??? ;-))

Liebe Grüße

Gundl

Macy´s Thanksgiving Parade

November 26th, 2007 Posted in Unser Amerika

Am vierten Donnerstag im November wird in den USA Thanksgiving gefeiert. Ob Thanksgiving mit europäischen Erntedankfesten viel zu tun hat, lassen wir mal dahin gestellt. Es gibt dazu genug Literatur als Einschlafhilfe. Fest steht aber: Flughäfen, Bahnhöfe und Autobahnen leiden unter akuter Verstopfung, weil alles, was nicht bei Muttern wohnt zu eben dieser will, um sich den Wanst mit Truthahn, Pumpkin Pie und Süßkartoffeln vollzuschlagen. Und wer nicht auf dem Weg zum traditionellen und streitträchtigen Familientreffen ist, steht sich ab sieben Uhr morgens irgendwo zwischen Times Square und Herald Square, dem Sitz von Macy´s, die Füße in den Bauch, um die jährliche Thanksgiving Parade zu bestaunen.

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Ungefähr 2,5 Millonen Menschen drängten sich dieses Jahr hinter den Polizeiabsperrungen das zweieinhalb Meilen lange Stück Broadway entlang. auf dem seit 1924 die Thanksgiving Parade abgehalten wird. Es ging gesitteter zu als man denken würde, die Leute murmelten praktisch ununterbrochen „excuse me“, um sich wenn schon, dann auf freundliche Art vor die anderen zu drängen. Es wurden grüne Ohrenwärmer verteilt, vermutlich von der Baumwollmafia, Kinder wurden geschultert, jeder quatschte mit jedem, und alle freuten sich wie die Kinder auf das, was nun folgte.

Aber nicht jeder weiß, was Macy´s eigentlich ist, also hier ein kleiner Exkurs ins Wikipedialand (besonders zu beachten ist der Hinweis auf die Ausländerrabatte, lohnt sich, fragt Jörn!):

Macy’s ist das weltweit größte Kaufhaus, das in New York City sein Stammhaus hat.

Macy’s wurde am 27. Oktober 1858 in der 6. Avenue und 14. Straße in New York als R.H. Macy & Company gegründet. Der Gründer war der ehemalige Walfänger Rowland Hussey Macy, er wählte als Firmenlogo einen roten Stern, den er als Tätowierung aus seiner Seefahrerzeit trug. Später zog Macy’s in die 18. Straße Ecke Broadway um, eine der teuersten Einkaufsstraßen des 19. Jahrhunderts. Als Macy 1877 starb, war sein ursprünglich kleiner Laden auf bereits 11 Gebäude angewachsen. Nach seinem Tod expandierte der Laden unter den Brüdern Nathan und Isidor Straus weiter. Die Brüder betreuten unter Macy die Porzellan- und Glaswarenabteilung. Nach einem Umzug ist es seit 1902 am Herald Square zu finden. Macy’s wird mit 198.500 m² allgemein als das größte Kaufhaus der Welt angesehen. Isidor Straus und seine Frau starben 1912 beim Untergang der Titanic.

Als Tradition gilt die von Macy’s seit 1927  (ich traue hier eher den Angaben der Macy´s Homepage!!! Anm. d. Autorin)durchgeführte Thanksgiving-Parade. Sie wird alljährlich von 250.000 Besuchern (dito, Anm. d. Autorin) direkt verfolgt und zudem live im Fernsehen übertragen, aber auch das Feuerwerk vom 4. Juli wird von Macy’s gesponsert.

1920/1930 begann das Kaufhaus zu expandieren und Läden in anderen Städten zu eröffnen. Im Dezember 1994 wurden dann die Federated Department Stores (FDS) von R.H. Macy & Co. übernommen. Seit dem gibt es auch eine ganze Reihe ehemaliger FDS-Kaufhäuser in den USA, die den Namen Macy’s tragen.

Ausländer erhalten bei der Anmeldung „Visitors“ im Macys einen Gutschein für eine Reduzierung auf alle Produkte, so erhalten z. B. Deutsche in allen Geschäften der Kette 19 Prozent Rabatt. Die Prozentzahl ist abhängig von den Steuern des jeweiligen Landes.

Es sind 3000 Personen angestellt und das Kaufhaus ist 2.000.000 m² groß. Der Warenwert im Lager beträgt 700.000.000$. Öffnungszeiten: 10:00-21:30 Uhr. Das Gebäude hat 10 Etagen. Bei der Flowershow kann man 200.000 Pflanzen sehen.

Motto

„If you haven’t seen Macy’s you haven’t seen New York!“ – „Wenn Sie Macy’s nicht gesehen haben, haben Sie New York nicht gesehen!“

Macy´s Parade startet um neun Uhr am Times Square. Verschiedene Marching Bands aus allen möglichen Staaten (am schönsten finde ich den Namen „Virginia Tech Highty Tighties“) und New Yorker Institutionen wie die Polizei und die Feuerwehr putzen sich und ihre Instrumente, Harleys und sonstigen Utensilien raus und tingeln dann seeeehhhhhr laaangsaaam nach einer ausgeklügelten Choreographie den Broadway runter. Die New Yorker scheinen ihre Bullen zu lieben, als die Jungs auf den Harleys vorbeifuhren, gab es tosenden Beifall…

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Zwischendrin albern dann noch Clowngruppen rum und Cheerleader machen das, was sie am besten können, Pompons und sonstige Körperteile schwingen und dabei hübsch aussehen.

Auch verschiedene Berühmtheiten sind dabei. Dieses Jahr sahen wir zum Beispiel Dolly Parton, die einen eigenen Festwagen als Gallionsfigur zierte.

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Und die Kleine, deren Vater vom Krokodil gefressen wurde und deren Mutter daraus jetzt gnadenlos Profit schlägt…

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Und Miss USA gab sich auch die Ehre. Also, das ist die Kleine im roten Mantel im Vordergrund. Die Grüne heißt anders.

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Die Festwagen oder „floats“ gehören seit 1969 zur Parade. Sie werden in Hoboken zusammengebaut, einer Stadt in New Jersey. Sie sind so konstruiert, daß man sie zusammenfalten kann, damit sie durch den Holland Tunnel passen. Die freiwilligen Helfer arbeiten die ganze Nacht durch, damit die bis zu 40 Fuß (ca. 12 Meter) hohen Wagen um neun Uhr morgens in ihrer ganzen Pracht parat stehen.

Wichtig ist natürlich der Wagen der Siedler, die ja der Legende nach ihr erstes Thanksgiving in trauter Freundschaft mit den vollkommen überraschten aber dennoch gastfreundlichen Native Americans hatten. Die Großkopferten nennt man übrigens Balloon Heads.

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„ja denkt denn niemand an die Kinder?!?“ Aber klar, hier ist die Sesamstraße!

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Dann kamen noch Wagen mit Leuten drauf, die mir absolut nichts sagen. Aber die Mädels rund um uns rum wurden zappelig und quietschig. Also vermute ich, daß es sich um Teenieschwärme handelte.

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Die hier wiederum kenne ich, das sind die Peanuts. Und wieder sieht man den kleinen Rerun nicht, niemand wird mir jemals glauben, daß es ihn gibt. Dabei ist er so wunderbar, wenn er auf dem Kindersitzchen des mütterlichen Fahrrades über das Leben, das Universum und den ganzen Rest philosophiert!

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Amerikaner lieben ihre Süßigkeiten, deshalb haben die M&Ms einen eigenen float.

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Und hier seht Ihr den „Spirit of America“ der US Postal Services.

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Die eigentliche Attraktion sind aber die großen, heliumgefüllten Ballons, die von einer Schar freiwilliger Helfer, wohl den Macy´s-Angestellten an langen Schnüren gelenkt und geführt werden. Bei stärkerem Wind müssen die Ärmsten möglichst sortiert Laufeinlagen hinlegen, um den Ballon wieder in die richtige Richtung zu drehen. Dabei müssen sie natürlich auch darauf achten, daß sich die Schnüre nicht verheddern. Sieht wohl alles einfacher aus als es ist. Ich kann mir aber gut vorstellen, daß die Ballonführer, oder wie immer sich das Völkchen nennt, es als große Ehre empfinden, hier entlangmarschieren zu dürfen. Und eines muß man ihnen lassen, den Amis, sie sind echte Enthusiasten.

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Natürlich waren da erst mal die Macy´s Sterne.

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Die „Kleine“ müßte eigentlich Abby Cadabby sein aus der Sesamstraße, aber ganz sicher bin ich mir da nicht, bin in diesen Dingen nicht so auf dem laufenden.

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Das jedenfalls ist Scooby Doo, auf den fahren die Kids hier ab.

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Diese Schönheit ist Chloe the Holiday Clown.

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Super Cute Hello Kitty nur für Dich, Verena!

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Das habt Ihr vermutlich selbst erkannt…

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Ronald McDonald in seiner ganzen Schönheit.

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Scooby Doo auf dem Rückweg.

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Die Macy´s Sterne in den Nationalfarben.

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Snoopy das Fliegeras!

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Das ist ein Eis.

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Das ist Dora the Explorer aus Nickelodeon.

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Daß sie uns den Stinkefinger zeigt war wohl nicht geplant…

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Hier schwebt Harold the Fireman.

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Keine Parade ohne Werbung: der Energizer-Hase

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So stellt man sich in New York einen fliegenden Fisch vor.

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Das ist Arrrtie the Pirate.

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Und auch Shrek war da.

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Zum Schluß noch moderne Kunst. Rabbit for Macy´s Parade by Jeff Koons. Hat was!

Solltet Ihr Mitglied in einer Marching Band oder sonstigen Performing Group sein, zum Beispiel Faschingshaxenschwingerinnen, dann könnt Ihr Euch für nächstes Jahr als Teilnehmer bewerben. Mehr dazu und zur Geschichte der Parade finden fleißige und neugierige Surfer auf:

http://www1.macys.com/campaign/parade/parade.jsp