Inkens Welt

ehem. USA-Tagebuch

Das Kleeblatt ist nun komplett

November 18th, 2012 Posted in Meerschweinchen

Neues aus Schweinhausen! Der Oktober endete mit einer Begegnung der dritten Art, oder eigentlich der vierten…

Biba, ein 10 Wochen altes Meerschweinchen, wohnte bis dato bei der Kleintierhilfe München. Dort war sie mit ihrer Familie gelandet. Bruder Butzemann, dessen Söhnchen Fidibum und Firlefanz, die beiden Schwestern Womba, die gleich mal fünf Babys bekam, und Tanti waren dort gestrandet. Womba und Tanti waren schlagartig mit der Aufzucht der fünf wunderhübschen, vielfarbigen Wonnewusel beschäftigt. Die drei Jungs wurden separiert, um weiteren explosionsartigen Vermehrungen vorzubeugen, inzwischen sind sie alle drei kastriert und fressen sich die Wämplein voll während sie sich gegenseitig von ihren OPs erzählen. (Wer sich die kleinen Wunder mal ansehen will und über eine Adoption nachdenkt: www.kleintierhilfe-muenchen.de. Viel Spaß beim Verlieben!!!)

Die kleine Biba war mit ihren 10 Wochen irgendwie so zwischendrin und doch nicht dabei. Sie saß alleine rum, muigte leise und war einsam. Und dann nahm ich sie auf meine Hand und sie knabberte an meinem Finger. Da war es um mich geschehen. Dieses spitznäsige, langhaarige, hellrote Vögelchen, das da so ganz bequem auf meiner Hand Platz hatte, gehörte einfach zu mir. Sie fand es auch ganz gemütlich, machte sogar die Äuglein zu. Also haben Conny von der Kleintierhilfe und ich entschieden, dass das Würschtel zu mir ziehen würde.

Nun zieht so ein Meerschweinchen ja nicht einfach zu einem Zweibein. Wenn man es ernst meint mit den kleinen Wollknäueln, dann hält man sie nicht allein oder als Pärchen, sondern hat eine ganze Gruppe. Dazu gehört ein kastriertes Böckchen und ein Harem aus Mädchen. Auf diese Weise bekommt man mit Geduld und viel Liebe und natürlich angemessenen Portionen an Löwenzahn und anderen Leckerlis eine harmonisches Rudel, das sich pudelwohl fühlt.

Um neue Schweinchen einzubürgern, gilt es normalerweise einen Prozess zu durchwandern, der der Vorgehensweise der US-Amerikanischen Einwanderungsbehörde gleicht. Die Muigis müssen zwar keine Stapel von Papieren ausfüllen, aber der Mensch und Salatschnippler steht vor der Aufgabe einer Vergesellschaftung. Das klingt furchtbar amtlich, ist aber in Wirklichkeit eine Sache, die eher ans Nervenkostüm geht.

Meine drei Stammschweinchen Oreo, Piri und Ginger wurden von den Nürnberger Pflegetantis Gabi und Christine für mich vergesellschaftet, weil sie damit viel Erfahrung haben. Ginger kam neu zu den beiden anderen. Und Piri ist ja nun nicht das charakterschwächste Schwein auf der Welt. Im Nachhinein bin ich saufroh (hic!), dass ich das nicht mit ansehen musste. Ginger muss so richtig Dresche bekommen haben von Piri. Oreo war natürlich begeistert, ein junges Hupferle, noch dazu so ein hübsches, vor die Nase gesetzt zu bekommen. Die arme Ginger hatte sich also gegen die amourösen Übergriffe des alten Lustmolchs Oreo zu wehren und gleichzeitig das zickende und gar nicht zimperliche Alphamädchen Piri davon zu überzeugen, dass sie eigentlich eine echt Nette ist und ihr ihren Chefsessel nicht streitig machen würde. So eine Situation zu beobachten und die Stärke aufzubringen, NICHT einzugreifen, stelle ich mir schrecklich vor. Wenn man sieht, wie dieses kleine Etwas Schläge bezieht und doch eigentlich nur dazugehören will, muss einem doch das Herz brechen.

Nun, Piri und Ginger mögen sich inzwischen sehr. Sie lecken sich sogar manchmal gegenseitig an den Öhrchen, oder Piri hat Appetit auf den Saft, der an Gingers Schnäuzchen zurückbleibt, wenn sie sich gierig auf eine Tomate gestürzt hat. Oreo ist sowieso zufrieden. Er hat zwei Superweiber, feines Essen, Platz zum Verstecken und ein Frauchen, das in albernem Singsang “koooooom, koooooom, kooooom mein Oreo, koooooom raus!” flötet, damit er sich nicht mehr vor seinem eigenen Schatten fürchtet.

Und diese Harmonie wollte ich nun stören, nur weil ich bei diesem kleinen, langhaarigen Etwas nicht sehen konnte, dass es allein rumsitzt und wir uns spontan ineinander verliebt hatten…

Conny meinte ganz cool “Die setzt Du einfach mal rein in den Stall, wenn wir Glück haben, hat sie noch einen Babybonus.”

Naja, ein wenig mulmig war mir dann schon als ich am 2. November das Kleine mit nach Hause nahm. Erst hab ich sie noch ein wenig gestreichelt und gekrault, um sie zu beruhigen. Autofahren in einem Transportkorb ist nicht eben ein Wellness-Treatment. Und dann kam der Moment der Wahrheit. Biba und eine große Portion Futter landeten zeitgleich im Meeri-Stall. Ginger stürzte sich sofort auf den Salat und hat erst mal gar nicht mitbekommen, dass da auch noch was anderes im Gehege saß und leise fiepte. Piri war da schon etwas differenzierter. Sie stürzte auf die kleine Biba zu und klapperte sie mit hoch erhobenem Kopf an. Biba hüpfte erschrocken zur Seite, was wiederum Ginger auf den Plan rief. Und los ging die wilde Jagd. Biba vorneweg, Ginger hinterher, kreuz und quer durch den Stall. Piri saß währenddessen auf dem Gemüsehaufen und beobachtete die Situation. Während die beiden Jüngsten also durch den Stall schossen und hüpften, rumpelte Biba in ihrer offensichtlichen Panik gegen den schlafenden Oreo und blieb wie zur Salzsäule erstarrt stehen. Oreo erschrak und schnappte. Biba quietschte und rannte. Oreo hinterher. Irgendwann landeten die drei dann rund um den Gemüseberg, auf dem immer noch in aller Ruhe kauend die dicke Piri saß. Biba beschloss offenbar, dass Essen jetzt wichtiger als Davonlaufen sei und stürzte sich todesverachtend auf das Gemüse. Ginger ließ sich, wie immer, leicht ablenken und knabberte an einer Tomate. Oreo schlich um seine Mädels rum und verglich die Gerüche der diversen Heckseiten. Offensichtlich zufrieden widmete er sich dann auch der Nahrungsaufnahme, wohl wissend, dass er zusehen muss, was abzukriegen.

Seitdem ist die heiße Luft raus. Piri befand Biba als ganz witzig, gelegentliches Anknurropfer, aber größtenteils harmlos. Ginger findet es klasse, endlich jemanden in der Rangfolge unter sich zu haben und nach Herzenslust die große Schwester raushängen zu lassen. Und Oreo, tja, dreimal dürft Ihr raten. Dem steht das Testosteron in den Augen. Er lässt keine Gelegenheit aus, das Kleine zu besteigen. Und anfangs sah das Ganze wirklich nach Kinderschändung aus. Aber inzwischen hält dieses kleine Flittchen still, sobald Oreo brommselnd an ihrem Popo riecht und lässt dem alten Knacker die Illusion…

Ich hab also jetzt vier Meerschweinchen. Wenn ich morgens runterkomme und mein Kleeblatt auf Futter wartend im Kreis sitzen sehe, kann ich mein Glück gar nicht fassen. Sie sind so hübsch und lieb, so verfressen und glücklich. Und jedes hat seinen eigenen Charakter.

Mein Glückskleeblatt…

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Ich bin die Biba

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und ich hab IMMER Hunger!

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Na Kleine, watt willste denn?

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Na gut, darfst mitessen.

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Essen mit zwei jungen Damen, PARADIESISCH!

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Frischer Giersch, da kommt auch der kleine Glückskeks Oreo angerannt.

Abendessen

Und das sehe ich jetzt jeden Tag!!!

Soulfood

Oktober 30th, 2012 Posted in Meerschweinchen

Also gut, ich geb es zu, ich bin auf´s Meerschwein gekommen. Ich bin besessen, ich bin verliebt, ich kaufe JEDEN Tag für die Monster ein (wer mich kennt, weiß wie sehr ich grocery shopping hasse!), ich bettle so lange in allen Super- und auf sämtlichen Viktualienmärkten bis ich Karottengrün, Kohlrabiblätter und sogar Petersilie geschenkt bekomme (ich wage zu behaupten, dass ich der erste Mensch bin, der auf dem Münchner Viktualienmarkt etwas geschenkt bekommen hat). Ich grabe im Oktoberschnee nach Giersch und stecke dabei bis zum Handgelenk in Dreck und wahrscheinlich Schnecken, ich schwinge meine Haxen beim ersten Weckerklingeln aus dem Bett, damit die Mäuse ihr Frühstück pünktlich bekommen. Ich horche auf kleine Verschlucker und Gluckser, fürchte den plötzlichen Meerschweinchentod, freue mich wie eine Schneekönigin, wenn die Schnupsies wie Flummies durch den Käfig hopsen und sich des Lebens freuen, bin begeistert darüber, wie mein Alterchen den wohlriechenden Popos der Mädels hinterherbrommselt und sogar manchmal ran darf (Meerschweinporno – eine Marktlücke?). Ich schalte den Fernseher aus, um nicht von meinem Schweinekino abgelenkt zu werden. Ich kraule mir die Finger wund, lasse mich anbieseln und freu mich auch noch darüber, weil das ein Zeichen für Vertrauen und Entspannung ist.

Ich sehe Piri mit geschlossenen Augen im Körbchen liegen und denke, ja mein Schatz, hier bist Du richtig.

Ich locke Oreo jeden Tag ein wenig weiter aus seinen Verstecken und darf ihm Leckerbissen bis an das schiefe Schnäuzchen halten und denke, mein Kleiner, jetzt bist Du endlich angekommen.

Und ich sehe Ginger, die einfach nur lieb und fröhlich und ein bisschen döspattelig ist und denke, meine Süße, Du bist pures Glück.

Ich liebe meine kleinen Fellknäuel, meine Seelenpflaster, meine entzückenden, wunderschönen, verfressenen, wilden, lieben, schmusigen, zickigen, wuscheligen, und oh so gut riechenden, seidenweichen, pupsenden Meerschweinchen.

Sie sehen mich an und ich weiß, dass alles gut wird.

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Und jetzt hör endlich auf, so rührselig zu sein, Du sentimentales Zweibein, und lass den verdammten Salat los, ich hab HUNGER!!!

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…Und so ging’s weiter…

Oktober 10th, 2012 Posted in Allgemein, Meerschweinchen

Ihr kennt ja bereits meine Affinität zu Baumärkten und den spannenden Gesprächen, die man dort mit den Mitarbeitern führen kann. Nun, ich wäre nicht ich, wenn es da nicht eine Fortsetzung gäbe.

Am Dienstag sollte meine Lieferung mit den Einzelteilen für den Meerschweinchenstall zwischen 8:00 Uhr und 10:30 ankommen. Da ich eine Freundin erwartete, um ihr meine Buchhaltung mal vorzuführen (wer über den Kauf eines Thermomix nachdenkt, ich kenn da jemanden!!!), war ich also sowieso daheim. Der Mensch von der Spedition sollte vorab noch mal anrufen. Also wurschtelte ich so haushaltsmäßig vor mich hin und war eine Weile im Keller mit der Wäsche beschäftigt. Und wie es der Teufel haben will, hat der Typ natürlich genau in den zehn Minuten angerufen, festgestellt, dass keiner ans Telefon geht und daraus messerscharf gefolgert, dass auch niemand zu Hause sei. Nö, is klar.

Ein paar Anrufe später, die ich hier nicht wiedergeben mag, weil ich nicht sehr stolz auf meine Ausdrucksweise bin, hatte ich den Fahrer des LKW am Rohr. Er behauptete steif und fest, er hätte geklingelt. Meine Klingel weckt Tote. Sogar meine Nachbarn wissen, wenn bei mir jemand klingelt. Also? Naja, wie auch immer… Er meinte, er brächte um die Mittagszeit die Sachen zurück zum YippieyayayippieyippieyeahMarkt, und die würden dann schon noch liefern können. Grrrrrrr!!!!!!! Am Abend wollte Jörn zum Schrauben kommen. Würde das alles noch klappen? Und wann sollte ich die Schrauben, Latten, Teichfolie, Tacker und sonstigen Kram kaufen, für den mir bei meinem letzten Trip am Ende die Kraft fehlte? Wie kurz doch so ein Tag wird, wenn es einem die Planung zerschießt…

Schicksalsergeben trank ich also mit Diane Kaffee und wir diskutierten über Umsatzsteuervoranmeldung, Gewerbesteuer und sonstige Weiberthemen, als am Esszimmerfenster ein Männchen erschien, das eine Karre hinter sich herzog, auf der Holzplatten zu sehen waren. UND ES KLINGELTE. Wie immer war die Klingel so laut, dass wir auf unseren Stühlen hüpften vor Schreck. Soviel dazu. Aber wer beschwert sich, wenn dann doch noch alles gut wird? Das übrigens zahnlückige Männchen war tatsächlich in der Lage, selbstständig zu entscheiden, am Ende seiner Tour noch mal bei mir vorbeizufahren. Hatte ihm ja auch tränenreich von der Aussicht auf drei heimat- und obdachlose Meerschweinchen erzählt und einen auf hilfloses Weibchen gemacht. Langsam frag ich mich, warum ich diesen Trick immer so verteufelt hab, er funktioniert nämlich ganz wunderbar!

Ich hatte nun also alle Platten und die Plexiglasscheibe. Nun fehlte noch das Zubehör. Diane düste ab, um ihr Kind einzufangen, ich düste los, um mich in Sachen Holzschrauben und Teichfolie zu informieren. Am Infoschalter saß der gleiche Herr, den ich von meinem ersten Erlebnis schon kannte. Er grinste mir entgegen und winkte mich ran, begrüßte mich mit Handschlag und Namen und wollte wissen, ob alles geklappt habe. Ich kippte fast aus den Latschen vor Überraschung und blieb bei meiner Strategie, stellte mich doof und ließ mir einen Schraubenfachmann schicken. Das war auch wieder ein ganz Lustiger. Auf meine Bitte ”Ich brauche Holzschrauben, um MDF-Platten zu verschrauben. Und ich weiß nicht, welche ich da am besten nehme. Können Sie mir da helfen?” kam die Antwort “Das weiß ich nicht, aber ich werde es probieren.” Muss ich mehr sagen? Die Schrauben waren jedenfalls im Endeffekt zu kurz…

So, nun also heim mit der Beute, zur Abwechslung mal arbeiten.

Hier noch mal die einzelnen Schritte zum Meerieigenheim:

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Als ich noch dachte, das wäre alles ganz einfach…

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Als ich langsam erkannte, dass das nicht so leicht zu wuppen sein würde, jedenfalls nicht allein…

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Als ich sehr ängstlich erst mal gekuckt habe, ob das überhaupt alles passt…

Noch einmal die Bilder von den Schweinchen angekuckt, um mich zu versichern, dass mein Projekt einen höheren Sinn hat…

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…mich erneut in die drei kleinen Monster verliebt und entschieden, dass ich das Richtige mache.

Gegen sieben kam dann “Bob the Builder” Jörn. Bewaffnet mit Akkubohrer, unendlicher Geduld, enormer Leidensfähigkeit und guter Laune verbreitete er eine Zuversicht, der ich mich nicht entziehen konnte. Alles würde nun gut werden.

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Hier waren wir schon fertig, und er konnte immer noch grinsen.

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Eing’streut is! Wie gut, dass man die Falten in der Folie unter der Streu nicht sieht. Übrigens, wenn jemand Euch sagt “Kaufen’s g’scheiter den teirern Tacker, da hoit ois damit.” – GLAUBT ES NICHT!!!

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Jetzt kommt noch kuschelige und Versteckmöglichkeiten bietende Möblierung rein, und dann können sie kommen, die Wurschtel, und sich nach Herzenslust austoben!

Ach so, ja, natürlich war ein Brett zu kurz. Herr Zuschneider ist jetzt endgültig aus meinem Nachtgebet verbannt. Möge sein nächster Schi** ein Igel sein! Ich muss also noch einen 2cm breiten Spalt abdichten, keine Ahnung wie. Vielleicht spreche ich auch einfach mit Piri, Ginger und Oreo und erkläre ihnen, dass sie da bitte einfach ein bisschen vorsichtig sein sollen und nicht zu viel Streu durch den Spalt wuscheln sollen. Die verstehen das sicher.

Ja, es gab natürlich auch Kollateralschäden. Beim Ausstieg aus dem Bau hat mein großer Zeh die Plexiglasscheibe touchiert. Hat geblutet wie Sau. Wir haben also gleich mal Jörns ErsteHilfeKünste getestet. Leider durchgefallen, lieber Jörn, bleib lieber beim Bohrer! Latschenkiefer gegen QuadratlatschenAua konnte ich ihm gerade noch ausreden. Wie ich mit dem kunstvollen Verband in einen Schuh reinkommen soll, weiß ich auch noch nicht, aber ich kann ja mal einen Plan zeichnen…

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Dass es ausgerechnet den einzigen meiner Zehen erwischen musste, der noch nie kaputt war, finde ich unfair. Ich war so stolz auf den letzten Unversehrten!

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Mein Held der Schraubenkönig!!! Jörn, ich nehme (fast) alles zurück, was ich jemals über Dich gesagt habe!!!

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Und so sah es aus, als ich wieder allein war. Das Chaos und die Blutflecken sind inzwischen beseitigt. Und am Samstag kommen die drei Wuselmonster aus dem Frankenland eingeflogen! Yippieeeeeee!

To be continued…

Die Invasion der Superschweinchen – oder – Inken im Baumarkt… … mit Fortsetzung…

Oktober 4th, 2012 Posted in Meerschweinchen

Dieser Blog, der ursprünglich dafür gedacht war, meine/unsere Erlebnisse in den USA zu dokumentieren, wird ja schon seit einiger Zeit zweckentfremdet. Es ist nun mal so, dass gerade ganz viel passiert im Leben der Autorin, was ganz und gar nicht mit den USA zu tun hat. Also hab ich den Titel und das Design angepaßt. Weltkarten spielen in meinem Leben im Augenblick keine so große Rolle. Und ein USA-Tagebuch ist es auch nicht mehr… Die Beiträge bleiben aber bestehen, also wühlt ruhig mal wieder in den Archiven.

Zurück in die Gegenwart.

Alles ist inzwischen ganz anders. Und nicht alles davon ist erfreulich, aber den Schmarrn, der sich so in meinem Leben zuträgt, erspar ich Euch. Aber das Leben hält immer auch schöne Dinge bereit, und an denen will ich Euch teilhaben lassen. 

Das Schönste, was im Moment so vor sich geht hängt mit drei kleinen Nagetieren zusammen, oder eigentlich mit drei, die dann zu zweit waren, Besuch von zwei anderen bekamen, dann wieder auszogen und mich dazu brachten, drei neue/alte zu adoptieren und Patentante für ein viertes zu werden.

Loriot sagte:”Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos.”

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Ich gehe davon aus, dass es ihm ein kleines, schiefes Grinsen entlocken wird auf seinem Sofa im Humoristenhimmel, wenn ich sein Zitat ausleihe…

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Ein Leben ohne Meerschweinchen ist möglich, aber sinnlos!!!

Ich weiß, ich weiß… Vor kurzem hab ich noch geschrieben, Haustiere hätten mindestens Kniehöhe zu haben und möglichst ein Hund zu sein. Pech gehabt, da nehm ich mir doch glatt einen Gesinnungswandel heraus. Das Zusammenleben über neun Monate mit Schweinchen in verschiedenen Konstellationen hat mich eines Besseren belehrt. Ich mag die kleinen Wusels einfach. Sie sind unkomplizierte, liebe kleine Fellknäúel, die lustige Geräusche machen, mich zum vermehrten Kauf und damit Konsum frischen Gemüses animieren und einfach Freude bereiten, wenn man sie richtig behandelt. Als sich meine Pensionsgäste, ohne sich auch nur einmal umzudrehen, zu ihren Original-Zweibeinern verabschiedet haben, war es schon sehr leer im Haus. Keine kleinen, pfeifenden Monster, die am Zäunchen hängen, wenn man morgens die Treppe runterkommt. Keine Bamby, die es sich unter meinem T-Shirt auf meinem Bauch gemütlich macht. Keine Aky, die Salatblätter stapelt und sich oben drauf setzt, damit sonst möglichst niemand drankommt. Kein Ramses zum Schmusen. Wer mampft denn nun all den schönen Löwenzahn und das feine Gras mit den zarten Rispen, das Bamby so geliebt hat? Muss ich wieder selbst den Rasen mähen?

Ich sage NEIN zum meerschweinlosen Haushalt!

Ich habe also entschieden, mir drei kleine Knuddelchen zuzulegen, die alle ein feines Zuhause suchen, wo sie in Ruhe und Frieden und nach Herzenslust wuseln, kötteln, knabbern, schlafen, gähnen, brommseln, muigen, bieseln, pfeifen, popcornen und quietschen dürfen.

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Gefunden hab ich die drei Monster bei www.kleintierhilfe-muenchen.de, einem Verein, der sich darauf spezialisiert, Kleinnager, die woanders mehr oder weniger dringend raus müssen, zu pflegen und im besten Fall weiterzuvermitteln. Wir waren uns recht schnell einig, dass wir die gleiche Philosophie haben, wenn es um die Anschaffung und Haltung von Meerschweinchen geht:

1. nicht vom Züchter: es gibt genügend Meerschweinchen, die schon existieren und wunderschön, lieb und allein sind. Mehr davon zu züchten incl. der perversen Auswüchse der Überzüchtung, halte ich für verbrecherisch.

2. nicht aus dem Zooladen, und schon zweimal nicht aus dem Baumarkt: die Haltung ist zum Heulen. Und selbst wenn man vermeintlich eines “rettet”, dann steht das nächste schon auf der neuen Orderliste des jeweiligen Marktes.

3. nie allein: Rudeltiere heißen Rudeltiere, weil sie in einem Rudel leben. Wie schwer ist das zu begreifen? Also gibt es bei mir den Klassiker: Ein Böckchen, natürlich eines, das nicht mehr viel “anstellen” kann, außer jeden mit der Erzählung von seiner Kastration zu langweilen. Und dazu mindestens zwei Weiber. Wenn die Meeris schon bei uns Menschen leben müssen, dann wenigstens in Gesellschaft von Artgenossen, mit denen sie sich unterhalten können.

4. Feines, gesundes Futter: an und für sich sind sie anspruchslos. Frisches Grün und gaaaaaaaaanz viiiiiiiiieeeeel Heu. Warum und was könnt Ihr bei www.kleintierhilfe.de und vielen Internet-Foren nachlesen.

5. Besonders wichtig! VOR der Anschaffung informieren. Man muss noch genug lernen, wenn man sie dann hat. Da sollte vorher zumindest geklärt und durchdacht sein, was die Mäuseschatzis brauchen und ob man sich darauf wirklich einlassen will.

6. Viel Platz: 1qm pro Schwein. Und damit kommen wir zu einem Nebenstrang der Schweinestory, die ich Euch einfach nicht vorenthalten kann. ZU KÖSTLICH!!!

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Aber erst mal die drei Wusels, die demnächst bei mir einziehen:

Das ist im Moment noch Chica. Da Steffis “Hund” aber schon Chica heißt (und es kann nur Eine geben!!!), braucht Chica einen neuen Namen. Erst dachte ich an Zora, weil sie ja so ein wenig rot ist. Aber jetzt geht mir Ginger nicht mehr aus dem Kopf. Erstens passt die Farbe besser, zweitens liebe ich Ingwer, und drittens klingt Ginger ähnlich wie Chica. Und dann hat meine Kleine vielleicht weniger Probleme damit, sich an den Namen zu gewöhnen. Wir werden sehen. Aber jetzt kuckt mal, wie entzückend das Mädchen ist!

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Chica-Ginger ist ca. 2 Jahre alt, hat kurzfristig bei der Kleintierhilfe in einer kleinen Gruppe gewohnt und wird jetzt in Nürnberg von lieben Menschen, die eine Pflegestelle für die Kleintierhilfe haben, an meine anderen beiden gewöhnt.

Die Tierchen müssen, wie man sagt, vergesellschaftet werden. Meerschweinchen leben in Rudeln und sind somit eine gewisse Fluktuation gewöhnt, aber besonders die Mädchen verteidigen ihr Revier. Und in kleinen Gruppen fällt ein Neuling natürlich mehr auf als in einem großen Rudel. Man muss sich deshalb mit dem Verhalten der Kleinen gut auskennen und soll natürlich so wenig wie möglich eingreifen, auch wenn es mal wild zugeht… Ich bin jedenfalls froh und dankbar, dass Gabi das für mich übernimmt, sie hat da viel Erfahrung. Chica-Ginger traf nämlich auf ein echtes Charakter-Schwein namens Speedyline, die in Zukunft Piri heißen wird. Und Piri ist schon a piece of work… Piri hat nämlich Paprika im Popo, jawoll! Deshalb “Sollst mir sagen Piri, scheener Deitscher Stuuudent.”

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Speedyline-Piri kann genauso beleidigt kucken wie ich, und ich hoffe, dass es bei ihr dann auch drauf rausläuft, dass das schnell wieder vergeht… UND sie hat das gleiche Hobby wie ich: sie sammelt Kinne, zwei hat sie schon! Und überhaupt ist sie wunderschön.

Sie ist 3 Jahre alt und wurde bereits als Rampensau beschrieben. Angeblich popcornt sie sogar manchmal. Was das ist? Wißt Ihr, was Popcorn in der heißen Pfanne macht? Ja? Na dann wißt Ihr auch, was popcornen bei Meeris ist. Das machen sie aus Übermut und Wohlbefinden. Ich freu mich schon darauf, das mal live zu sehen. Man muss ihnen übrigens dazu nicht von unten einheizen 😉

Piri hat Eierstockzysten. Das ist nichts, was sie oder mich besonders beeinträchtigen wird. Wir müssen nur alle acht Wochen zum Tierarzt und täglich Medizin schlucken. Die scheint aber lecker zu sein, wie man auf dem Bild sieht…

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Der Dritte im Bunde, unser Haremswächter und Oldie, ist Flocki. Nun geht “Flocki” ja noch nicht mal für nen Hund. Grusel! Meine liebe Steffi meinte, sein Gesicht sähe aus wie ein Oreo-Keks.

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Und da hat sie Recht. Also heißt Flocki in Zukunft eben wie der wunderbare Keks: Oreo

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Oreo ist schon 5 Jahre alt und ein wenig scheu. Aber er ist auch lieb. Und mein Herz schlägt spätestens seit Ramses, meiner großen Meerschweinchenliebe, sowieso für alte Knacker. Natürlich sind sie schwer vermittelbar, also musste ich mich zwischen ihm und einem ganz entzückenden anderen Böckchen entscheiden. Leicht war das nicht, aber ich denke, ich habe die richtige Entscheidung getroffen. Und ich freu mich sehr darauf, ihm zu zeigen, dass er jetzt endlich dort angekommen ist, wo er seine Rentenjahre verbringen kann.

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Und er ist doch wirklich ein Hübscher. Sind diese Öhrchen nicht zum Reinbeißen?

So, das sind also meine drei Löwenzahnvernichter und Öko-Rasenmäher. Sie werden am 13. Oktober bei mir einziehen.

Um ihnen ein schönes Leben zu bereiten, und nichts anderes kann der Plan sein, wenn man sich ein Tier zulegt, brauchen sie wie oben erwähnt Platz. Meine Schweinemaisonette fand keinen Anklang bei den Profis. Also wurde sie nach Auszug von Aki und Bamby wieder abgebaut und in die Garage entsorgt.

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Und dann ging die Grübelei los, wo und wie und wie groß und wohin und so weiter. Und das ist das Ergebnis:

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Ich hab ja zwischendurch mal überlegt, in eine Zweizimmerwohnung zu ziehen und den Schweinchen das Haus zu überlassen, aber wir wollen es mal nicht übertreiben. Schließlich kriegen die Süßen den Kühlschrank nicht ohne meine Hilfe auf. Und ihren Stall putzen sie auch nicht selbst. Meerschweinchen LASSEN putzen…

Also hab ich die Couch verschoben. Kann ich übrigens jedem empfehlen, man findet interessante Dinge unter und hinter der Couch, wenn man sie mal zwei Jahre am gleichen Platz stehen hatte. Nicht alle davon sind übrigens appetitlich. Und leider bleibt mein Perlenohrring weiterhin verschollen, wurde wohl doch verschluckt. Aber das führt zu weit…

Der Plan wurde unter Mithilfe von Conny und Peter konkretisiert. Die beiden kennen alle Tipps und Tricks, wenn es um den Eigenbau geht. Ich hab dann noch ein wenig im Internet gesucht und vieles gefunden, wie zum Beispiel…

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Dann hab ich Maßband, Geodreieck und Stifte gepackt, gemessen, gestöhnt, gekniet, geächzt, neu gemessen, noch mehr gestöhnt, gezeichnet, getippext, gestöhnt, geraucht, mehr geächzt, Kaffee getrunken, und raus kam…

DAS!

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Na? Könnt Ihr Euch das in etwa vorstellen?

Mit dieser Frage schlug ich dann im Baumarkt auf. Yippieyayayippieyippieyeah! Habt Ihr eine Idee, wie es weitergeht?

Ich fahre also in das gigantische Parkhaus eines großen Baumarktes, der damit wirbt, dass jedes Projekt eine willkommene Herausforderung ist. Mein kleines Auto stand ganz verloren zwischen all den mit Anhängern bestückten Profifahrzeugen und hat sich angemessen gefürchtet. Ein mindestens vier km langes Transportband brachte mich in den ersten Stock. Ab sofort ging ich nur noch mit dem Kopf im Nacken durch die Gänge, um das Schild “Holzzuschnitt” nicht zu übersehen. Ha! Gefunden!!!

Da stand er, der Profizuschneider, und sah aus, als ob er nur auf mich gewartet hätte!

Ich:”Ich habe ein Projekt. Ich möchte ein Meerschweinchengehege bauen, und zwar für drin.”

Er:”Mhm”

Ich:”Ich hab eine Skizze dabei und will mir von Ihnen die Teile zuschneiden lassen.”

Er:”Mhm”

Ich:”Mir ist vor allem wichtig, dass Sie mir sagen, ob das so überhaupt geht.”

Er schüttelt den Kopf.

Ich:”Warum schütteln Sie den Kopf?”

Er schüttelt den Kopf wieder.

Ich:”Können Sie das nicht?”

Er:”Mhm”

Ähm, was denn nun? Ich ignoriere das mal.

Ich:”Welches Material nehm ich denn am besten? MDF und Plexiglas? Oder Spanplatten und Acryl?”

Er schüttelt den Kopf und sagt “Mhm”. Kopfschütteln und Mhm passen aber in meiner Erlebniswelt nicht zusammen. Hinter mir bildet sich eine Schlange aus Männern, die offensichtlich alle genau wissen, was sie wollen. Also trete ich beiseite und lasse sie vor. Zwanzig Minuten später, Herr Zuschneider kehrt an die Theke zurück, sichtbar unglücklich, mich immer noch hier anzutreffen.

Ich:”Also, dann machen Sie mir jetzt mal ein Angebot.”

Er:”Wenn, dann schreib ich einen Auftrag.”

Ich schüttle den Kopf und sage “Mhm”. Er ist irritiert und fragt “jetzt doch nicht, oder was?”

Ich:”Sie schulden mir noch ein paar Antworten, bevor wir hier von einem Auftrag reden.”

Er:”Aso, ich dachte, das wäre klar.”

Ich:”Nö.”

Er:”Hab kein Plexi da.”

Ich:”Haben Sie Acryl da?”

Er:”Muss ich schauen.” Er bewegt sich nicht.

Ich:”Wann genau wollen Sie denn schauen? Vielleicht JETZT?”

Er:”Mhm” und schlurft ins Lager.

Hinter mir hat sich eine neue Schlange gebildet. Jemand interessiert sich für meine Skizze und fragt, ob ich mir ein Bett bauen will. Ich erkläre kurz, was das werden soll und ernte, na ratet mal!, ein von Kopfschütteln begleitetes “Mhm”. Ist den Leuten eigentlich klar, dass Kopfschütteln negiert und Mhm bestätigt? Späne im Schädel, oder was?

Herr Zuschneider kommt zurück und sagt:”Hab doch Plexi, aber kein Acryl.”

Ich:”Dann also Plexi. Kann ich das bohren und schrauben?”

Er:”Wie dick?”

Ich:”Wie dick gibt es denn?”

Er:”Muss ich schauen.”

Ich:”Fein!”

Er schlurft davon und schlurft zurück.

Er:”5 oder 8″

Ich mutmaße, dass er von Millimetern spricht und sage “5 müssten reichen”.

Er schüttelt den Kopf.

Ich:”Sind 8 vielleicht besser?”

Er schüttelt den Kopf und sagt:”Das können Sie nicht kleben.” Ich denke kurz darüber nach, ihm zu sagen, wem ich gerade gerne was kleben würde, entscheide mich aber dagegen und lasse die nächsten drei Kunden vor, die hinter mir bereits einen Lynchmob bilden (gegen MICH!!!!).

Zuschneider kommt zurück zur Theke, stellt fest, dass ich nach wie vor nicht aufgebe und scheint davon beeindruckt. Er sagt, und das ist der erste vollständige Satz aus seinem Mund,”Der Kollege, der Aufträge schreibt, macht gerade Pause.”

Ich:”Könnte aber hinhauen, dass er aus der Pause zurück ist bis wir zwei Hübschen hier fertig sind, ODER?”

Er:”Mhm”

Ich:”Darf ich einen Vorschlag machen?”

Er kuckt fragend. Ich verstehe das mal als Zustimmung und sage:”Wir berechnen jetzt mal miteinander, welche Teile ich aus welchem Material brauche, dann addieren wir das, rechnen das Plexi dazu und die Lieferung, und dann weiß ich schon mal, was da auf mich zukommt.”

Er:”Dazu muss ich aber einen Auftrag schreiben.”

Ich:”Geben Sie mir bitte einen Zettel, einen Kuli und einen Taschenrechner, bedienen Sie die anderen Kunden, und ich rechne so lange die Flächen aus.”

Er:”Mhm”

Er bedient, ich rechne, er ist fertig, ich bin fertig.

Ich:”Jetzt wissen wir, wieviel MDF ich brauche und wie viel Plexiglas. Können Sie mir jetzt ausrechnen, was das kostet?”

Er:”Plexi gibt es nur bis 2 Meter”

Ich:”Dann nehm ich die und brauch dann aber noch ein Brett mit 40×40 aus MDF extra.”

Er:”Das können Sie aber nicht kleben.”

Ich:”Das ist ja auch genau der Grund, warum ich gefragt habe, ob ich Plexiglas bohren kann.”

Er:”Mhm”

Ich:”Kann ich?”

Er:”Was?”

Ich:”Plexi bohren.”

Er:”Kleben können Sie es jedenfalls nicht.”

Ich:”Kann ich in Plexiglas Löcher bohren und die Scheibe dann mit den MDF-Platten verschrauben? Antworten Sie bitte nur mit Ja oder Nein.”

Er:”Mhm”

Hinter ihm erscheint ein Kollege. Er kaut noch, es scheint also der Pausierende zu sein. Er stellt sich an die Theke, betrachtet kauend meine Skizze, schüttelt den Kopf und sagt:”Mhm”

Ich:”Rechnen Sie mir bitte aus, was das alles zusammen kostet?”

Zuschneider 1:”Plexiglas ist teuer.”

Ich:”Würden Sie bitte meine Frage wiederholen?”

Er:”Sie wollen wissen, was das kostet.”

Ich:”Sehr gut. Und jetzt rechnen Sie mir das bitte aus.”

Er:”Billig wird das nicht.”

Ich:”Möchten Sie, dass ich wieder gehe?”

Er:”Wie kommen Sie denn darauf?”

Nun, es kam wie es eben kam. Man schrieb den Auftrag. Ich wurde mehrmals gefragt, ob ich sicher sei, dass Inken mein Vorname ist, ich ging zum Infoschalter, um die Lieferung zu organisieren und dachte, dass die Realsatire hier ihr Ende hätte.

Ich:”Hallo, ich würde mir gerne diesen Auftrag liefern lassen.”

Mann am Infoschalter:”Wohin?”

Ich:”Steht auf dem Auftrag.”

Er:”Mhm.” Er rührt sich nicht, also verrate ich ihm wo ich wohne, damit hier endlich was weitergeht.

Er:”70Euro”

Ich:”Sie verstehen mich falsch, ich will keinen LKW kaufen, ich will mir ein paar Bretter liefern lassen.”

Er:”70 Euro.”

Ich:”Für 5km.”

Er:”Mhm”

Ich:”Darüber zu diskutieren macht keinen Sinn, nehme ich an?”

Er schüttelt grinsend den Kopf.

Ich:”Ok, machen Sie das eben. Ich brauch noch Styroporplatten, wo find ich die?”

Er:”In Straße 5″

Ich:”Straße 5…?”

Er deutet mit dem Daumen hinter sich auf ein Außengelände, auf dem einige Gabelstapler scheinbar beschäftigt ihre Kreise ziehen. Ich bitte den Herrn, den Auftrag fertig zu machen während ich die Styroporplatten hole. Er sagt “Mhm”, und ich ziehe los. Ich finde was ich suche und kehre zurück.

Er:”Wollen Sie die auch haben?”

Ich:”Nein, die wollte ich nur ein wenig spazieren tragen. Ich dachte, die bräuchten Abwechslung.”

Er:”Hä?” Ok, Ironie funktioniert hier nicht.

Ich:”Ist die Lieferung organisiert?”

Er:”Konnte nicht, Sie waren ja nicht da.”

Ich:”Was brauchen Sie denn noch von mir?”

Er:”Datum.”

Ich:”Das Lieferdatum? Also am Telefon hat man mir gesagt, das ginge am gleichen Tag.”

Er schaut auf die Uhr, stellt fest, dass er keine trägt. Ich:”Es ist 14:25Uhr.” Er:”Wenn Sie vor einer Stunde da gewesen wären, würde es bis morgen klappen.” Vor einer Stunde stand ich mit Herrn Zuschneider Nase an Nase im Ring!!!

Ich:”`geklappt haben´ meinen Sie.”

Er:”Hä?” Ok, Grammatik also auch nicht…

Ich:”Egal, also übermorgen.”

Er:”Übermorgen ist Freitag.”

Ich:”So ist es.”

Er schüttelt den Kopf. Muss er freitags zum Gebet? Er schaut so bayrisch aus…

Ich:”Bis wann können Sie denn liefern?”

Er:”Wir rufen Sie an.”

Ich:”Nein, mein Lieber. Am Samstag in einer Woche bekomme ich die Tiere. Und vorher muss das Zeug fertig sein.”

Er:”Also nächsten Freitag.”

Ich:”Nö, diesen Freitag.”

Er:”doch nicht an einem Freitag.”

Ich:”Dann morgen, morgen ist Donnerstag.”

Er:”nein”

Ich:”Samstag?”

Er:”Kostet 30 extra.”

Ich:”Montag?”

Er schüttelt den Kopf.

Ich:”Reden Sie mit mir, Mann!!!”

Er:”Sind wir aber ungeduldig!”

Von hinten kommt ein weiterer kauender Mitarbeiter und fragt mit vollem Mund, was los sei.

Info-Herr zu Kauendem:”Da sollen wir morgen liefern.”

Kauender:”Wohin?”

Info-Herr:”da hin” und zeigt auf meine Adresse.

Kauender:”70Euro und nicht vor nächstem Freitag.”

Ich:”50Euro und morgen.” Blöd daherreden kann ich auch!

Kauender lacht und sagt:”wir handeln hier nicht.”

Ich:”Dann machen Sie mir einfach ein akzeptables Angebot.”

Er schluckt.

Ich:”Können Sie das?”

Er fühlt sich offenbar herausgefordert und sagt:”Am Preis kann ich nix machen, aber Mittwoch geht.”

Ich:”Na also. Dann Mittwoch.”

Mein Auftrag wird erneut gedruckt, ich schleppe mich, mein Styropor und meinen Auftrag zur Kasse und bin schlagartig, naja, ne Menge Geld los. Gizmo freut sich, dass er wiedergefunden wird, ich stopf das Styropor auf den Beifahrersitz und fahre heim. Und da ist weit und breit niemand, dem ich eine in die Fresse hauen kann!!!!

Aber die Freude über die Bewohner wird all den Ärger in den Schatten stellen. Ich freu mich so auf die drei!!!!

Ob ich nun nächsten Mittwoch meine Lieferung bekomme wird sich zeigen. WAS ich geliefert bekomme steht auch in den Sternen. Auf jeden Fall brauche ich noch Teichfolie, Schrauben, kleine Latten usw. Ich halte Euch auf dem laufenden…

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Samstag, oder Tag Drei nach Baumarkt, das Telefon läutet.

“Schuster!”

“Hallo Herr Schuster, Ihre Frau hat bei uns ein Brett bestellt.”

“Das kann nicht sein.”

“Doch, Frau Iiiiink… Iiinka Schuster.”

“Das bin ICH.”

“Wie jetzt?”

“Mein Name ist Inken Schuster, ich bin Frau Inken Schuster.”

“Sag ich doch. Haben Sie Schnupfen?”

“Nö, warum?”

“Sie klingen wie Ihr Mann.”

“Sie meinen verschnupft?”

“Nö, tief halt.”

“Das kommt vom Absinth und dem Opium.”

“Ach so. Ähm, Ihr Brett ist fertig, Herr Schuster.”

“FRAU Schuster. Und es ist nicht nur ein Brett.”

“Warum?”

“Warum was?”

“Was denn noch?”

“Mehrere Bretter und eine Plexiglasscheibe.”

“Sag ich doch.”

“Sagen Sie nicht.”

“Doch, aber das passt schon.”

“Das hoffe ich.”

“Holen Sie es dann heute ab?”

“Nein, Sie liefern am Mittwoch.”

“Holen Sie es halt, dann haben Sie es.”

“Ihre Logik ist zwingend, aber Sie kennen mein Auto nicht.”

“Kaputt?”

“Nein, klein.”

“Wird schon passen.”

“MX5?”

“Liefern kostet.”

“Hab ich schon bezahlt.”

“Ist Ihnen Dienstag recht?”

“Oh, einen Tag früher, cool! Klar ist mir das recht. Wann denn?”

“Na Dienstag.”

“Wann am Dienstag?”

“Na, gleich früh.”

“Nennen Sie mir eine konkrete Uhrzeit, Soldat.”

“Hä? Äh, Sie sind die Erste auf der Tour, so zwischen zehn und halb elf?”

“Das lob ich mir, wunderbar.”

“Passt das?”

“Ja, passt hervorragend.”

“Gut, dann auf Wiederschauen Herr Schuster.”

“Auf Wiedersehen, Fräulein.”

“Hä?”

Ich hab dann aufgelegt.

Am Dienstag erzähl ich dann, wie der Lieferer so war…

Ciao meine Süßen!

September 21st, 2012 Posted in Meerschweinchen

Heute holt Jeannette nach mehreren Monaten ihre zwei Meerschweinchen Aki und Bamby wieder ab. Sie ziehen jetzt weiter gen Süden in ein nigelnagelneues Haus. Heute hatten sie noch einmal einen Gartennachmittag. Jetzt knabbern sie ihr Abendessen. Und morgen Früh werde ich hier runter kommen, um die Schweinchen zu füttern. Und niemand wird da sein… Wird wirklich Zeit für Eigene!

Hier sind meine Lieblingsbilder von meinen kleinen Untermietern.

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Ramses auf der Regenbogenwiese

Juni 14th, 2012 Posted in Meerschweinchen

Ramses hat sich nach zwei Tagen, in denen zwei Tierärzte und zwei sehr besorgte und bemühte Schweine-Mamas/Ersatzmamas alles versuchten, um ihn wieder zum Fressen zu bewegen, verabschiedet. Wo sein kleines Seelchen ist, wage ich nicht zu beurteilen. Ich weiß, dass er ein schönes Leben hatte. Und sein Grab liegt unter dem Zwetschgenbaum.

Jeannette und ich sind sehr traurig, den kleinen Charmeur verloren zu haben, der bis zum letzten Moment entzückend und schmusig war.

Noch so ein Kerl, den wir nie vergessen werden…

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das sanfte Blumenkind

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der Löwenzahnbezwinger

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der zufriedene Rasenmäher

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der Struwwelramses

und so viel mehr.

Die Drei Musketiere

März 24th, 2012 Posted in Meerschweinchen

Während Jeannette, Thomas und die kleine Elea auf den Einzug ins neue Heim warten, sind die drei Meerschweinchen Aki, Bamby und Ramses meine Pensionsgäste.

Prinzipiell würde ich ja als Haustier nur einen mindestens kniehohen Hund akzeptieren (lieber drei bis fünf und noch eine Herde Esel, aber das wird auf ein anderes Leben vertagt…). Da ich aber für die kleine Chica Paul letzten Sommer schon eine Ausnahme gemacht habe, konnte ich nicht Nein sagen. Und, ehrlich gesagt, die drei Schweinchen sind echtes Seelenfutter.

Hier sind sie:

Alter vor Schönheit… Ramses ist der einzige Kerl in der Runde, obwohl die Erinnerung an agile Zeiten sowohl medizinisch als auch geriatrisch nicht mehr frisch zu sein scheint. Eigentlich ist er ja ein wunderschöner Rotschopf mit seidigen Haaren und sooooo Äuglein und sooooo Öhrchen. Er lässt sich stundenlang streicheln und kraulen, besonders gerne an den Ohren. Wenn man seine arthritischen Gelenke vorsichtig massiert, beginnt er vor Behagen zu quietschen. Allerdings hat das auch gerne mal zur Folge, dass seine Blase sich entleert, saugfähige Unterlagen sollte man also bereit halten. Wenn man zu kraulen aufhört, fängt er an, mit den Zähnen zu klappern oder einen ganz vorsichtig zu zwicken.

Mangels anderer Kraulopfer kommt Ramses täglich zu einer Stunde Wellness.

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Bamby ist auf ihre ganz eigene Weise mein Liebling. Sie ist einerseits der Underdog in der Familie, aber andererseits eine ausgeprägte Zicke. Ich finde sie süß, weil sie aussieht wie eine Ratte im Cappuccino-Design. Ihre Segelöhrchen machen sie zwar nicht zum Zuchtmaterial, aber sie sind unwiderstehlich. Und ihre Nasenlöcher haben frappierende Ähnlichkeit mit einer Steckdose. Sie lässt sich nur unter viel Gezappel und panischem Gequietsche aus dem Stall heben. Aber manchmal muss es eben sein, da die Kleinen sich auch nach intensiven Verhandlungen nicht bereit erklären, ihren Mist selbst zu entsorgen. Diese raren Gelegenheiten nutze ich dann, um Bamby auch mal ein wenig zu verwöhnen. Sie beruhigt sich dann auch und genießt die Streicheleinheiten, aber viel lieber ist sie bei ihren beiden Mitstreitern, denn Aki in den Popo zu zwicken ist ihr Lieblingssport.

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Aki ist ein kleiner Star, oder eher eine kleine Primadonna. Sie weiß sehr gut, wie wunderhübsch sie ist. Mal ist sie Punk, mal ist sie Wuschelkugel, was sie aber immer ist, ist verfressen. Keines der Schweinchen hortet Futter wie sie. Sie holt sich ein Blatt Salat, fängt an, daran rumzuknabbern, holt sich das nächste Blatt, usw. Dann setzt sie sich auf den Stapel und kuckt triumphierend, weil sie den größten Haufen ergattert hat. Wenn sie mal nicht grade frisst, liegt sie verdauend und dösend in der Hängematte. Und sonst erwehrt sie sich Bambys Beißattacken.

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Bei schönem Wetter dürfen die drei Süßen auch mal in den Garten während ich den Stall sauber mache. Frisches Gras fasziniert sie sehr. Immer vorhanden dabei: Versteckmöglichkeiten. Witzig, wie sie immer wieder nach oben kucken, um zu prüfen, ob ihnen wohl demnächst der Himmel auf den Kopf fällt…

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Da die drei Mäuse so süß und hübsch sind, wurden sie auch schon mehrfach in Acryl verewigt. Der Künstler bleibt unerwähnt, aber ungezeigt soll sein Werk nicht bleiben.

Ramses2 Ramses1

Aki AkiAufDecke

BambyMitGurke BambySchautDoof BambySteckdose

Und sollte jemand in der Nähe wohnen und in seinem Garten Übermengen an Löwenzahnblättern sein Eigen nennen, hätte ich hier drei mehr als dankbare Abnehmer…

Alles Für Die Katz!–Vernissage mit Aquarellen von Wolf K. im Vivarium in Höslwang am 13. Januar 2012

Januar 3rd, 2012 Posted in Allgemein

Bilder der Ausstellung – Tiere und Architektur

Einladung

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Armani Hotel in Dubai

Format ca. 80×100 Aquarell

Preis auf Anfrage

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Details

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Schwan

Format ca 100×80 Aquarell

Preis auf Anfrage

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Detail

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Katze

Format ca 100×80 Aquarell

Preis auf Anfrage

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Details

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Frosch

Format ca 80×100 Aquarell

Preis auf Anfrage

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Details

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Fisch

Format ca 100×80 Aquarell

Preis auf Anfrage

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Details

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Hasen

Format ca 80×100 Aquarell

Preis auf Anfrage

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Details

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Eule

Format ca. 80×100 Aquarell

Preis auf Anfrage

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Details

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Hahn

Format ca. 80×100 Aquarell

Preis auf Anfrage

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Detail

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Papagei

Format ca. 80×100 Aquarell

Preis auf Anfrage

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Details

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Shady der Katz – unverkäuflich

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Weitere Bilder, die wahrscheinlich nicht in der Ausstellung zu sehen sein werden:

Essen

Alle Format ca 80×80 Aquarelle

Preise auf Anfrage

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Luxusschlitten

Porsche

Format ca 100×80 Aquarell

Preis auf Anfrage

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Mercedes Flügeltürer

Format ca 80×100 Aquarell

Preis auf Anfrage

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Die Bezwingung des Mount Leaf (gewidmet den Schwestern Kurp, Ihr wisst schon warum…)

November 13th, 2011 Posted in Unser Amerika

 

Beinahe jeder weiß, was der “Indian Summer” ist. Es ist die Zeit im Jahr, in der sich die Blätter in Neuengland (Sorry, und in Canada, Alaska und im Mittelwesten natürlich!) färben. Wer wissen will, warum sie das tun, und was da biologisch alles vor sich geht, wird auf www.wdrmaus.de und www.wikipedia.org belehrt.

Heute schwelgen wir mal gemeinsam ganz unwissenschaftlich in der unbestreitbaren Schönheit des Anblicks, wenn sich Millionen von Bäumen nach und nach in die strahlendsten Rot-, Gelb- und sogar Lilatöne kleiden. Menschen packen am Wochenende ihre Familien in ihre SUVs und fahren zum “leaf peeping”, also zum Betrachten der wundersamen Verwandlung. Hinzu kommt, dass das Wetter im Oktober hier sehr stabil ist, also nach dem ersten Frost eine Periode warmer und klarer Tage herrscht.

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Aber wie es nun mal ist im Leben, hat auch der Indian Summer seine Schattenseiten. Irgendwann ist die Pracht vorbei und die Blätter, die sich eben noch tapfer in einer letzten Kraftanstrengung an ihre Zweiglein geklammert haben, um dem gnädigen Auge des Betrachters Freude zu bereiten, geben sich der Übermacht der Schwerkraft hin, um ihre letzte Aufgabe zu erfüllen: Beschäftigungstherapie für Gartenbesitzer.

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Jedes Oktoberwochenende beinhaltet zumindest ein paar Stunden, während derer man sich mit mehr oder weniger motorisiertem Werkzeug der Entfernung der Blätter widmet. Hier ein paar Eindrücke aus der Nachbarschaft:

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Bis letztes Jahr wurde es uns West Hartfordern noch relativ leicht gemacht. Wir konnten die Blätter einfach an die curb, also den Grünstreifen am Straßenrand, pusten, rechen oder schleppen, um sie dann der erbarmungslosen Saugkraft des städtischen Leaf-Vacuum zu überlassen. Nun ist unser ach so reicher suburb aber wohl so pleite, dass dieser Service nicht mehr bezahlbar ist. Ein bis zweimal Laubsauger hatten bisher den größten Teil des Problems beseitigt. Dieses Jahr wurde aber schon Ende August per Transparent am Ortseingang und in den einschlägigen Zeitungen das Motto des Jahres ausgegeben: BAG IT!

Das bedeutet nichts anderes, als dass man von seinem bereits unter anderem an West Hartford versteuerten Einkommen einen Stapel Leafbags kauft, standardisierte braune Papiertüten mit 30 Gallonen Fassungsvermögen (1 Gallone = 3,78 Liter). Diese sind dann zu befüllen, wobei strenge Vorgaben herrschen, was NICHT in die Säcke darf und auf welche Länge Zweige zu zerkleinern sind. Die vollen Säcke stellt man dann wiederum an oben erwähnte curb. Und am Mülltag kommt dann ein extra Wagen, der die Säcke einsammelt.

Im Prinzip ist das alles kein großes Problem. Gartenarbeit ist ja eine gesunde Angelegenheit. Man kommt an die frische Luft, hat ein wenig Bewegung (zumindest wenn man wie wir ganz altmodisch mit dem Rechen arbeitet…) und kriegt netten Kontakt zu den Nachbarn. Dieses Jahr hatten wir allerdings so viel Laub, dass wir entschieden haben, wirklich systematisch vorzugehen.

Eine große Plane wurde ausgebreitet und das Laub schweißtreibend darauf gerecht. Danach haben wir die Plane an den Wiesenrand geschleppt, um das Laub dort aufzuhäufen.

Und so entstand nach und nach der Mount Leaf:

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Der Garten hinter dem Haus war damit erst mal erledigt.

Blätter haben aber leider eine Reihe von unsympathischen, da unberechenbaren, Angewohnheiten:

– sie fallen von ALLEN Bäumen

– sie fallen ÜBERALLHIN

– sie fallen über Grundstücksgrenzen (die Eichen im Nachbargarten haben dieses Jahr besonders ertragreiche Ernten eingebracht)

– sie wehen gerne über die Straße, um in unserem Vorgarten zu landen

Also, um Kräfte zu sammeln, erst mal ein Päuschen auf dem Schwiegermutterbankerl.

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Und weiter geht´s mit der Schusterschen Planen-Patentlösung…

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Erschöpft von so viel Aktivität entschieden wir, einen dieser privaten Kleinunternehmer anzurufen, sogenannte landscaper, die für enorme Summen (zwischen 75 und 150 Dollar pro Einsatz) mit saugenden, lärmenden Eigenkonstruktionen die Früchte der Arbeit einsammeln. Das sähe dann so aus (man beachte den Konjunktiv und entschuldige die Unschärfe):

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Kleiner Zeitsprung von Sonntag auf Mittwoch…

Diane hatte wie fast jeden Mittwoch nachgefragt, ob wir mittags zum Sushiessen gehen wollen. Nun hatte sich aber genau für diesen Tag einer der landscaper nach Telekommanier “wir kommen zwischen neun und sechzehn Uhr” bei mir angemeldet. Da noch Kartoffelsuppenreste da waren, lud ich Diane dazu ein. Und wie es nun mal so ist, wenn man eigentlich den ganzen Tag nichts zu tun hat (auch das widme ich Diane, auch hier weiß sie warum…), ging die Kartoffelsuppe in Kaffee über, dazu Toffifee und Schokobananen und viel, viel, viel Gesprächsstoff. Oooops, schon vier? Und weit und breit keine Spur vom landscaper? Was nun?

Diane, wie immer unbremsbar in ihrer Energie, entschied einfach für mich. Wir fuhren los und kauften Leafbags. Erst mal nur 25, was sich als grobe Unterschätzung des nach einigen Tagen in sich zusammengesunkenen Mount Leaf herausstellte…

Mit viel Bücken und bewaffnet mit Arbeitshandschuhen (man weiß ja nie, ob sich nicht eine Schlange im Haufen häuslich eingerichtet hat) machten wir uns ans Werk und gaben nach Kurzem an Gustl den Auftrag weiter, auf dem Heimweg noch weitere Säcke mitzubringen.

Das Ergebnis waren 51 prall gefüllte Säcke, die wir zuklebten, damit nicht, wie im letzten Jahr, Hundebesitzer die Hinterlassenschaft ihres besten Freundes darin versenken konnten (dog poop nennt man das hier).

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Nachdem wir Frauen die schwere Arbeit übernommen hatten, spielten wir, inzwischen wieder hungrig, weiter Rollentausch. Dianes Mann Günter bekam den Auftrag, lecker Puttanescasauce zu köcheln und damit bei uns anzutanzen.

Der Tag fand damit einen gemütlichen Ausklang mit der Erkenntnis, dass ich darauf bestehe, eine Wohnung im vierten Stock (mit Lift) und großer Terrasse zu beziehen, wenn wir wieder in München sind. Keine Nachbarn mit Eichen und Pinien (die Nadeln sind e-kel-haft!!!), keine Ahornbäume auf dem eigenen Grund. Nur hübsche Terracottatöpfe mit Oleander und Hortensien, damit man die warmen Oktoberwochenenden in Bayern genießen kann, ohne zu schuften!

Sollte also jemand einen heißen Tipp zum Thema Traumwohnung für uns haben… Wir kommen im Oktober 2010 zurück und bevorzugen den Westen von Sendling bis rüber nach Pasing oder Obermenzing…

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